Mittwoch, 2. März 2016

felt matters...


schon am montag war die neue ausgabe der felt matters, der zeitschrift des internationalen filzerverbands (ifa) im briefkasten. für mich nicht überraschend, habe ich ja text und bilder geliefert, ist ein artikel über mich drin.


 ich freue mich, dass an so prominenter stelle, die werke meiner schülerinnen im heft zu sehen sind - auch weil ich wirklich gerne unterrichte und ich über die ergebnisse immer sehr begeistert bin. und natürlich freue ich mich auch, dass ich die gelegenheit bekommen habe, meine arbeiten im heft vorzustellen. dafür geht ein dank an meine lehrerin johanna rösti.


die rhetorische frage, die da herausgehoben wurde, trifft es natürlich auch hervorragend!

wer den text gerne lesen möchte, findet ihn hier in englisch. (ein grosses dankeschön noch einmal an meine übersetzerin!)
und hier direkt im blog im deutschen original (aber halt ohne bilder):

Stefanie Hofmann
Filzerin (1)

Filz ist ein organisches Material – muss es deshalb auch immer in organischen Formen daherkommen?
In dieser Spannung zwischen dem weichen, organischen Material und strengen geometrischen Gestaltungsprinzipien entstehen die geflochtenen, gefilzten Wohnaccessoires von Stefanie Hofmann unter dem Label „filzquadrat“.

Zum Filz gekommen bin ich vor mehr als 15 Jahren durch meine Neugier. Natürlich war vorher schon eine Freude am textilen Arbeiten da, Stricken, Häkeln, Spinnen, Weben, alles ausprobiert. Aber da gab es noch etwas Neues zu entdecken. Eine neue Technik, die sich von den klassischen textilen Techniken abhebt, weil sie mit dem rohen, dem ungeordneten Material arbeitet.

Erste Filzerfahrung sammelte ich zusammen mit meinen Kindern. Direkt mit der relativ groben Wolle, mit viel Seife und Wasser und reichlich Versuch und Irrtum. Das Material gefiel mir, die Technik sowieso. Beeindruckt hat mich von vornherein, dass da etwas Dreidimensionales entstehen konnte. Ganz ohne Nähte, und mit genügend Geduld und dem richtigen Verhältnis von Wollmenge zu Ausdehnung des Filzobjekts auch mit der Stabilität um in den Raum zu wachsen.

Mehr über die Möglichkeiten der Verarbeitung von Wolle zu Filz lernte ich während der dreijährigen Ausbildung im Bildungsgang Filz am Kurszentrum Ballenberg in der Schweiz. Bereits hier experimentierte ich mit farbigen Flächen und Kontrasten zwischen satten Farben und Grautönen. Ein wichtiges Thema war für mich auch die funktional angemessene Verwendung der vielen unterschiedlichen Materialien. (2)
Die technische Ausbildung war eine wichtige Grundlage, dazu kamen während der sechs Module und sechs eigenständig zu erstellenden Arbeiten aber auch die Anregung und Notwendigkeit, sich mit der Gestaltung vertieft auseinanderzusetzen.

Angezogen von der einfachen geometrischen Formensprache fand und finde ich bis heute meine Inspirationen in der konstruktiven und konkreten Kunst und im Bauhaus. Zum Beispiel flossen auch Elemente aus der Farben- und Formenlehre von Johannes Itten in meine Arbeit ein. Im Rahmen meiner Abschlussarbeit, für die ich mir von Josef Albers den Titel „Hommage an das Quadrat“ auslieh, stiess ich auf die Webarbeiten seiner Frau Anni Albers, von Benita Otte und Gunta Stölzl, die als Inspiration für die flächige Gestaltung einiger Würfel dienten. Im Haus Konstruktiv in Zürich lernte ich das Werk weiterer, eher weniger bekannter Konstruktivisten kennen, vor allem Camille Graeser und Vera Molnar beeindruckten mich durch ihre Arbeitsmethoden, mit Hilfe derer sie immer wieder neue Muster aus einem einzigen Grundprinzip heraus schaffen.

Die Umsetzung der Anregungen aus diesem Umfeld in Filz stellt sich jedoch nicht ganz einfach dar. Die Gestaltung von Filz mit Farbflächen, Linien und geometrischen Grundformen stösst häufig an Grenzen aufgrund der ureigenen Materialeigenschaften, die eher zum Runden, Organischen tendieren. Trennscharfe Farbflächen sind je nach Material nur schwer zu erlangen. Ecken und Kanten im Filz werden oft eher rund als eckig. Vor allem gröbere und langfaserige Wollen tendieren zum Verschmelzen und Vermischen der Farben an den Kanten, sowie zum Runden der Ecken. Trotzdem braucht es sie der Stabilität halber gerade für grössere Objekte.

Für die Herstellung von Würfeln und für scharf abgetrennte geometrische Flächen musste ich darum einen neuen Weg finden. Inspiriert von Papierflechtarbeiten versuchte ich Ähnliches in Filz. Die Arbeitsweise musste ich allerdings daran anpassen, dass der Filz ja zunächst anders als Papier oder andere Flechtmaterialien nicht steif ist. Dadurch entwickelte ich eine spezielle Technik, die es erlaubt, dem Filz sowohl in Form als auch in der Fläche Ecken und Kanten zu geben.

So entstehen meine meist würfel- oder quaderförmigen Filzobjekte aus vorgefilzten, miteinander verflochtenen Streifen zunächst über einer Schablone in der Fläche und erhalten ihre Stabilität erst durch das abschliessende kräftige Walken. Zum Trocknen werden sie zudem auf Holzmodel gezogen. Ecken und Kanten sind mit dieser Methode gut ausformbar, weil an den Kanten und Anstossstellen der einzelnen Filzstreifen relativ weniger Material als in der umgebenden Fläche vorhanden ist. Auch in der Fläche ermöglicht das Schneiden und Verflechten der einzelnen Streifen klar voreinander abgegrenzte Farbflächen mit geraden Seiten und rechten Winkeln. (3,4,5,6)
Für diese Technik muss jedoch jedes Objekt sorgfältig geplant werden. Die Materialstärke und die Breite der Flechtstreifen müssen gut austariert werden, um ein geschlossenes Geflecht zu ermöglichen. Benötigte Anzahl und Länge der Vorfilzstreifen müssen berechnet und dokumentiert werden. Dabei muss beachtet werden, dass die Vorfilzfläche doppelt so gross ist, wie die Oberfläche des Objekts vor der Schrumpfung.

Die Technik des Verflechtens von einzelnen vorgefertigten Filzstreifen bietet viele Möglichkeiten gerade im Bereich der Innendekoration – Körbe, Kissen, Flächen zum Sitzen oder Liegen, aber auch Teppiche für Wand oder Boden entstehen vor allem auf Bestellung in meiner Werkstatt. (11, 12) Meine spezielle Technik des Flechtens und Filzens mit allen notwendigen Schritten vermittle ich aber auch in Kursen für fortgeschrittene FilzerInnen. (7)


Für meine Arbeiten verwende ich fast ausschliesslich Wolle. Kleinere Objekte entstehen aus feiner Merinowolle, auch aus Mischungen mit Seide oder anderen Edelfasern. (8) Leuchtobjekte und Accessoires, vor allem Schals, gelingen durch die Kombination mit Stoffstreifen. Für grössere Objekte wie Einkaufstaschen, Körbe, Sitzfilze und Teppiche kommen gröbere Neuseelandwollen oder Wolle von in der Schweiz oder in Süddeutschland heimischen Rassen zum Einsatz. Gerne arbeite ich mit dem Kontrast zwischen ungefärbter und bunter Wolle. Da ich den grössten Teil meiner Vorfilze selbst herstelle, kann ich auch mit zweilagigen Vorfilzen arbeiten: eine Schicht naturfarbene, relativ grobe Wolle und eine zweite Schicht bunte, feinere Wolle ergänzen sich durch das Verflechten zu spannenden Kombinationen. (3, 4, 5) Hier wird dann die gegenseitige Durchdringung und Vermischung zum gewünschten Effekt. Ganz speziell reagieren hier die Schnittkanten der Streifen, die sich auf der Gegenseite fein abheben und ein zusätzliches Muster ergeben.

Schon daran wird sichtbar, dass die Verwendung von einzelnen miteinander verflochtenen Vorfilzstreifen nicht einfach nur die oben genannten technischen Probleme löst, sondern in der Gestaltung der Flächen eine grosse Palette von Möglichkeiten eröffnet. Bereits durch das Auf und Ab der Streifen, die einfache Leinwandbindung also, ergibt sich bei Verwendung verschiedener Farben in den beiden Flechtrichtungen eine schier unerschöpfliche Anzahl an möglichen Mustern. Dazu kommen andere Bindungsarten und freie Bindungen, die nahezu jedes geometrische Muster erlauben. (9) Zusätzlich kann die Breite der Streifen selbst regelmässig oder unregelmässig variiert werden oder es können die Farben innerhalb der Streifen wechseln.

Aus meiner Arbeitsweise entstanden neue Querverbindungen: zum Weben, wie bereits erwähnt, aber auch zum Flechten. Aus der Flechterei kommen Anregungen für neue Formen. Schräg geflochtene Behälter führen teilweise weg von streng rechtwinkligen Formen und eröffnen immer neue Möglichkeiten der Gestaltung, die in Zukunft noch stärker ausgelotet werden wollen. (10)


Kommentare:

  1. wow! welche ehre! herzlichen glückwunsch!
    ♥ monika

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  2. Sehr verspätet, aber von Herz..-lichen Glückwunsch, liebe Stefanie! Wo finde ich denn den Text auf englisch; der link funktioniert leider nicht. Grüße über´s Meer, Anu

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    1. Liebe Anu, dankeschön! Der Link sollte jetzt wieder funktionieren, man muss den text aber herunterladen! Liebe Grüsse, stefanie.

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