Donnerstag, 24. September 2026

kw 38 - von den tschechischen bergen über den musikwinkel und plauen zurück nach hause

nach der enttäuschenden schlossbesichtigung blieb uns nur noch ein tag in der tschechischen waldeinsamkeit und dieser startete mit nebel und nasser strasse - was allerdings gut zu unseren plänen passte, nämlich nach einem gemütlichen frühstück zuerst einmal ausführlich beim fabrikverkauf und showroom der firmal crystalex vorbeizuschauen, anschliessend noch ein paar lebensmittel zu kaufen, die es so halt nur hier gibt, wie puddingpulver mit pistazien und haselnussgeschmack (gibts in österreich auch), deli-riegel mit pistazienfüllung (leider ist orion mittlerweile teil des nestle-konzerns, aber ab und zu darf man auch mal über seinen schatten springen), bier mit und ohne alkohol (letzteres mit grapefruit oder zwetschgengeschmack, aber halt nicht so abartig süss wie hier solche mischgetränke sind), diesen ganz bestimmten schinken (slanina, aussen ganz schwarz), salzstangen mit kümmel und was uns sonst noch einfiel. 

auf dem rückweg assen wir dann noch in nový bor zu mittag - in der glashütte, wo man beim essen den glasbläsern beim arbeiten zuschauen kann.

inzwischen war es wieder sonnig geworden - wir schleppten am ferienhaus noch mal die stühle an die strasse, aber auch hier war nach ein paar minuten die sonne wieder weg. hatten wir mehr zeit zum einpacken und unsere sachen sortieren, damit wir am anderen tag (dienstag) zeitig starten konnten. 


 unser nächstes ziel war der musikwinkel - ein winzig kleiner landstrich an der tschechisch-deutschen grenze im erzgebirge, mit dem zentrum klingenthal. dort besucht kai schon seit vielen jahren mehrtägige mundharmonika-workshops und in einem solchen musste er bis spätestens 14 uhr sein. 

der routenplaner sagte uns, dass wir auf der deutschen autobahn nicht wesentlich schneller sein würden als auf den landstrassen auf der tschechischen seite des erzgebirges und so mäandrierten wir über děčin, usti nad labem und teplitz, weiter durch die kohleregion chomutov (viel renaturiertes, aber immer noch ein kohlekraftwerk, das weit herum zu riechen und zu sehen war) und das egertal schliesslich hinauf ins erzgebirge. kurz vor der grenze kamen wir durch schöne hochtäler mit moorartigen flächen bei přebuz - das müsste man auch mal erkunden! 

wir waren rechtzeitig da, kai konnte mir sogar noch helfen, unser gepäck in die ferienwohnung zu bringen und verschwand dann zum mundharmonikaspielen - während ich versuchte, unser gesammeltes zeug der letzten zwei woche in einer minikleinen dachwohnung auf zwei etagen zu verteilen. anschliessend setzte ich mich auf den balkon in die sonne - angesichts der wettervorhersage, die von regen und wetterumschwung berichtete. 

aber eigentlich auch gut - so plante ich nämlich gleich für den mittwoch einen besuch in plauen, einer stadt, die ich eigentlich nur in verbindung mit plauener spitze kannte. viel zickzack über land, dann war ich da, und verstauchte mir erstmal auf dem weg zum museum fabrik der fäden den linken fuss. gut war, dass das ganz kurz vor dem museum passierte und mir die dame an der kasse sehr freundlich einen platz zu hochlegen des anschwellenden knöchels und einen eispack anbot - nach einer halben stunde war ich dann so weit wiederhergestellt, dass ich das museum erkunden konnte. 


 in der eingangshalle des museums wird man nicht nur von zwei beeindruckend grossen maschinen, sondern auch von museumsangestellten empfangen, die eine kleine einführung ins haus und die stickerei- und ganz allgemeindie textilindustrie in plauen geben. denn im museum, das heute im weissbachschen haus angesiedelt ist, wurde nie gestickt - sondern vor allem in einer kattundruckerei baumwollstoff bedruckt. 

über zwei weitere geschosse kann man dann viel tolle ausstellungstechnik sehen (das bild oben erzeugte ich selbst, durch annähern und bewegen vor der leinwand - nur weiss ich nicht, was das mit der spitzenfabrikation zu tun hat). 


 sieht toll aus - oder? 


 auch beeindruckend: das museumsgebäude, das quasi im die häuser herumgebaut ist. 


 ui, endlich mal ein bisschen spitze. wie das jetzt genau technisch geht? doch ganz sicher nicht im handstickrahmen? 


 ha, doch noch was originales entdeckt! ein wandschmuck aus dem ehemaligen veb plauener spitze (in leipzig...) zum thema raschelspitze. laut wikipedia handelt es ich bei raschelspitze um industriell erzeugte spitze, die oft für unterwäsche genutzt wird. wäre toll gewesen, wenn ich darüber etwas im museum erfahren hätte. 

ja, schade eigentlich. irgendwie hatte ich mir von der fabrik der fäden mehr erwartet. aber ich habe ja noch ein weiteres ziel auf meinem plan. humpelnd erreiche ich rechtzeitig vor 13 uhr die schaustickerei. bereits vor dem haus gibt es eine infotafel, der ich die geschichte des hauses und des stickereianbaus entnehme. 

die fabrikantenvilla wurde zuerst errichtet, später ein anbau für 10 stickmaschinen hinzugefügt, beides um die jahrhundertwende, der blütezeit der maschinellen spitzenherstellung in plauen. als 1996 der betrieb eingestellt wurde, war das meiste noch im originalzustand erhalten, seither sorgt ein verein dafür, dass die maschinen gewartet werden und mit ihnen besuchern ein einblick in die spitzenindustrie der damaligen zeit ermöglicht wird. 

dreimal am tag finden die informativen führungen statt. 


gestartet wird dabei mit der manuellen herstellung von spitzen, beziehungsweise stickerei. so kann man sich gut vorstellen, welche komplexen arbeitsschritte hier mechanisiert wurden. 


entscheidend war die entwicklung einer nadel mit zwei spitzen und einem öhr in der mitte. diese wird dann von zwei greifern, jeweils vor und hinter dem stoff von einer seite zur anderen eingestochen und herausgezogen. 

das sieht dann in etwa so aus: der stoff ist vertikal, nicht horizontal aufgespannt und anstatt an einem muster wird mit vielen nadeln immer gleich an ganz vielen mustern gearbeitet. gearbeitet wurde dabei noch nicht mit einem endlosfaden, sondern mit fadenlängen von etwa 120 zentimetern, waren diese zu ende, wurde eine neue eingefädelte nadel eingesetzt. das einfädeln wurde häufig von kindern erledigt. 

das muster entsteht dabei durch die bewegung des stoffs - diese bewegung wurde über einen pantografen gesteuert, wobei die vorlage etwa dreissig mal grösser war als das zu erzielende stickbild. der sticker fuhr mit der spitze des pantografenarms von punkt zu punkt und löste dann immer wieder einen stich aus. 

für die nächste weiterentwicklung der stickmaschinen war es notwendig, dass mit unterfaden gearbeitet werden konnte, dieser befand sich in einem sogenannten schiffchen. 


 und für das herstellen der kleinen fadenspülchen, der bobinchen, gab es auch eine maschine. 

und auch das abtasten des musters wurde weiter mechanisiert. 

nun wurde das muster nur noch einmal abgetastet und dabei auf lochkarten übertragen. 

mit hilfe dieser lochkarten liefen die stickmaschinen dann fast schon vollautomatisch - naja, bis auf das auswechseln der bobinchen und oberfäden halt. 


 

hier konnte nun mit endlosfaden gestickt werden. auch noch gut im bild zu sehen: die feinen dorne, mit denen man die löcher in den trägerstoff machte. 


 die spitzen wurden entweder auf feine stoffe (zuerst seide oder feine baumwollstoffe, später auch kunstfaser) oder vliese gestickt, die sich ausätzen, später auswaschen liessen. aus dem stoff mussten die einzelnen spitzenteile ausgeschnitten werden, auch dafür gab es eine maschine. 


eine solche runde stickdecke wurde nicht am stück gestickt, sondern aus ganz vielen einzelnen maschinengestickten teilen zusammengesetzt. 

 
und auch das bekamen wir direkt vorgeführt: die einzelnen spitzen werden mit spezialmaschinen ohne transporteur mit einem durch die bewegung der stickerin erzeugten zickzackstich zusammengefügt - wovon man anschliessend nichts mehr sieht.  
 

 beeindruckend auch das freie sticken mit maschinen - das allerdings ist dann wirklich schon eher kunst als handwerk. 
 
nach diesem rundgang durch das lebende museum der schaustickerei hatte ich viel mehr verstanden als vorher im museum - meine klare empfehlung, wenn sie schon beides machen wollen, dann zuerst die schaustickerei und anschliessend die fabrik der fäden anschauen. 
 
über all den spannenden dingen, die es zu sehen gab, hatte ich zwischendurch meinen lädierten fuss etwas vergessen - aber für den rückweg zum auto nahm ich dann doch die tram. hier fahren noch original tschechische strassenbahnen aus den siebzigern (die haben in prag schon fast ausgedient) und man kann direkt beim fahrer eine karte kaufen, er öffnet dann ein kleines kläppchen in seinem fenster und reicht diese durch.
 
die rückfahrt in die berge gestaltete sich dann noch spannend, weil es zu gewittern und dann zu schütten begann, irgendwelche strassen gesperrt waren und ich sowieso schon wenig orientierung hatte, dann aber noch weniger. schlussendlich kam ich aber über klingenthal wieder zurück zur ferienwohnung und konnte den dicken knöchel endlich ein bisschen hochlagern und mit abschwellender salbe versorgen. 
 
das blieb dann auch für die nächsten beiden tag meine hauptbeschäftigung. bloss gut, dass sowieso das wetter eher nicht so schön war, sonst hätte es mich richtig geärgert, dass ich nicht viel machen konnte. aber so wurden wenigstens die blogbeiträge über die ferien im lausitzer gebirge fertig. 
und am freitagnachmittag konnte ich schon wieder mit kai zum kaffeetrinken und kuchenessen, tanken und flaschenabgeben nach tschechien fahren. 
 
später assen wir lecker zu abend... 
 

 ... und gingen dann gemeinsam zur abschlussveranstaltung des mundharmonikawettbewerbs. ich bin da ja nicht so die spezialistin, aber mir wurde auch von berufener seite versichert, dass das nun nicht wirklich ein highlight war. was weniger an den mundharmonikaspielern (ungegendert, weil passt so) lag, sondern an der begleitenden band, die vor allem laut spielte und wenig rücksicht auf zartere töne nahm, wodurch dann wieder den mundharmonikaspielern wenig übrig blieb als ihrerseits mit viel druck laut zu spielen, was das ganze auch nicht schöner macht. schade auch, dass nicht die prämierten und vorbereiteten stücke gespielt wurden, sondern freies improvisieren auf der bühne gefragt war. wir blieben dann auch nicht lange, sondern gingen früh nach hause, auch weil wir am nächsten tag ja nach hause fahren wollten. 

die rückfahrt verlief ereignislos und deutlich schneller als gedacht - wir kauften unterwegs ein und waren noch vor sechs zuhause. 

das war aber auch wirklich gut so - denn schon unterwegs hatte sich für den sonntag besuch angekündigt, besuch aus dem internet sozusagen. heike war auf der durchreise und weil ich schon einmal darauf hingewiesen hatte, dass man von zürich gar nicht so weit zu uns hat, machte sie gemeinsam mit ihrem mann einen zwischenhalt bei uns. es war sehr fein, sie kennenzulernen, wir hatten einen schönen nachmittag und abend miteinander und ich habe vor lauter ferienendentspannung auf der einen seite und reiseleiterinnenanspannung auf der anderen seite nicht ein einziges foto gemacht. sie um so mehr, vielleicht kann ich ja später mal noch verlinken, ich bin ja schon gespannt, wie andere augen meinen museumsarbeitsort sehen...  

Freitag, 18. September 2026

lužické hory - teil zwei (vom glas, von schlössern und pilzen)

teil eins des reiseberichts finden sie hier.  

das glas und die glasherstellung und -bearbeitung haben uns kurz nach der jahrtausendwende zum ersten mal nach nový bor und damit in unsere diesjährige urlaubsregion gebracht. seither waren wir immer wieder dort und haben glasmuseen angeschaut und die glasbläser besucht. 

auch in diesem jahr waren wir wieder im vergleichsweise kleinen museum in nový bor (unser besuch 2017) 


 dort gab es neben der dauerausstellung auch aktuelles handwerk und kunst in einer sonderschau zu sehen. 


 auch diese beiden exponate kannten wir noch nicht. 


und an die wunderbar zarten glasschleifereien mit den ungewöhnlichen motiven aus dem bäuerlichen alltag konnte ich mich zumindest nicht mehr erinnern. 

ansonsten lenkte ich meinen blick vor allem nach oben... 

 
...und entdeckte dabei eine vielfalt an ganz verschiedenen leuchtern.  


vom museum weg nahmen wir einen umweg, um an diesem merkwürdigen gebäude vorbeizukommen. 

von der vorderseite sieht es ein wenig nach dem chor einer gotischen kirche aus. 

von hinten wird klar, das ist nur ein anbau an eine glaswerkstatt. 

 eine art showroom für kirchenfenster sozusagen. gebaut 1868 für die fabrik für glasfenster von karl meltzer, verfiel das gebäude lange zeit und wird seit 2016 in privatinitiative wieder instandgesetzt - leider ist es nicht öffentlich zugänglich. 

konnten wir nach nový bor radeln, mussten wir ins etwa eine autostunde entfernt gelegene jablonec na nisou dann doch mit dem auto fahren. das glasmuseum dort, das sich vor allem dem thema schmuck aus glas (und auch aus anderen materialien) widmet, haben wir irgendwie ausgelassen, als wir vor zwei jahren im isergebirge waren, so wollte ich nun unbedingt den besuch nachholen. 

bevor wir ins museum gingen, mussten wir uns erst einmal die stadt anschauen gehen. wie viele städte im norden böhmens hatte auch die stadt gablonz, wie der deutsche name lautet, ihre blütezeit in der zweiten hälfte des neunzehnten jahrhunderts bis etwa zum ersten weltkrieg. davon zeugen oft üppig dekorierte, grosse häuser im stil des historismus, jugendstil und art deco. 


 

in jablonec fielen uns vor allem die gebäude auf, die so gar nicht hier her passten, das rathaus zum beispiel.  


 und ein kaufhaus aus den dreissiger jahren - beide sehr im stil des neuen bauens. 

das erste bild zeigt übrigens schon das staatliche museum für glas und schmuck, das seit 1949 im kurz nach der jahrhundertwende für die exportfirma zimmer und schmidt gebauten stadthaus untergebracht ist. 

2020 wurde das museum mit diesem glasanbau für sonderausstellungen erweitert, wo auch eine sammlung aus weihnachtsschmuck präsentiert wird. 

für uns war vor allem die ausstellung über die glasperlen und schmuckherstellung im ersten stock interessant. 

wahnsinn, was man alles aus glasperlen oder überhaupt aus glas herstellen kann! vom sargschmuck (oben) 


über filigrane blüten samt insekten als broschen bis zu knöpfen, gürtelschnallen und nahezu allen schmuckgegenständen. neben der glasmacherei entwickelte sich auch die metallbearbeitung und die herstellung von schmuck aus allerhand anderen materialien.  

jablonec ist wie nový bor und železný brod, das wir vor zwei jahren besucht haben, auch sitz einer schule für die glasherstellung, vor allem aber für schmuckdesign. 

deshalb gibt es hier auch sehr spannende und kreative exponate von mehr oder weniger tragbarem schmuck aus wettbewerben und der ausbildung. 

die zweite etage ist der glasherstellung ganz allgemein gewidmet - hier hatten wir einfach auch schon ganz vieles an anderen orten gesehen, einzig fiel mir auf, dass hier auch historische beispiele aus der zeit vor der industriellen glasherstellung gezeigt wurden. 


anders als in nový bor und železný brod wird hier auch ein bisschen mit dem pfund gewuchert... an der wand im treppenhaus kann man zum beispiel die längste glasperlenkette der welt bewundern. von den drei glasmuseen, die wir bisher gesehen haben, hat jedes einen ganz eigenen schwerpunkt, in jablonec ist dies schmuck, in nový bor fand ich die technischen aspekte der glasherstellung immer sehr gut dokumentiert und gezeigt und in železný brod haben wir zum ersten mal begriffen, dass glaskunst ein ganz eigener weg des künstlerischen ausdrucks sein kann, der weit über das kunsthandwerk hinausgeht.

in jablonec gibt es, wie oben schon erwähnt, auch eine ausstellung mit weihnachtsschmuck aus glas - auch das haben wir halt schon anderswo gesehen. aber diese kreationen eines unverkennbar tschechischen glaskünstlers in diesem bereich fand ich dann doch ganz speziell. 

neben den glasmuseen gibt es hier auch die gelegenheit glasverkäufe zu besuchen - von ganz kleinen bis zu ganz grossen. einen besuch wert ist auf jeden fall der showroom und glasverkauf der firma crystalex in nový bor. hier kann man dann ganz aktuell die neuesten entwürfe der glasdesigner sehen. ein und dieselbe form kann in verschiedenen materialien, farben, schliffen, dekorationen ganz anders aussehen. aber auch kleinere fabrikverkäufe können sich lohnen, wie zum beispiel dieser bei jílek in kamenický šenov. 


am glas kommt man hier nicht vorbei - aber zugegebenermassen hatten wir dann auch irgendwann genug davon gesehen. und da in der zweiten woche das wetter immer unzuverlässiger und kühler wurde, machten wir auch noch zwei ausflüge zu schlössern in der umgebung. 

in děčin, so dachten wir beide, waren wir noch nie. 


beim anblick dieser auffahrt zum schloss kamen mir allerdings zweifel an dieser aussage. sie wird dlouhá jízda oder lange fahrt genannt, ist fast 300 meter lang und die mauern auf beiden seiten werden nach oben hin immer niedriger, wodurch sie durch eine optische täuschung noch länger wirkt. 

und ich wusste plötzlich, was uns am oberen ende erwarten würde - nämlich ein rosengarten mit sicht über die stadt. irgendwann müssen wir also schon mal dagewesen sein. vermutlich werde ich doch irgendwann einmal alle unsere fotos sichten müssen, die wir gemacht haben, bevor ich zu bloggen begann, ich vermute einen aufenthalt irgendwann in der ersten hälfte der neunziger. 




eine schlossführung konnten wir damals noch nicht machen - da bin ich mir sicher. dieses mal schon. 


heute präsentiert sich das schloss baulich so, wie es von der familie thun-hohenstein gegen ende des 18.jahrhunderts im stil der damaligen zeit umgebaut wurde, die innenräume spiegeln etwa den zustand des neunzehnten und beginnenden zwanzigsten jahrhunderts wieder. allerdings diente das schloss nach dem verkauf an den staat von 1932 an als kaserne, zuerst der tschechoslowakischen, dann der deutschen, dann wieder der tschechslowakischen und schliesslich noch der sowjetischen armee. erst 1991 wurde mit der restaurierung begonnen - man darf also vermuten, dass ein grossteil der ausstellungsgegenstände aus den anderen thunschen schlössern herbeigeschafft wurde. 

die familie thun war ursprünglich eine österreichische adelsfamilie, die durch die habsburgische übernahme der böhmischen krone zu grossen besitzungen in böhmen kamen - unter anderem gehörte dazu ab dem 18. jahrhundert auch eine porzellanfabrik in nordwestböhmen. 

 
 
 die festliche tafel unten ist mit einem der bekanntesten dekore westböhmens gedeckt, das zuerst bei thun gefertigt wurde, dem blauen zwiebelmuster. 
 

 

neben verschiedenen gemälden vom schloss, das auf einem felsvorsprung über der elbe thront, fielen mir zwei solcher sammlungen in rahmen auf, die unten zeigt bilder von vulkanausbrüchen, vermutlich des ätna und sicher des vesuv in den 30er jahren des neunzehnten jahrhunderts. eine andere zeigte verschiedene ansichten von pompeji. eine art reisetagebuch? 


schade dass führungen auf den schlössern in tschechien immer noch fast ausschliesslich in tschechischer sprache angeboten werden - und auch schade, dass ich immer noch nicht bessser verstehe, was da erzählt wird. 



dafür besuchten wir anschliessend noch den rosengarten - ganz ohne führung kann man hier nicht nur die blumen, sondern auch die aussicht geniessen. 




es sitzt sich auch gemütlich zwischen all den rosen und statuen. 





übers schloss geht der blick auf die andere elbseite. 


oder auf die andere seite in richtung stadt. 

 
am ende verliessen wir das schloss wieder über die lange fahrt - auch bergab durchaus imposant.  
 

der regen hatte uns verschont, eigentlich war das wetter sogar ganz schön geworden - aber kaffee gab es trotzdem (auf der tasse steht: es muss nicht regnen, kaffee reicht auch schon). ein schöner tag mit einer wiederentdeckung statt neuentdeckung. 

ganz anders erging es uns bei unserem zweiten schlossbesuch - eigentlich wäre das schloss benešov auch nur als ziel einer radtour gedacht gewesen, aber an unseren vorletzten tag regnete es halt fast den ganzen tag und da hatten wir keine lust auf drei stunden radfahren im regen. anstattdessen machten wir uns mit dem auto auf in das kleine städtchen benešov nad ploučnicí. 


das schloss, oder vielmehr die einzelnen schlossgebäude teilen ein wenig das schicksal des děčinschen schlosses. sowohl das untere als auch das ältere obere schloss dienten ab dem 16. jahrhundert kleineren böhmischen adelsgeschlechtern als sommersitz und der familie thun als verwaltungsgebäude. bereits im neunzehnten jahrhundert ging das schloss an eine industriellenfamilie über, im zwanzigsten dann an die stadt benešov, die ein museum, einen kindergarten und später eine tischlerwerkstatt und einen getreidespeicher darin unterbrachten. ab 1991 wurde mit der restauration begonnen - auch hier dürfte man einiges aus anderen schlössern herbeigeschafft haben. 


was genau hier ursprünglich vorhanden und was von anderswo übernommen wurde, haben wir nicht verstanden - auch wenn wir diesmal ergänzend zur tschechischen führung vier a4-blätter mit deutschen texten an die hand bekamen. die waren allerdings so schlecht übersetzt, dass es mir nicht einmal gelang, das schicksal der hübschen holzdecke nachzuvollziehen... 


die malereien auf den wänden sind hoffentlich echt gewesen. 

der kachelofen wird aber sicher nie so im raum gestanden haben - denn von wo aus hätte man ihn denn befeuern sollen? 


über die kacheln erzählte der junge, vergnügte mann, der uns führte, eine ganze menge - deutlich mehr als mein hirn verarbeiten konnte. sinngemäss habe ich verstanden - oder mir zusammengesponnen, dass die einzelnen kacheln an verschiedenen orten verteilt waren und erst für die rekonstruktion wieder zusammengebracht wurden. vielleicht wars aber auch ganz anders. 

dieses schloss verliessen wir nicht nur wegen der ausgefallenen radtour sehr frustriert. dabei hätte ich wirklich gerne etwas über die geschichte der schlösser erfahren. gerade zu den kleineren häusern lässt sich aber auch im internet manchmal kaum etwas oder nur mit sehr viel mühe recherchieren.

mehr freude als kultur und geschichte (ich muss jetzt hier irgendwie noch die kurve kriegen) machte uns in diesen ferien die natur - kai hat gleich ein ganz neues hobby entdeckt, das pilzesammeln. gerne hätte ich ihm aus diesem anlass ein körbchen fürs sammeln gekauft, aber das lehnt er kategorisch ab: eine stofftasche sei einfacher zu tragen und für den fall, dass man nichts fände, sähe so niemand, dass man mit einem leeren körbchen nach hause gienge. auch wieder wahr. 

dabei hatten wir doch grosses pilzglück! dank kais ausführlicher vorbereitung und recherche wussten wir schon, dass fliegenpilze dort wachsen, wo es auch steinpilze geben kann. schön, dass die roten kappen mit den weissen tupfen so viel auffälliger sind als die braune beute. 

so wussten wir, wo es sich zu suchen lohnt. 

sehr, sehr kritisch beäugt und immer wieder mit allen merkmalen verglichen wanderten nur wirklich schöne exemplare in unseren stoffbeutel. am ende war aber doch ein gutes pfund zusammengekommen. 


 geputzt und ausgeschnitten warteten wir noch auffällige verfärbungen ab, dann wurde ein teil getrocknet und der andere zu einem pilzgericht verarbeitet. 


ich glaube ich habe noch nie so üppig steinpilze über nudeln gegessen. das war sehr lecker!