Donnerstag, 29. Mai 2014

kunst pragmatisch gesehen.

einen künstler in seinem atelier zu besuchen, dazu bekommt man nicht alle tage gelegenheit. gestern abend ermöglichte der treffpunkt ennetbaden interessierten einen solchen besuch bei beat zoderer. und weil ich den grossen sohn zum mitgehen überredete sind mal wieder die bilder von ihm.


beim eintreten ins atelier fragte ich mich, wie sich ein künstler wohl auf so einen besuch vorbereitet: aufräumen? oder gerade nicht? ein paar arbeiten präsentieren? oder einfach alles so lassen, wie es der arbeitsprozess gerade hat werden lassen? eine dritte möglichkeit wäre auch noch ein absichtsvolles arrangement...


das umsehen im atelier war das eine... aber beat zoderer erzählte auch von seiner arbeit. eher plaudernd, vom einen projekt zum andern mäandernd, von ausstellungen ... zu kunstmessen ... zu arbeiten, die momentan im entstehen sind. die lehre als hochbauzeichner, die er in ennetbaden absolvierte, war ein thema, aber auch die 39 jahre, die er nun schon in seinem atelier in wettingen als künstler arbeitet. wie geht das eigentlich, künstler werden, den brotberuf aufgeben, nur noch das machen was man machen will? schrittweise war die antwort, und dass der grosse vorteil am künstlerdasein sei, dass man erst einmal mache und dann das gemachte für gut befunden werde. oder auch manchmal nicht. wie ist das mit den arbeiten, die in ausstellungen gezeigt werden, den grossen vor allem, was passiert mit denen? wenn sich kein käufer findet, kein gallerist? umbauen, neu verwerten der materialien ist zoderers antwort. erfrischend pragmatisch fand ich so manches, was er erzählte. vom fliegenden teppich aus dem garten der villa langmatt, der schon ein vorleben als kugel im raum gehabt habe. und der jetzt irgendwo zusammengerollt auf einem dach liege. der für eine dauerhafte installation im aussenraum nicht tauge, weil dann das aluminium auf ganz spezielle art mit farbe beschichtet werden müsse. was viel geld koste. überhaupt immer wieder: das material, das ins geld geht. zum beispiel das ganz spezielle glas für die neuesten arbeiten.


materialien sind auch so ein thema. eine fülle davon verarbeitet beat zoderer, ich kann sie vermutlich nicht alle aufzählen: glas, papier in den verschiedensten varianten, holz, kunststoff, beton, bronze, pappkarton, seile, aber auch textile materialien. zum beispiel gestaltete er 170 m2  akustikelemente für den musiksaal der musikinsel rheinau, die dieser tage eröffnet wurde.
während bei den materialien fülle herrscht, dominiert bei der gestaltung oft die reduktion, und diese gälte es auszuhalten. aber andere hätten noch weniger wie er, spielt zoderer auf die monochromen maler an. womit wir beim thema kunst und können sind - auch hier wieder eine sehr sachliche, fast schon lapidare antwort: sicher könnten das, was er mache, auch andere, doch auf die ideen käme es an, und die fast 40 jahre lang immer wieder nicht nur zu produzieren sondern auch mit hartnäckigkeit (selbst nennt er es sturheit) und forschergeist zu verfolgen, das liege nicht jedem.
und wirkt damit immer noch irgendwie bescheiden. abrupt beendet zoderer seine erzählung, er will eine zigarette rauchen, und entgeht auf diese art einem applaus, der zu diesem unprätentiösen pragmatiker nicht gepasst hätte.
es bleibt noch zeit, sich im atelier umzuschauen, der grosse fragt nach, ob er fotografieren dürfe und bekommt auf sympatische art einen postiven bescheid. nur zu.


mich beeindruckt, wie sehr doch trotz der fülle an materialien, der formen, der farben, sei es zwei- oder dreidimesional,  immer ein thema dominiert: der raum.

und wie war es nun, das atelier? nicht zu aufgeräumt, man sah, da wird gearbeitet. andererseits gabs auch thematische ecken, zum beispiel kreis- und kugelförmige hohlräume, die schon eher etwas zeigen sollten. ich tippe auf arrangement. zumindest teilweise.





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