Sonntag, 1. März 2026

kw 9 - zu viel drinnen während es draussen frühling wird

 diese woche also ganz zum schluss schon märz. und viel frühling die woche über schon. während ich am dienstagmorgen in meiner tschechischstunde noch "přichází jaro" (der frühling kommt) gelernt habe, hätte ich spätestens am mittwoch formulieren können "jaro je tady", der frühling ist da. die temperaturen waren teils mehr mai als ende februar und die aussengastro erblühte im wettstreit mit flächendeckenden elfenkrokusteppichen. 

auch bei uns im garten gibt es welche und irgendwann wird auch hier ein teppich blühen - vorausgesetzt wir bleiben noch eine weile hier wohnen und bewirtschaften den garten auf eine anscheinend krokusfreundliche art und weise - was ich daraus schliesse, dass es von jahr zu jahr mehr geworden sind.
  
das ist aber keineswegs sicher, das hierwohnenbleiben, denn neben den krokussen bietet der garten halt auch so richtig viel arbeit und ganz abgesehen von ein paar anderen details ist das schon ein grund, in nicht allzu ferner zukunft und nach demnächst bevorstehendem auszug des letzten kindes wieder heftiger über einen umzug nachzudenken. der ausfall der öl(!)heizung gegen ende der woche und die nicht ganz billige wartung, die das nach sich gezogen hat, tragen ihr übriges dazu bei. 
die neueste modifikation des in deutschland ja mittlerweile selbst bei seriösen medien als "heizungsgesetz" geframten gebäudeenergiegesetzes betrifft uns ja nicht direkt, aber aus der erfahrung können wir sagen, dass wir noch keinen vermieter gehabt haben, der freiwillig eine heizung eingebaut hätte, die ihn zunächst teurer kommt, aber dafür nicht den mietenden die last für steigende energiekosten aufbürdet. und der aktuelle wohnungsmarkt lässt das halt zu, weil mietende auch weiterhin nicht in der lage sein werden, eine wohnung mit ölheizung abzulehnen, und so die vermieter zur modernisierung zu zwingen. und da haben wir den katastrophalen rückschritt für das klima noch gar nicht eingepreist. 
 
aber zurück zu meiner woche: mässig arbeit in der arbeit, für eine sitzung mit dem vorstand musste ich nicht kommen, dafür nahm dann das mitteilen der ergebnisse durch zwei personen mehr oder weniger den mittwochvormittag ein. und dabei habe ich noch nicht einmal das protokoll gelesen. immerhin weiss ich jetzt sicher, dass das kommende jahr mit gutem willen beworfen wird, aber die zuversicht über eine temporäre besetzung der vakanten stelle gering ist. plan b ist durchwursteln, na dann: prosit. wie das aussehen wird, weiss ich ja schon. 
 
trotzdem war ich nicht so oft in der werkstatt und habe mich anstattdessen mit den letzten vorbereitungen für die gv des vereins filzszene beschäftigt. die präsentation steht, das darumherum will noch ein bisschen werden, aber es gibt eigentlich kaum mehr etwas, was wir nicht auch am kommenden samstag vor ort noch schnell lösen könnten. was mich freut: die anmeldungen sind zahlreich, auch wenn wir in diesem jahr in der zentralschweiz, in ebikon bei luzern, tagen werden. 
 

 
beschäftigt habe ich mich vor allem mit ein wenig entwurfsarbeit für einen grösseren shirdak. da wirkte der shirdaksamstag von letzter woche noch nach. die abbildungen originaler alter shirdaks zeigen ganz häufig abgeschnittene muster und zeugen davon, dass da wahrscheinlich eher ohne grossen plan gearbeitet wird. ob es meinem teppich schadet, wenn ich das anders mache? 
vorerst suche ich nach einer guten lösung bei der flächeneinteilung - mit dem ziel möglichst meine filzflächen alle verwenden zu können. bei den bordüren rundherum habe ich eine idee, wie ich die ecken gestalten möchte, die gar nicht der tradition zu entsprechen scheint - aber ein traditioneller shirdak ist es ja auch gar nicht, was ich machen will. 
 
gegen ende der woche gab es noch einen ausflug (nicht weit, aber momentan nicht unbedingt erreichbar) an einen ort, der vielleicht spannendes nach sich zieht. drücken sie mir mal trotz kryptik die daumen, der ort ist schon mal schön geworden in der zeit, in der er nicht zugänglich war. 
 
abendprogramm gab es diese woche gleich zweimal: 

am mittwochabend sahen wir schon das vierte stück unseres theaterabos, aber wieder hatten wir uns verwählt. "baustelle", so der titel des stücks, bringt echte bauleute auf die bühne, aus ganz verschiedenen gewerken, aber immer mit viel berufsehre. gespielt haben sie toll, oder vielmehr ihre rollen ausgefüllt, denn eigentlich verkörperten sie ja vom "stromer" bis zum strassenbauer sich selbst in ihrer ganzen unterschiedlichkeit von herkunft, bildung, haltung. ganz viel berufsstolz war da auf der bühne, nur leider war das dann ungefähr so tiefgehend wie das zufällig belauschte gespräch im öv oder am nebentisch im restaurant. wer im richtigen leben ab und zu hinhört, hatte viel schon gehört, vom hierarchiegefälle unter den gewerken, von vorurteilen gegenüber und untereinander, vom begründeten oder unbegründeten vorwurf des sexismus und halt leider auch reichlich platitüden. an einer stelle wurde es ein bisschen lyrisch, mal ein bisschen gesellschaftskritisch, aber ansonsten: berufsmesse auf der bühne. das publikum ausnahmsweise aber wenigstens zu einem grossen teil in einem alter, wo man noch mal über den gewählten beruf nachdenken könnte, und nicht bereits das berufsleben hinter einem liegt. inklusive auftritt einer standesgemäss angelegten truppe von zimmerleuten, also im publikum. wir gingen erneut ratlos und wenig schlauer oder nachdenklicher nach hause. oder doch: hat sich das theater verändert? ist es gefälliger, zugänglicher geworden, während wir immer noch schweres, moralisches, neues, denkanregendes erwarten? 
 

und dann waren wir am samstagabend noch recht spontan bei einem konzert im kulturhaus royal, das uns immer mehr zum erweiterten wohnzimmer wird. hier gab es balkandisco von malo morgen und einen auftritt von the nozez, einer virtuosen truppe, die mit viel perkussion, einer gitarre, einem waldhorn und einer klarinette irgendetwas zwischen traditioneller musik aus südosteuropa und klezmer boten. wild, bewegt, laut, aber auch leise, ruhig und zum hinhören. mit viel rhythmus einerseits, ganz verspielt in anderen passagen. und absolut gute-laune-machend! 
den ersten teil des konzerts verbrachten wir nach einem zumindest für mich etwas endlosen samstag in den alten kinosesseln, in der zweiten hälfte war unser platz mehr vorne bei der band - die sich ganz zum schluss, wie auch bereits am anfang, unters publikum mischte. ein gut teil der gäste teilte den kulturellen hintergrund der band - es wurde in der schmerzhaft kleinen runde mitgesungen, ich denke, es war etwas traditionelles.  
 

 leider ist das wetter ausgerechnet zum wochenende hin wieder ein bisschen schlechter geworden - am samstag war mir das ein bisschen egal, weil wir morgens eine ausführliche einkaufsrunde gestartet haben, inklusive drogerie- und baumarkt zusätzlich zu den üblichen einkäufen auf dem markt. am nachmittag widmete ich mich einerseits dem finishing der gv nach anmeldeschluss und andererseits schuf ich die voraussetzungen für einen guten start in die neue woche, danach dann kochen, kai brachte aus dem kino einen gast mit und nach frühem abendessen ging es ja eh in den club. 

am sonntag ausschlafen, gartenarbeit bis zur kompletten füllung der zweiten grünguttonne - kai sägte nebenbei einen teil der bereits geschnittenen bäume in handliche stücke - und anschliessend ein good-will-besuch im kulturzentrum. die kollegin organisierte bereits den zweiten musikabend, vorbeigeschaut habe ich vor allem wegen ihr und weniger wegen der musik - gitarrenrock ist nicht so meins. 
 

im februar gelesen

der februar war ein lesemonat für mich - und ich habe wieder begonnen, regelmässig in unsere dorfbibliothelk zu gehen. immer dienstags nach dem schwimmen schaue ich dort vorbei. es ist dann meist recht ruhig und ich kann ein bisschen mit den bibliotheksangestellten plaudern und mir lesetipps geben lassen. und auch welche zurückgeben. 

mit kristine bilkaus roman halbinsel hatte ich das erste buch schon am ersten tag es monats ausgelesen. ich lag krank im bett und hatte viel zeit zum lesen (und schlafen). die geschichte spielt an der nordsee, wichtiger aber: auf dem land in einem kleinen dorf. eine mutter holt ihre tochter aus der grossen welt zu sich nach hause, nachdem diese bei einem vortrag ohnmächtig geworden ist. die tochter engagiert sich in umweltfragen - und ist die grosse hoffnung der mutter. nun allerdings sitzt sie auf dem dorf und damit für die mutter in einer sackgasse fest. oder ist alles ganz anders? ich jedenfalls hatte viel verständnis für die totalverweigerung der tochter oder vielmehr ihre suche nach einem anderen weg. lag vielleicht auch an meinem eigenen zustand... 

gut lag gleich noch eine leseempfehlung der bibliotheksangestellten auf meinem nachttisch. therese bichsels unter der linde ist hier ganz in der nähe verortet. die linde des titels ist die linner linde, ein über 800 jahre altes baumdenkmal, das nur etwa 15 kilometer luftlinie entfernt von hier auf dem bözberg steht und das ich von vielen spazierwegen aus sehen kann. 
in episoden lässt therese bichsel die geschichte der menschen von linn und der linde aufleben - eine grosse rolle spielen immer wieder frauen. eingebettet sind die einzelnen episoden in eine rahmenhandlung in der gegenwart, vielleicht eine liebesgeschichte? oder eher doch nicht. jedenfalls ragt in dieser geschichte die historie des baums auch in die gegenwart hinein. und: die webcam des baums, die im buch erwähnt wird, gibt es tatsächlich! - gerne gelesen, ich werde es zum anlass nehmen, mal wieder bei der linde vorbeizuschauen. 

ebenfalls aus der bibliothek ausgeliehen hatte ich mir meral kureyshis im meer waren wir nie. diesen satz sagt die hochbetagte lili im altersheim zur ich-erzählerin, die sich um lili kümmert. und um deren urenkel eric, einen nicht ganz unkomplizierten jungen, den sie zusammen mit sophie grosszieht. und da sind dann auch noch klara, die tochter lilis und die schwester der ich-erzählerin. unausgesprochen schwingt das nicht-von-hier-sein der erzählerin mit, soziale unterschiede im aufwachsen auch, aber auch das anders-sein der verschiedenen generationen, der umgang mit dem tod. der ton ist lakonisch, nicht zu sehr in einer bestimmten gegenwart oder an einem platz verortet - so habe ich lange gebraucht herauszufinden, dass die handlung in der schweiz angesiedelt ist, hätte auch gut irgendwo anders sein können. 
ein bisschen gewöhnungsbedürftig fand ich das springen in zeit und raum, es braucht so eine weile, bis man sich im kosmos dieser frauen zurechtfindet, aber es ist ein leichtes buch über schwere themen. 
 

aus gründen vertiefte ich mich in ein bisher nur angelesenes geschenk von kai, "die magische langmatt". der band über das wohn- und impressionistenmuseum ganz in unserer nachbarschaft ist anlässlich des umbaus des hauses vor zwei jahren erschienen und zwar nicht zu dessen ende, sondern zu beginn. ein wenig geht es um die geschichte des ehemaligen wohnhauses der familie von charles brown, der die geschichte der hiesigen industrie bei der bbc entscheidend mitgeprägt hat, zeitlebens aber auch ein sammler impressionistischer malerei war. in der hauptsache geht es aber um die "rettung" der langmatt, wie haus und umgebender park heissen. finanziell stand das als stiftung organisierte museum nicht gut da und sanierungsarbeiten waren dringend, einziger ausweg ein sensationeller bilderverkauf, nicht unumstritten, aber letztendlich die lösung. nun wurde in den vergangenen beiden jahren umgebaut und die wiedereröffnung steht im mai bevor.  

wieder aus der bibkiothek hatte ich mir den neuesten irving besorgt, königin esther. viele bände von irving besitze ich ja selbst, aber die kritiken für dieses werk waren nun so schlecht, dass ich froh war, dass meine bibliothek auf meinen anschaffungsvorschlag eingegangen ist. 
und? ist das buch so schlecht, wie es kritisiert wird? nun, neues habe ich nicht erwartet, viele, viele topoi kommen halt immer wieder in irvings büchern vor. es wird gerungen, es gibt waisenkinder (inklusive auftritt des dr. larch aus gottes werk und teufels beitrag) und interessante verwandtschaftsverhältnisse, diesmal fehlte der bär, also insgesamt sehr irving. in der mitte wird es wirklich zäh, viel bohei um eine fixe idee der elternschaft, inklusive bettszenen. über weite strecken spielt das jüdischsein der leiblichen mutter des hauptcharakters kaum eine rolle, das ändert sich dann im, ich würde mal sagen letzten siebtel des buchs: plötzlich gibt es details aus der geschichte des konflikts zwischen palästina und israel, vorher wurde nicht einmal die staatsgründung, die durchaus in die behandelte zeit fällt, auch nur erwähnt. der gedanke, dass das buch aktualität bekommen sollte im anhaltenden krieg, liegt nahe. schön fand ich die haltung zur formulierung "from the river to the sea" - ja, mit diesem anspruch können beide seiten nur falsch liegen und entfernen sich immer weiter von der lösung des problems und einer möglichkeit des friedlichen miteinanders. warum aber legt irving ausgerechnet und nur der palästinenserin so extreme worte in den mund? oder habe ich da etwas überlesen? (kein spoiler, sie müssen das selbst lesen um diese frage beantworten zu können, und wie gesagt, buchstäblich bis zur letzten seite. 

und nun sind wieder sie dran! was haben sie gelesen, was hat sie an der lektüre bewegt? 
im vergangenen monat gab es immerhin einen eintrag in die liste, dankeschön! 

 

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Montag, 23. Februar 2026

sonntagsspaziergang im februar 2026

nach einer woche voller wetteraufundab wurde uns für den sonntag trockenes wetter, vielleicht sogar ein bisschen sonne versprochen. zeit also, endlich rauszugehen, und vielleicht ein bisschen den frühling zu suchen. 


 nachdem wir den spaziergang an der reuss vor zwei wochen so schön gefunden hatten, suchten wir uns diesmal einen grösseren fluss aus. unser wohnkanton führt ja bereits drei flüsse im wappen, aare, reuss und limmat, dabei geht manchmal ganz vergessen, dass da auch noch der rhein ist, der den kanton im norden begrenzt. und hier auch grenzfluss ist, auf der anderen seite ist deutschland. 

zwischen koblenz und bad zurzach haben wir unser auto abgestellt und sind dem fluss zunächst flussaufwärts gefolgt. hier ist eine der wenigen strecken, in denen der rhein unreguliert fliessen darf, der blick geht auf dem bild nach westen über die stromschnellen, in der mundart heissen sie laufen. 

grenze heisst hier auch immer verteidigungsanlagen - ob die bunker am rhein noch aus dem zweiten weltkrieg oder aus der phase des kalten kriegs danach stammen, weiss ich nicht, aber der hier wurde als aussichtsplattform umgenutzt. 


und hier nähern wir uns schon unserem eigentlichen ziel, einem altarm des rheins. man kanns schlecht lesen, aber das schild verbietet das befahren des seitenarms. 


und da ist er dann auch schon, der chly rhy (kleiner rhein) genannte seitenarm, der seit ein paar jahren naturschutzgebiet ist. 
 

 

hier wurden auch alte bunker umgenutzt - anstelle der klappe, aus der man schiessen konnte, hat es hier ein insektenhotel. 


wir biegen aber zuerst nicht links ins auenschutzgebiet ab, sondern gehen über die angeschweummte halbinsel in richtung rietheim. hier stehen noch die wiesen unter wasser, wir hören auch pumpen, mit denen das schwemmgebiet entwässert wird. 


schon fast in bad zurzach stehen drei solcher türme - sie dienten einmal dazu, sole zu fördern. 1914 wurde hier nach salz gegraben und danach das in etwas mehr als 300 metern lagernde steinsalz als sole ausgeschwemmt. salz wird hier keines mehr gefördert, aber nebenbei hat man bei den bohrungen auch thermalwasser gefunden und das thermalbad gibt es noch immer. 

im soleturm gibt es ein gucklochmuseum, so dass man ins innere des turms schauen kann. es hätte auch schaukästen gegeben, aber da war leider das licht kaputt. 

und dann gibt es da noch ein schrebergartengebiet, in dem es viel zu sehen gibt. 


viel pflanzen"schutz", aber erstaunlich wenig frühling. 

und dann sind wir wieder am rhein. 


hier entdecken wir dann doch noch den frühling. 


oh, flore pleno, wie ich erst neulich bei elke lernen durfte. 
 

gleich sind wir an der barzmühle, längst stillgelegt, aber am mühlensonntag kann man sie regelmässig anschauen. ich lese auf einer tafel, dass hier ursprünglich eine schiffmühle war, also eine mühle auf einer schwimmenden plattform, die am ufer befestigt war. so begegnete man dem problem unterschiedlich hoher wasserstände auf dem breiten fluss. 

heute gibt es ein höhenverstellbares mühlrad, mit spannender kraftübertragung per kette. wir diskutieren, warum das eine kette ist und nicht zum beispiel ein zahnriemen, kommen aber zu keinem sinnvollen ergebnis, wir nicht-ingeneur:innen. 


 ein paar meter weiter flussabwärts gibt es im sommer an wochenenden immer noch eine kleine personenfähre. dass das früher einmal ein wichtiger flussübergang war, davon zeugt ein kleines zollhäuschen, das wir allerdings nur hinter dicken hecken und hohen zäunen erahnen können. 


 mal noch ein bisschen natur - wir wundern uns über das fast vollständige fehlen von biberspuren. 


 auch auf der anderen flussseite hat es schrebergärten. 


 bäume schauen dich an ... und wie schaust du zurück? 


 dann sind wir wieder am seitenarm chly rhy. 


 also biber gibt es hier sicher - davon zeugt die tief eingegrabene biberutsche und die "wege", die auf die felder führen. aber was fressen die biber hier? (die felder sind längst abgeerntet). 


 im auenschutzgebiet gibt es eine beobachtungsplattform -aber ausser dem mosaikreiher waren keine vögel da. 


 dafür finden wir noch ein paar frühlingsboten. 


 auf dem rückweg zum auto muss ich ganz schnell noch diese mauern fotografieren. es bleibt unklar, zu was sie hier standen. zunächst haben wir es für den anfang eines mühlkanals gehalten, aber den findet man nirgends, dafür gehen die mauern fast rund um eine innenkurve. vielleicht konnte man hier sicher die stromschnellen seitlich überwinden? 

schön wars, ungeplant mit mehr kultur als natur, und mit um die zehn kilometern fast ein bisschen viel ohne pause und proviant, aber dafür freuten wir uns um so mehr zu hause über tee und kuchen. 

unser spaziergang wird nun gleich noch bei heikes monatsspaziergang verlinkt und dann geht es ab in die neue woche. 


kw 8 - zwischen schnee und frühling

 ich kann mich nicht richtig entscheiden: eher bewegte woche oder eher ruhige woche? bewegt, weil ich wirklich viel unterwegs war. ruhig, weil es wenig überraschungen gab und ich schon anfang der woche einen ziemlich genauen plan hatte, den ich einfach nur noch durchziehen musste. 

auf jeden fall war ich wirklich viel im kulturzentrum: montag- und mittwochvormittag, und dann ab donnerstag noch jeden tag für mindestens eine halbe stunde, manchmal auch zwei mal an einem tag. wir hatten volles haus in sachen privatvermietungen, aber so weit ich das jetzt absehen kann, hat alles gut geklappt. auf einer anderen ebene war es dort natürlich turbulent wie immer - zwischenmenschliches, auf vielen ebenen, selten nur hört jemand zu, aber das ist nichts neues mehr. 

die werkstatt kam daneben ein bisschen zu kurz, aber immerhin konnte ich am donnerstag eine privatlektion geben, ein schönes sitzfellchen ist entstanden. bei der offenen werkstatt war ich mal wieder alleine, dafür kamen am samstag vier vereinskolleginnen (und ich) in meiner werkstatt zusammen, um an den shirdaks weiterzuarbeiten. die meisten sind jetzt beim zweiten sitzfilz auf dem weg in die zielgerade, an der diesjährigen generalversammlung werden wir etwas zeigen können. ein langzeitprojekt für eine jacke aus shirdak ist gestartet und ich überlege, als nächstes einen teppich in angriff zu nehmen. 

 

ein bisschen kurzfristig habe ich mich entschieden, am dienstag doch noch an die anni albers ausstellung nach bern zu fahren. sie endet am sonntag - also keine werbung mehr für diese schau. 

trotz einiger sonnenstrahlen war ideales museumswetter. 

einige vereinskolleginen hatten die ausstellung über das werk der weberin, textilkünstlerin und -designerin schon gesehen und begeistert berichtet. ich hatte mir ein ticket für eine führung über mittag reserviert, war aber schon ein bisschen früher da, so dass ich mich schon vohrer umschauen konnte. 

gleich mal das werk vom plakat entdeckt - gar nicht mal so gross. aber es enthält schon viele elemente des schaffens von anni albers: klare linien, oft sogar eine art raster, und darüber frei eingefügte fäden. 

die kurze führung setzte ein bisschen tief an, ich denke, dass ausser mir auch noch sehr viele andere teilnehmende grundsätzlich über die technik des webens bescheid wussten - allerdings immerhin mitgenommen, dass diese freien fäden im bild oben nicht anschliessend eingestickt, sondern im webprozess eingefügt wurden. (ich habe aber mindestens ein werk gesehen, bei dem ich mir das nicht vorstellen konnte, weil die fäden auch in kettrichtung/webrichtung nicht nur vorwärts, sondern auch rückwärts gingen.) 


hier kann man die sache mit dem raster noch mal gut sehen. 

nach der führung habe ich mir noch die verfügbaren audiokommentare angehört und hier deutlich mehr mitgenommen. 


dreiecke statt kästchen - hier kam die inspiration aus der indigenen kultur süd- und mittelamerikas. fotogafiert vor allem wegen der signatur unten, dabei ist das stück nicht von anni albers selbst gewoben worden, sondern nur von ihr entworfen. prompt vergessen, den namen der weberin zu notieren. 


 das war mein lieblingsstück in der ausstellung - ein raffiniertes spiel mit durchgehenden und im zickzack eingezogenen schussfäden. da bekam ich lust, so was mal auszuprobieren. die leuchtenden farben sind natürlich ein zusätzliches plus. 

fotografiert habe ich fast ausschliesslich einzelne handwebarbeiten von anni albers - in der ausstellung auch zu sehen war ihre arbeit für stoffhersteller - einerseits kleine material- und webproben, meist auch von hand angefertigt. andererseits ganze bahnen der stoffe, die häufig sehr innovative techniken oder materialien benutzten. 

gegen ende ihres lebens hat anni albers dann begonnen, mehr auf papier zu arbeiten - diese zeichnungen fand ich dann eher nicht so spannend. überhaupt war ich froh, dass ich mir die zeit genommen hatte, die ausstellung zu besuchen, aber so richtig überwältigt war ich nicht. vielleicht kann man das aber auch gar nicht so recht sein, bei einer arbeitsweise, die halt schon sehr stark auf reduktion und zurückhaltung basiert. 

auf dem weg zum bahnhof wollte ich mir dann nur schnell mal eine helle sockenwolle kaufen, für den shirdaktag am samstag, das gestaltete sich allerdings dann deutlich komplizierter als gedacht, auf dem weg zum zweiten geschäft wurde ich richtig, richtig nassgeregnet, aber dafür mit einem wirklich schönen wolleladen belohnt: 

 

 kann man sich kaum vorstellen... 

dabei hatte ich am dienstag noch direkt glück mit dem wetter - am mittwoch sah es dann kurzfristig mal so aus bei uns im garten. der schnee hat aber nur einen nachmittag gehalten, dann fing es an zu regnen und am anderen morgen war die weisse pracht schon fast weg. 

am mittwoch hat auch die fastenzeit begonnen - und zwar für christen und muslime gleichzeitig, selbstverständlich auch für alle, die einfach mal mitfasten wollen. ich bin in mein traditionelles fasten schon vor zwei wochen gestartet, weil ich nach der magen-darm-geschichte keine lust auf alkohol hatte, habe ich das gleich als start in die fastenzeit genutzt. so, habe ich mir ausgerechnet, bin ich dann auch zwei wochen eher fertig und da wir zwei wochen vor ostern für ein paar tage verreisen werden, passt das dann ganz gut. 

zum wochenende wurde das wetter dann immer milder und nachdem es den samstag quasi durchgeregnet hatte, versprach der sonntag, trocken und ein bisschen sogar schön zu werden.  

zeit für einen sonntagsspaziergang.  

Sonntag, 15. Februar 2026

kw 7 - zwanzigprozentige ferien

so, zweite ferienwoche und auch für mich sind noch ein paar tage ferien abgefallen. konkret hatte ich von dienstag bis freitag frei - also zu jeweils 20%. letztendlich macht es ja wenig unterschied, da ich ja auch sonst nicht jeden tag fürs kulturzentrum arbeite, aber da gerade wirklich wenig zu tun ist, bot es sich an, endlich mal resturlaub abzubauen. man könnte es auch umwandlung von ferientagen in überzeit nennen, aber das behalte ich mal lieber für mich. 

und tatsächlich gab es auch einen richtigen ferientag, mitten in der woche. kai hatte sich ebenfalls frei genommen und mir wurde der wunsch nach einem thermalbadbesuch erfüllt. eigentlich haben wir ja das beste und wärmste wasser hier vor der türe (oder, wortspiel: sitzen hier thermalwassermässig ja an der quelle...), aber ganz ehrlich, ich mag die badearchitektur von herrn botta nicht so richtig gerne und wollte auch schon länger mal wieder ins solemar nach bad dürrheim. da traf es sich ganz hervorragend, dass wir eh noch ein paar schuhe in frittlingen bestellen wollten. 


auf die kleine schuhfabrik geiger zwischen schwarzwald und alb sind wir vor vielen jahren durch einen freund aufmerksam geworden, und haben immer mal wieder dort schuhe bestellt. diesmal war das letzte paar schuhe aber so lange her, dass wir neu vermessen werden mussten. und während kais masse aufgenommen wurden, habe ich mir erlaubt, ein foto von der werkstatt zu machen. 

schuhmacherei, kaffeetrinken, thermalbad und abendessen waren für den komplett verregneten tag genau das richtige programm.  

schön war auch, dass ich diese woche richtig viel in der werkstatt war - neben zwei schalen mit verschiedenen wollmengen auf derselben schablone wurde ein set ineinander passender filzschalen fertig. 


 und am freitag durfte ich einem weiteren sitzfellchen zum gelingen verhelfen: 


 nicht alle zackelschafe sind wirklich nur weiss - das hier hat auf dem rücken ganz fein gekräuselte locken mit ein wenig dunklen haaren. 


 freitag hatten wir karten fürs one of a million festival - alle kinder sind hier sehr bis mittel (wobei mittel schon für einen superhelferinnenpass ausreichte) engagiert. es ist ein festival für bands und acts, die noch nicht so bekannt sind und es gibt immer viel experimentelles, nicht nur in klassischen konzertlocations sondern auch an etwas ungewöhnlicheren orten wie der abdankungshalle das friedhofs oder einer kegelbahn unter einem hotel. wir waren in diesem jahr sehr gezielt dort, denn wir wollten uzi freyja mit ihrer band sehen. ich habe mich ein wenig ertappt gefühlt, dass ich dabei zumindest an eine gemischte besetzung gedacht habe, tatsächlich wurde die kamerunische sängerin von zwei frauen am schlagzeug und synthesizern unterstützt. und das war dann schon noch mal viel besser als im dynamo wo wir sie als support act von noga erez gesehen hatten. musikrichtung irgendwas zwischen rap und pop, durchaus auch politisch, gerne mal reinhören, ich finde, es ist gutelaunemusik


 im vollen royal war tolle stimmung! (und tatsächlich hatte sie uns wiedererkannt - wir hatten nach dem konzert im dezember kurz mit ihr geredet und so erfahren, dass sie nach baden kommt...) 

inzwischen haben wir hier den zigsten wintereinbruch, heute morgen war der wald, so weit sichtbar, ab ungefähr der höhe, wo wir wohnen, beschneit, inzwischen ist aber schon wieder alles weggetaut. nach einkaufsrunde am samstag und der obligatorischen gartenarbeit (kai hat den letzten weissbuchenstamm gekappt, ich die sich als erstaunlich hartnäckige herausstellende glyzinie geschnitten) haben wir für den heutigen sonntag, mit aussicht auf weiterhin greisliches wetter einen zuhausebleibetag beschlossen. 

also habe ich hefeteig angesetzt und walnuss- und quarkschnecken gebacken. walnüsse hatten wir reichlich, weil ich im herbst eine grosse tasche davon von meinem onkel bekommen habe. und quark musste auch weg. nun haben wir wieder vorräte im tiefkühler. 

und weil das backen mit hefeteig ja immer wieder pausen produziert, habe ich nebenbei viele hosen und eine jackentasche von kai repariert. und weil ich wollte, dass nichts mehr herumliegt, was eine nutzung der nähmaschine verlangt, habe ich auch noch eine filztasche mit lederner griffverstärkung ausgestattet. vielleicht miete ich doch noch einen stand am frühlingsmarkt... mal sehen ob ich jemanden finde, der/die für mich hinter den stand steht... 

also hosen zum arbeiten in der werkstatt oder im garten, auch zum im wald rumlaufen habe ich jetzt wieder genug. 


 äh ja, und den flicken auf der tasche sieht man nicht von aussen, es hatte sich die innenseite der tasche durchgeschabt, allerdings befand sich das textil schon in einem zustand, wo es mir ein grosses rätsel war, woran ich den flick überhaupt noch befestigen sollte... am ende ist es aber doch ganz haltbar geworden und nicht zu hässlich. 

sonst noch so? 

die haseln blühen wie verrückt. ich muss dann immer an impressionistische malerei denken, aber das musste ich diese woche sowieso schon immer mal wieder.