Donnerstag, 9. April 2020

8. april 2020 - sozial distanter geburtstag

heute hätte kai das tagesprogramm bestimmen dürfen, immerhin hat er heute geburtstag. ich wage aber mal zu vermuten, dass unser ziel das national museum of the royal navy gewesen wäre, mit seinen gleich mehreren historischen schiffen, die man komplett besichtigen kann. (eines davon haben wir vor vielen jahren auf einer reise nach wales angeschaut und dieses museum war der grund, portsmouth als etappe auf dem weg nach cornwall einzuplanen.) ziemlich sicher hätten wir auch gut gegessen, vielleicht in einem pub, oder wir hätten selbst gekocht. es ist aber alles ganz anderes gekommen. 

anstattdessen heute so: 

geburtstag hatte kai natürlich trotzdem, wenn auch die feierlichkeiten sich schon sehr im rahmen hielten. immerhin gab es einen geburtstagstisch mit kerzen und blumen, die ich am abend zuvor noch auf dem blumenfeld geholt hatte. die geschenke (ausser das von einem freund, der früh genug dran gewesen war, um noch etwas im laden zu kaufen) waren alle selbst gemacht. 

den vormittag verbrachte ich in der küche mit der herstellung eines bienenstichs, der einfach kais erklärter lieblingskuchen ist. ich machte ihn in einer kleinen form von der halbierten menge, aber zumindest das verhältnis von gelatine zu crememenge scheint nicht wirklich linear zu sein, will sagen, die creme wurde mit nur zwei blättern gelatine nicht richtig fest. zwischendurch kündigte sich der flaschner an, der unseren aussenwasserhahn reparieren sollte und war keine halbe stunde später schon da. noch vor dem mittagessen war der hahn geflickt, so dass wir jetzt draussen wasser zapfen können. kai fragte ihn nach der arbeitssituation momentan, probleme bereitet ihm vor allem das material, das nicht geliefert wird. so musste er viele umbauten absagen. er meinte, der momentane stillstand koste zwar eine menge geld, aber wahrscheinlich würde es noch mehr kosten, wenn die situation eskalieren würde wie in italien.

zum mittagessen gab es nur nudelsuppe, immerhin mit schnittlauch aus dem garten, weil wir ja platz für den bienenstich lassen mussten. spaziergang auf der üblichen runde, das rapsfeld blüht, aber kaum getier war auf der weide. die wiesen wachsen, der löwenzahn überwiegt blumentechnisch. 

am frühen nachmittag ergab sich für mich eine strick- und podcastpause, danach dann kaffee und kuchen mit dem jubilar. (der übrigens ganz normal arbeitete. was halt neuerdings so normal ist, also homeoffice, das hier ja aber schon länger normal ist, nur nicht die ganze woche durch) dann telefonrunde bis ich in die küche musste, um das abendessen vorzubereiten. dabei fing mich kai dann aber nochmal ab, weil er gerne zuerst noch anstossen wollte und einen feinen weisswein aus dem keller geholt hatte. bis der allerdings dann wirklich getrunken werden konnte, mussten wir ganz dringend noch das mobiliar auf der pergolaterrasse umstellen und da hatte ich einen guten einfall und jetzt haben wir die klotzige (mitgemietete) sitzgarnitur so verteilt, dass man gerne auch mal mit stuhl dran sitzen kann und nicht immer auf den langen bänken durchrutschen spielen muss. das hat sich dann auch so richtig gelohnt, denn wir sassen bis nach zehn uhr draussen. und das am 8. april. 


nach spargel mit kleinen kartöffelchen und selbstgemachter holländischer sauce gab es dann noch die grosse lightshow mit vollmond und venus am abendhimmel. 

hier sehen sie nur die venus, der mond war auf der anderen seite!
 
gehört: servus, grüezi und hallo (ich bin noch unsicher, ob die aktualität dem podcast wirklich so richtig gut tut)
gelesen: joan aiken, jane fairbank (ich habe jetzt auch mitbekommen, dass sie eine der nebenfiguren von emma von jane austen hier weiter ausspinnt)  


Mittwoch, 8. April 2020

7. april 2020 - bloggen ganz ohne schnickschnack

heute hätten wir sehr wahrscheinlich erst einmal die umgebung in gosport erkundet, wären zur personenfähre über die hafeneinfahrt gegangen, hätten vielleicht auch portsmouth ein wenig erkundet. vielleicht wären wir sogar, der besseren übersicht halber, auf den spinnaker tower gefahren. aber es ist alles anderes gekommen. 

anstattdessen so: 
kaum haben wir uns in die corona-krisen-routine gefügt, sind die tage nun aufs neue unplanbar geworden. morgens früh aufgestanden, gefrühstückt, gebloggt, nicht in die werkstatt gefahren, herumgewerkelt (was eigentlich?), dann später doch in die werkstatt gefahren, über mittag eingekauft für bis nach ostern (brav wie die migros das will eben nicht erst am donnerstag oder samstag und eventuell reicht der einkauf auch noch viel länger), gestrickt, eine kleinigkeit im garten erledigt, briefe geschrieben, spazierengegangen, gebügelt, telefoniert, zu abend gegessen, ferngesehen. 

zwei dinge nerven mich, je länger die corona-krise anhält, je mehr: 

1. prognosen, dass wir nach der krise nicht mehr so weitermachen können wie bisher und dass wir alle als andere menschen daraus hervorgehen werden.  
  • ja klar, ich gehe aus jedem einzelnen tag meines lebens als anderer mensch hervor als ich hineingegangen bin. manchmal mehr, manchmal weniger. aber dass sich die gesellschaft ändern wird? ich meine so substantiell und womöglich sogar zum besseren? da habe ich eher so meine zweifel. aber vielleicht kann man es ja herbeireden. und über die definition von besser müsste man dann auch noch reden.

2. das drölfzigtausendste angebot via newsletter, um während der krise meine kreativität zu fördern.
  • vermutlich gehöre ich zu den ganz wenigen menschen, die, so wie es jetzt gerade läuft, nicht kreativ sind. aber meistens geht es auch gar nicht um kreativität, sondern um beschäftigung. 


gelesen: jane fairbank
gesehen: haus des geldes
gehört: corona-virus-update (ich war gerade lange genug in der werkstatt um wieder aufs laufende zu kommen)  

Dienstag, 7. April 2020

6. april 2020 - terrassenvergrösserung

heute wären wir von rouen eine weitere stunde nach le havre gefahren, hätten dort die fähre nach portsmouth genommen und hätten fünf stunden auf dem ärmelkanal verbracht. in portsmouth hätten wir das hafenbecken umrundet und wären am abend in gosport in ein kleines fischerhäuschen eingezogen. es ist aber anders gekommen. 

ohne äusseren anlass bin ich trotzdem zur normalen unter-der-woche-zeit aufgestanden und habe beim frühstücken den blogeintrag geschrieben, den tag geplant und mich dann im wesentlichen um haushaltsdinge gekümmert (keller und küche). zwischendurch rief ein bekannter vom alten ort an, der uns vermisst hat und noch nichts von unserem umzug gehört hatte. die tochter stand - ferienbedingt - etwas später auf, sie hat aber nach wie vor verschiedene aufgaben und ich vermute, sie ist ganz froh darüber. sie ist aber auch immer noch am basteln geheimer dinge, glücklicherweise haben wir einen wirklich grossen und tiefen fundus an material. 
am späteren vormittag ging ich das freischneiden der ränder der terrasse unter der pergola an und erlebte dabei wieder einmal eine überraschung. nach dem entfernen des efeus war die terrasse nämlich um zweieinhalb quadratmeter grösser geworden (das kann man so gut sagen, weil es exakt 10 platten in der grösse 50 x 50 cm waren, die unter dem bewuchs verborgen waren). 

das mittagessen mit der tochter verschoben wir auf ein uhr, danach eine strickrunde für mich, dann kam um halb drei kai nach hause, kaffee und kuchen - alles draussen. 

ich fuhr mit dem e-velo blumenkistchen und papier zum mittleren sohn und freute mich, ihn und seine freundin (auf abstand) zu sehen und zu sprechen. 
danach werkelte ich noch eine runde an der pergolaterrasse weiter und machte die platten sauber, stapelte material um und räumte auf - unter mithilfe von tochter und kai. 

während des telefonats mit meiner mutter kochte ich tandoori-chicken, dazu reis und salat für ein frühes abendessen. den spaziergang hatten wir auf den abend verschoben, machten aber auch nur noch die kleinste runde durch den wald. danach nachrichten (zu viel) und zwei folgen haus des geldes (auch eine zu viel). 

gelesen: joan aiken  - anne fairbank
gesehen: haus des geldes 

Montag, 6. April 2020

5. april 2020 - #wmdedgt im april 2020

heute schicke ich meinen tagebuchblogeintrag wieder zu frau brüllen, näheres zu dieser aktion bei ihr.

heute wären wir 750 km nach rouen gefahren, hätten uns vielleicht dort die kathedrale angeschaut, die claude monet so oft gemalt hat und hätten im hotel übernachtet. es ist aber anders gekommen. 

wie immer am wochenende habe ich nach dem aufstehen (für meine verhältnisse eher spät, also schon nach acht) am schreibtisch im schlafzimmer, mit blick auf den sonnenaufgang, gebloggt. mittlerweile geht die sonne schon ziemlich links ausserhalb meines sichtfelds auf und scheint mir, wenn ich spät dran bin, voll ins gesicht.

nach neun habe ich die tochter geweckt und frühstück gemacht. reichlich brötchen und zopf waren vorhanden, wir frühstückten und legten einen ungefähren tagesplan fest. der sah vor, zuerst teig für einen kirschkuchen zu machen. dem gönnten wir eine längere pause im kühlschrank.

wir trugen derweil sämtliches material zum gelatinedrucken zusammen, schnitten schablonen, walzten farbe aus, druckten, überdruckten, und überdruckten noch ein mal. die tochter plante mehr, ich druckte mehr drauflos. am ende waren dann aber eine menge interessante papiere für osterkarten entstanden.


ich blieb noch ein bisschen beim drucken und walzte mit hilfe der schon für die frühlingspost verwendeten schablonen ein paar blumen auf ein heillos verflecktes t-shirt, das ich nicht wegwerfen wollte, die tochter baute solange den kuchen zusammen und schob ihn in den ofen. nach dem gemeinsamen aufräumen der druckaktionen machte jede eine weile, was sie wollte - ich strickte draussen in der sonne, allerdings wieder nicht ganz störungsfrei, denn ein sonnenschirm wurde benötigt (und aufgebaut).

dann war der kuchen fertig, wir assen ihn zu kaffee und mit vanilleeis, allerdings kann man das auch weglassen, vor allem, wenn man nicht wie im rezept angegeben sauerkirschen verwendet.

danach machte sich die tochter alleine auf für eine walderkundung, ich blieb noch ein wenig auf der terrasse beim stricken sitzen und beschloss, die angedachte gartenarbeit ruhen zu lassen. immerhin war ja sonntag. später rief meine mutter an und während des telefongesprächs klebte ich aus den gedruckten papieren osterkarten. sie weiss, dass ich meist neben dem telefonieren noch was anderes mache und eigentlich plaudert es sich so auch natürlicher.

dann war es schon zeit  zum abendessenkochen mit der tochter, denn wir wollten wieder früh essen und erst anschliessend spazieren gehen. das abendsonnenlicht ist so schön, und dann ist es auch ein wenig ruhiger draussen.

zum abendessen gab es randen-kartoffel-küchle mit salat, nahezu alle zutaten aus ernteanteil.


beim spaziergang waren wir beide viel zu warm angezogen, ein baumwollpullover hätte gereicht. wir drehten nicht die ganz grosse runde, sondern erkundeten einen weg, den wir noch nicht kannten und kehrten zurück als beim haus schon die sonne untergegangen war.

dann wollten wir nachrichten und tatort schauen, brauchten aber eine dreiviertel stunde um zu kapieren, dass es mit dem grossen bildschirm heute nix werden würde, doch dank der am sonntag ja jetzt immer extralangen tagesschau (die wir fast komplett verpassten) hatte das uralte notebook zeit zu starten und wir konnten den krimi dann da drauf sehen.

gelesen: joan aiken  - anne fairbank
gesehen: tatort die zeit ist gekommen 

Sonntag, 5. April 2020

4. april 2020 - minus eins

ausser corona gibt es noch andere herausforderungen, daran wurden wir am samstag bereits vor dem frühstück erinnert. kai reiste ab, nach deutschland zu seiner familie, und so ist der haushalt für noch  unbestimmte zeit weiter geschrumpft.

die tochter und ich taten das, was wir ohnehin vor hatten und noch ein bisschen mehr. im garten bekamen zuerst die geranien, dann auch alle kräuter frische erde und teilweise auch neue töpfe. ich rochiere immer noch blumenkistli, die dann zu den söhnen wandern werden. ausserdem füllten wir  alle giesskannen und da der aussenwasserhahn immer noch kaputt ist, ist das eine etwas grössere logistische herausforderung bis das wasser läuft.

dann hatten wir akut  keine lust mehr zum weiterarbeiten und ab dem moment wird meine erinnerung etwas unklar. telefonate mit den söhnen, ein bisschen stricken an der sonne, ab und zu chatten mit kai, dann noch ein bisschen herumräumen, telefonieren mit meiner mutter, noch ein bisschen stricken. zwischendurch kuchen essen, später noch ein telefonat mit meinem patenonkel. der nachmittag ging herum, die nachrichten aus deutschland sind nicht gut, die tochter und ich assen resten zum abendessen und machten anschliessend einen abendspaziergang zum blumenfeld. also nicht ganz bis zum blumenfeld, denn da blüht noch nix, das sahen wir auch aus der ferne. wir statteten den kühen einen besuch ab und gingen, als es allmählich kühler wurde, nach hause.


für den abend suchten wir einen film aus, die geschichte eines jungen aus malawi, der es mit beharrlichkeit schafft, für sein dorf aus schrott eine wasserpumpe zu bauen und es so vor einer hungersnot rettet.

gelesen: joan aiken, jane fairbank
gesehen: der junge, der den wind einfing

Samstag, 4. April 2020

3. april 2020 - umgedreht normaler freitag

die dritte woche der ausserordentlichen lage ist vorbei.

in der vergangenen woche war ich wieder jeden vormittag in der werkstatt, worüber ich sehr froh war. andererseits habe ich es nicht mehr geschafft, mir morgens einen plan zurechtzulegen, was ich den tag über alles tun möchte. im grunde verlaufen auch alle tage sehr ähnlich. einige neue routinen haben wir nun endgültig (oder vorläufig, solange man halt zuhause bleiben sollen wird) etabliert. dazu gehört sicher der tägliche spaziergang, meist nach dem mittagessen, ansonsten gegen abend. dadurch bewege ich mich regelmässiger und mehr als sonst, habe aber auch bemerkt, dass nach drei stunden arbeit am filztisch der nachmittagsspaziergang anstrengend sein kann.
auch sehr bewährt hat sich ein plan mit einer anzahl an möglichen essen, für die alle zutaten im haus sind. wir wählen meistens über den tag aus und wenn nicht schon klar ist, wer kocht, legen wir auch das dann fest. am späten nachmittag ist telefonzeit, so versuchen wir den kontakt zu freunden und familie zu halten. am wochenende werden wir wieder im garten arbeiten, es gibt da immer noch genug zu tun, auch wenn die grüntonne bis heute leer geblieben ist. bald können wir das schwimmbad vorbereiten, sollte uns die arbeit im garten ausgehen.

es geht uns also immer noch gut mit der situation, sicher auch, und das will ich nicht vergessen, weil wir uns in der recht komfortablen und privilegierten lage befinden, dass wir es uns gewöhnt sind, uns selbst zu organisieren, dazu genügend platz drinnen und draussen, nahe wege in die natur und keine finanziellen sorgen haben.

der freitag war ein umgedreht normaler, will heissen, ich war morgens in der werkstatt, wo ich das werkstück der woche abschliessen konnte, am nachmittag war der haushalt dran, der wegen mithilfe der tochter recht fix erledigt war und dazu noch unterhaltsamer als sonst.

am mittag erinnerte mich die freundin aus dem glarnerland an unsere strickverabredung, ich hatte vorgeschlagen, gemeinsam ein neues strickmuster auszuprobieren und tatsächlich den veröffentlichungstermin verpasst. wolle und nadeln lagen aber schon bereit, so dass ich dann nach abarbeiten der pflichten doch gleich loslegen konnte - geplant ist ein gemeinsames stricken per videochat, ist doch mein besuch bei ihr anfang märz ausgefallen!

ein bisschen offene-werkstatt-feeling gab es dann auch noch, weil eine filzschülerin konkrete fragen zu ihrer arbeit hatte, und ich per chat und fotos hoffentlich die passenden hinweise geben konnte.

vom abendlichen spaziergang brachten wir zweige mit, eigentlich schwebte mir ein osterstrauss vor, jetzt sind es aber so vielfältige zweige geworden, die dürfen einfach mal so in der vase stehen.

zum abendessen gab es kartoffelsalat mit gurke und dazu fischstäbchen, was auch mal wieder lecker war.

gesehen: haus des geldes, staffel 4
gehört: corona-virus-update bis folge 26 vom donnerstag.

Freitag, 3. April 2020

2. april 2020 - chronistenpflicht

chronistenpflicht:

vormittag bestehend aus frühstück, bloggen, werkstatt (es wird! alles hält an ort und stelle und es ist imposant gross, wird aber noch schrumpfen.)

mittagessen mit brot und wurst und käse, danach die einkaufsrunde, diesmal in einer deutlich weniger vollen migros und ausserdem gab es alles, auch polenta, mehl und reis, die in der app seltsamerweise als nicht am lager gekennzeichnet waren. ob es klopapier gab, habe ich nicht geschaut, aber wenn man der argumentation dieses artikels folgt, dürfte das auch so schnell nicht wieder reichlich vorhanden sein.

die tochter hatte am nachmittag einen termin um mit der chemielehrerin das videokonferenz-tool auszuprobieren und ihren ersten einsatz als nachbarschaftshelferin, kai und ich gingen spazieren.

danach gab es kaffee und die vom bäcker geholten cremeschnitten. der späte nachmittag und frühe abend verging mit telefonieren im garten, dann zog es mich an den schreibtisch, am monatsanfang sind jeweils bilder zu sortieren und ordentlich abzulegen, ausserdem veröffentlichte ich den blogpost über die frühlingspost, die an ihrem bestimmungsort angekommen zu sein scheint.

abendessen: coleslaw und bratwürste vom bauernhofladen. 

morgen vielleicht wieder mehr. weil heute: stop trying to be productive. oder warum zuhause bleiben und die nötigsten dinge erledigen in der krise schon ausreicht.

gehört: corona-virus update mit christian drosten bis folge 23 (20.märz)
gesehen: unorthodox (folge 2) 


Donnerstag, 2. April 2020

frühlingspost 2020 - flora und fauna

mit gemischen gefühlen habe ich in diesem jahr die vorankündigungen für die frühlingspost des postkunstwerkblogs gelesen. ich war mir nicht so sicher, ob ich wirklich zeit und musse finden würde, um etwas zu machen, ausserdem wollte ich auf keinen fall material kaufen, da wir immer noch am reduzieren des vorhandenen sind. und dann war ja da auch noch die reise, die wir im april antreten wollten. 

aber schablonendruck auf stoff, das wollte ich auf keinen fall verpassen. das thema schien mir weit genug, um sicher eine idee zu haben. also meldete ich mich an und es fügte sich alles ganz wunderbar: in der garage fand ich einen alten bettbezug, den ich färben konnte, der sohn brachte reichlich siebdruckfarben und bat darum, diese zu verbrauchen und die überall aufblühenden japanischen zierkirschen lieferten inspiration. und als ich prompt eine der reisewochen zugeteilt bekam konnte ich problemlos auf eine andere woche tauschen.


zuerst aber musste ich doch einkaufen: stofffarbe zum färben des bettbezugs. und obwohl der stoff fast doppelt so viel wog wie auf der packung angegeben, wurde das ganze sehr pink. kein zartes pastell, sondern bonbonknallig, getrocknet zwar dann schon weniger, aber immer noch dunkler als gedacht.


erste probeschablonen und -drucke entstanden anfang märz. die blütenblattform stimmte aber noch nicht und farblich war ich auch noch weit von zufrieden entfernt. ton in ton funktionierte zwar einigermassen, aber um auf dem relativ dunklen stoff zu drucken brauchte ich noch dunklere farben und das ergebnis entfernte sich immer weiter von meiner duftig-leichten inspiration. 
also bat ich den sohn auch noch um weisse farbe.


 und begann mit dem grossen mischen.



mittlerweile mit kirschigeren schablonen druckte ich mich so langsam an das gewünschte ergebnis heran. und weil ich meine filzwerkstatt für besucher wegen der massnahmen gegen die corona-pandemie schliessen musste, hatte ich plötzlich ganz viel platz. ich druckte auf beiden tischen gleichzeitig und verteilte in schichten kirschblüten in gross und klein.


und da bei uns in der schweiz ausser lebensmitteln nichts mehr eingekauft werden kann, blieb es auch bei den karten und umschlägen beim motto"use what you have".


nun hat sich die post am vergangenen freitag auf die reise gemacht und heute, donnerstag, habe ich die ersten meiner stoffe bei instagram gesehen, sie sind also gut in deutschland angekommen. und ich bin gespannt, wie es in der kommenden woche weitergehen wird.
es ist so schön, dass es diese aktion gibt!
ein ganz herzlicher dank geht darum zu tabea und michaela, die die organisation übernommen haben. auf ihrem gemeinsamen blog "postkunstwerk" könnt ihr wieder verfolgen, was da alles zusammenkommt an kreativen bearbeitungen des themas flora und fauna.

und nun erlaube ich mir noch, meinen pinken stoff, den ich im vergleich zu anderen auch noch recht flächig bedruckt habe, auch noch zum mittwochsmix im april zu schicken - einfach weil das gerade so gut passt.

1. april 2020 - noch nicht ganz langeweile

der tag verlief, trotz des datums, komplett ohne scherze, aber grundsätzlich gut.

vormittags war ich wieder in der werkstatt, die sehr grosse filzprobe wollte weiter ausgelegt und angefilzt werden. es wird nun definitiv ein wandteppich. dabei weiter den podcast mit christian drosten gehört, ich war erstaunt, wie wenig er auf die aktuellen politischen entscheidungen jeweils eingeht. es ist aber, klar adressiert, ein wissenschaftspodcast.

mittagessen mit brot und wurst, dann spaziergang zusammen mit der tochter, die heute ein bisschen quatschig ist, unterwegs wenig abwechslung, das rapsfeld blüht immer noch nicht, die esel waren nicht da und die kühe sind nach wie vor nicht an uns interessiert.

am nachmittag einfach so in der sonne gesessen, auf dem gartensofa und abwechselnd zeitung und buch gelesen, gestrickt und mit dem grossen sohn nachrichten geschickt. der kontakt zu den söhnen ist ein bisschen lose, ich weiss nicht so genau, was sie jeweils machen. aber gestern wusste ich es, da konnte ich mal nachfragen, wie es so gelaufen ist. wir schieben ein bisschen gartensachen hin und her, denn der grosse sohn wird in seiner wg zum ersten mal den balkon begrünen, wir haben im neuen haus keinen bedarf mehr an blumenkistchen, weil keine sinnvollen fensterbretter. es ist wieder schön warm, nur die grossen tannen im nachbargarten stören am spätnachmittag.

16.35h
während der schattenpause habe ich dann die waschmaschine gefüllt und schuhe geputzt. das video zum osterhasenfilzen stelle ich mal auf instagram ein. später kommt kai zu mir heraus, wir sind dann aber mit verschiedenen familientelefonaten beschäftigt. in deutschland wurde nun zum ersten mal ein vorläufiges enddatum der massnahmen benannt, wie hier in der schweiz ist es der 19. april. ob sich dadurch diskussionen unterbinden lassen?

zum abendessen bäckt die tochter pfannkuchen, die wir mit lachs und spinat aus ernteanteil füllen. lecker, das lieblingsessen des mittleren sohns. wir sitzen lange am esstisch, dann machen kai und ich die küche, die tochter spielt der freundin auf dem saxophon vor, via irgendeinem videotelephonietool. ich räume noch ein wenig meinen arbeitsplatz im schlafzimmer auf und surfe herum, ziellos.

später beginnen wir eine neue (kurze) serie: unorthodox - und sind von anfang bis ende gefesselt.

gelesen: paul auster, mr. vertigo (endlich fertig, obwohl nicht schlecht bin ich froh, denn jetzt kann ich mich an den stapel joan aiken machen)
gehört: das corona-virus-update bis folge 18
gesehen: siehe oben. 


Mittwoch, 1. April 2020

31. märz 2020 - schulisches

morgens im bett lese bei frau brüllen von der medienmitteilung des kantons, betreffend die schulen im aargau. nach den frühlingsferien wird der unterricht weitergehen. bei einem verlängerten verbot des präsenzunterrichts durch den bund wird weiterhin im fernunterricht gelernt. sollten die schulen bis zu sommerferien nicht mehr öffnen, werden nur die bis zum 13. märz erhobenen noten für das zeugnis berücksichtigt.
ich denke, der kanton hat hier eine gute entscheidung getroffen und zwar ein unterrichtsangebot aber keine leistungsüberprüfung vorgesehen. die schule der tochter hat es indessen nicht einmal für notwendig gehalten, diesen entscheid an die eltern und schüler zu kommunizieren. überhaupt ist da wenig kontakt. die schulleitung schickt das formular für die notbetreuung, mit dem (richtigen) hinweis, dass sie möglichst wenig genutzt werden soll. persönliche worte oder ein angebot an eltern und schüler mit der schule in kontakt zu treten: fehlanzeige. kein kommentar zu den ausgefallenen check s2 und s3, kein hinweis zur projektwoche*. die klassenlehrerin haben die schülerinnen und schüler heute das erste mal für eine viertelstunde im videochat gesprochen. auch nach den ferien wird es bei einer viertelstunde pro woche bleiben. (wenn nicht, was hier alle für höchst unwahrscheinlich  halten, die schulen wieder geöffnet werden)  ja, die machen formal wahrscheinlich alles richtig, aber schule ist halt nicht nur form, sondern auch inhalt und soziale interaktion. die schülerinnen und schüler selbst sind ja glücklicherweise gut untereinander vernetzt und unterstützen sich gegenseitig.

genug geärgert für den tag.

den vormittag verbringe ich in der werkstatt. gestern haben mich zweifel an meiner idee der verknüpfung von zwei techniken zur oberflächengestaltung beschäftigt, als ich dann aber vor dem entwurf und den bereits vorbereiteten elementen stehe, will ich das dann doch ausprobieren. wird schon gut gehen, ist halt eine etwas grössere probe, mit 90 cm auf 180 cm.

zum mittagessen gibt es heute aufgewärmte resten, die kai und die tochter schon vorbereitet haben bis ich nach hause komme. ich stelle noch schnell die keimenden pflänzchen auf den balkon, die sollen ruhig schon mal ein bisschen sonne sehen. mittlerweile sind die meisten tomaten angegangen, aber auch schon viel der am samstag angesäten blumen.

nach dem mittagessen spaziergang, heute in rekordzeit, wir konnten aber auch keine pausen einlegen, weil die eselchen belegt waren und sich die kühe nicht für uns interessierten.

kaffee und die zweite runde mousse au chocolat, dann mathe mit der tochter. die mathelehrerin hat eine aufnahmeprüfung für die kanti zum lösen aufgegeben und in der klasse für verwirrung gesorgt, weil einige der sus dachten, dass wegen der ausfallenden schule nun statt der noten aus dem zeugnis eine aufnahmeprüfung notwendig sei. tja, liebe leute, kommunikation ist halt schon das nonplusultra.
zwei der aufgaben möchte die tochter mit mir anschauen, die aufgabentypen sind ein bisschen neu und für ein vorbehaltloses herangehen an matheaufgaben fehlt ihr immer noch ein winziges quäntchen selbstvertrauen mehr. es reicht aber in der regel, dass wir uns gemeinsam die aufgabenstellung durchlesen und einen plan entwickeln, dann wird schon schnell klar, dass das so schwierig nicht ist.  (wer hier schon länger liest, weiss auch, dass ich die tochter auch vor corona einmal in der woche in mathe unterstützt habe, das haben wir einfach so beibehalten.)

danach bügeln und telefonieren, glücklicherweise geht beides gleichzeitig. zuerst mit meiner patentante, dann noch kurz mit meiner mutter. alles gut, die älteren herrschaften üben sich zähneknirschend in geduld und ratschen halt mit der nachbarin über den gartenzaun/übers treppenhaus anstatt am kaffeetisch, wofür die temperaturen aber wieder wärmer werden dürften.

die tochter kocht ein gericht von der bioco-rezepte-seite, mit fenchel und salsiccia. lecker und beinahe hätte sie das beweisfoto vergessen, denn kochen ist diese woche auftrag in französisch. (naja, der haushaltsplan sieht sie sowieso für zwei mahlzeiten pro woche vor) in englisch müssen noch scones gebacken werden, mal sehen, wann es die dann gibt.

am abend noch eine runde "spiel des lebens", was ich nur aushalte, wenn ich alle paar minuten "sch... kapitalistenspiel" ausrufen darf, später mit kai noch die letzte folge von sex education.

gehört: corona-update (bis folge 13)
gelesen: paul auster, mr. vertigo
gesehen: sex education




*die projektwoche hätte nach den frühlingsferien stattgefunden, die tochter hat ihre projektwoche schon in den sportferien absolviert, um so drei wochen ferien für die reise nach england zu haben. mit ein bisschen gesundem menschenverstand kann man sich denken, dass die projektwochenpläne in der momentanen situation abgesagt sind, aber ein oder zwei worte von der schulleitung dazu wären schon auch mal nett gewesen. auch gerne direkt an die schülerinnen und schüler.

Dienstag, 31. März 2020

30. märz 2020 - zurück in der werkstatt

am vormittag war ich nach fast zwei wochen - sieht man vom stoffdrucken und ein paar stippvisiten ab - zum ersten mal seit zwei wochen wieder in der werkstatt.


was das wird? vielleicht ein weiterer wandbehang, ich bin noch am entwerfen und planen, habe aber auch schon vorfilze hergestellt, die nach genauerem überlegen vielleicht für den vorrat sind.

beim arbeiten habe ich begonnen, den podcast mit christian drosten, das corona-virus-update, nachzuhören. ich habe dafür einfach mit der ersten folge begonnen, die wurde am 26. februar aufgenommen. die einschätzungen des pandemiegeschehens sind da noch völlig harmlos. es ist fast ein bisschen wie ein krimi, bei dem man mehr weiss als der kommisar, ich bin gespannt, wie es weitergeht und wie herr drosten seine meinung allmählich ändern wird.

das mittagessen hat die tochter vorbereitet, danach habe ich die küche saubergemacht. so sehr viel zu tun gab es da gar nicht, obwohl wir alle zuhause sind, klappt es mit ordnung und sauberkeit im haushalt besser als auch schon. nicht einmal im wohn/essbereich ist bisher viel chaos entstanden. die wechselnden arbeitsplätze werden zügig wieder aufgeräumt und für andere benutzer freigemacht. nur staubsaugen müss(t)en wir öfter.

die angesäten pflanzen strecken schon ihre blätter aus der erde, tomaten und mexikanische sonnenblumen sind angegangen, sowie kornblumen, die haben wir aber vielleicht ein bisschen früh ausgesät, eventuell hätten die eher draussen keimen sollen. momentan können wir sie schlecht rausstellen, über nacht gibt es wieder frost und die voreiligen hortensien haben schon erfrorene blätter.

kai arbeitete nur bis am nachmittag und nach kaffee und restwaffeln machten wir den üblichen spaziergang, heute allerdings ohne nennenswerte veränderungen zu bemerken. am nachmittag sind deutlich mehr menschen unterwegs als über mittag, man weicht sich aber schon sehr gezielt aus und jeder bleibt auf seiner wegseite.

als wir zurück waren, war es dann schon früher abend, ich telefonierte noch mit meiner mutter, dann tobte ich mich etwas in der küche aus: resteiweiss wollte endlich aufgebraucht werden, das gab zusammen mit kochschoggi und rahm eine mousse au chocolat, für salat suchte ich reste zusammen, das wurde dann allerdings unspektakulär nur eissalat mit tomate, alles andere war entweder noch zu gut/zu viel oder schon eh nicht mehr geniessbar (die paar salatblätter von den burger sind aber schon echt ein kollateralschaden), dazu nudeln mit blauschimmelkäsesosse. nebenbei entstand noch ein krug ingwerzitronengetränk, das ich in der diesjährigen fastenzeit zu meinem lieblingsgetränk erkoren habe.
ja, ich habe das mit dem fasten wieder einigermassen durchgezogen, wobei ich sieben wochen lang nur alkohol faste und es ausnahmen gab (und noch geben wird) zu festlichen anlässen. aber im wesentlichen hat es gut funktioniert, wobei die tatsache, dass man ungefähr die hälfte der bisherigen fastenzeit weder gäste einladen, noch jemanden besuchen, geschweige denn ein restaurant aufsuchen konnte, die sache schon einfacher machte.

am abend dann noch schweizer nachrichten, dann dessert und später noch eine folge serie.

gesehen: sex education
gelesen: paul auster, mr. vertigo
gehört: das corona-virus-update, folge 1 bis 6

Montag, 30. März 2020

mein 12tel-blick im märz 2020 (mit bonusbild zum 12tel-blick 2019)

der monat ist schon fast um, es wird zeit, den 12tel-blick aufzunehmen und zu eva zu schicken, wo sich heute wieder viele 12tel-blicke versammeln.


 der frühling ist da. es blüht auf der wiese, im beet im vordergrund und auch weiter hinten. die magnolie habe ich leider verpasst, eines morgens waren ihre wunderschönen weissen blüten vom frost braun geworden.
der garten bekommt gerade sehr viel aufmerksamkeit, wir sind ja fast ausschliesslich zuhause. zwar machen wir auch tägliche spaziergänge, aber vor allem am wochenende ist der garten der ideale ort um mal für ein paar stunden die ganze situation rund um die coronakrise zu vergessen. und weil wir so viel zeit hier verbringen, haben wir es uns schon früh im jahr wirklich schön gemacht. die hässlichen regentonnen sind hinters haus verbannt worden, die sitzgarnitur steht einladend unter der pergola, aus den paletten ist wieder ein gartensofa geworden. und am vergangenen wochenende haben wir den letzten abschnitt des beets vom chinaschilf befreit und neu eingepflanzt, mit einer zuvor ausgegrabenen staude.
wenn der anlass nicht so traurig wäre, könnte man sich richtig über die fortschritte im garten freuen.


mein 12tel-blick im januar 2020
mein 12tel-blick im februar 2020

als bonusbild habe ich noch einmal den ausschnitt fotografiert, der mein letztjähriger 12tel-blick war. vielleicht interessiert es sie ja, wie es mit der baustelle weitergeht. 


allmählich verschwinden alle alten häuser hinter den immer mehr in die höhe wachsenden betonwänden. die kapelle sieht man schon kaum mehr, weiter links die alten badehotels sind schon verschwunden. auf der baustelle wird gearbeitet und es scheint auch immer noch zügig voranzugehen.


29. märz 2020 - ruhesonntag

die zeitumstellung ignorierten wir am morgen, standen nach winterzeit auf und frühstückten unter anderem die restlichen burgerbrötchen (ich hatte natürlich vorher schon gebloggt).

und weil der wetterbericht für den nachmittag eine deutliche wetterverschlechterung voraussagte, gingen wir danach gleich auf unsere spazierrunde. die tochter dachte zuerst, sie müsse, kam dann aber nach klärung dieser frage doch freiwillig mit in den wald.
wir gingen zuerst den üblichen weg, nahmen auf fast halber strecke dann eine andere abzweigung, verhedderten uns in einem wüsten waldweg (merke: in diesem wald gibt es nur waldstrassen oder dickicht), wechselten bei gelegenheit wieder auf die waldstrasse und kehrten via forsthaus auf den üblichen weg zurück. unterwegs trafen wir die ehemalige kindergartenlehrerin der tochter und redeten ein bisschen auf distanz. die tochter wollte bei den eseln vorbei, das rapsfeld steht kurz vor der blüte, auf der weide sind jetzt nicht nur die milchkühe sondern auch jungrinder (die übliche runde von 6.5 kilometer heute auf 8.5 kilometer ausgedehnt).

zuhause bereitete ich waffeln vor, kai den morgigen arbeitstag (arbeitszeiten sind grade ein bisschen ausser kraft gesetzt), die tochter schaute "mamma mia". während der waffelteig ging strickte ich ein bisschen, dann gab es kaffee und waffeln mit vanilleeis. später nicht mehr viel, telefonate mit den eltern und ich habe tatsächlich eine ganze weile gepuzzelt. die tochter hat über die woche schon das erste 1000er puzzle gemacht, jetzt sind wir beim zweiten.

zum abendessen gab es pizza, sehr lecker und kross gebacken, mit schinken, scharfer salami, paprika und artischocken. der tatort unerwartet spannend, verschwörungstheorien sind einfach immer toll.
nachrichten danach nachgeschaut, angesichts der angegebenen absoluten corona-fallzahlen kriege ich schnappatmung, nicht weil sie so hoch sind, sondern weil sie einfach nichts aussagen. ich will endlich mal zahlen in relation zur bevölkerung! auf die gefahr hin, sie mit statistik-links zu langweilen, hier wird erklärt, wie der verlauf der pandemie in verschiedenen ländern vergleichbar gemacht werden kann.  

ins bett gingen wir dann nach sommerzeit, heute also zeitumstellung über den tag. 

gelesen: paul auster, mr.vertigo
gesehen: tatort krieg im kopf


Sonntag, 29. März 2020

28. märz 2020 - gartensamstag

ein weiterer gartensamstag. bei schönstem frühlingswetter. allerdings gibt es im garten auch jetzt noch gleich für mehrere krisen genug zu tun.

nach einem ausgiebigen samstagsfrühstück (mit brötchen, die ich uns vom einkaufen mitgebracht und eingefroren hatte) waren wir draussen bis am nachmittag und haben:

- an der nordostecke zwei kleinere kirschlorbeerbäume beseitigt. (kai)
- den zweiten thermokomposter aufgebaut (tochter)
- die überzähligen schläuche versorgt (tochter)
- brombeeren und einige baumschösslinge an der westseite entfernt (ich)
- brombeeren entlang der ostseite entfernt (kai)
- viele töpfchen mit erde und samen gefüllt (tochter)
- platz an der südseite aufgeräumt (ich)
- mehrere platten von erde und rasen befreit (tochter) 
- offene kompostkörbe umgesetzt, so dass man sie vom haus aus nicht mehr sehen kann (kai)
- die steinumrandung an der gartendusch fertiggemacht (ich, mit hilfe der tochter)
- den sitzplatz unter der pergola aufgeräumt und gefegt (ich, auch mit tochter)

- in der sonne gesessen, kaffee getrunken und restliche eistorte vom geburtstag des mittleren gegessen. 

den späteren nachmittag habe ich mit stricken und telefonieren verbracht, dann drehten kai und ich noch eine runde durch den wald und haben dabei den hiesigen forellenzüchter kennengelernt, der uns "nach dem coronazüügs" gerne seine zucht zeigt und forellen verkauft.

solange wir unterwegs waren, hatte die tochter burgerbrötchen gebacken. und plötzlich war vor dem abendessen noch ganz viel zu tun: wäsche abhängen, neue waschmaschine starten, einen tisch für die setzlinge aufbauen, staubssaugen, so dass ich echt froh war, als es endlich abendessenszeit war und wir burger und coleslaw essen konnten. später dann ein von der tochter ausgewählter film: call me by your name. schönes italien! und diese achtziger, wenn man nicht selbst dabei gewesen wäre, könnte man es für geradezu idyllisch halten.

gedanken zur aktuellen situation: 11 tage* mehr oder weniger freiwillige quarantäne haben wir hinter uns. das gefühl fragt, wie lange das noch gehen soll, es ist doch alles wie sonst. der kopf antwortet:  noch eine ganze weile und das schlimmste steht uns noch bevor.

das virus der anderen - wir gehen halt immer davon aus, dass es uns nicht trifft.
gut aufbereitete und erläuterte statistik: die sz zeigt die pandemie in graphiken, die sich aktualisieren.


*diese zählung weicht von den meisten zählungen ab, weil ich die ersten schulschliessungs- und sonstigen beschränkungstage ja noch mit herumfahren in deutschland verbracht habe.


Samstag, 28. März 2020

27. märz 2020 - die veränderung im immer gleichen

die tägliche schreiblust erlahmt momentan - kapituliere ich vor den gleichförmig verlaufenden tagen oder vor dem gedankenkarussel? da gibt es nur eines: weitermachen. vielleicht nicht immer gleich ausführlich. oder einfach mal ausführlicher.

(immerhin stehen für die kommende woche zwei feste blogtermine schon fest - und das bei mir, die garnienicht einen plan für den blog gemacht hat und machen wird. und für das #the100dayproject hätte ich da ja auch so eine idee, die mit schreiben zu tun hat.)

der freitag verläuft für coroanzeiten beruhigend normal. es ist haushaltstag. mit dem kleinen unterschied, dass ich noch vor dem frühstück und dem bloggen das schlafzimmer fertig machen muss, da es sich als geeignetster raum für onlinekonferenzen herausgestellt hat. (in den anderen zimmern ist zu viel hall.) also: betten abziehen, aufräumen, staubsaugen im eiltempo, damit ab acht dort gearbeitet werden kann.

frühstück, bloggen, dann geht es weiter mit der zweiten runde hausputz - da die tochter die meisten aufgaben der schulwoche schon erledigt hat (sie macht das übrigens fast komplett in eigenregie, nur gegen ende der woche musste ich mal ein bisschen strukturieren, damit auch noch die allzu offen formulierten aufträge irgendwann ein ende fanden) kann ich sie zum zeitgleichen zimmeraufräumen motivieren, so dass das staubsaugen in einem aufwasch erledigt werden kann.

zum mittag wieder kaltes vesper, danach wald- und wiesenspaziergang. ich hab ihnen mal das inzwischen blühende silberblatt mitgebracht:


das habe ich bisher nur an einer einzigen stelle im wald entdeckt und heute dachte ich schon, ich hätte sie verpasst. wieder grosse begeisterung, wie viel veränderung innerhalb eines tages in der natur stattfindet. wir werden die gleiche runde wohl noch eine weile beibehalten. und wir werden schneller. heute waren bei wärmerem wetter wieder viel mehr spaziergänger unterwegs.

am nachmittag fahre ich in die werkstatt um die bisher bestellten wollsets zum video auszuliefern. es sind nur zwei, aber immerhin liegen die adressen in der gleichen strasse. ein bisschen mehr resonanz hätte ich mir schon erhofft, aber vielleicht kommt das ja noch.

pünktlich zur kaffeezeit bin ich zuhause, danach dann diverses. an anruf bei meiner mutter und stricken kann ich mich noch erinnern. und daran, dass ich endlich onedrive auf dem mobiltelefon eingerichtet habe. allmählich komme ich doch zu dingen, die ich immer wieder verschoben habe, teilweise aus guten gründen.

zum abendessen gibt es gebratenen reis, freestyleküche. ich wollte was mit gemüse und reis haben, dafür habe ich reichlich zwiebeln, rüeblistifte, paprika, einen rest sellerie gestiftelt und eine aubergine in erdnussöl angebraten und später gekochten reis hinzugefügt. gewürzt mit einer portugiesischen paprikapaste, die eher salzig als scharf ist. kurz vor fertig habe ich die masse an die ränder der bratpfanne geschoben und in der mitte rührei aus drei eiern stocken lassen. es hat wieder sehr gemundet. wir brauchen noch einen namen dafür.

am abend nochmal zwei runden brändi-dog, dann zeit-lesen (ich hab uns mal wieder ein gratisabo gelöst) und ein versuch mit der heute-show, interessanterweise nicht einmal völlig daneben. humor in zeiten von corona, ein heikles thema, ausser wenn es um klopapier geht.

gelesen: paul auster, mr. vertigo
gesehen: heute show





Freitag, 27. März 2020

26. märz 2020 - ruhiger als auch schon

morgens sitze ich gefühlt ewig an meinem blogpost und an meiner leserunde. wie so viele habe ich auf empfehlung der kaltmamsell einen artikel aus der new york times gelesen, in dem eine journalistin davon erzählt, wie sie ihren an covid19 erkrankten mann zuhause pflegt und welche folgen das für ihre familie hat.

der vormittag vergeht mit organisationsdingen, mails und den persönlichen worten, die ich meiner frühlingspost mitgebe. die sechs kuverts plus ein bonuskuvert sind fertig zum versand. ich denke, dass sie, wenn ich sie morgen in den briefkasten stecke, rechtzeitig im lauf der kommenden woche in deutschland in den briefkästen stecken sollten. die post tut ja hüben und drüben immer noch ihren job - was eine immense erleichterung ist.

zum mittagessen gibt es wieder einmal vesper, ich ärgere mich über die beiden vorgestern gekauften avocados, die beide schlecht geworden sind. gerne hätte ich daraus  eine guacamole gemacht, jetzt gibt es halt wurst und käse zu brot.

der mittagsspaziergang führt uns auf der gewohnten runde durch wald und felder. die tochter begleitet uns heute und freut sich, dass die esel auf der weide sind. überhaupt - jeden tag gibt es auf diesem weg veränderungen. gestern haben wir zum ersten mal die milchkühe auf der weide entdeckt, dem raps kann man beim wachsen zusehen (und leider auch ein bisschen beim welken, ich glaube, der könnte echt mal einen regenguss vertragen). heute wurde ein stück weg geteert. es ist nicht mehr so sonnig wie in den letzten tagen, aber der wind bläst auch weniger.

im anschluss an den spaziergang holen die tochter und ich die bestellte erde beim gärtner ab. dort kann man setzlinge in selbstbedienung erwerben und für die bestellungen ist eine abholzone eingerichtet, die man immer nur einzeln betreten darf. wir haben jetzt also 10 liter anzuchterde und 120 liter blumenerde. so ganz üppig ist das nicht, aber vermischt mit dem kompost, den wir in einer ecke des gartens gefunden haben und später vielleicht ergänzt mit weiterer erde, sollte das reichen.

bis zum kaffee werkle ich im haushalt, beantworte nochmal mails. wir essen die restlichen stücke eierschecke, weitere habe ich bereits gestern eingefroren. ich stricke und höre dabei den aktuellen servus, grüezi und hallo podcast. nach eher langweiligen folgen zu katzen und hunden laufen die drei herren heute mal wiederzu topform auf und streiten sich richtig. matthias daum hat "twitter angezündet", indem er provokativ gefragt hat, ob man die massnahmen der regierungen in der coronakrise nicht auch mal hinterfragen wolle. aber die beiden anderen herren aus deutschland und österreich sind da nicht ganz seiner meinung.

telefon mit meiner mutter, die ihre einkäufe organisiert (es gibt hilfsangebote von verschiedenen seiten), dann drängelt der enkel in die leitung.

während kai kocht, lese ich eine weile, dann gibt es kartoffelgratin, die erste portion nur so halb gar, die zweite dann endlich fertig und mit kruste.

wir spielen eine runde brändi-dog, kai hat das noch nie mitgespielt und ist überrascht, dass es doch etwas ganz anderes als das übliche mensch-ärgere-dich-nicht ist. später noch eine folge serie.

gelesen: paul auster, mr.vertigo
gesehen: sex education
gehört: siehe oben.

Donnerstag, 26. März 2020

25. märz 2020 - posttag!

zur zeit komme ich mit dem datum nicht richtig hinterher, vielleicht ist ihnen das gestern aufgefallen, da stand eine ganze weile der 23. über dem bericht über den 24. (und der videolink hat auch gefehlt, jetzt ist er wieder da.)
ein bisschen ist ja auch jeder tag wie der andere.
ich mache mir morgens immer einen plan, was zu tun ist, und das wird von tag zu tag weniger. dazu war es in den letzten tagen auch noch so windig und kalt trotz sonne, dass man im garten nichts machen konnte. richtig langweilig ist mir aber noch nicht und von kreativer langeweile bin ich auch noch ganz weit entfernt. vielleicht ist auch einfach die ganze situation nicht danach.

der vormittag verging über bloggen, organisationsdingen und arbeiten an der frühlingspost. dazu musste ich erst die schablonen aus der werkstatt holen, um auch noch umschläge und karten zu bedrucken. die tochter buk eine eierschecke, als teil ihrer schulaufgaben sollte sie ein rezept aus der ehemaligen ddr nachkochen oder -backen. die gab es dann zum mittagessen. (also die eierschecke, nicht die ddr und nicht die schulaufgabe.)

danach machten kai und ich einen etwas abgekürzten spaziergang. ich war nämlich anschliessend mit der tochter für den wöchentlichen mathe-checkup verabredet. in mathematik lautete der auftrag der lehrerin lediglich, es sei am dossier (mit übungsaufgaben) weiterzuarbeiten, keine zeitangabe, keine mengenangabe, kein bis wohin sie kommen sollen. na, prost, mahlzeit, den auftrag hatte sie auch schon von uns, bevor die schule einen plan geschickt hat. wenigstens gibt es lösungsseiten, mit denen kontrolliert werden kann. wir besprachen dann ein paar aufgaben, die sie nicht im ersten versuch richtig gelöst hat und die klippen, an denen sie hängen geblieben ist. es geht im wesentlichen um termumformungen und gleichungen, die übungsaufgaben sind aus den vorbereitungsblättern für die kantiabschlussprüfungen und erinnerten mich schon ziemlich an das, was ich mit dem mittleren sohn für die berufsmatur geübt habe.

danach hatte ich quasi frei. die freizeit verbrachte ich mit einem webinar zum coronavirus, das ein medizinischer fachverlag kostenlos zu verfügung gestellt hat, welches sich aber als reichlich wenig informativ herausgestellt hat, weswegen ich es auch nicht verlinke. immerhin habe ich gelernt, dass das coronavirus ursprünglich von fledermäusen stammt.

telefonate mit einem freund aus stuttgart und meiner mutter, beide sind wohlauf.

später widmete ich mich dem kochen mit ein bisschen phantasie, ich bin im haushalt ja diejenige, die die reste verwerten darf und übrig gebliebenes sinnvoll verwendet. also gab es eisbergsalat mit paprikastückchen (vom mittagessen übrig), dazu croutons aus dem merkwürdigen zopf vom wochenende und als zweiten gang leberspätzle in einer gemüsebrühe, die ich mit karotten- und selleriewürfel, lauch und resten vom reis aufgepeppt hatte. zur zufriedenheit der mitbewohner.

die tochter wollte anschliessend videos schneiden, wir schauten noch die schweizer tagesschau und dann zu zweit ein bisschen serie.

was sonst noch so war:


posttag! es kamen sowohl meine vier bestellten, gebrauchten bücher von joan aiken an als auch die erste frühlingspost. gleich der postkünstlerin bescheid gegeben, die sich sehr freute!


und es gibt einen knitalong für ein neues tuch von stephen west, das ich mit einer freundin aus dem glarnerland stricken will. wolle habe ich aus dem vorrat herausgesucht. am 3.april kann es los gehen.

gelesen: paul auster, mr.vertigo
gesehen: sex education




Mittwoch, 25. März 2020

24. märz 2020 - voller tag!

blogtechnisch war das ein ziemlich ergiebiger tag und ich muss mich jetzt mal ein bisschen konzentrieren, um alles zusammenzubringen, was ich gestern so getan und gemacht und gedacht habe. 

der tag hat auf jeden fall ziemlich aufregend begonnen, denn nach frühstück und bloggen stand die einkaufsexpedition an. dafür hatten wir schon am montag eine liste von gerichten erstellt, die wir in den nächsten tagen kochen wollen, und daraus dann einen sehr umfangreichen einkaufszettel destilliert. 
ich war tatsächlich ziemlich aufgeregt, was mich in unserem kleinen dorfeinkaufszentrum erwarten würde. zuerst einmal eine fast komplett leere tiefgarage, dann eine sehr leere postfiliale und ein relativ leerer bäcker. in die bäckerei dürfen momentan maximal zwei kunden rein, alle anderen warten draussen, das ist sehr komfortabel, weil es eine grosse filiale ist. 
vor der migros (ich erspare mir das jetzt hier mal mit dieser verschlüsselung, so viele mitbewerber gibt es ja auch nicht in der schweiz) dann schon eine eher längere schlange, alle schön mit einkaufswagen, als natürliche abstandshalter. reingelassen wurde man einzeln, nach händedesinfektion. dass es tatsächlich menschen gibt, die diese praxis wundert und die sich dann parallel zur schlange vorzudrängeln versuchen, dabei den wartenden so nahe kamen, dass man sie einfach nach vorne durchlotste, war dann schon ziemlich ohne worte. aber immerhin waren die wartenden solidarisch. 
in der nicht so grossen migrosfiliale fand ich es dann ziemlich eng, trotz einlasskontrolle ballten sich die menschen in der obst- und gemüseabteilung und bei den frischeprodukten, vielleicht auch, weil gleichzeitig noch die regale aufgefüllt wurden und zwar von einer deutlich vergrösserten crew. so ganz verstehe ich das nicht, immerhin hatte die filiale ja gerade erst ein paar minuten geöffnet und es wäre ja für die menschen in der filiale einfacher und sicherer gewesen, vor dem kundenansturm ihre arbeit zu erledigen? und müsste man - streng genommen - nicht die anwesenden mitarbeiter in die personen pro 10 quadratmeter einberechnen? 
auf jeden fall habe ich alles bekommen, was auf der liste stand, bis auf polentagriess, aber ich denke, wir kommen da auch mal ohne zurecht. grosse lücken immer noch beim reis, nicht bei den nudeln. den laden verliess ich mit einer etwa doppelt bis knapp dreifach so hohen rechnung wie in normalen wochen. das eingekaufte sollte aber auch für 10 tage reichen. und die einkäufe derer, die in normalen zeiten sowieso jeden tag an migros und coop vorbeikommen, sind dann doch vielleicht in summe mehr als ich so dachte. 

zuhause wartete auf mich eine waschmaschinenladung an werkstatthandtüchern, die ich gewaschen hatte und das video, das veröffentlich und unter die leute gebracht werden wollte. ich teile das video hier auch mal mit ihnen:



es ist vermutlich nicht der letzte schluss der filzdidaktik, aber ich hoffe, dass es ein paar leuten spass macht, das nachzuarbeiten. meinen filzkinder habe ich zusätzlich das angebot gemacht, dass ich die notwendige wolle für drei hasen abpacke und ihnen per velokurier (ich oder die tochter) zukommen lasse, so dass sie den ausgefallenen kinderfilznachmittag zuhause nachholen können.

dann war auch schon zeit zum mittagessen, danach für den für obligatorisch erklärten spaziergang im wald. dafür hatten wir uns heute mit bargeld ausgestattet, da wir ja blumen kaufen wollten. ein bisschen hatte ich sorge, dass alles verkauft sein könnte, aber es sah eher danach aus, als ob seit gestern nichts weggegangen wäre. wir nahmen uns hornveilchen und ein primeli mit, für vor das haus und auf den gartentisch.

arbeiten im garten war wegen des winds nicht möglich - deshalb mussten die tochter und ich die tomaten auf dem esstisch säen. das tomatenansäen war so nicht geplant, weil ich während unserer englandreise den söhnen, die den kater hätten füttern müssen, nicht auch noch das versorgen einer heerschar von tomatensetzlingen hätte zumuten wollen. da wir aber ohnehin zuhause bleiben, gibt es halt doch tomatensetzlinge. und bald noch viel mehr angesäte pflänzlein. ich muss nur endlich die gärtnerei anrufen für die blumenerde.

telefon mit meiner mutter, die erzählt, dass quasi alle ihre bekannten zuhause bleiben und von den verwandten versorgt werden. sieht man mal von einer vereinzelten spinnerin ab, die verschwörungstheorien anhängt und sie damit auch noch - wenigstens nur telefonisch - belästigt.

herumsurfen auf einigen offiziellen websites, allmählich interessiert die pandemie auch mein historikerherz. ich erinnere mich immer noch mit viel freude an ein semester demographie und epidemiologie, in dem ich sehr viel über statistik und interpretation derselben gelernt habe. ich suche nach fallzahlen, zunächst einmal im kleinen rahmen, kantons- und bundesweit. die schweiz hat ja von anfang an im verhältnis zur bevölkerung hohe fallzahlen von an covid19 erkrankten ausgewiesen. sind die zahlen der einzelnen länder aber überhaupt vergleichbar? oder sieht man an den werten viel weniger die erkrankungsraten als die zahl der durchgeführten tests? ich habe zu wenig informationen, um das beurteilen zu können.

aus historikerperspektive ein spannender artikel bei geschichte der gegenwart: philipp sarasin versucht mit foucault die pandemie zu verstehen.  dort auch eine spannende statistik.

zum abendessen bereitet die tochter eine karottenlasagne zu, während kai und ich auf unseren weniger wichtige 25. hochzeitstag anstossen.

nach dem abendessen sitzen wir virtuell noch ein halbes stündchen mit dem grossen sohn und seiner freundin zusammen und erzählen uns wie es uns geht.
später mit kai noch eine runde serie, dann für die momentanen verhältnisse spät zu bett.

Dienstag, 24. März 2020

23. märz 2020 - arbeit und struktur

endlich montag, endlich wieder ein strukturierter tag. aufstehen, frühstück machen, bloggen.

anschliessend kontrolliere ich das video, das kai für mich geschnitten hat. hochladen verschieben wir auf den abend, es ist ja mehr eine nette geste als eine notwendigkeit und muss nicht unbedingt zur besten arbeitszeit das internet belasten.
beim kaffee um zehn besprechen wir den weiteren tagesablauf. die tochter hat die meisten arbeitsaufträge der schule schon erledigt, ist aber noch mit wörtli lernen und daueraufträgen beschäftigt.

ich fahre in die werkstatt um die für die frühlingspost bedruckten stoffe zu holen. acht stücke, die insgesamt ein bisschen grösser sind als die verlangten 50 x 70 zentimeter, sind entstanden. ich kann also noch ein zusätzliches stück ausserhalb meiner gruppe verschicken, ich weiss auch schon an wen.
ich mache mich dran, die werkstatt aufzuräumen, bisher habe ich noch nicht recht lust zu filzen, aber vielleicht kommt die ja mit einer aufgeräumten arbeitsumgebung.

kurz vor zwölf fahre ich nach hause, dort wird schon das mittagessen gewärmt, es gibt heute reste.
nach dem mittagessen ein längerer spaziergang, es ist sonnig, aber kalt und windig, nur während des anstiegs im wald wird uns warm. der bauernhof, von dem unser milchexpress startet, hat seine blumentöpfe zum strassenverkauf aufgestellt, leider haben wir kein geld dabei. aber wir kommen ja wieder und werden da für uns (und auch für den milchexpress, von dem wir nicht wissen, ob er noch fahren und die menschen in den quartieren beliefern darf) einkaufen.

danach mache ich eine kurze pause und schlafe tatsächlich ein bisschen ein. am nachmittag ist die küche dran, hier putze ich turnusgemäss zusätzlich die fenster und endlich die steckdosen, die schon bei unserem einzug schmutzig waren.

telefonat mit meiner mutter, ein bisschen herumlesen in blogs, dann ist es zeit, das abendessen zu kochen. beim zwiebelschneiden fällt mir ein, dass die tochter mitkochen wollte. ich hole sie und wir bereiten gemeinsam dunklen reis mit lachssahnesauce und einen grünen salat mit rüebli zu.  superleckeres abendessen!

danach ist das video zum hochladen bereit, das geht mehr als eine stunde. die tochter übt noch saxophon, wir machen die küche und schauen dann noch serie. früh zu bett.

gelesen: paul auster, mr. vertigo
gesehen: sex education
und ja, endlich mal wieder gehört: ein corona auf ischgl, den servus, grüezi und hallo-podcast der zeit.


Montag, 23. März 2020

22. märz 2020 - use what you have

am wochenende ist es schwieriger mit der struktur als unter der woche, die wir hier eigentlich ganz gut durchstrukturiert haben, auch innerhalb des haushalts.

so habe ich gestern vergessen, dass wir am samstag noch einen wichtigen programmpunkt erledigt haben: wir haben die reise nach südengland und cornwall komplett abgesagt und storniert. dass wir nicht reisen werden war uns schon seit etwa einer woche klar, aber uns auf die stornierungen zu konzentrieren haben wir während der woche nicht geschafft. also am samstagvormittag. das hotel für einen zwischenstopp in rouen und die fähre habe ich zum günstigeren tarif ohne stornierungsmöglichkeit gebucht. beim hotel können wir nicht viel machen ausser absagen, das hat aber noch zeit. die fährverbindung ist aber mittlerweile von der reederei gecancelled, so dass wir vielleicht den fahrpreis erstattet bekommen. die ferienwohnung in portsmouth können wir stornieren, ich habe der vermieterin noch ein paar freundliche worte hinterlassen und mich für die stornierung entschuldigt. für unseren aufenthalt in cornwall selbst haben wir am donnerstag oder freitag die reisedetails bekommen, na, da war ja boris noch zuversichtlich, dass corona die britischen inseln einfach so verschonen wird. unser ziel hier: eventuell eine art gutschreiben des bezahlten betrags, so dass wir zu einem späteren zeitpunkt die reise antreten können. wenn es nicht klappt, dann ist es halt ein beitrag für die erhaltung der tourismusbranche in cornwall. so weit der nachtrag zum samstag.

am sonntag haben wir wieder spät gefrühstückt, es gibt ja wenig gründe, früh aufzustehen, ausser für mich, die irgendwann einfach nicht mehr schlafen, aber dann wenigstens bloggen kann. der himmel war bedeckt, aber eher hochneblig als wolkig.

nach dem frühstück nähten die tochter und ich mundschutzmasken nach zwei verschiedenen schnittmustern aus dem internet. es ist schon eine ziemlich komische vorstellung mit den dingern am dienstag zum einkaufen zu gehen, aber wenn es uns nicht nutzt, vielleicht nutzt es den anderen? immerhin kann man so wirklich niemand anniesen oder husten und auch wichtig: man kann sich nicht einfach so unbewusst ins gesicht fassen. mein persönliches sicherheitsgefühl erhöht es nicht, ich denke eher an rücksichtnahme auf das personal in den lebensmittelläden.

danach stand dann die tägliche gartenrunde an, die kai schon begonnen hat, während ich noch die nähutensilien aufräumte und mit dem mittleren sohn telefonierte. da aktionswerbung im augenblick entweder sinnlos (weil fachmärkte geschlossen) oder unethisch (weil die kundenfrequenz beschränkt und nicht ausgeweitet werden soll) ist, wird er sich ab der kommenden woche wahrscheinlich freiwillig melden um das personal seiner arbeitgeberin in den filialen oder in der logistik zu unterstützen.

im garten war es noch ein mächtiges stück arbeit, die reste des chinaschilfs zu entfernen, obwohl viel weniger fläche als am samstag. am rand war das schilf aber komplett mit steinen und anderen pflanzen verwachsen. aber die sonne war herausgekommen, so dass es wieder angenehm warm war. am ende musste der bereich noch neu gestaltet werden, am unteren rand mit grossen steinen und einer weiter nach oben gesetzten steinpflanze. auch im garten ist jetzt das motto: use what you have (nutze was du hast). setzlinge kaufen wird wahrscheinlich eher schwierig. ein versorgungsproblem habe ich auch schon ausgemacht: uns wird früher oder später blumenerde fehlen, denn anders als in den jahren ohne umzug haben wir im herbst alle töpfe geleert und der kompost ist vermutlich auch noch nicht reif genug um reichlich material zu liefern. aber so lange das unsere grösstes problem ist... (gerade nachgeschaut, die örtliche gärtnerei liefert oder macht sachen zur abholung bereit)

dann war der nachmittag auch schon weitgehend rum, die tochter und kai machten sich noch auf für einen spaziergang und zum nachschauen, ob im hoflädeli des bauernhofs noch etwas zu kaufen sei und brachten von ihrer runde fleisch für drei bis vier mahlzeiten mit.
ich telefonierte inzwischen mit einer freundin an meinem heimatort, schulthemen, aber auch die sorge um die eltern und so ganz allgemein die absurdität des momentanen alltags. sie hat verwandte, die sich im südtirol-urlaub mit dem coronavirus infiziert und die krankheit gut überstanden haben. auch mal schön zu hören.

anschliessend bügeln, telefonat mit meiner mutter, abendessen kochen: weil ein bohnenrest weg musste, gab es dazu kartoffelbrei und lebergeschnetzeltes.

lange deutsche tagesschau (mit übersicht über die corona-situation in verschiedenen europäischen und aussereuropäischen ländern), danach tatort. (ich dachte ja, der film am samstagabend sei gemächlich gewesen, aber der tatort schlug ihn noch um längen.)

gelesen: paul auster, mr. vertigo
gesehen: tagesschau und tatort, wie es sich für einen sonntag gehört.

Sonntag, 22. März 2020

21. märz 2020 - löcher stopfen

den gestrigen schluss, dass das, was ich da jetzt aufschreibe, jetzt vielleicht langweilig sei, in zehn jahren aber spannend, habe ich mir, vom techniktagebuch ausgeliehen. das techniktagebuch ist, so könnte man vielleicht sagen, eine art archiv für technische und digitale alltagsdinge aus der gegenwart und der näheren vergangenheit. dort wird natürlich jetzt auch zu den veränderungen durch die corona-pandemie gebloggt. das schöne: in der regel wird nur berichtet was ist, und eben nicht gewertet, gewettert und geurteilt. das überlässt man dann den folgenden generationen. und ganz wichtig: da schreiben ganz viele menschen, so dass zumindest ein bunter strauss an sichtweisen zu finden ist. (technikfeindliche eher weniger, aber das liegt vielleicht in der natur der sache)

anders als an den wochentagen haben wir für den samstag im grunde keinen plan gemacht, das stört mich. ich möchte gerne wissen, wie viel zeit ich für eigene sachen habe, und nicht ständig unterbrochen werden, wenn ich gerade in etwas vertieft bin. meistens schaffe ich es ohne plan nicht, überhaupt etwas für mich anzufangen, weil ich befürchte, dass das dann gleich wieder liegen bleiben muss. dann räume ich im haushalt herum und erledige dinge, die ich auch delegieren könnte und komme so zu überhaupt nichts.

nach dem frühstück erledigen die tochter und ich das, was gestern und die letzten tage liegen geblieben ist, den überblick über unsere eingefrorenen vorräte. die letzte liste ist fast ein viertel jahr alt und auch wenn wir uns mühe geben sie fortzuführen, geht doch immer wieder etwas vergessen und wird nicht eingetragen oder ausgestrichen. viel ist zur zeit nicht eingefroren. das gemüse aus dem letzten sommer ist fast alles aufgegessen und fleisch hatten wir keines mehr bestellt.

danach versuche ich mich in visible mending (sichtbares ausbessern) einer zerschlissenen leinenhose, die ich gerne zuhause trage. das kann ich anfangen und immer wieder zwischendurch liegenlassen, wenn es den hausgenossen dann behagt, etwas gemeinsam zu tun. über den tag schaffe ich es, beide löcher zu reparieren:


sie sehen deutlich den unterschied vom ersten zum zweiten versuch. während ich beim ersten loch drauflosgestichelt habe, so nach dem prinzip hauptsache das hält, wusste ich beim zweiten versuch, worauf des ankommt und habe regelmässigere reichen und stiche gemacht. beim nächsten mal werde ich dann noch die shashiko-regel beachten, dass sich die stiche nicht überkreuzen dürfen. für heute hat es mir schon gereicht, dass die hose wieder funktionstüchtig ist.

im garten haben wir uns heute um das zu viel an chinaschilf gekümmert. das ist wohl einem der gartenvorbenutzer etwas aus der form geraten und hat sich auf etwa doppelte grösse ausgebreitet. wir dämmen das jetzt mal wieder ein und werden sehen, wie gut das mit dem ausgraben funktioniert und ob wirklich nichts mehr nachkommt. ich korrigiere mich: kai hat sich um das schilf gekümmert. ich habe solange eine etwa einen meter lange wegstrecke von seitlich wachsenden kleinen bäumchen befreit. diese bäumchen haben sich aus den massenhaft im ganzen garten vorhandenen schösslingen entwickelt, weil man sie so nah am weg schlecht herausziehen kann. mit einer mischung aus geduld und gewalt geben die meisten aber früher oder später auf und lassen sich unter den platten hervorziehen. die tochter hat die als frostschutz versenkten plastikflaschen aus dem pool entfernt, in dem schon wieder eine menge jetzt auch sehr schmutziges wasser ist. der garten ist ein unerschöpflicher quell sinnvoller arbeit an der frischen luft, die wir gut gebrauchen können, da die sonstigen ablenkungen ja gerade nicht zur verfügung stehen.

später bin ich noch eine kleine runde mit kai spazieren gegangen, habe mit meiner mutter telefoniert und den kontakt zum mittleren sohn gehalten. da er gerade am kochen war, konnten wir nicht telefonieren, vielleicht machen wir das morgen mal.

am abend heimkino mit grosser besetzung, ein film mit anne bancroft, judi dench und anthony hopkins, den wir nicht kannten: 84 charing cross road. sehr, sehr ruhige geschichte, die auf einem realen briefwechsel zwischen einer amerikanischen schriftstellerin und einem britischen buchhändler basiert. die unterschiedlichen folgen des zweiten weltkriegs für amerika und grossbritannien werden en passant deutlich, passte zu töchterleins geschichtsthemen momentan.

gelesen: du bist ich von joan aiken ausgelesen, das ist sehr schade, weil mir die geschichte wirklich gut gefallen hat. ich habe mir antiquarisch (haha) vier weitere bücher von joan aiken bestellt, die mehr als jugendbuchautorin bekannt ist.

gesehen: siehe oben.






Samstag, 21. März 2020

20. märz 2020 - chronik, intern

strukturen beibehalten (oder einführen), ein ratschlag für die momentane situation: freitag ist haushaltstag. ich ordne und putze also nacheinander das schlafzimmer, das badezimmer, das gäste/arbeitszimmer, galerie, treppe, wohnbereich, essbereich, flur, küche. es hat sich aber auch praktisch ergeben, dass kai heute ein letztes mal zu seiner arbeitsstätte fahren musste, ab jetzt nur noch homeoffice, es sei denn es bräuchte ihn im notfall. (was für ein notfall, das wäre jetzt hier schwierig zu erklären, kann ich ja immer noch machen, wenn es so weit kommen sollte) ich musste also bei meiner herumwerkerei keine rücksicht nehmen, die tochter hat sich mit ihren schulaufgaben eh in ihr zimmer verzogen.

ich bin fertig mit dem haus als kai nach hause kommt, er hat unterwegs noch getränke gekauft, weil gerade im getränkemarkt niemand war. in den lebensmittelläden werden jetzt zugangsbeschränkungen eingeführt, es darf maximal eine person auf 10 quadratmeter eingelassen werden, so dass es zu keinem gedränge kommt.

noch vor dem mittagessen gibt es schlechte nachrichten, die nichts mit der momentanen krise zu tun haben. das leben geht ja auch trotz corona-pandemie in all seinen facetten weiter. nur wird alles ein bisschen mühsamer und beschwerlicher und spontane unterstützung ist kompliziert.

den nachmittag habe ich wieder im wesentlichen im garten verbracht, zwischendurch sah es mal nach einem gewitter aus, aber das kam dann doch nicht. mit dem grossen sohn und meiner mutter telefoniert, alain berset gelauscht, der die beschlüsse des bundesrats verkündete (es dürfen sich nicht mehr als fünf personen im öffentlichen raum versammeln, die ausgangssperre will man möglichst vermeiden, deshalb noch einmal ermahnungen an die bevölkerung).

die tochter mäht noch einmal den rasen, ich denke, wir werden das gemähte jetzt doch einmal abharken müssen. schon gegen abend habe ich dann mit der tochter wieder schösslinge entfernt und an einer stelle westlich des hauses platten entdeckt, vielleicht ist das ein guter platz für die grüntonnen.

zum abendessen gab es randenwähe mit ziegenfrischkäse, nebenbei habe ich noch einen zopf fürs frühstück gebacken, allerdings zu viel reismehl rein getan, so dass er nicht schön aussieht und ich gespannt bin, ob man ihn essen können wird. das reismehl musste mal weg und wann, wenn nicht jetzt? 

nach dem abendessen die deutschen nachrichten - die ansprachen der verschiedenen landesmütter und - väter im vergleich sind spannend. am staatstragendsten fand ich den grünen baden-württembergischen landesvater winfried kretschmann. anders als frau merkel vorgestern (?) hat er auch mit einer ausgangssperre gedroht. ansammlungen von mehr als drei personen im öffentlichen raum sind verboten, aber in bayern und dem saarland gibt es auch bereits echte ausgangssperren.

ich hoffe, ich langweile sie nicht mit dem, was sie selbst in den nachrichten sehen und hören können, aber für mich ist das hier erstens eine art der vergewisserung, dass die tage nicht einfach so hinrennen und dann auch eine art chronik. ja, jetzt interessiert das niemand, aber in zehn jahren!

keine lust zum fernsehen, eine runde "einfach genial" geht aber immer noch. vielleicht hätten wir ja auch so etwas wie die betriebsfamilie starten sollen, die spielen nämlich kniffel.

gelesen: du bist ich, joan aiken
gesehen: nur nachrichten
gehört: auf dlf ein interview mit dem schweizer fotograf beat presser, der klaus kinski während der dreharbeiten für fitzcarraldo portraitiert hat.


Freitag, 20. März 2020

19. märz 2020 - geht halt irgendwie weiter

morgens ist es jetzt schon immer ganz hell wenn ich aufstehe, zur gewohnten zeit. frühstück mit kai, mit scrabble, dann bloggen, den tag planen, ein paar dinge am laptop erledigen. kurzer morgendlicher chat mit meiner mutter, seit der ersten augen-op halten wir das jetzt so, dass sie sich morgens kurz meldet, damit ich weiss, dass alles in ordnung ist bei ihr.

ich sammle anschliessend alle stoffdruckutensilien ein und fahre mit dem rad in die werkstatt, um den stoff für die frühlingspost zu bedrucken. das könnte ich zwar auch zuhause auf dem esstisch machen, aber in der werkstatt habe ich zur zeit zwei grosse tische, die ohnehin leer stehen und wo ich die bedruckten stoffe dann auch liegen lassen kann, bis sie trocken sind. ausserdem habe ich dort auch plastikfolie zum abdecken der tische.

in der werkstatt stelle ich fest, dass die tische natürlich keineswegs leer sind, am freitag hatte ich ja, nach der nachricht von der schulschliessung, alles stehen und liegen gelassen. (das ist gefühlt schon ewig her, geht es ihnen auch so?) also muss ich zuerst einmal aufräumen. aber zu allererst suche ich die dinge zusammen, die ich brauche, um am nachmittag mit kai ein video aufzunehmen, wie man kleine osterhasen filzt um dies meinen filzkindern zur verfügung zu stellen. dann geht es mit dem schablonendruck los.


sie sehen auf dem bild nur die erste schicht, ein bisschen spannend soll es ja auch noch sein. übernächste woche werden die briefe hoffentlich angekommen sein, dann gibt es hier auch noch einen detaillierten bericht.

um die mittagszeit bin ich fertig und radle nach hause, wie abgemacht essen wir um halb eins, brot und auflage.

der anschliessende spaziergang entfällt zugunsten der dreharbeiten am osterhasenvideo. die tochter verabschiedet sich allerdings zu einer etwas sportlicheren runde, das hatte sie ja gestern schon angekündigt. beim videodreh knirscht es etwas, zuerst technisch, dann ist mir das alles auf einmal zu viel, dann geht es doch, dann kommt die kamera an ihr limit. pause. darüber bin ich nicht einmal sehr traurig, dann kann ich noch ein bisschen in den garten.
erster task hier: aussenwasserhahn anstellen. auch das klappt nicht wie gewünscht, denn der auf der gartenseite gelegene wasserhahn ist kaputt, das ventil schliesst nicht, das wasser schiesst nur so heraus. der abstellhahn im keller dichtet nur bedingt, also müssen wir am ende wieder alle aussenwasserhähne am haupthahn abstellen. wir werden uns behelfen, den vermieter einen handwerker aufbieten lassen ersparen wir uns eher momentan.
anschliessend schneide und grabe ich mich der westseite des hauses entlang. es müssen noch ein paar letzte hortensien, rosen und der schmetterlingsbaum geschnitten werden, ausserdem grabe ich wieder einige schösslinge von bäumen aus. die westseite des hauses ist vermutlich die schattigste, da steht neben dem haus ein wahrer urwald über den wir uns noch nicht wirklich gedanken gemacht haben.

irgendwann beenden wir das video, meine mutter ruft an um ein bisschen zu plaudern, wir sitzen zu dritt in der letzten sonne draussen. die tochter verzieht sich noch einmal, sie will noch einen text fertigschreiben. ich stopfe meine gartenabfälle in die grüntonne und fange dann an, das abendessen zu kochen. heute gibt es federkohl mit kichererbsen und paprika und einer joghurtsauce. wir essen uns recht konsequent durch unseren ernteanteil, haben aber auch noch einiges an gemüse im vorrat. überhaupt haben wir beschlossen, dass wir vor anfang der kommenden woche nicht einkaufen gehen müssen.

nach dem abendessen sehen wir heute die schweizer nachrichten - eindringlich versuchen die offiziellen stellen den menschen klar zu machen, dass sie sich an die aufgestellen regeln zum umgang miteinander halten müssen, wenn man einen rasanten anstieg der infektionen bremsen will. der kanton uri hat ein ausgangsverbot für menschen über 65 jahre erlassen. (alte historikerregel: ein regelungsbedarf durch verbot oder gesetz weisst darauf hin, dass das verbotene verhalten vorher regelmässig stattgefunden hat.) selbst unter dem wetterbericht läuft ein band mit verhaltenshinweisen: (regelmässiges händewaschen, distanz zu anderen menschen halten, möglichst zuhause bleiben, nur zum lebensmittel einkaufen, zum arzt, apotheker oder zur arbeit rausgehen, wenn es wirklich notwendig ist). öffnet man instagram oder spotify auf dem smartphone bekommt man dieselben hinweise, bevor man die eigentliche seite öffnen kann.
die bedrohung ist zu abstrakt. steht das wasser an der unterkante des kellerfensters oder fallen bäume auf strassen, dann ist die bedrohung sichtbar, bei der corona-pandemie ist das nicht der fall. vielleicht müssen wir alle erst einen todesfall durch corona in unserer nächsten nähe haben bevor wir aufwachen und die richtigen schlüsse ziehen.

was sonst noch so los war:

die tochter hat jetzt die aufgaben von ihren lehrern erhalten. einige trudeln noch über den tag ein.  selbst der saxophonlehrer hat material geschickt und möchte einmal in der woche eine aufnahme per messenger übermittelt bekommen. bis zu den frühlingsferien befinden wir uns in schuldingen in phase 2, die schülerinnen und schüler bekommen aufgaben, die der festigung des bisher gelernten dienen, prüfungen sind ausgesetzt, aber die aufgaben werden kontrolliert und korrigiert.

und das wollte ich ihnen auch noch zeigen: 

wenn ihnen das alles zu viel wird - die new york times hat hier einen ruhigen platz eingerichtet. ist für einmal besser als mit freunden im park.

gelesen: du bist ich
gehört: die schaulustigen (zeit-podcast)
gesehen: schweizer tagesschau und sex education (das ist so herrlich banal, das braucht man jetzt wirklich)