Donnerstag, 26. Mai 2022

ob es hier irgendwie, irgendwann weitergeht



ob es hier irgendwie, irgendwann weitergeht. das frage ich mich schon ab und zu. im kopf formuliere ich teile von blogbeiträgen, ganze einträge. ich denke darüber nach warum ich hier schreibe oder, vielmehr, warum ich in den vergangenen zweieinhalb jahren fast täglich hier schrieb. begonnen habe ich mit dem tagebuchbloggen ja nicht während der pandemie (was für mich ja noch nachvollziehbar gewesen wäre), sondern schon im dezember 2019, kurz nach unserem umzug. den blog gab es da schon wirklich lange, seit 2007. mir fiel das themenweise schreiben immer schwerer, ich hatte (und habe) eine gewisse bewunderung und faszination für tagebuchblogs und machte für einige zeit meinen alltag zum thema (als ob das nicht vorher auch schon so gewesen wäre). festhalten was so lief über den tag, innehalten, selbstvergewisserung, dass der tag nicht einfach so vor sich hingeplätschert war. 


so begleitete mich das blog durch die pandemie, es gab spannendere tage, weniger spannende auch, manchmal musste ich etwas loswerden, was mich umtrieb. über manches dachte ich später anders, es fiel mir auch immer schwerer gedanken zu formulieren, anstattdessen gab es streckenweise auflistungen von tätigkeiten. unterbrochen ab und zu von reisen, auf denen sie mich aufmerksam begleiteten. im alltag fehlten mir die bilder, ausser wenn es um den garten ging, manchmal aber auch da. 


und es fehlt mir gerade die antwort auf die frage nach dem warum, oder wenn es die schon nicht gibt, wenigstens nach dem wohin? wobei sich die frage, warum denn gerade jetzt nicht? viel mehr aufdrängt. 


vordergründig finden sich viele gründe - der garten, der garten, es gibt so viel zu tun und ab und zu auch einfach zu geniessen. die arbeit, die momentan vor allem arbeit ist, keine spannenden neuen techniken oder objekte, sondern handwerk, stück für stück, wobei ich schon stolz darauf bin, dass ich dank wissen und erfahrung gleichbleibende qualität liefern kann, die ohne dauernde akquise meine miete bezahlt. und für die gute laune gibt es die filzbaukastenkurse, für die gerade die eigenständigen arbeiten eintrudeln. zu garten, haus und arbeit ist seit februar noch etwas hinzugekommen, was dem täglichen bloggen den platz am morgen streitig macht - regelmässige gymnastikübungen, begonnen aus einer laune heraus, weitergeführt für beweglichkeit und allgemeines wohlbefinden. 


ich möchte nicht wieder dahin zurück, wo ich jetzt zwei jahre lang schrieb, aber lassen will ich das bloggen auch nicht. gerne würde ich wieder mehr aufschreiben, was mich so umtreibt. was nicht so hilft: angesichts des weltgeschehens bin ich momentan weitgehend sprachlos. ich bin immer noch erstaunt, wie ein krieg, wie er von russland gegen die ukraine geführt wird, so viele gewissheiten vergangener jahre wegspülen kann. auch meine gewissheiten. und ich bin zugleich froh, dass ich umdenken kann. hilfreich dabei: anderen menschen zuhören, denen es ähnlich geht. zum beispiel in podcasts. 

und wenn da nur der krieg wäre, wäre es ja schon genug.


herr buddenbohm beschrieb neulich einen moment, in dem er spüren konnte, dass die klimakatastrophe nicht erst noch bevorsteht, sondern wir gerade alle mittendrin sind. ich weiss nicht mehr, was es bei ihm war, wir hier schauen dem sterben der tannen auf dem nachbargrundstück zu. trockenstress lässt die imposanten bäume mehr nadeln verlieren als wir täglich wegwischen können, frische triebe sind nur noch an zwei von drei bäumen auszumachen. auf dem weg nach hause bläst mir ein heisser, trockener, staubiger wind  entgegen, dabei ist noch nicht einmal ende mai. am himmel dräuen gewitterwolken, aber es regnet nicht. viel zu lange schon regnet es nicht. und wenn es regnet, gibt es gewitter, hier glücklicherweise bisher nur in der milden form, anderswo mit katastrophalen folgen. 


die stimmungslage ein gemisch aus nicht ganz überstandener pandemie, krieg vor der haustüre und dem anschwellenden hintergrundrauschen der klimakatastrophe. ich höre, dass zeit online bei seinen lesern einen happiness-index erhebt, der gerade in tiefste tiefen abrutscht. von happiness keine spur mehr. 


in deutschland versucht man mit neun-euro-monatstickets für den nahverkehr und staatlichen (auch stattlichen) abschlägen auf die benzinpreise jenseits der zwei-euro-marke die laune wenigstens für die kommenden sommermonate juni, juli und august zu retten. befürchtet werden nun nicht nur volle nahverkehrszüge zwischen berchtesgaden und sylt (schlaue menschen haben herausgefunden, wie man mit dem bummelzug die ganze strecke zurücklegen kann) sondern auch lange schlangen an den tankstellen. vermutlich werden da dann nicht nur die berufspendler stehen, die vom neun-euro-ticket wegen fehlender verbindungen nicht zur arbeit oder nach hause kommen, wenn sie das auto stehen lassen, sondern auch massenhaft ausflügler*innen, autoposer  (ausdrücklich ohne *innen) und alle, die sich einen bus auch für neun euro im monat nicht von innen anschauen wollen. 


und was sagt der schweizer finanzminister zum in der schweiz auch nicht viel niedrigeren spritpreis? den könne sich die reiche schweiz leisten. (ja, erst einmal tief durchatmen.) hätte er jetzt noch hinzugefügt, dass es sich die reiche schweiz auch leisten kann, diejenigen zu unterstützen, für die strom, heizenergie und sprit fürs auch hier manchmal unverzichtbare auto nahezu unbezahlbar werden, hätte ich das super gefunden. er hats aber nicht getan, und das muss man sich auch erst mal leisten können, als politiker einer partei, die sich sonst die volksnähe gleich nebens sünneli auf die fahnen geschrieben hat (für die menschen im grossen kanton im norden: svp, schweizer volkspartei, rechts- aussen).


...


ein anfang ist gemacht. wenn sie mich weiterhin begleiten wollen, würde ich mich freuen. wie genau es jetzt weitergeht, weiss ich auch noch nicht. jedenfalls bin ich zurück im garten. in dem sinne, wie es oben unter dem header steht. und deshalb habe ich ihnen in diesen wüsten text auch ein paar gartenbilder eingestreut. denn der garten, die gegenwelt, ist immer noch der schönste ort der welt. jedenfalls solange ich nicht den kopf hebe und zu den tannen des nachbarn hinüberschaue.

Dienstag, 10. Mai 2022

10. mai 2022 - gartentagebuch

zuerst war es der besuch, jetzt ist es der garten. vielleicht habe ich aber auch einfach gerade keine lust zum bloggen. 

dafür zum festhalten, was alles im garten passiert, was einzug hält in beete und töpfe. 

am samstag waren wir auf dem pflanzenmarkt der pro specie rara auf schloss wildegg. ganz anders organisiert als in den jahren zuvor verteilten sich die stände auf viel mehr fläche und nicht mehr nur im schlosshof und auf der obersten terrasse im garten. im schlosshof gab es nur verpflegung und information, bei den locker verteilten ständen kein gedränge -vielleicht lag es aber auch daran, dass wir am spätnachmittag unterwegs waren, sonst haben wir immer versucht, früher dran zu sein.

zwischendurch gab es sogar gelegenheit zu rasten -

- im korb sammelten sich: spargel, forellenschuss-salat, eine kapfuchsie, erdbeeren und eine kleine kletterpflanze, die keine unbekannte für uns ist und lange jahre unter dem namen "kletterpflanze aus kytlice" firmierte. nun stellt sich heraus, dass man die früchte sogar essen kann!


am sonntag war dann tomatenparade. in diesem jahr bringen wir es auf 12 sorten, je die hälfte cocktailtomaten, die andere eher fleischige sorten. ich behalte vorerst von jeder sorte eine. der grosse sohn bekommt vier, meine mutter zwei, eine freundin der tochter zwei, ein arbeitskollege von kai nimmt vier, eine bekannte drei. es bleiben immer noch reichlich übrig (wie jedes jahr: sollten sie in der nähe wohnen schreiben sie mir, dann können sie sich gerne setzlinge abholen).

bestandsaufnahme garten

momentan blühen: der bärlauch, blauroter steinsame im steinbeet (beide die letzten tage), die prachtspiere vor dem haus, die glyzinie, die rote spornblume, der rhododendron an der pergola (der andere im unteren garten hat seine knospen grossenteils verschimmeln lassen) erste storchenschnäbel im bergbeet und in den töpfen, akeleien, die schwertlilien neben der gartendusche, wiesensalbei, erdbeeren, maiglöckchen, salomonssiegel, waldmeister... (ich habe sicher noch welche vergessen)

was wir getan haben: die wiese gemäht, mit lawn-sand bestreut und ihr zugeschaut, wie sie stellenweise ganz schwarz wurde. (hier ist das moos abgestorben, das gras wächst weiter) viele pflanzen in töpfe gesetzt: kapfuchsie, kletterpflanze, dahlien, knollenbegonien - vermutlich mehr, an die kann ich mich spontan erinnern.

töpfe aus dem gewächshaus auf die terrasse getragen: alle geranien, lantane. 

kräuter ausgepflanzt: spargel und petersilie ins frisch von unkraut befreite beet wo schon zwiebeln und schnittknoblauch stehen (hoffentlich vertragen die sich). 

begonnen, ein neues beet für beerensträucher von efeu und allerhand hartnäckigem zu befreien.

weiterhin gegen die zaunwicken gekämpft. 

kürbisse gesät.


Mittwoch, 4. Mai 2022

2. und 3. mai 2022 - blogpause?

eventuell wird es in den nächsten tagen hier etwas ruhiger als sonst. ich habe besuch, wir haben besuch und vielleicht habe ich lust zum bloggen, vielleicht aber auch nicht.

Montag, 2. Mai 2022

30. april und 1. mai 2022 - gartentage

der garten verlangt unsere aufmerksamkeit. womit ich nicht nur die belebte natur, sondern auch die infrastruktur darin meine. also verbringen wir das wochenende damit, alles recht hübsch und handlich herzurichten. wir putzen die terrasse, die gartenmöbel, legen den teppich unter den terrassentisch, nehmen die giesskannen aus dem keller und füllen sie, putzen das schwimmbad, lassen wasser ein und nehmen die  pumpe zur reinigung in betrieb. wir suchen die töpfe für die tomaten heraus, bringen sie an ort und stelle (wozu habe ich nach pflanzbehältern gesucht, es hat doch genügend töpfe?), sieben kompost, füllen die töpfe zu zwei dritteln damit. 

und sitzen ab und zu in der sonne, schauen maschinen beim arbeiten zu, essen kuchen (die letzten zwetschgen müssen aus dem tiefkühler), trinken kaffee, später wein, essen reste vom weihnachtsessen, am sonntag dann frischen spargel. der sohn kommt, um den rasenmäher zu reparieren, allerdings springt er bei ihm beim ersten ziehen an der leine an. wir lachen darüber, ein bisschen seltsam finden wir es dann auch. 

es ist schön im garten.


erstes grün am straucheibisch.

der flieder blüht (ich habe den strauch aus einem dickicht von kirschlorbeer herausgeschält, vor zwei jahren. die gelbe azalee, die uns im letzten jahr durch ihre blüten auf sich aufmerksam gemacht hat, hat dieses jahr nicht geblüht).

das allium löst die tulpen ab.

und die akeleien drängeln sich auch in den vordergrund.

stresstest für den naturnahen garten. bitte liebe meisenfamilie, wir haben euch den winter über durchgefüttert, jetzt könnt ihr euch revanchieren, indem ihr euch die bäuche mit raupen füllt.

 
rhododendron. wir haben auch welchen. nicht ganz so viel und nicht ganz so hoch wie auf caerhays, aber immerhin. 

 

 und da war dann ja auch noch was.

Samstag, 30. April 2022

12tel-blick im april 2022

ja, so sah mein 12tel-blick aus, kurz bevor wir nach england gefahren sind. eigentlich kein grosser unterschied zum märz, es war ja auch erst der siebte des monats. naja, immerhin gab es blühende bäume, die hatte es eine gute woche vorher noch nicht gegeben. 

aber kein vergleich zu dem, was uns am 24. des monats erwartete, als wir aus den ferien zurückkamen: die grüne hölle. aber nicht nur gegenüber, sondern auch in unserem garten. 

schade, dass ich keine zwischenstadien zeigen kann. aber immerhin gab es in den letzten tagen einige dramatisch unterschiedliche wetterlagen.


mässig bewölkt. 


sonnig.

neblig.

und kurz vor dem gewitter. 

 

für den überblick entschied ich mich für das bild mit sonne, da kann man nämlich ganz gut sehen, dass noch nicht alle bäume grün sind. 

und jetzt ab dafür zu eva, wo es im april auch ganz schön grün geworden ist.

Donnerstag, 28. April 2022

27. april 2022 - garten

 arbeitstag in der werkstatt, ich bereite dinge vor, die ich am frühlingsmarkt zu verkaufen hoffe. momentan: blumentöpfe/vasen aus filz, die ein wasserdichtes innenleben bekommen. 

am späten nachmittag mache ich einen versuch, die wiese zu mähen. der motormäher springt nicht an, nachdem ich geschätzt  1000 mal am seil gezogen habe, spare ich mir meine kraft für den handrasenmäher. jetzt ist die kleine wiese am haus gemäht, die am dringendsten war. der rest kann erst mal noch bleiben, da blüht es sowieso noch schön. ich jongliere ein bisschen mit töpfen, manches kann schon aus dem gewächshaus ins freie, verschiedene ausgewachsene zwiebelgewächse will ich gleich jetzt aus ihren töpfen direkt ins beet setzen, dann können sie sich dort regenerieren. ausserdem weiss ich jetzt besser, wo noch platz für osterglocken und co ist, im herbst muss ich immer raten und grabe am ende doch wieder zwiebeln aus. aber das meiste muss warten bis zum wochenende. immerhin bin ich draussen, bis die tochter zum abendessen ruft.

Mittwoch, 27. April 2022

26. april 2022 - textiles spielzeug

 es regnet. gestern schon und sonntag auch. mit pausen zwar, aber zwischen den pausen dafür um so heftiger. ausserdem ist mein velo noch in der werkstatt und mein zahnarzttermin liegt vor der öffnungszeit des velomechanikers. also benütze ich
den bus. zum ersten mal ohne maske, allerdings fahre ich ja ohnehin nur sehr selten mit dem bus und dann waren wir ja gerade 2 wochen unterwegs, so dass mir der unterschied nicht gross auffällt. was ich allerdings bemerke: auch das absperrband zum fahrer ist weg und man darf wieder bei der vordersten türe ein- und aussteigen. 

zahnarzttermin geht so, man kann sich ja immer bessere beschäftigungen vorstellen. aber immerhin schmerzfrei und bei einer sehr freundlichen zahnärztin. es musste eine alte füllung ersetzt werden, jetzt ist das kunststoff statt amalgam. 

mit dem bus zum velomechaniker, beim velo musste nach 5000 kilometern die kette ersetzt werden, ausserdem hat es neue bremsgummis und ist insgesamt durchgecheckt. da es mittlerweile von der ganzen familie benutzt wird und auch die eine oder andere autofahrt ersetzt, ist das geld für die reparatut gut angelegt. 

kurz nach zehn bin ich in der werkstatt und darf mein gipfeli essen. ich arbeite an runden gefässen, die ich, so stelle ich mir das vor, auf dem frühlingsmarkt mit blumensträussen verkaufen werde. eine modularbeit wird abgegeben. kurz nach zwölf mache ich feierabend, ich will noch mit dem bereits gestern vorsorglich in der werkstatt abgestellten veloanhänger zum einkaufen. 

mittagessen um eins, es gibt die reste von gestern, dann pause, eine halbe stunde im garten (so allmählich bekomme ich die unkrautsituation in den griff), bügeln, telefonieren, schreibtischarbeit. als auch noch die letzte mail, die ich mir für heute vorgenommen habe, geschrieben ist, kann ich mich endlich um ein kleines spielzeug kümmern, das heute endlich angekommen ist: ein mending-loom, eine art kleiner webrahmen zum flicken von kleidungsstücken. nachdem ich mir ein, zwei videos angeschaut habe, ist mir klar, wie das funktioniert und ich suche mir kais schal mit den löchern um ihn zu reparieren. oder vielmehr um auszuprobieren, ob ich das hinbekomme. es funktioniert. 

naja, noch am üben.

mittlerweile hat kai abendessen gekocht, ich mache noch die küche und gehe auf eine letzte runde in den garten, es hat aufgehört zu regnen.

Dienstag, 26. April 2022

25. april 2022 - der alltag hat uns wieder eingeholt

 nachdem wir am sonntag noch fast alle wäsche gewaschen und so gut wie alles verräumt haben, geht es am montag gleich mit dem alltag los. termine abmachen, planung werkstatt für die kommenden wochen, planung familienleben für die nächste zeit, ein bisschen filzen, küche putzen, mails beantworten, eingegangene arbeiten von kursteilnehmerinnen beurteilen. draussen im garten grinst mich frech das unkraut an, einen teil schaffe ich in einer regenpause, dann geht es wieder drinnen weiter. 


die suche nach geeigneten pflanzbehältern für das gewächshaus verläuft nicht so optimal, kai bügelt, ich koche zum abendessen chicoree auf linsen. dann sind wir beide  durch, so ein alltag ist ganz schön anstrengend.

Sonntag, 24. April 2022

22. bis 24. april 2022 - zurück in zwei etappen, ankunftststag

 nach knapp zwei wochen england hiess für uns am freitagmorgen abschied nehmen von caerhays.

 
 das wurde uns wirklich nicht leicht gemacht. 

ein letzter blick zurück. dann ging es zunächst der küste entlang über mevagissey in richtung st. austell. diese gegend zu erkunden hatte es uns nicht gereicht in den drei tagen auf dem schloss. 

kurz vor bodmin erreichten wir die a 30, dann ging es richtung london, mal auf mehr, mal auf weniger gut ausgebauten strassen. wir staunten, wie schlecht das strassennetz in england insgesamt ausgebaut ist. und passierten kurz irgendwann den steinkreis von stonehenge - der, soweit ich mich erinnere, noch auf jeder fahrt durch england irgendwann passiert werden musste. es staut auf dem streckenabschnitt immer und so kann man mit schöner regelmässigkeit einen blick auf die berühmten steine und die sie bewundernden menschen werfen. 

rund um london wurde der verkehr mühsam und wir hatten eine zeit lang sorge, die fähre vielleicht nicht mehr rechtzeitig zu erreichen, dann aber waren wir doch mehr als eine stunde zu früh in dover, verliessen offiziell das königreich, zeigten für die wiedereinreise nach frankreich unsere covidzertifikate endlich mal wieder vor und warteten fast zwei stunden darauf, auf die fähre fahren zu können.

kurz nach sechs war es endlich so weit, auf dem schiff fanden wir dann gleich platz direkt an der frontscheibe wo wir die ansehlichen wellen auf dem ärmelkanal auch würdigen konnten.

bis wir das festland erreichten war es dunkel, im zweiten anlauf fanden wir das gebuchte hotel und legten uns schlafen.

nach dem frühstück ging es am nächsten morgen über belgien, luxemburg und frankreich wieder zurück in die schweiz. 

den sonntag brauchten wir, um uns wieder ins tagesgeschehen einzuklinken, ausserdem tauchte auch unser kater kasimir wieder auf. aber das ist eine andere geschichte und muss ein andermal erzählt werden.


Freitag, 22. April 2022

21. april 2022 - the lost gardens of heligan

nun, so lost (verloren, einsam) sind diese gärten wohl schon lange nicht mehr, anstattdessen ein eigentlicher touristenmagnet. aber sie waren einmal verloren und haben fast 80 jahre unter einer dicken schicht von vegetation geschlafen, ganz ähnlich wie die skulptur, deren abbildung uns so eigentlich in diese gärten gelockt hat.

 
 wir hatten karten vorgebucht, wie mehr als empfohlen (also eigentlich hiess es im internet, dass man vorbuchen müsse, aber vor ort hätten wir darauf getippt, dass auch spontane besucher an den kassen eintritte lösen konnten)  - und vielleicht war das auch ganz gut so, denn sonst wäre die chance, dass ich angesichts des busparkplatzes (der aber nur mit einem bus belegt war) und der warteschlange vor den wcs vor dem eingang gleich wieder umgekehrt wäre, gross gewesen. nach den kassen verteilten sich die menschen dann auch recht rasch, wir gingen auch nicht gleich dem grössten menschenstrom nach, sondern entschieden uns für den weg am rand entlang, wo wir als eine der ersten attraktionen die schlafende frau fanden.

und wieder bluebells. in einem erstaunlich naturbelassenen waldstück.

die fand ich auch ganz toll, obwohl sie eigentlich unauffällig waren - die blätter erinnerten mich sehr an die gewöhnliche nelkenwurz, bei der ich mich nie richtig entscheiden kann, ob sie bleiben darf.

jedenfalls näherten wir uns auf eher einsamen wegen der ersten hauptattraktion der gärten und da war dann auch gleich viel mehr los. wir reihten uns brav in die schlange ein, um die hängebrücke zu überqueren.

kann man machen.

weiter das "jungle"  bezeichnete tal hinauf gab es baumfarne, bananen und andere feuchtigkeitsliebende pflanzen. dieser bereich geht auf einen alten japangarten zurück, der bereits anfang des 20. jahrhunderts dort angelegt wurde. viele kleine wegchen führen hin und her über das tal, es macht spass, so verschiedenes zu entdecken.

man ist aber ein bisschen auf sich selbst angewiesen. oben deshalb: weiss ich nicht, wuchs am wasser. unten: akebia oder klettergurke.

über eine wiese mit vielen spielmöglichkeiten für kinder und verpflegungsgelegenheiten für erwachsene und gehege für verschiedene seltene nutztierrassen (schafe, pferde, geissen - hühner und truthähne waren drinnen, wegen vogelgrippe) kamen wir dann in die blumen- und nutzgärten des ehemaligen landsitzes und damit auch zu dem, was zur wiederentdeckung der gärten geführt hat. ursprünglich wurden die gärten im 18.  jahrhundert rund um heligan manor angelegt und dienten der versorgung des hauses und seiner bewohner. im lauf des 19. jahrhunderts kam das interesse an exotischen pflanzen dazu, die aus aller welt nach england gebracht wurden. im verlauf zweier weltkriege gerieten die gärten ins vergessenheit, bis sie bei aufräumarbeiten nach einem sturm im jahr 1990 wiederentdeckt wurden. 

im lauf von dreissig jahren ist es gelungen, einen teil der gärten so wiedererstehen zu lassen, wie sie 1914 gewesen sind, inklusive alter pflanzensorten und die wiederentdeckung vergessener techniken der kultivierung. so wurden der mit mauern umgebene blumengarten, aber auch der küchengarten wieder zum leben erweckt, gewächshäuser erneuert und heute wieder ähnlich genutzt wie vor mehr als hundert jahren.



auch in den blumengärten wurde nicht nur der pflanzenschmuck für die räume im herrrenhaus gezogen, sondern auch pfirsiche und weintrauben, dafür konnten die glashäuser mit rohren und einem heizkessel beheizt werden

hier ein ganzes haus voller geranien.

 
einblicke gibt es auch in das büro des obergärtners, wo unter anderem das saatgut aufbewahrt wurde. 

und immer wieder in ideen, wie die vegetationsperiode verlängert oder besonders empfindliche pflanzen geschützt werden konnten.

vollends fasziniert hat uns ein kombiniertes gewächshaus, in dem unter anderem ananas gezogen wurden - nicht als dekoration, sondern zum essen! um diesen spleen reicher gartenbesitzer zu ermöglichen, wurde zwischen den einzelnen mit glas abgedeckten bereichen frischer pferdemist verrottet und die verrottungswärme durch ein system aus kanälen zum heizen der beete genutzt.

auch das haben die gärtner der verlorenen gärten wieder zum leben erweckt - nebenbei wird das gewächshaus aber auch zur anzucht von setzlingen genutzt.

am ende gelangten wir dann noch in den knapp 1 hektar grossen küchengarten - hier wird in einem sechsjahresrhythmus all das angebaut, was auch bereits vor 100 jahren angebaut wurde, von kartoffeln und kohl, über wurzelgemüse, erbsen und bohnen, zwiebelgewächse und kürbisse bis zur salat und spinat. ergänzt durch dauerhafte anpflanzungen wie etwa rhabarber, spargel und artischocken. davon war so früh im jahr noch wenig zu sehen, aber es wurde fleissig gearbeitet. 

bevor wir den garten verliessen, mussten wir noch ihn suchen gehen, den riesen. 

die gärten sind sehenswert, ohne zweifel. aber sie sind auch ganz anders als die gärten, die wir bisher angesehen hatten. hier ist wirklich viel los, das englische fernsehen ist regelmässig zu gast und die mühen der wiederbelebung werden immer wieder mit preisen belohnt. aber gleichzeitig muss man sich selbst darum kümmern, wenn man etwas über die gärten erfahren will, zumindest den führer kaufen, unterwegs durchlesen und auf erkundung gehen. wenn man das nicht will, kann man aber auch einfach zwischen den beeten und pflanzen herumlaufen, den spielplatz nutzen und den jungle als freizeitpark erleben. ich vermute, es braucht die vielen besucher, es braucht die einnahmen aus dem riesigen shop, der nicht nur pflanzen sondern auch jede menge andere souvenirs verkauft. viel geschmackvolles dabei, vieles, auf dem nachhaltig steht, aber statt mit dem kauf eines notizblocks einen liter wasser zu sparen, kann man auch darauf verzichten und vermutlich wesentlich mehr wasser sparen. 

sonst so: letzter urlaubstag. wir sind schon wieder am packen, morgen abend werden wir das festland wieder erreicht haben. wenn sie also morgen hier nichts lesen, wir sind unterwegs. und zuhause zeige ich ihnen dann vielleicht, was wir uns aus england mit nach hause genommen haben.