Donnerstag, 17. September 2026

luzicke hory, teil eins (unterwegs zu fuss und mit dem fahrrad)

ein bisschen habe ich ja schon vorausgegriffen auf den grossen urlaubsbericht - was es mir nun auch nicht viel leichter macht, denn eigentlich ist es keine gute idee, einen ganzen urlaub in einem post beschreiben zu wollen. (gerade beschlossen, es werden doch eher zwei). 

vor allem auch deshalb, weil wir für unsere ferien in tschechien in diesem jahr einen ganz klaren plan hatten: nur ja nichts spektakuläres, gerne einfach ein bisschen landschaft und nichts, was man verpassen zu können glaubt. auch aus diesem grund ist unsere entscheidung bei der suche nach einer ferienwohnung auf das lausitzer gebirge, ganz konkret die hügel nördlich von novy bor gefallen. hier haben wir schon öfter urlaub gemacht, in den frühen zweitausenderjahren, als wir zuerst die glasherstellung dort und später den ort kytlice als sommerferienidylle entdeckten, alles vor der blogzeit. und dann noch einmal 2017, wo wir sensationelle drei wochen etwas weiter östlich in einem ferienhaus verbrachten. 

in diesem jahr also prysk, oder preškava oder preschkau (letzteres der alte deutsche name). ich hatte mich ein bisschen von den bildern eines alten hauses verzaubern lassen, einer art ferien-im-baudenkmal (in der schweiz gibt es tatsächlich diese möglichkeit, in einem baudenkmal zu urlauben, haben wir auch schon mal gemacht, und zwar 2021.) 





 
 
 
das haus war auch tatsächlich sehr schön, liebevoll und mit spannenden details renoviert - aber an seiner lage konnte auch die beste renovierung, ganz viel liebe und schöne fotos nichts ändern: sonne gab es halt nur bis maximal am sehr frühen nachmittag in einem ganz kleinen teil des gartens. den rest des tages - vor allem also um die zeit, zu der man gerne nach einer unternehmung in den ferien noch ein bisschen in der sonne sitzen mag, schauten wir auf die gegenüberliegenden sonnenbeschienenen gärten und froren uns den hintern ab. oder gingen gleich rein und machten den holzofen an. und das in der ersten septemberhälfte und nach einem sommer, den wir überwiegend wegen hitze drinnen verbracht haben. hätte fast witzig sein können, wenn wir nicht wirklich sehr unter der situation gelitten und uns immer wieder geärgert hätten. 
 
ansonsten erfüllte sich der wunsch nach wenig spektakel vollständig - nicht einmal einen laden gab es in der nähe (wir hatten ja die fahrräder dabei), aber einen kiosk mit einfachem essensangebot, von dem ich allerdings kein foto gemacht habe, dafür war alles rundherum schön grün und viel natur direkt vor der haustüre. 
 
was wir dann daraus gemacht haben: 
 
unterwegs zu fuss 
 
 
ein ganz kleines touristisches angebot hält das örtchen dann doch bereit: zwei spazier- oder wanderrouten, eine direkt durch das örtchen, die meixnerova stezka (grün eingezeichnet) und eine rund um den ort 
durch die hügel, mit dem namen riedlův okruh (blau eingezeichnet). beide sind wir gegangen. 
 
den einen, durch den ort, gleich am ersten tag. haben zuerst das örtliche freibad, das eigentlich ein löschwasserbecken ist, und den kiosk erkundet, dann den friedhof und die kirche und sind
dann weiter dem weg durch den ort gefolgt.  
 

 
zwischendurch haben wir noch an der samo-bouda, einer art touristischem selbstbedienungskiosk, ein päuschen eingelegt. hier gibt es informationen und postkarten vom ort, limo, und ein paar andenken - alles auf vertrauensbasis. 
 

 

weiter dann weniger der nase nach (wäre auch die gegenrichtung gewesen) als den schön geschnitzten schildern. 
 

 

 ganz viele hübsch renovierte umgebindehäuser. 
 
 
und die tschechien-typische gartenzaundeko mit ausgedienten kaffeetassen. 

den rückweg nahmen wir über den wald hinter dem haus, nutzten ein wenig den garten (fast das einzige mal) und testeten später noch die verbindung per rad zu unserem ehemaligen urlaubsort kytlice - um festzustellen, dass dort, wo die tschechen keinen radweg in die karte einzeichnen, das radfahren auch wirklich mühsam ist. aber zum radfahren wollte ich eigentlich erst später kommen. 

am dritten tag zogen wir wieder zu fuss von der haustüre aus los - ohne einen festen plan, aber mit ein paar zielen, die uns auf der karte oder beim vorbeifahren aufgefallen waren. 

zuerst ging es direkt hinter dem haus den berg hinauf, zu einem aussichtspunkt. 
 

 und weiter zum skalni divadlo, dem felsentheater. 
 

 vermutlich war das eher mal ein steinbruch, aber jetzt wird es als theater genutzt. 
 
 
auch hier vermuteten wir einen steinbruch, aber warum lässt man dann ein dach stehen? die beiden hallen waren höher als breit, geschätzt etwa 10 meter hoch, und durch eine tragende säule getrennt, aber im hinteren bereich verbunden. 
 
über einen zufahrtsweg gelangten wir zum alten bahnhof von horni prysk und folgten der ehemaligen bahnlinie. 
 

 und zwar bis nach kamenicky senov. 
 
 
hier wurde uns der besuch des friedhofs empfohlen - von den arbeitern, die gerade mittagspause von der restaurierungsarbeit dort machten. 
 
 
selbst empfahlen wir uns einen besuch im café lusk - wunderschön dekoriert mit örtlichen glaserzeugnissen und mit kaffee und kuchen. 
 
über den oberen ortsteil machten wir uns wieder auf den rückweg. 
 

 blickten auf die örtliche glasfabrik.
 

 unterquerten die alte eisenbahnstrecke. 
 

 und nutzten einen weiteren malerischen waldweg. 
 

schon alleine wegen solcher wege lohnt es sich, hier zu sein. 

die dritte runde zu fuss und von der haustüre weg habe ich ihnen schon beschrieben - sie finden sie hier
 
für eine weitere wanderung mussten wir mit auto und bahn anreisen: 

auf dem jedlova waren wir sicher schon zwei mal oder häufiger - von kytlice aus war die anreise per bahn bequem. diesmal mussten wir erst in das dörfchen mit bahnanschluss gelangen, denn am besten startet man auf den berg mit aussichtsturm vom bahnhof jedlova aus, zu dem allerdings keine öffentliche strasse führt - obwohl sich hier zwei eisenbahnlinien vereinen und er gar nicht so klein ist. 
 
vom bahnhof weg führt ein breiter weg, den wir aber verliessen, weil ich auf der karte dieses steinrelief entdeckt hatte: 
 

 und der umweg hat sich gelohnt - denn erstens war es der schönere weg, zweitens sahen wir fliegenpilze und drittens hat kai hier seinen ersten steinpilz gefunden. 
 

 und am ende kamen wir auch zum gipfel. 
 

 vor dem besuch im gasthaus bestiegen wir den turm. 
 
 
die letzten meter führt eine sehr enge, sehr steile gusseiserne treppe hinauf. 
 

 die sicht hätte ein bisschen besser sein dürfen, aber der ausblick ist toll. 
 
 
nach süden.  
 

nach westen kann man den jested und ganz am horizont das riesengebirge erkennen. (nach norden schaut man in richtung deutschland und polen, bis ins braunkohleabbaugebiet bei bogatynia).
 

 und weil wir den abstieg auf dem gleichen weg zum bahnhof zurück zu langweilig fanden, machten wir einen umweg zur burg tollstejn. 
 

 noch mehr aussicht musste erklettert werden. 
 
 
wobei hier der blick in die nähe spannender war als in die ferne. 
 

erst ganz kurz vor dem bahnhof jedlova fiel uns ein, dass wir auch mal zur anderen seite hin hätten absteigen können, auch von jiretin pod jedlovou hätte uns ein zug an den ausgangsort zurückgebracht. naja, haben wir einen grund zum wiederkommen. 
 
unterwegs mit dem fahrrad.  
 
unsere fahrräder haben wir vor allem als fortbewegungsmittel genutzt - um überall dort hinzukommen, wo es zu fuss zu weit war, das auto aber nicht unbedingt notwendig. 

zweimal sind wir auf der radstrecke varhany geradelt, die von ceska lipa zur zur panska skala führt und dafür die ehemalige bahntrasse nutzt. dazu mussten wir jeweils zuerst bis zur panska skala den berg hinauf fahren, von dort ging es dann fast immer nur bergab bis nach ceska lipa. 
 
beim radfahren fällt es mir immer sehr schwer, fotos zu machen. einmal habe ich kai gebeten, doch wenigstens den radweg ein wenig zu beleben. 
 
 
das ist natürlich richtig entspanntes radeln - auch zurück war es kaum anstrengend, nicht nur wegen des elektroantriebs der räder. 
 
 
der grund für die beiden fahrten ins etwa 20 kilometer entfernte ceska lipa war ein kleiner markt, der dort jeweils am donnerstag stattfindet. dort haben wir uns dann jeweils mit gemüse, obst, wurst, milchprodukten und käse aus lokaler produktion eingedeckt. einmal waren wir über mittag auch essen in der stadt, einmal haben wir noch eine forelle in einem fischgeschäft gekauft. ausserdem waren wir jeweils im kaufhaus andy und im gegenüber gelegenen café union. 
 
 
und wir haben die fahrräder für den besuch im glasmuseum in novy bor genutzt und für eine fahrt an den badesee bei sloup. 
 
 
leider blieb es bei diesem einen besuch am badesee - an diesem tag war es ganz angenehm, aber überhaupt nicht mehr heiss, das wasser in der obersten schicht schön warm von der sonne, in der tiefe aber kühl. trotzdem schwammen wir nacheinander je eine weile im see - viele leute waren nicht mehr da, aber ein kiosk war offen und eintritt mussten wir auch noch bezahlen. kein vergleich zu unserem besuch vor neun jahren, da war es im hochsommer hier richtig voll. 
 
 

Sonntag, 13. September 2026

12 von 12 im september 2026

 die erzählung des restlichen urlaubs muss noch ein bisschen warten - hier schon mal ein kleiner vorgeschmack eines ferientags im tschechischen teil des lausitzer gebirges - im rahmen der von frau kännchen gehosteten blogaktion "12 von 12":


 heute ist wandertag! rund um unsere unterkunft gibt es ein paar wanderwege, und einen davon haben wir uns heute vorgenommen. der rundwanderweg riedlův okruh ist nicht durchgehend markiert, aber in der karte gekennzeichnet und bietet uns den vorteil, dass wir quasi direkt an der haustüre einsteigen können. 

wir wohnen im oberen ortsteil von prysk, einem strassendorf, das sich über mehr als 4 kilometer durch ein tälchen mit bach zieht. wir starten mit einem anstieg auf den unseren ferienhaus gegenübergelegenen hang (bisher haben wir vor allem das gebiet hinter dem ferienhaus erkundet). 

gleich treffen wir auf die ersten für diese gegend so typischen felsen. 


unser weg verläuft auf einer alten strasse - er ist teils mit den überall neben dem sandstein vorkommenden basaltsteinen gepflastert, teils verläuft er auf einem extra angelegten damm - ganz eindeutig hat man damit versucht, die steigung gleichmässig und moderat zu halten. 


an vielen stellen ist der weg auch von alten bäumen gesäumt, der bergahorn schaut uns ein bisschen verkniffen an, 

 

wir kommen auf eine grosse weide, und haben ausblick auf die umliegenden berge, hier auf den střední vrch, den mittleren gipfel. unterwegs passieren wir zwei bäume, die zur erinnerung an die ereignisse des 17. november 1989 gepflanzt wurden, an dem ein studentenprotest, der an die schliessung der hochschulen im land durch die nazis 50 jahre zuvor erinnern wollte und freiheit für die aktuell studierenden forderte, vom tschechischen militär niedergeschlagen wurde - der letzte protest der auf diese weise unterdrückt wurde und direkt zur samtenen revolution führte. (ich schrieb es schon mal: in tschechien kann man quasi keinen fuss vor die türe setzen ohne mit geschichte konfrontiert zu sein.)


 dort am waldrand machten wir die erste rast und nutzten die gelegenheit über die ereignisse des jahres 1989 nachzulesen (ich hab das auch nicht immer alles parat). 


 im wald ging es wieder bergab und wir begegneten gleich den ersten fliegenpilzen - kai hat sich ein bisschen ins thema pilze eingearbeitet und so wissen wir, dass dort, wo die auffälligen roten kappen mit den weissen flecken sich zeigen, auch gut steinpilze gedeihen können. nur ist das die konkurrenz gross - im wald trifft man permanent menschen mit körben, stofftaschen, papiertüten und sogar plastiksäcken, prall gefüllt mit pilzen. 


 und tatsächlich wurden wir auch fündig, fast direkt am wegesrand fanden wir steinpilze - wir vermuteten, dass die einheimischen sammler*innen hier abgekürzt hatten und so gar nicht vorbeigekommen waren... am ende hatten auch wir ein halbes säckchen pilze beisammen. allerdings sahen wir unterwegs mehr als einmal, dass wir sehr, sehr wählerisch sind - in tschechischen körbchen finden sich viel mehr alte und riesige exemplare, auch reichlich angefressenes, das wir lieber stehenlassen. überhaupt sind wir sehr, sehr kritisch und nehmen nur das, was wir ganz sicher bestimmen können, wobei wir bisher nur zwei sorten gut genug kennen, den parasol und den steinpilz. 


 nach dem abstieg ging es wieder hinauf, wir umrundeten den mittleren gipfel auf der talabgelegenen seite und schauten beim vespern dort auf einem umgefallenen baum in richtung norden weiter ins lausitzer gebirge hinein. immer wieder fällt mir die ungeheure vielfalt der im wald vertretenen bäume auf - wir sassen direkt vor einer aufforstungsfläche mit tannen, fichten, lärchen, kiefern (offensichtlich verschiedene sorten), dazu buchen, birken und erlen. auch die bereits bestehenden wälder sind vielfältigst und wir sahen unter anderem alle mir bekannten ahornsorten und neben stiel- und traubeneichen auch sehr alte exemplare von roteichen. 


 zurück ins tal ging es entlang von alten buchen und eichen. 


 und vorbei an der riedel-höhle. die allerdings ist abgesperrt. ich bin auch eher nicht so sicher, ob es sich wirklich um eine höhle handelt, denn eigentlich sieht das, was man vom eingang her sehen kann, eher nach einem von menschenhand geschaffenen stollen aus, was auch gut zum schild am eingang passt, das als entstehungzeit der höhle das 19. jahrhundert angibt. der sandstein lässt sich relativ einfach bearbeiten und solche stollen und keller finden sich überall in den felsen rundherum. 

nun überquerten wir das tal und die strasse - und das glück bescherte uns an dieser stelle des orts einen kleinen einkaufsladen mit einer gut gefüllten truhe mit eis - auf der bank der gegenüberliegenden bushaltestelle machten wir rast und assen unsere hörnchen mit pistazieneis - bevor es wieder den berg hinauf ging. 


 diesmal gab es noch ein paar beeindruckendere felsen zu sehen. 


 und einen kreuzweg mit einer kleinen kapelle direkt im fels. 

danach hätten wir noch über den berg direkt zurück zu unserem ferienhaus laufen können, da wir da aber schon zweimal auf verschiedenen wegen durchgelaufen waren, entschieden wir uns für den weg im tal, die meixnerova stězka, für die restlichen rund zweieinhalb kilometer rückweg. 

knapp dreizehn kilometer waren wir unterwegs, allerdings mit reichlich bergauf und bergab, dazu noch viel zeit mit pilzesuchen und in die gegend schauen (auch viel auf die karte - eine durchgehende markierung wäre noch hübsch gewesen) und einigermassen hungrig und müde. deshalb brachte kai nur kurz unser gepäck ins ferienhaus und ich ging schon mal voraus zum kiosk am badeweiher, dem einzigen gastronomischen angebot im ort, wo man allerdings so schlecht nicht essen kann. 


 kai hatte einen gebratenen käse, ich gebratene tvaruski (kleine mährischen käslein) - ein supertypisches tschechisches einfaches essen. 


 und ganz zum schluss muss ich ihnen noch zeigen, was ich unterwegs gefunden habe (auch wenn ich damit die zwölf bilder definitiv überziehe...) die gegend hier ist für ihre glasherstellung bekannt, heute in grossen fabriken, früher auch oft in kleinen betrieben, die sich überall in den orten verteilten. so kann man auch heute noch überreste von dieser glasproduktion finden, scherben, abgebrochen teile und häufig auch glasschlacke, die beim abbau der öfen übrigblieb. 

mehr zur glasherstellung dann, wenn ich dazu komme, über unsere ganzen ferien zu schreiben - mit diesem bericht von einem schönen wandertag geht es nun ganz schnell zur von caro... 

mehr 12 von 12 aus den vergangenen jahren: 

12von12 im september 2025 

12von12 im september 2024 

12von12 im september 2023

12von12 im september 2022

12von12 im september 2021

12von12 im september 2019 

12von12 im september 2018 

12von12 im september 2017

12von12 im seotember 2016