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Freitag, 18. September 2026

lužické hory - teil zwei (vom glas, von schlössern und pilzen)

teil eins des reiseberichts finden sie hier.  

das glas und die glasherstellung und -bearbeitung haben uns kurz nach der jahrtausendwende zum ersten mal nach nový bor und damit in unsere diesjährige urlaubsregion gebracht. seither waren wir immer wieder dort und haben glasmuseen angeschaut und die glasbläser besucht. 

auch in diesem jahr waren wir wieder im vergleichsweise kleinen museum in nový bor (unser besuch 2017


 dort gab es neben der dauerausstellung auch aktuelles handwerk und kunst in einer sonderschau zu sehen. 


 auch diese beiden exponate kannten wir noch nicht. 


und an die wunderbar zarten glasschleifereien mit den ungewöhnlichen motiven aus dem bäuerlichen alltag konnte ich mich zumindest nicht mehr erinnern. 

ansonsten lenkte ich meinen blick vor allem nach oben... 

 
...und entdeckte dabei eine vielfalt an ganz verschiedenen leuchtern.  


vom museum weg nahmen wir einen umweg, um an diesem merkwürdigen gebäude vorbeizukommen. 

von der vorderseite sieht es ein wenig nach dem chor einer gotischen kirche aus. 

von hinten wird klar, das ist nur ein anbau an eine glaswerkstatt. 

 eine art showroom für kirchenfenster sozusagen. gebaut 1868 für die fabrik für glasfenster von karl meltzer, verfiel das gebäude lange zeit und wird seit 2016 in privatinitiative wieder instandgesetzt - leider ist es nicht öffentlich zugänglich. 

konnten wir nach nový bor radeln, mussten wir ins etwa eine autostunde entfernt gelegene jablonec na nisou dann doch mit dem auto fahren. das glasmuseum dort, das sich vor allem dem thema schmuck aus glas (und auch aus anderen materialien) widmet, haben wir irgendwie ausgelassen, als wir vor zwei jahren im isergebirge waren, so wollte ich nun unbedingt den besuch nachholen. 

bevor wir ins museum gingen, mussten wir uns erst einmal die stadt anschauen gehen. wie viele städte im norden böhmens hatte auch die stadt gablonz, wie der deutsche name lautet, ihre blütezeit in der zweiten hälfte des neunzehnten jahrhunderts bis etwa zum ersten weltkrieg. davon zeugen oft üppig dekorierte, grosse häuser im stil des historismus, jugendstil und art deco. 


 

in jablonec fielen uns vor allem die gebäude auf, die so gar nicht hier her passten, das rathaus zum beispiel.  


 und ein kaufhaus aus den dreissiger jahren - beide sehr im stil des neuen bauens. 

das erste bild zeigt übrigens schon das staatliche museum für glas und schmuck, das seit 1949 im kurz nach der jahrhundertwende für die exportfirma zimmer und schmidt gebauten stadthaus untergebracht ist. 

2020 wurde das museum mit diesem glasanbau für sonderausstellungen erweitert, wo auch eine sammlung aus weihnachtsschmuck präsentiert wird. 

für uns war vor allem die ausstellung über die glasperlen und schmuckherstellung im ersten stock interessant. 

wahnsinn, was man alles aus glasperlen oder überhaupt aus glas herstellen kann! vom sargschmuck (oben) 


über filigrane blüten samt insekten als broschen bis zu knöpfen, gürtelschnallen und nahezu allen schmuckgegenständen. neben der glasmacherei entwickelte sich auch die metallbearbeitung und die herstellung von schmuck aus allerhand anderen materialien.  

jablonec ist wie nový bor und železný brod, das wir vor zwei jahren besucht haben, auch sitz einer schule für die glasherstellung, vor allem aber für schmuckdesign. 

deshalb gibt es hier auch sehr spannende und kreative exponate von mehr oder weniger tragbarem schmuck aus wettbewerben und der ausbildung. 

die zweite etage ist der glasherstellung ganz allgemein gewidmet - hier hatten wir einfach auch schon ganz vieles an anderen orten gesehen, einzig fiel mir auf, dass hier auch historische beispiele aus der zeit vor der industriellen glasherstellung gezeigt wurden. 


anders als in nový bor und železný brod wird hier auch ein bisschen mit dem pfund gewuchert... an der wand im treppenhaus kann man zum beispiel die längste glasperlenkette der welt bewundern. von den drei glasmuseen, die wir bisher gesehen haben, hat jedes einen ganz eigenen schwerpunkt, in jablonec ist dies schmuck, in nový bor fand ich die technischen aspekte der glasherstellung immer sehr gut dokumentiert und gezeigt und in železný brod haben wir zum ersten mal begriffen, dass glaskunst ein ganz eigener weg des künstlerischen ausdrucks sein kann, der weit über das kunsthandwerk hinausgeht.

in jablonec gibt es, wie oben schon erwähnt, auch eine ausstellung mit weihnachtsschmuck aus glas - auch das haben wir halt schon anderswo gesehen. aber diese kreationen eines unverkennbar tschechischen glaskünstlers in diesem bereich fand ich dann doch ganz speziell. 

neben den glasmuseen gibt es hier auch die gelegenheit glasverkäufe zu besuchen - von ganz kleinen bis zu ganz grossen. einen besuch wert ist auf jeden fall der showroom und glasverkauf der firma crystalex in nový bor. hier kann man dann ganz aktuell die neuesten entwürfe der glasdesigner sehen. ein und dieselbe form kann in verschiedenen materialien, farben, schliffen, dekorationen ganz anders aussehen. aber auch kleinere fabrikverkäufe können sich lohnen, wie zum beispiel dieser bei jílek in kamenický šenov. 


am glas kommt man hier nicht vorbei - aber zugegebenermassen hatten wir dann auch irgendwann genug davon gesehen. und da in der zweiten woche das wetter immer unzuverlässiger und kühler wurde, machten wir auch noch zwei ausflüge zu schlössern in der umgebung. 

in děčin, so dachten wir beide, waren wir noch nie. 


beim anblick dieser auffahrt zum schloss kamen mir allerdings zweifel an dieser aussage. sie wird dlouhá jízda oder lange fahrt genannt, ist fast 300 meter lang und die mauern auf beiden seiten werden nach oben hin immer niedriger, wodurch sie durch eine optische täuschung noch länger wirkt. 

und ich wusste plötzlich, was uns am oberen ende erwarten würde - nämlich ein rosengarten mit sicht über die stadt. irgendwann müssen wir also schon mal dagewesen sein. vermutlich werde ich doch irgendwann einmal alle unsere fotos sichten müssen, die wir gemacht haben, bevor ich zu bloggen begann, ich vermute einen aufenthalt irgendwann in der ersten hälfte der neunziger. 




eine schlossführung konnten wir damals noch nicht machen - da bin ich mir sicher. dieses mal schon. 


heute präsentiert sich das schloss baulich so, wie es von der familie thun-hohenstein gegen ende des 18.jahrhunderts im stil der damaligen zeit umgebaut wurde, die innenräume spiegeln etwa den zustand des neunzehnten und beginnenden zwanzigsten jahrhunderts wieder. allerdings diente das schloss nach dem verkauf an den staat von 1932 an als kaserne, zuerst der tschechoslowakischen, dann der deutschen, dann wieder der tschechslowakischen und schliesslich noch der sowjetischen armee. erst 1991 wurde mit der restaurierung begonnen - man darf also vermuten, dass ein grossteil der ausstellungsgegenstände aus den anderen thunschen schlössern herbeigeschafft wurde. 

die familie thun war ursprünglich eine österreichische adelsfamilie, die durch die habsburgische übernahme der böhmischen krone zu grossen besitzungen in böhmen kamen - unter anderem gehörte dazu ab dem 18. jahrhundert auch eine porzellanfabrik in nordwestböhmen. 

 
 
 die festliche tafel unten ist mit einem der bekanntesten dekore westböhmens gedeckt, das zuerst bei thun gefertigt wurde, dem blauen zwiebelmuster. 
 

 

neben verschiedenen gemälden vom schloss, das auf einem felsvorsprung über der elbe thront, fielen mir zwei solcher sammlungen in rahmen auf, die unten zeigt bilder von vulkanausbrüchen, vermutlich des ätna und sicher des vesuv in den 30er jahren des neunzehnten jahrhunderts. eine andere zeigte verschiedene ansichten von pompeji. eine art reisetagebuch? 


schade dass führungen auf den schlössern in tschechien immer noch fast ausschliesslich in tschechischer sprache angeboten werden - und auch schade, dass ich immer noch nicht bessser verstehe, was da erzählt wird. 



dafür besuchten wir anschliessend noch den rosengarten - ganz ohne führung kann man hier nicht nur die blumen, sondern auch die aussicht geniessen. 




es sitzt sich auch gemütlich zwischen all den rosen und statuen. 





übers schloss geht der blick auf die andere elbseite. 


oder auf die andere seite in richtung stadt. 

 
am ende verliessen wir das schloss wieder über die lange fahrt - auch bergab durchaus imposant.  
 

der regen hatte uns verschont, eigentlich war das wetter sogar ganz schön geworden - aber kaffee gab es trotzdem (auf der tasse steht: es muss nicht regnen, kaffee reicht auch schon). ein schöner tag mit einer wiederentdeckung statt neuentdeckung. 

ganz anders erging es uns bei unserem zweiten schlossbesuch - eigentlich wäre das schloss benešov auch nur als ziel einer radtour gedacht gewesen, aber an unseren vorletzten tag regnete es halt fast den ganzen tag und da hatten wir keine lust auf drei stunden radfahren im regen. anstattdessen machten wir uns mit dem auto auf in das kleine städtchen benešov nad ploučnicí. 


das schloss, oder vielmehr die einzelnen schlossgebäude teilen ein wenig das schicksal des děčinschen schlosses. sowohl das untere als auch das ältere obere schloss dienten ab dem 16. jahrhundert kleineren böhmischen adelsgeschlechtern als sommersitz und der familie thun als verwaltungsgebäude. bereits im neunzehnten jahrhundert ging das schloss an eine industriellenfamilie über, im zwanzigsten dann an die stadt benešov, die ein museum, einen kindergarten und später eine tischlerwerkstatt und einen getreidespeicher darin unterbrachten. ab 1991 wurde mit der restauration begonnen - auch hier dürfte man einiges aus anderen schlössern herbeigeschafft haben. 


was genau hier ursprünglich vorhanden und was von anderswo übernommen wurde, haben wir nicht verstanden - auch wenn wir diesmal ergänzend zur tschechischen führung vier a4-blätter mit deutschen texten an die hand bekamen. die waren allerdings so schlecht übersetzt, dass es mir nicht einmal gelang, das schicksal der hübschen holzdecke nachzuvollziehen... 


die malereien auf den wänden sind hoffentlich echt gewesen. 

der kachelofen wird aber sicher nie so im raum gestanden haben - denn von wo aus hätte man ihn denn befeuern sollen? 


über die kacheln erzählte der junge, vergnügte mann, der uns führte, eine ganze menge - deutlich mehr als mein hirn verarbeiten konnte. sinngemäss habe ich verstanden - oder mir zusammengesponnen, dass die einzelnen kacheln an verschiedenen orten verteilt waren und erst für die rekonstruktion wieder zusammengebracht wurden. vielleicht wars aber auch ganz anders. 

dieses schloss verliessen wir nicht nur wegen der ausgefallenen radtour sehr frustriert. dabei hätte ich wirklich gerne etwas über die geschichte der schlösser erfahren. gerade zu den kleineren häusern lässt sich aber auch im internet manchmal kaum etwas oder nur mit sehr viel mühe recherchieren.

mehr freude als kultur und geschichte (ich muss jetzt hier irgendwie noch die kurve kriegen) machte uns in diesen ferien die natur - kai hat gleich ein ganz neues hobby entdeckt, das pilzesammeln. gerne hätte ich ihm aus diesem anlass ein körbchen fürs sammeln gekauft, aber das lehnt er kategorisch ab: eine stofftasche sei einfacher zu tragen und für den fall, dass man nichts fände, sähe so niemand, dass man mit einem leeren körbchen nach hause gienge. auch wieder wahr. 

dabei hatten wir doch grosses pilzglück! dank kais ausführlicher vorbereitung und recherche wussten wir schon, dass fliegenpilze dort wachsen, wo es auch steinpilze geben kann. schön, dass die roten kappen mit den weissen tupfen so viel auffälliger sind als die braune beute. 

so wussten wir, wo es sich zu suchen lohnt. 

sehr, sehr kritisch beäugt und immer wieder mit allen merkmalen verglichen wanderten nur wirklich schöne exemplare in unseren stoffbeutel. am ende war aber doch ein gutes pfund zusammengekommen. 


 geputzt und ausgeschnitten warteten wir noch auffällige verfärbungen ab, dann wurde ein teil getrocknet und der andere zu einem pilzgericht verarbeitet. 


ich glaube ich habe noch nie so üppig steinpilze über nudeln gegessen. das war sehr lecker!