Donnerstag, 28. Mai 2026

tag sechs und sieben in prag: ruhetag und prager burg

 am dienstag brauchten wir einen ruhetag. den verbrachten wir mit frühstücken in einem schattigen innenhof, dann mit besorgungen: die weingläser, die wir schon im letzten jahr kaufen wollten, sind jetzt gekauft und ganz, ganz gut verpackt für die heimreise im zug und ich habe die riesige post am wenzelsplatz benutzt um zwei postkarten aufzugeben, was allerdings so schnell ging, dass ich keine zeit hatte, die wunderschöne schalterhalle zu geniessen. und weil beides so schnell gegangen war, waren wir zuerst ein bisschen überfordert, was mit dem rest des tages anzufangen wäre, fuhren dann aber zum botanischen garten und setzten uns in den schatten und anschliessend in eine gastwirtschaft nebendran. 


nach einer mittagspause im appartement brachen wir erst wieder gegen spätnachmittag auf - es ist wirklich heiss und auch wenn die stadt natürlich keine siesta macht, machen wir das, wir sind schliesslich im urlaub hier. 

mit sandwiches und gekühlten getränken ausgestattet fuhren wir zum petřin - allerdings mit umwegen. eigentlich führt einen standseilbahn auf den berg mit dem kleinen eiffelturm, die war schon im letzten jahr ausser betrieb, aber unser schon sehr auf schweizer verhhältnisse getrimmtes hirn konnte sich nicht vorstellen, dass man so eine touristenattraktion länger als eine saison stillstehen lässt. ist aber halt doch so. also stattdessen mit tram und bus zum stadion, von dort durch die olympiasiedlung (wann gab es olympische spiele in prag?) und den rosengarten zum turm. 

 und weiter zur ein wenig vesteckt gelegenen aussichtsplattform maria im exil beim kloster strachov. 

eine tolle aussicht, und eigentlich ein ruhiger ort, wäre da die englisch sprechende reisende nicht gewesen, die zunächst mit ihrer begleitung ihre essgewohnheiten diskutieren und anschliessend mit einer verwandten in beziehungskrise telefonieren hätte müssen. das tschechische bier hatte ihr auch schon ein bisschen sehr gut geschmeckt...

auf dem rückweg von der kleinseite aus nahmen wir eine strassenbahn, die uns noch eine grosse runde durch verschiedenen stadtbezirke fuhr - so kann man auch viel von der stadt sehen. 

am mittwoch starteten wir wieder durch, was das touristenprogramm angeht. also mehr ich, denn kai hat sich für die besichtigung des veitsdoms ausgeklinkt. wir frühstückten früh, dann nahm ich metro und tram bis kloster strachov und ging bergab zum haupteingang der prager burg. 


 kurz nach neun war es dort noch recht leer und ein putzwagen besprühte das pflaster mit wasser. 

ganz ohne schlange kam ich in den dom. 

so ganz leer war der allerdings auch nicht mehr. 
 

zuerst ärgerte ich mich ein bisschen, dass es absolut keine zugänglichen sitzgelegenheiten gab, um in ruhe die riesige kirche wirken zu lassen, und der weg durch das kirchenschiff mit seilen abgetrennt und so strikt vorgegeben war. mein plan mir in ruhe im reiseführer nach und nach informationen zu holen ging so nicht auf. 

dann aber liess ich mich einfach auf die atmosphäre zwischen den reisegruppen ein, nahm mir den notwendigen raum und auch die zeit zum fotografieren - wobei sich der schwerpunkt ein wenig auf die menschen in der kirche verschob. 


 
 
ich mochte auch sehr gerne das licht, das noch reichlich von seitwärts durch die fenster im chor einfiel.  

  

im älteren teil der kirche hat es viele schöne gotische altäre. 



dort im umgang um den altar befindet sich auch das grab des heiligen veit (kaum beachtet) und des heiligen johannes von nepomuk, dem eigentlichen hauptheiligen in böhmen. 


 nur hat man beim aufstellen dieses monuments nicht mit solchen besuchermassen gerechnet - es staut sich also regelmässig vor dem nepomuk und alle müssen einzeln an ihm vorbei. 


die legende des erst im 18. jahrhundert heiliggesprochenen priesters macht ihn zum beichtvater der königin - der gemahlin von könig wenzel iv. diese wurde von ihrem mann der untreue bezichtigt. johann nepomuk sollte die beweise liefern, er aber blieb standhaft, berief sich auf das beichgeheimnis und wurde dafür von der karlsbrücke in die moldau gestürzt. tatsächlich stand hinter dem gewaltsamen tod durch ertränken (eine im 14. jahrhundert durchaus gängige art der bestrafung) ein politischer grund: in der zeit des kirchenschismas kam es zu konflikten zwischen klerus und krone um die abgrenzung weltlicher und kirchlicher machtbereiche in böhmen, vor allem um die ernennung von bischöfen und übertragung hoher ämter. rund um eine abtswahl kam es zum eklat und da der erzbischof und kanzler wenzels fliehen konnte, verurteilte man den generalvikar nepomuk zum tod durch ertränken.  


 gleich nach dem grab des nepomuk steht man unter dem balkon, von dem aus die böhmischen könige, so sie denn auf der burg weilten, den gottesdiensten beiwohnten. 


ein blick in den chorraum verrät, warum das nur selten der fall war: da gab es halt auch noch so viele andere gegenden in europa und der restlichen welt, die zu ihrem einflussbereich gehörten - die wappenliste zieht sich um den ganzen chor. 


der nächste stau war dann vor der wenzelskapelle, da hatte sich die lehrerin der jugendlichen einfach einen ganz schlechten platz ausgesucht... 
 

 

 bewundernswert das paar, das inmitten von all dem trubel vor der kapelle zum heiligen wenzel betete. 
 

 pravda viteži oder die wahrheit siegt ist das motto des tschechischen und vorher tschechoslowakischen staats seit der unabhängigkeit von österreich-ungarn im jahr 1918 - es erinnert einerseits an jan hus wahrheitsbegriff und wurde von der charta 77 wieder aufgenommen - die wahrheit siegt für die, die in der wahrheit leben. 
 
 
der rest des kirchenschiffs ist wieder 19. jahrhundert... wobei das ja auch ganz spannend sein kann. wie dieses kirchenfenster der ersten prager rückversicherungsanstalt zeigt. im bildprogramm stehen akte der nächstenliebe und gegenseitigen unterstützung im vordergrund. 
 
den rundgang schloss ich ab, ohne wie anfang der neunziger jahren die krypta und die königsgräber besucht zu haben - vielleicht geht das noch mit sonderführungen. 
 

 der platz vor dem dom hatte sich mittlerweile gut gefüllt und auch die warteschlange war deutlich länger geworden. 


ich verständigte mich kurz mit kai und gab bescheid, dass ich noch kurz in den königspalast gehen wollte, denn tickets gibt es nur jeweils in kombination. so kam ich wieder einmal am fenster vorbei, aus dem die protestanten 1618 die königlichen statthalter warfen und damit den 30jährigen krieg auslösten. (die herren haben den sturz übrigens alle überlebt, allerdings landeten sie vermutlich nicht auf einem misthaufen).
 

ganz nah kam ich auch noch an der wenzelskrone vorbei - allerdings nur an einer nachbildung, denn abgesehen vom ideellen und historischen wert, hat die 2.5kg schwere krone auch einen enormen materialwert und ist durch ein aufwändiges system von schlüsselbewahrern geschützt. 
 
ich kaufte noch schnell ein turistizka vizitka für unser album und machte mich dann auf den weg zum verabredeten treffpunkt in einem bistro an der ořechovka. die ruhige gegend kennen wir von einem früheren aufenthalt noch ganz gut und der augenschein verhiess ein nettes café mit einfachem speisenangebot. solcherart gestärkt ging es wieder zurück zur prager burg - uns lockte eine ausstellung mit dem titel fragmente in der reitschule der burg. 
 
hier werden verschiedene objekte des domschatzes von st. veit zeitgenössischen werken gegenübergestellt, die sich mit dem thema erinnern und bewahren auseinandersetzen. 
 
nachdem wir uns zunächst ganz viele kunstvolle reliquiare, monstranzen, buchumschläge und noch viel mehr angeschaut hatten, liessen wir uns von julian rosefeldt film in the land of drought fesseln. 
 


 auch die keramikarbeiten von edmund de waal, josef koudelkas fotografien von der mauer zwischen israel und dem westjordanland, die riesigen füsse von magdalena jetelova und die arbeiten von anselm kiefer und joseph beuys waren in ein spannendes verhältnis zu den wertvollen alten gegenständen gesetzt. 
 

manches, wie auch ingeborg bachmanns gedicht böhmen liegt am meer, auf das sich kiefer hier bezieht, wird man nachlesen müssen. 


 und dann war da noch die bibliothek des mittelalterhistorikers franz machilek mit einer flammenden verteidigung der bibliothek als schatzkammer und bild: 

Im Zeitalter der Wikipedia-Weisheit und des Aufstiegs der künstlichen Intelligenz sind Bibliotheken an sich schon ein enormes kulturelles Gut; tatsächlich werden sie in nicht allzu ferner Zukunft wahrscheinlich als wertvolle Relikte einer vergangenen Ära angesehen werden. Denn jedes Buch – und jede Bibliothek – erzählt ihre eigene Lebensgeschichte, beginnend mit den ursprünglichen Gedanken des Autors, über die wirtschaftlichen Motive des Verlegers bis hin zum Erwerb durch den Käufer und der Platzierung an einem bestimmten Ort im Bücherregal. Es ist wichtig, solche Kulturgüter in ihrer ursprünglichen Form zu bewahren, denn der Reichtum der Vergangenheit und die vielfältigen Möglichkeiten, sie zu verstehen, liegen im Original verborgen – und das gilt auch für Bücher und Bibliotheken.



 was auch hierher gehört: die toilette im untergeschoss der übrigens recht dürftig besuchten reitschule - vor allem wenn man an die menschenmassen drüben im dom denkt... 

unseren rückweg nahmen wir durch den hirschengraben, was auch schon mal spannender war. (2012? mit den kindern?)


belohnt wurden wir aber mit der vorbeifahrt einer alten strassenbahn - tatsächlich sind die aber noch massenhaft im dienst und man halt viel gelegenheit auch damit zu fahren. 
 
am ende des wegs herunter vom hradschin lag glücklicherweise das kunsthaus mit einer bar im dritten stock und kurzem weg in die gastwirtschaft, die wir schon drei tage zuvor getestet hatten.  
 

Dienstag, 26. Mai 2026

tag fünf von prag nach theresienstadt (und wieder zurück)

theresienstadt ist nicht das einzige konzentrationslager in tschechien, aber der ort, an den nach der besetzung tschechiens zuächst die meisten juden aus böhmen und mähren gebracht wurden, es galt als "vorzeigelager" in der systematisch betriebenen vernichtungsmaschinerie der nazis und neben dem ghetto gibt es dort auch noch ein gestapogefängnis, in dem vor allem die politischen gegner eingesperrt wurden. 

auch von der anlage und der geschichte her ist es speziell, denn hier wurde kein lager errichtet, sondern vorhandene infrastruktur genutzt. ursprünglich im 18. jahrhundert als befestigungsanlage und kaserne gegen preussische angriffe gebaut, fanden die deutschen dort neben dem stets weiterbestehenden militärgefängnis eine anlage vor, die gut gegen aussen abzuschotten war. 

wenn sie sich für die geschichte des konzentrationslagers, das aus ghetto und einem gestapogefängnis bestand, interessierten, empfehle ich ausdrücklich die ganz hervorragende und ehrenamtlich betriebene seite "ghetto theresienstadt". danke für alle infos, die wir dort gefunden haben! 

von prag aus kann man sehr gut mit metro und einem überlandbus nach theresienstadt fahren, die busse fahren mehr oder weniger stündlich von und nach letnany, einer metroendhaltestelle. die stunde, die wir mit dem bus durch die grüne tschechische landschaft unterwegs waren, nutzten wir vor allem, um uns in die spezielle geschichte theresienstadts einzulesen. 

ich denke, dass die meisten besichtigungen in der kleinen schanze, dem gestapogefängnis, beginnen, wir hatten uns dafür entschieden, zunächst das ghetto anzuschauen. das ist dann erstmal ein bisschen surreal gewesen, denn das ghetto war die stadt und diese ist halt jetzt immer noch stadt oder vielmehr wieder und wird von menschen bewohnt, es gibt ein paar läden, auch gaststätten, ein hotel, einen eisstand. aber es ist seltsam leer in den strassen, es ist schwer vorstellbar, wie es ist, hier zu wohnen. 



einen einstieg ins thema bietet das ghettomuseum - mit vielen fotos und texten, aber auch einer halbstündigen filmvorführung, die auch szenen aus dem von den nazis hier gedrehten propagandafilm zeigen (übrigens gegengeschnitten mit künstlerischen arbeiten aus dem ghetto, die zeigen, wie es war, hier zu leben, und auf der tonspur unterlegt mit einer liste der transporte, die von hier in die vernichtungslager gingen). 


 

im museum wurden wir sehr freundlich empfangen und mit einem plan versehen, der uns den weg zu den anderen museal aufbereiteten stellen in der stadt zeigte, der uns sehr nützlich war. 


 wir besuchten den versteckt gelegenen kleinen gebetsraum und anschliessend die magdeburger kaserne, die vor allem eine ausstellung zurm künstlerischen schaffen im ghetto zeigt. 

gedicht von camille hoffmann, das als kassiber aus dem lager gelangte. 

 

unser weg führte uns aus den befestigungsanlagen heraus zu einem der vielen friedhöfe und zum krematorium. 


 

rauchschwalbe im krematorium. 

gegen spätnachmittag machten wir uns auf den weg zum gestapogefängnis auf der anderen seite der eger in der sogenannten kleinen schanze. 


 hier nutzten wir den angebotenen audioguide und liessen uns durch die verschiedenen höfe führen. 

rauchschwalbe auf der entlausungsanlage

 

man kann dann auch ein stück (500 meter können ganz schön lange werden...) durch die ehemaligen befestigungsanlagen laufen, habe ich gemacht und als recht beklemmend erlebt - zur zeit der nutzung als gestapogefängnis waren diese gänge aber verschlossen. 



 

anders als im ghetto sind hier viele räume noch so erhalten, wie sie während der zeit von 1938 bis 1948 genutzt wurden. die, die ein wenig nach komfort menschenwürdigem leben aussehen, waren in der regel den häftlingen nicht zugänglich, sondern dienten propagandazwecken. kaum vorstellbar bleiben belegungen der massenzellen mit bis zu 1000 personen. 


was mir vom besuch der gedenkstätte geblieben ist, ist neben den kaum vorstellbaren lebensverhältnissen sowohl im ghetto als auch im gefängnis die ungeheure schaffenskraft und kreativität, die sich offensichtlich wenigstens ein paar der hier eingesperrten menschen erhalten konnten. 

wir blieben bis zur schliesszeit des museums, stellten dann fest, dass der busfahrplan eher weniger auf die öffnungszeiten abgestimmt ist und waren so erst um halb acht zurück in letnany, assen unterwegs noch zu abend und fuhren mit dem letzten abendlicht zurück an den wenzelsplatz. 

(ein tipp noch, falls sie auch nach theresienstadt fahren wollen: der angebotene audioguide ist eine datenkrake, man muss eine externe app downloaden, die mehr als den notwendigen zugriff auf daten haben will, dann aber in der free-version doch nicht so toll funktioniert und nach einer weile die abgespielten inhalte ständig durch werbung für die bezahlversion unterbricht. ich würde auch hier eher die oben bereits erwähnte webseite benutzen und für die besichtigung reichen dann eigentlich die vorhandenen beschilderungen. nur den weg durch die gänge der festung hätte ich vielleicht ohne app nicht gefunden. dafür wäre ich dann aber auch nicht beim wegklicken der blöden werbung auf unebenem gelände gestürzt und hätte mir nicht die scheibe meines mobiltelefons zerschmissen. so, jetzt aber motzmodus aus. - angesichts der geschichte des orts möchte man eh über überhaupt nichts mehr klagen.) 

 

Montag, 25. Mai 2026

tag drei und vier in prag - open house praha

 da ich seit einiger zeit den newsletter des prager tourismusbüros abonniert habe, bekomme ich etwa monatlich informationen, was in der tschechischen hauptstadt so läuft. für den mai gibt es - wie vielleicht überall - gleich eine ganze fülle von veranstaltungen, am wochenende hatten wir gelegenheit, das architekturfestival open house praha zu besuchen. 


seit 2014 bemüht sich die non-profit-organisation darum, architektonisch interessante gebäude, die sonst nicht der öffentlichkeit zugänglich sind, zu öffnen. bereits seit vergangenen montag gab es begleitveranstaltungen, samstag und sonntag gab es nun eine ganze liste von gebäuden, die man besuchen konnte. mit hilfe einer app kann man sich orientieren, wo und welche gebäude geöffnet sind und während der besuchstage auch, wie lange man am jeweiligen gebäude warten muss - beeindruckend war die warteschlange am palais lobkowitz, dem sitz der deutschen botschaft, hier musste man teilweise vier stunden für eine führung anstehen. 

wir suchten uns ein wenig weniger populäre ziele aus und hatten dann auch sehr viel glück, dass wir an keinem ort warten mussten.  

am samstagmorgen waren wir zuerst im palac adria - einem der vielen passagen-gebäude in der innenstadt. von einer italienischen versicherung in den zwanziger jahren des 20. jahrhunderts errichtet, waren darin ein theater, ein kino, mehrere läden und in den oberen stockwerken verschiedene büros, nicht nur der versicherungsgesellschaft untergebracht - was bis heute so ist. 



 

der baustil des palac adria wird als typisch für die erste tschechische republik beschrieben, art-deco oder rondokubismus  sind die fachbegriffe dafür. die dekorationen sind immer ein bisschen arg viel, ein bisschen arg gross und grobschlächtig, aber halt auch wirklich speziell. 


 die unteren beiden geschosse sind eine art ladenpassage, wie man viele davon in prag findet. 



hier schauen wir bereits von der ersten etage in die rotunde - das bodenmosaik nimmt bezug auf die versicherung und ihre tätigkeiten. 

anschliessend stiegen wir ganz nach oben - aufs dach des gebäudes und konnten den ausblick auf umliegende gebäude geniessen. 

was für ein stilmix! 
 


beim weg vom dach hinunter benutzten wir diesen noch ganz im art-deco-stil erhaltenen aufzug. 


nach eine pause auf der caféterrasse des hauses ging es weiter. 


 aber halt - da war dann noch der kleine elefant im bodenmosaik - wie der wohl dahin gekommen ist? 

 auf dem weg zu unserem nächsten ziel statteten wir dem festivalzentrum einen besuch ab und erwarben souvenirs, die man sonst so nicht bekommt... 


nächster anlaufpunkt war das haus des tschechischen automobilclubs. hier bekamen wir eine sonderführung auf englisch und erfuhren so eine menge über das gebäude. 

ebenfalls zur zeit der ersten tschechischen republik gebaut, hat es sogar den selben architekten wie der palac akropolis, pavek janak.

 

den grössten raum nimmt der zweigeschossige saal für versammlungen, vorträge und die vorführung von filmen ein. die säulen tragen nicht die geschossdecken, sondern waren einmal hohl und dienten der belüftung, kühlung und heizung des raums. leider hat man sie irgendwann mit beton ausgegossen, weil man die funktion nicht mehr kannte. 


 die räume sind im stil eines englischen clubs gestaltet, mit viel dunklem holz, einer bar und weiteren räumen, in den man sich treffen und feiern konnte. 


das relief fängt die atmosphäre vor einem autorennen ein - es hat karel capek sehr beeindruckt und irgendwie erinnert es auch sehr an seinen stil. 
tatsächlich starteten hier vor dem haus autorennen - deshalb auch der grosse balkon und die tribünenartigen balustraden. wir sahen einen kurzen film vom start der rennen, die zweimal nach bratislava und zurück führten und waren überrascht, dass dafür nicht einmal die strassenbahnen angehalten werden mussten, sondern die autos einfach halsbrecherisch darum herum kurvten. 

auch beeindruckend: das gebäude war über fünfzig jahre nicht im besitz des automobilclubs, zuerst von den deutschen okkupiert, dann während der zeit des sozialismus teils russisch, später vom tschechischen staat genutzt, wurde es erst 1989 wieder an die ursprünglichen besitzer zurückgegeben. 

nach zwei häusern war es uns nach einer pause im freien - gleich gegenüber vom hauptbahnhof nahmen wir die metro zur station vysehrad, und weil wir gerade in sachen architektur unterwegs waren, hielt ich noch schnell eins der kartenhäuschen fest, die sind nämlich auch sehr speziell. 


 aus unserem nächsten anlaufpunkt von open house wurde dann allerdings nichts... 

... in der i-phone version der app hatte wohl jemand vergessen, den verborgenen kunst-garten unter der nusle-brücke herauszulöschen, der war in diesem jahr nicht geöffnet. ich hatte mich schon gewundert, dass ich den nicht sehen kann... 

dank öv-ticket und app fanden wir dann schnell heraus, wie wir in den grebe-park kommen konnten und machten unsere pause dann halt dort, inklusive spätem mittagessen oder sehr frühem abendessen, denn für den abend hatten wir pläne, beziehungsweise karten für die oper tosca. 

oper wird vermutlich in meinem leben nicht mehr meines - aber irgendwie war es auch ein spannendes erlebnis. weil ich ein bisschen nachlässig in der vorbereitung war, hatte ich nur die handlung des ersten akts gelesen und konnte mich auf den zweiten akt dann einfach auf der handlungsebene einlassen. 
 

und hätte kai in der zweiten pause nicht gespoilert, dann wäre es im dritten akt für mich richtig spannend gewesen - so war ich halt nur sehr überrascht, als die hauptdarstellerin einfach hinten von der bühne kippte, also von ihrem selbstmord. aber kai war begeistert und das reicht dann ja auch als grund für den opernbesuch. 

fotos nur von architekturdetails, das muss wohl so für ein opernhaus sein, ich nehme an, man nennt das neobarock.

am sonntagmorgen ging es nach frühstück in der innenstadt weiter hinaus zum stadion strahov. 

die gigantische arena wurde ebenfalls in den zwanziger jahren gebaut, vor allem für grossveranstaltungen des turnbundes sokol, sie umfasst die fläche von neun fussballfeldern und bot auf den tribünen platz für 220 000 bis 250 000 zuschauer - damit ist es das grösste stadion der welt. genutzt wurde es vor allem für massenveranstaltungen und für politische aufmärsche, später auch für grosse popkonzerte. heute hat es seine funktion verloren und wird nur noch vom fussballverein sparta prag als trainingsstätte und von verschiedenen sportorganisationen als bürogebäude genutzt. 

hier hatten wir gelegenheit, die kabinen für presse und rundfunkt anzuschauen. 

wie wenig kabel damals für die berichterstattung gereicht haben! 

ein grossteil der tribünen und sonstigen anlagen verfällt zusehends, das gebäude steht zwar als ganzes unter denkmalschutz aber kann durch die errichtung eines verwaltungsgebäudes im innern auch nicht mehr vollständig genutzt werden. es gab oder gibt pläne für eine umnutzung für wohnen und einen park, aber das paar aus prag, mit dem wir ins gespräch kamen, hat wenig hoffnung für das areal. 


und dann gin es wieder aufs dach. 

hier werden dann die ausmasse so richtig sichtbar. 


auf dem rückweg zum bus, der uns wieder in die stadt brachte, habe ich noch ein paar fotos von aussen gemacht. 



was uns ein rätsel blieb war die anreise der vielen menschen zum stadion, es gibt keinen anschluss an tram oder metro, nur eine buslinie den berg hinauf. 

wir reisten also per bus und metro weiter - vorerst nur bis zur metrostation palmovka, unterwegs wollten wir noch "schnell" die synagoge von liben anschauen. 

ein weiteres gebäude mit trauriger geschichte - im stil des romatischen historismus im neunzehnten jahrhundert als ersatz für eine mehrfach durch hochwasser zerstörte ältere synagoge erbaut, diente es der zweitgrössten jüdischen gemeinde in prag als gotteshaus bis zum zweiten weltkrieg. 

anschliessend wurde es warenhaus - hier wurden die dinge verkauft, die man den juden zuvor abgenommen hatte, bevor man sie in das ghetto nach theresienstadt oder weiter in vernichtungslager brachte. 

später diente es als lager für theaterkulissen und wurde ebenfalls erst spät an die jüdische gemeinde zurückgegeben - die heute zu klein ist, um es weiter als gebetsstätte zu nutzen. so bemüht sich auch hier ein verein, das gebäude mit verschiedenen veranstaltungen zu beleben. 


auf dem weg zurück zur metro fiel uns auf. dass wir allmählich hunger und praktischerweise ein bäcker offen hatte, bei dem wir uns mit belegten brötchen und endlich einem softeis versorgten. 


und noch ein stückchen architektur auf dem weg mitgenommen: metrostation palmovka, nicht so schön wie die linie a, hat doch auf die linie b ein einheitliches design. 


 unser letztes ziel für den tag war dann eher eines der aktuellen stadtentwicklung. 

entlang der kolbenova-strasse befanden sich früher viele fabriken, die heute meist stillgelegt sind. nun werden hier viele, viele wohnungen gebaut, aber auch alte gebäude umgenutzt. 

ein solches hätten wir besichtigen wollen, aber wir stellten fest: es ist genug. wir sind zu müde für eine weitere führung in tschechisch, und schauten uns nur die galerie pragovka an, die freundlicherweise ihre türen auch geöffnet hatte. 


und wurden mit entdeckungen belohnt. "perfect world" heisst die installation von katarzyna wyszkowska.
 

vergrössern sie die bilder etwas und schauen sie sich genau an, es gibt eine menge zu entdecken - die qualität sollte das hergeben. 

auch gefallen haben mir die objekte der installation "imago" von einem  künstlerkollektiv. 


 auf dem rückweg nahmen wir noch ein bier im riegerpark, dann brauchten wir dringend vor dem abendessen eine pause im appartement.