eindeutig habe ich wieder viel mehr spass am lesen - unabhängig davon, dass diese reihe im blog sich nur geringer aufmerksamkeit und keiner nachahmerinnen erfreut. auch egal, dann ist es halt, wie so vieles hier, vor allem für mich.
tatsächlich habe ich ein bisschen auf dem nachttisch aufgeräumt, dabei sowohl aussortiert als auch zwei bücher doch noch gelesen, die schon im märz thema waren.
zuerst den essayband von anna rosenwasser mit dem titel "herz". er kommt mit dem untertitel feministische strategien und queere hoffnung und in rosa daher und beim lesen stellte ich fest, dass ich das eine oder andere thema oder vielleicht auch teile der texte in anna rosenwassers kolumne in der republik bereits gelesen hatte. schon dort mochte ich die verbindung grundsätzlicher überlegungen zum thema existierender gewalt gegen frauen und queeren personen und persönlicher erfahrungen der autorin, hier noch mehr. nicht alles neu, aber mit spannenden überlegungen dazu, die zu grösstmöglicher toleranz und solidarität auch unter den marginalisierten gruppen aufrufen. und ganz sicher braucht es menschen wie anna im nationalrat!
anschliessend las ich die letzten seiten von jane gardams gute ratschläge - passte ganz gut, denn die zunächst ein bisschen suspekte protagonistin und briefschreiberin, die sich scheinbar an ihre verschwundene nachbarin wendet, beschreibt je länger je mehr ihr eigenes leben und ihre erfahrungen in einer von gewalt geprägten ehe und gesellschaft, die zwar weitgehend nicht körperlicher natur sind, sie aber doch lebenslang in ein enges korsett gepresst haben, dem sie auch nicht mehr entkommen kann, als sie tatsächlich von ihrem mann verlassen wird - und in der auch sie durchaus zur täterin wird. ein beklemmendes buch mit schönen teilen, durch die konsequente einengung der perspektive (wir kennen die welt nur aus dem blick der hauptperson) verwirrend und klar gleichzeitig.
danach brauchte ich ein bisschen lesefutter für eintauchen und fand in der bibliothek einen weiteren roman von joel dicker. ein ungezähmtes tier ist ein krimi - auf drei zeitebenen und mit reichlich klischees versehen geht es um einen raubüberfall, bei dem am ende alles ganz anders ist als zuerst gedacht. die reichen im glaskubus haben mehr zu verstecken als ihr haus es ihnen erlaubt, das paar aus der mittelschicht ist fasziniert und lässt sich in dinge hineinziehen, dient aber letztlich nur der erzählstruktur und ermöglicht es, dass erst so langsam ans licht kommt, was da alles schief läuft, dazu wird dann kaum ein investigativer aufwand gescheut, der allerdings wenig nutzt, wenn man nicht das gesamtgebäude aus lügen kennt. super zum lesen, erkenntniswert gleich null, ich liess mich unterhalten.
anne tyler: der leuchtend blaue faden hatte ich auch schon ein bisschen auf dem bücherstapel liegen. ein bisschen verwirrend fand ich hier den klappentext, der eine geschichte von einem alternden paar ankündigt, dessen kinder selbstständiger werden und das sich die frage stellt, wer sich um das allmählich zu gross werdende haus kümmern soll. - in meinen augen verkauft sich die geschichte hier deutlich unter wert, denn das buch beginnt lange bevor red und abby sich fragen, was aus dem haus werden soll - oder sie fragen sich das eigentlich auch nicht. denn in ein leuchtend blauer faden geht es nicht nur um die geschichte eines paares mit vier ganz unterschiedlichen kindern, sondern auch um die geschichte des hauses und damit um drei generationen, die hier gelebt haben. und im grossen zeitlichen bogen immer wieder um kleine dinge, die die komplizierten emotionalen verbindungen der einzelnen familienmitglieder spiegeln. es passiert nichts dramatisches, doch überall gibt es risse und verwerfungen, die aber nie unüberbrückbar sind und unter denen dann doch genügend familiensinn, pragmatismus und vielleicht einfach anstand stecken, dass es gemeinsam gelingt, die alternden eltern auch in ihrem letzten, manchmal schwierigen, manchmal heiteren, aber oft auch einfach banalen lebensabschnitt zu begleiten.
und dann war da noch ein weiterer band von therese bichsel, einer schweizer autorin. wie bereits bei der linde von linn und bei der grossfürstin anna wurde ich auch in überleben am red river mit dem stil nicht warm. irgendwo zwischen historischem sachbuch und lesebuchprosa kommt nie so etwas wie leben in die figuren - wären da nicht die themen, die mich dann doch schon zum dritten mal zu fesseln vermochten. in diesem band steht die geschichte zweier auswandererfamilien aus der gegend um bern im vordergrund. ihr weg führt sie über aare und rhein nach rotterdam und weiter durchs eismeer nach nordamerika. die richtigen schwierigkeiten beginnen auf dem weg zum red river, und auch dort fehlt es nicht nur an proviant, sondern auch an wohnraum und die mit blumigen worten beschriebenen klimatischen und landwirtschaftlichen bedingungen, die die schweizer zum auswandern bewogen haben, sind ganz anders als gedacht. harte winter müssen überlebt werden, junge töchter werden mit soldaten verheiratet, um das überleben der familien zu sichern, einige ziehen weiter, andere kehren gar in die schweiz zurück - die schweizer kolonie in kanada kommt eigentlich nicht zustande. ein spannendes kapitel migrationsgeschichte, auch wenn es wahrlich kein lesegenuss war.
ich würde sagen, die sache mit dem verlinkungstool erspare ich mir hier diesmal, wenn sie gerne verlinken möchten, sagen sie mir bescheid oder schreiben sie es in die kommentare. ich freue mich über ihre lesefreuden an anderer stelle zu lesen!



