Montag, 31. August 2015

man muss mit allem rechnen, auch mit dem schönen.

sagte eine der filzkolleginnen aus dem workshop, an dem ich im rahmen des filzfestivals berlin übers wochenende teilgenommen hatte, bei der präsentation der ergebnisse aus dem workshop. und weil es eigentlich auch zu diesem ganzen verlängerten wochenende in berlin passt, habe ich mir diesen spruch mal ausgeliehen, als überschrift - und als fazit.

aber fangen wir von vorne an:
am mittwochabend stieg ich in den nachtzug, um schlummernderweise nach berlin (oder zumindest bis hannover) zu reisen. um 9 uhr am donnerstagmorgen kam ich im hauptbahnhof in berlin an.


mein gepäck stellte ich im hostel unter und machte mich dann auf den weg durch die stadt mit diesem ziel:


in den prinzessinnengärten am moritzplatz wird gemeinschaftlich gemüse angebaut, aber auch ganz vieles andere gemacht, schaut doch mal hier. leider hat es nicht geklappt, dass ich mich ein wenig über den ansatz des projekts/der projekte informieren konnte, aber es gab auch so genug zu sehen.


nebenbei fiel mir auf, dass ganz berlin in diesen tagen unter einer wespenplage leidet - meine rhabarberschorle habe ich später den etwa 20 wespen überlassen, die sie zuerst entdeckt hatten. trinken war aber schon mit vieren nicht mehr möglich.

danach bewegte ich mich einfach mit bus, u-bahn, s-bahn und zu fuss kreuz und quer durch berlin. ab und zu setzte ich mich in ein strassencafè, sah mir viele spannende läden an, legte mir ein bisschen zusätzliches material fürs buchbinden und nähen zu und war pünktlich zum sozusagen offiziellen beginn der wochenendworkshops und der präsentation aus den intensivkursen in den tagen zuvor, wieder im prenzlauer berg. in den räumen der vhs gab es viel zu entdecken, unter anderem auch mein filzobjekt mit ecken und kanten, das ich noch nicht mal fotografiert hatte, bevor ich es sehr eilig auf den weg nach berlin brachte.



am abend gab es einen vortrag mit den drei filzpionierinnen katharina thomas, claudia gemein und marianne davidson, die sehr persönlich von ihrem weg zum filz berichteten und dias zeigten.

am freitagmorgen starteten die kurse wiederum in den räumen der vhs, wo uns karen betty tobias in empfang nahm und in die welt der buchherstellung einführte. und da ich damit alle hände voll zu tun hatte, gibt es davon keine bilder.


nur ein bild von der präsentation, mit meinem buch im vordergrund und etlichen anderen im hintergrund. dazu aber vielleicht an anderer stelle mehr, denn das wird sicher nicht mein letztes buch gewesen sein, das ich von grund auf, also vom falten und lochen der blätter, dem zusammennähen zum buchblock und dem versehen mit dem filzumschlag (und einiger zwischenschritte, die ich ja auch noch später beschreiben kann) selbst gemacht habe.

am samstagmittag jedenfalls waren nicht nur die bücher fertig, sondern wir hatten von karen auch noch zwei schöne schreibanlässe bekommen (elfchen, die ich nicht kannte, und märchen mit gezogenen begriffen, was ich so ähnlich schon mal gemacht hatte) und insgesamt zwei schöne kurstage in heiter-arbeitssamer stimmung verbracht.


so sah es bei der präsentation unserer bücher im treppenhaus der vhs übrigens aus meiner sicht aus, ihr müsst euch nur noch links und rechts mehr publikum vorstellen.

auf dem rückweg zur unterkunft kam ich mit all meinen filzsachen dann am fahrradverleih eines aktivspielplatzes vorbei und lieh mir ganz spontan für 24 stunden ein rad, fahrrad, velo, fiets. wahrscheinlich war ich ja nur zu faul, mein zeug wieder auf den pfefferberg zu tragen, aber nun stand das ding schon mal rum und ich habe dann gleich noch vor der modenschau am abend eine runde gedreht. zuerst durch den mauerpark, durch pankow, durch wedding, dann entlag des kleinen flüsschen panke, dem hafenkanal und der spree, quer durch regierungsviertel und touristenmeile, wo es mir dann gelang, am hackeschen markt wenigstens ein foto zu machen.


wasserläufe und fernsehturm, in kombination mit den s-bahngeleisen sind die perfekten navigationshilfen beim fahrradfahren in berlin und dank eines freundlichen fahrradfahrers fand ich auch wieder zurück, ohne ständig auf das mobiltelefon zu schauen.

die filzmodenschau, die nach dem abendessen in einer brütend heissen halle neben dem hostel stattfand, hat mich dann trotz allgemeiner abneigung gegen filzkleidung positiv überrascht. für alle war etwas dabei, also für die, die für ein nahtlos gefilztes kleid auch einen schlechten sitz in kauf nehmen, wie für die, die filz lieber genäht sehen, weil er dann wenigstens passt, für die die filzkleidung in klassisch-schlicht mögen und die, die es lieber verspielt blumig haben. mich überzeugten vor allem die jacken der in finnland lebenden japanerin rutsuko sakata, die die eigenheiten des materials respektiert und in die gestaltung der stücke einbezieht und die sachen von dagmar binder, die einen ganz eigenen, unverwechselbaren stil für ihre filzbekleidung entwickelt hat.

den sonntag nutzte ich dann wieder für eine ausgedehnte runde mit dem rad durch berlin und zum besuch der kimono-ausstellung im bröhan-museum, die ich vor allem mit ganz besonderen farben begeisterte und dann gleich noch einer führung im bauhaus-archiv.


zurück radelte ich dann noch unter dem brandenburger tor durch, das musste einfach sein, schaffte es rechtzeitig das fahrrad wieder am aktivspielplatz abzugeben und füllte meine energiereserven mit kaffee und kuchen wieder auf.


gegen abend holte ich mein gepäck dann wieder am hostel ab und nahm wieder den nachtzug um nach hause zu fahren, wo ich heute morgen nicht ganz pünktlich kurz nach acht ausgestiegen bin, abgeholt wurde und wenigstens noch mit dem mann frühstücken konnte!
ein schönes verlängertes wochenende in berlin, das mir viel länger vorkam als es wirklich gewesen ist.



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