Dienstag, 17. Juni 2014

theorie und praxis

im frühsommer, wenn alle kurse vorbei sind, da sticht die filzerin der hafer. so viel zeit noch bis zu den ersten märkten, kursen, ausstellungen im herbst, da kann man endlich mal an etwas arbeiten, von dem man noch nicht weiss, wo das hingehen soll. 
der ausgangspunkt für mein objekt ist ein lampensockel, den ich auf der rostmulde gefunden habe, einer aus holz, gedrechselt, etwa 40 zentimeter hoch. dafür habe ich mir letzte woche einen kleinen lampenschirm gekauft, diesen entkleidet und nun will ich mir einen lampenschirm filzen. 


aber: wie muss die schablone für einen lampenschirm aussehen?  die masse sind schnell erhoben, ein erster entwurf auch gleich verworfen, weils nachher rund sein soll, muss auch die schablone rund sein, denn dann hat sie auch an allen stellen dieselbe höhe. so eine art kegelstumpfmantel muss da also gefilzt werden.


wie aber nun das ganze korrekt konstruieren? ich habe zwei kreisbogenabschnitte (oder wie das auch immer heisst) und deren länge, ausserdem den abstand der beiden. was ich suche ist der winkel alpha und der radius von kreis a und kreis b. wobei sich r von b aus r von a ergibt, weil der 15 cm grösser sein muss. also suche ich radius a und winkel alpha. da ich zwei gleichungen bilden kann, sollten sich auch zwei unbekannte ermitteln lassen... (nun löse ich nicht täglich solche gleichungen auf und sitze darum etwas ratlos mit meiner kaffeetasse am schreibtisch).
da kommt der geomatikerlehrling ins spiel. und macht vorschläge. er nimmt punkte auf (aha, das war wohl das was ich mit dem abmessen gemacht habe), plant eine konstruktion im cad (gibt aber zu, dass man das auch auf papier machen kann).
und hat dann die rettende idee einer abwicklung: er rollt, ich zeichne, überraschend genau wird die schablone. und ich lerne, dass es auch in der vermessung heisst, nicht so genau wie möglich, sondern so genau wie nötig zu arbeiten.


mit der schablone bin ich fürs erste zufrieden. jedenfalls so lange bis mir einfällt, dass ich ja jetzt nur das endmass habe - aber da ich jetzt nur im massstab vergrössern muss und winkel alpha bekannt ist (muss man nicht messen, nur einfach die linien verlängern) ist auch das schnell gemacht...
und dann kann ich damit beginnen zu filzen. und der sohn wird am mittwoch den planimetrielehrer auf mein problem ansprechen. und dabei vielleicht die zentimeter durch meter ersetzen. weil ich hätte schon gerne gewusst, wie man das problem richtig löst!
(ach ja und sollte unter meinen lesern jemand sein, der gerne die gleichungen auflösen möchte, dann bitte nicht gleich die lösung verraten, ich will es auch  noch probieren!)

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