Sonntag, 24. Mai 2026

tag zwei in prag - narodni muzeum

 das wetter ist so schön seit wir hier in prag angekommen sind! es scheint jeden tag die sonne und für die kommenden tage sind beinahe dreissig grad angesagt. bei unserem letzten aufenthalt in der stadt hat es auch mal geregnet - da fiel die entscheidung, wann wir durch die stadt spazieren wollen, und wann wir ins museum gehen, deutlich leichter. 

aber immer nur spazieren geht auch nicht, wenn man schon mal so viele spannende museen um sich herum hat! 

so nutzten wir unseren zweiten tag hier in prag für einen besuch im nationalmuseum, das von unserer unterkunft nur ein paar minuten entfernt liegt. hier waren wir zuletzt vor mehr als dreissig jahren, bei unserer ersten reise nach prag. erinnern konnte ich mich noch an die imposante innenausstattung, das pantheon der für tschechien wichtigen personen und vor allem an die unendlichen reihen von grossen, alten vitrinen mit den naturwissenschaftlichen exponaten. 

unseren aktuellen besuch starteten wir aber mit etwas ganz neuem - man kann jetzt nämlich in die kuppel steigen und von oben auf den wenzelsplatz schauen.


 hier wird immer noch gebaut. zu unserem entzücken stellten wir bereits fest, dass es eine strassenbahn über den wenzelsplatz geben wird - wenn die fertig ist, wird unsere unterkunft noch perfekter an den nahverkehr angeschlossen sein - wenn das überhaupt noch geht...


 blick richtung neues museumsgebäude und hauptbahnhof. 

und am flügel der grossen fassadenfiguren vorbei in richtung petřin. 

und weil wir schon oben waren und man uns den weg durch ein treppenhaus zu den ausstellungen wies, begannen wir unsere erkundung des museums von oben. 

per zufall starteten wir unseren rundgang in der naturkundlichen abteilung - die vitrinen gibt es noch, sie werden nur ganz anders verwendet. 

 

die ausstellung ist toll gemacht - sowohl ästhetisch, als auch nach dem was wir mitbekommen haben, didaktisch. es waren auch eine menge schulklassen unterwegs! 


auch viele der alten präparate sind in die ausstellung integriert - fast ärgert es mich ein bisschen, dass ich ihnen kein beispiel vom zusammenspiel von moderner darstellung und alten ausstellungsobjekten zeigen kann. 

in der naturkundlichen abteilung stiessen wir per zufall auf die app, die das museum mit audioguides und navigationsmöglichkeiten bereithält - im historischen gebäude geht man hier nämlich sehr sparsam mit hinweisen zur organisation der ausstellungen um. vielleicht, weil man den gesamteindruck nicht stören möchte? jedenfalls lernten wir so, was es alles im haus zu sehen gibt - ich bin mir aber immer noch nicht sicher, ob das auch gut war... 

anstatt weiter per zufall durchs museum zu flanieren, suchten wir uns eine ausstellung aus - die zur geschichte des zwanzigsten jahrhunderts... und damit begann eine kleine odyssee: denn so ganz selbsterklärend war die räumliche navigation in der app dann auch wieder nicht. und weil wir wegen einer schlange am aufzug einen anderen weg nahmen, brauchte es einiges an beharrlichkeit, bis wir den weg zur ausstellung gefunden hatten - einfacher wäre es gewesen, hätten wir einen übersichtsplan gehabt, der uns gleich zu beginn gesagt hätte, dass wir in das nebengebäude gehen müssen, dann hätten wir vermutlich auch den unterirdischen tunnel schneller gefunden. 

der allerdings war toll - eine zeitreise durch die geschichte des wenzelsplatz wird an den langen wänden gezeigt und zwar von der entstehung der erde bis in die jüngste gegenwart, warum es dann bei den gezeigten filmsequenzen von grossen aufmärschen und demonstrationen auf dem platz zeitlich rückwärts ging, hat sich mir nicht erschlossen. 


im neuen teil des museums angekommen mussten wir nur noch unseren weg in den vierten stock finden und dann ... ja dann...  war unsere geduld (meine schon lange) dann doch am ende. der audioguide (auf deutsch) war so kompliziert und wenig verständlich, dazu gab es noch mal eine zeitreise (diesmal als eine art lift in einer rundumprojektion), dass wir kapitulierten. so grob kennen wir die geschichte tschechiens bereits und soo sehr unterschieden sich die drei gezeigten inneneinrichtungen auch nicht von dem, was wir selbst noch (im "westen" und ab den neunziger auch unterwegs in tschechien) miterlebt haben. vermutlich wäre die politische geschichte interessanter gewesen, aber die lag noch ein treppe weiter oben, und nein, wir konnten einfach nicht mehr. 

also machten wir pause im museumscafé - auf dem ticket steht, man kann das museum damit nur einmal betreten, aber immerhin gibt es eine terrasse (über die man auch ohne probleme ins museum rein und raus kann...) 

aber genug hatten wir immer noch nicht. ich wollte mir zumindest den audioguide zur architektur und geschichte des gebäudes anhören - hier kommt josef schulz, der architekt, der den entwurf lieferte, selbst zu wort. 

man beginnt im treppenhaus. 
 


die büsten im oberen geschoss stellen die verschiedenen menschen, die zur entstehung des museums beigetragen haben, dar. 


die kleinen runden reliefs die herrscher über böhmen. 


ende des neunzehnte jahrhunderts beleuchtete man noch mit gaslampen, doch das gebäude wurde rasch mit elektrischem licht ausgestattet - die glasdecken geben zusätzliche helligkeit. 


 den abschluss fand die führung im pantheon, wo massgebliche personen der tschechischen geschichte als bronzen zu finden sind, welche da stehen dürfen und welche gerade nicht, hängt auch immer ein bisschen von der jeweiligen zeit ab. es ist aber auch schon ein bisschen eng. da geht der blick doch besser zur decke, beziehungsweise zu den wandgemälden, karl iv. dürfte über alle zweifel erhaben sein. 


 und ganz am schluss hat kai dann auch die schaukästen wiedergefunden, im saal der mineralien, der ältesten ausstellung im haus. die vitrinen wurden übrigens tatsächlich für die mineraliensammlung vom architekten selbst entworfen. 

danach brauchten wir dringend frische luft - wir schauten nur ganz kurz im appartement vorbei und verlegten unsere pause in den folimanka-park, dorthin wo, wir am tag vorher unseren spaziergang abgebrochen hatten. 

die zwiebeltürmchen gehören zu mariae verkündigung, diesmal sahen wir sie von unten. 


znacht gab es am kiosk im park, wir wollten draussen sein und bleiben - erwähnte ich schon das schöne wetter? 


das beeindruckendste am folimanka-park ist tatsächlich die riesige brücke für eine vierspurige strasse und die metro. 


noch beeindruckender: von unten hört man den verkehr oben kaum. 


da gefiel mir einfach das zeichen ... keine ahnung für was es steht. 

unseren abendspaziergang beendeten wir mit dem aufstieg zur kirche mariae verkündigung, nur war die grosse strasse noch zwischen uns und der kirche, und weiter durch die strassen von vinohrady. 

Freitag, 22. Mai 2026

anreise und erster und zweiter spaziergang in prag

 in münchen regnete es, als wir am mittwochmorgen wach wurden - für den kurzen weg zum bahnhof sollte das aber kein all zu grosses problem werden. wir frühstückten in einer bäckerei in der nähe der unterkunft, holten dann unser gepäck und spazierten einzeln zum bahnhof - ich machte noch einen abstecher über den öffentlichen bücherschrank an einer kirche, um meinen endlich ausgelesenen prag-krimi auszusetzen. 

am bahnhof kauften wir rasch proviant für die reise und nahmen die reservierten plätze im recht abgeschrabbelten regionalexpress mit ziel prag ein. unsere sitzplätze befanden sich in den zwei wagen der tschechischen staatsbahn, reichlich voll war es auch, aber wir konnten dann doch nebeneinander sitzen. 

meine e-sim für europa mit unbegrenzten daten funktionierte weitgehend, der zug hielt ab und zu ausserplanmässig und fuhr bis prag eine knappe halbe stunde an verspätung ein, aber im wesentlichen war die reise ereignislos. 

um fünf hatten wir schon unsere wohnung am oberen wenzelsplatz bezogen - wir haben einen balkon! - packten ein paar sachen aus und machten uns gleich zu einem ersten spaziergang in den riegerpark auf. den hatten wir beim letzten aufenthalt in prag entdeckt und hofften auf einen der beiden biergärten im park. im kleineren war die aussichtsterrasse gesperrt, im grösseren gabs eishockey, aber für uns auch ein getränk zum anstossen aufs gute ankommen in prag. 

dann hatten wir ein bisschen hunger und wollten gerne wie im letzten jahr in das von der unterkunft empfohlene restaurant einkehren, machten wir auch, nur war da wohl etwas entscheidendes passiert, besitzerwechsel, sparmassnahmen, egal, weder das essen war gut, noch die bedienung besonders freundlich, den rest gab uns konkurrierende musik in gastraum und küche, wir flohen rasch nach beendigung der mahlzeit. 

aber weil es noch hell war, holten wir nur rasch jacken aus der wohnung und starteten eine strassenbahnrunde ohne eigentliches ziel. ich wollte ja gerne auf eine der alten tatrabahnen warten, wir nahmen dann aber trotzdem einfach die nächste und liessen uns nach líben treiben und von dort nach kobylisy - hier begannen wir auf den zufall zu verzichten und nahmen gezielt eine tram zurück ins zentrum, über holešovice und die messe. 

ausgestiegen sind wir am ufer der moldau - und mussten natürlich wie alle anderen auch, dieses foto machen. 

zu fuss spazierten wir durch die altstadt zurück zum wenzelsplatz. 

für den ersten tag in prag hatte kai vorgeschlagen, es gemütlich zu nehmen, das wetter war gut und so konnten wir die pläne für den tag allmählich gestalt annehmen lassen. 
 
weil am oberen wenzelsplatz und rund um das nationalmuseum immer noch gebaut wird, nahmen wir für eine station die metro und fuhren zum naměsti míru zum frühstück in die bäckerei antonin. 
 

wir sassen ein bischen länger, planten grob die kommenden tage. wir haben so viel glück mit unserer reisezeit: am kommenden wochenende sind im rahmen eines architekturanlasses viele gebäude, die man sonst nicht sehen kann, offen und an unserem letzten tag in prag wird auch noch die nacht der kirchen stattfinden, über die ich vor einiger zeit bereits auf dem finnland-blog gelesen hatte - und dann das wetter! es soll sonnig und warm sein und wir werden viel gelegenheit haben, unserer liebsten beschäftigung, dem stadtwandern, nachzugehen. trotzdem wollen wir wieder einmal auch was klassisches anschauen, mal sehen, wie es dann so auf dem hradschin werden wird...
 

zuerst einmal stand aber spazierengehen in der stadt an - vinohrady kennen wir noch nicht gut, legten uns eine grobe route zu und starteten erst einmal in richtung jiřiho v podiebrad. der kleine markt, den wir von früheren besuchen kennen, hat sich verändert, neben gemüse und anderen lebensmitteln gibt es jetzt auch stände mit kleidern, büchern und viele essensstände. 
 

auch noch entdeckt: diesen jugendstilgiebel und ein georgisches restaurant, in dem wir schnell plätze fürs abendessen reservierten. 
 
dann wandten wir uns südlich, wir hatten auf dem stadtplan gesehen, dass sich hier ein band aus parkanlagen bis zur krymska-strasse zieht. 


auch zwischen den häusern gibt es viele richtig grüne strassen. unten im bild kirschbäume - das hat sicher auch sehr schön geblüht! 
 

auf höhe des hus-haus merkten wir wieder einmal, wie bergig prag ist! nachdem wir eine weile gemütlich bergauf gegangen waren, fiel das gelände nun plötzlich richtig steil ab. 
 

 wir folgten der krymska - allerdings dürfte das eher eine ecke für den abend sein, mit kneipen und gaststätten wie dem cafe v lese. 
 

 für uns gab es immerhin spannende fassadenverzierungen zu sehen. 
 

 

es ging wieder bergauf, zum grebovka-park. 
 


 neben der villa groebe gibt es hier eine wunderschöne ausflugsgastronomie, die wir für eine längere pause nutzten, bevor wir nichtsahnend weiter durch den riesigen park schlenderten und dabei auf eine künstliche grotte trafen, in einer grösse, wie man es allenfalls bei grossen schlössern vermuten würde. 
 

 

 wir kamen von oben und stiessen zuallererst auf dieses künstliche felsenlabyrinth, das man auf vielen kleinen versteckten wegen durchqueren kann. 

von wegen prag ist eh nur altstadt und burgberg! 
 

noch eins: 
 

 rund um die grotte waren die wege auf sehr spezielle weise angelegt - begrenzugen und stufen aus beton, der zu unregelmässigen ästen und stämmen geformt wurde, unserer ansicht nach direkt vor ort, wir entdeckten keine zwei gleichen abschnitte! 
 

ein letzter blick zurück auf villa, altan im weinberg und park, dann verliessen wir das weiträumige gelände in richtung westen. 


 blick auf vršovice. 

wir überquerten die geleise, die auch unseren zug zum hauptbahnhof gebracht hatten direkt über dem tunneleingang und gelangten in den bereich zwischen den stadtteilen nusle und karlov. 


 hier zerfällt ein traditonelles holzhaus, wie wir es aus den nördlichen teilen des landes kennen - oder vielleicht verfällt es auch nicht, denn immerhin scheint sich jemand um den garten zu kümmern. 

unser eigentliches ziel wäre der folimanka-park gewesen, aber mittlerweile waren wir ein bisschen müde und stiegen für den weg hinauf nach karlov in die strassenbahn, die uns dann erst wieder in sichtweite des nationalmuseums frei liess. wir kauften uns italienische panini, die wir an der an der kirche mariae verkündigung essen wollten.

bis dahin hatten wir aber schon wieder einiges zu entdecken, wie diese unterführung unter der stadtautobahn, die das thema queerness und selbstbestimmung in geschlechterfragen thematisiert. 

 


 

kurz vor der kirche eine kleine kapelle - wir hatten gerade das areal der spitäler durchquert. 
und dann sassen wir nur kurz an der kirche mariae verkündigung und assen unsere panini und stellten fest, dass es bereits recht spät war und wir eigentlich total müde. die öv-app spie uns eine verbindung mit bus und metro zum wenzelsplatz aus und wir liessen kirche kirche sein, den folimanka-park hatten wir bereits vertagt, und fuhren mit einem kleinen einkaufsstopp in unsere wohnung. pause. 
 

 am abend brachte uns die metro zwei stationen zum georgischen lokal, das essen war gut, aber am ambiente liesse sich schon noch was machen, dafür sassen wir dann auch nicht so lange und es blieb noch zeit für einen spaziergang durch den riegerpark, wo wir das taten, was hier viele tun: 


den sonnenuntergang hinter dem hradschin bewundern! 
 
und weil das ein richtiger spaziergang war, erlaube ich mir, diesen bei heikes monatsspaziergang im mai zu verlinken. mal schauen, ob wir in der kommenden woche den anschluss schaffen und auch noch den folimanka-park mit der autobahnbrücke und vielleicht sogar den botanischen garten anschliessen können. 

Mittwoch, 20. Mai 2026

münchen

in diesem jahr unterbrechen wir unsere reise nach prag nicht nur für ein bier in münchen, sondern gleich für zwei nächte. nicht weil die anschlüsse in deutschland so unsicher geworden sind, sondern weil wir uns das sudetendeutsche museum, das an verschiedenen stellen so gelobt wurde, selbst einmal anzuschauen. 

aber zuerst werden wir wieder einmal auf einem neuen weg durch den münchner hauptbahnhof geleitet. 


eigentlich auch ganz hübsch, die beschriftung dürfte aus den 50er stammen, sonst sah man sie nicht. wir holen uns gleich noch im reisezentrum platzreservierungen für die weiterfahrt mit der kleinen privatbahn, die uns zwei tage später nach prag und am monatsende zurück nach münchen bringen soll. keine ahnung, warum es mir nicht gelungen ist, diese sitzplätze online zu buchen, aber am reisetag wird sich die reservierung noch als wichtig erweisen. 

zu unserer unterkunft sind es nur zehn minuten - wir können trotz unserer frühen ankunft (kurz nach 14 uhr) gleich unser appartement beziehen. halten uns aber gar nicht lange auf, wir haben pläne. 

das wetter war für die beiden tage in münchen eher regnerisch angesagt, und so sind jetzt unsere pläne halt schlechtwetterprogramm, aber nun scheint die sonne und wir können gut zu unserem ersten ziel, dem karl-müller-volksbad, zu fuss gehen und zwar quer durch die münchner innenstadt. das jugendstilbad liegt gleich neben dem deutschen museum an der isar. 


wir nutzen die zeit nicht nur zum schauen, sondern auch zum schwimmen - allerdings ist das becken für richtiges schwimmen eher weniger geeignet, zwar sind zwei bahnen für sportschwimmen abgetrennt aber auf der einen seite ist die wassertiefe so gering, dass man ganz vorsichtig wenden muss, demit man sich nicht die zehen anschlägt. 


kurz vor fünf verlassen wir das bad und brauchen dringend einen kaffee, wir landen gleich gegenüber vom schwimmbad im "rosi" - ok, vor allem weil wir nach dem schwimmen echt durstig sind. 


anschliessend gehen wir über die museumsinsel zurück in die innenstadt, in der nähe des sendlinger tors finden wir eine indische gaststätte und essen dort zu abend. danach sind wir dann auch müde genug, um uns auf unser appartement zu freuen. 

am anderen tag muss ich früh fit sein - ich habe meine tschechischstunde nicht verschoben (auch nicht verschieben können, meine lehrerin scheint lange sommerferien zu machen, sie hat zwar informiert, aber die info passt nur teilweise zu den blockierten zeiträumen...), also übe ich von halb acht bis acht tschechische verben. 

danach machen wir uns fertig für den tag - frühstück gibt es unterwegs, wieder beim sendlinger tor, im café vollath. unser weg wäre wieder der gleiche wie am vortag gewesen, deswegen machen wir heute einen bogen nach süden, über den alten südfriedhof. 

 

vor dem friedhof - von weitem wirkte die matratze in dieser umgebung täuschend echt, sie ist aber eine bronzeplastik. schade, dass wir keine hinweise zu künstler und titel finden. 

auf dem alten südfriedhof sind eine ganze menge bekannter menschen begraben - wir lassen uns treiben und suchen nicht nach bestimmten grabmalen. 


 mehr per zufall und wegen der schönen storchenschnäbel habe ich dieses grab fotografiert. 

und später erst beim bearbeiten der bilder die inschrift gelesen - ja, das mit der religiösen toleranz ist noch nicht so alt. 

amseln hats auch. 


 dieses grabmal war sicher ende des 19. jahrhunderts sehr modern - vielleicht aber wurde das landschaftsrelief auch erst später angebracht. 


zwischen dem nördlichen und dem südlichen gräberfeld verlassen wir den friedhof und überqueren den westermühlbach, wir halten uns grob richtung isar, mein ehrgeiz wäre gewesen, ohne einen blick auf die karte auszukommen, aber irgendwann haben wir uns in den vielen strassen verheddert und brauche ein bisschen hilfe, um die wittelsbacherbrücke zu finden, auf der wir die isar überqueeren um anschliessend in richtung nordosten durch die auen zu laufen. 

das ist jedenfalls nicht die frauenkirche. 


aber der turm gehört wieder zum deutschen museum. auf der höhe des deutschen museums biegen wir in richtung auer mühlbach ab, steigen die böschung hinauf und stehen dann vor dem eigentlichen ziel des tages, dem sudetendeutschen museum. 

 
ausser uns hat es nur wenige gäste - wir werden ein bisschen überrumpelt mit dem museumseintritt, hinweisen zu garderoben, audio-guide und der tatsache, dass der aufzug zur ausstellung über fünf etagen kaputt ist. nachdem wir unser gepäck im untergeschoss versorgt haben, steigen wir deshalb erst einmal im treppenhaus ganz nach oben. man hat von dort auch einen sehr guten ausblick. 
 
aber wir sind ja wegen der ausstellung da! zuerst gibt es eine kleine einführung in die geschichte böhmens und mährens - entscheidend zum verständnis, warum in diesem territorium lange zeit zwei verschiedene sprachen gesprochen wurden. die deutschsprachige bevölkerung teilte nur die sprache, nicht aber die kultur, die war viel stärker lokal beeinflusst. 
 


eine etage tiefer geht es um die wirtschaft in den sudetendeutschen gebieten - vom bergbau über textil- und glasindustrie und über viele andere industriezweige wurde hier alles abgedeckt, was die menschen brauchten oder exportieren konnten. 


 

die zweisprachigkeit ist auch ein thema - mitgenommen habe ich, dass es familien gab, die kinder untereinander austauschten, damit sie beide sprachen lernten, was mich an die praxis erinnerte, dass viele deutschschweizer früher eine zeit in der französischsprachigen schweiz verbrachten, um die andere landessprache zu lernen. aber auch, dass viel weniger deutsch sprechende menschen tschechisch lernten als tschechisch sprechende deutsch konnten. kulturell dominierte die deutsche sprache - auch weil sie durch die östereichisch-ungarische regierung die sprache der behörden war. 

die einigermassen friedliche koexistenz beider sprachen endete bereits im aufkeimenden nationalismus des neunzehnten jahrhunderts. von der vorherrschaft der habsburger befreiten sich böhmen und mähren mitsamt der slowakei durch die gründung eines staates 1919 - woran die dominierende deutschsprachige minderheit zunächst nicht beteiligt war. in den zwanziger jahren gab es versuche des ausgleichs, aber spätestens das aufkommen der sudetendeutschen vereine und parteien und vor allem der nsdap-nahen henlein partei nach der weltwirtschaftskrise führten immer mehr zu einer konfrontation. 


 

satirisch bearbeitete man das thema auf beiden seiten - es dürfte aber bald niemandem mehr zum lachen zumute gewesen sein. (auf tschechisch steht da: zum gedenken des 20. jahrestags der gründung der tschechoslowkischen republik: wir hatten 1000 jahre keine angst. Wir fürchten uns auch heute nicht.) 

das münchner abkommen und die deutsche besetzung von böhmen und mähren, die verfolgung von tschechen, politischen gegnern, die deportation von juden und roma waren die konsequenz. 

auf den beiden untersten etagen geht es dann um die systematische vertreibung der deutschsprachigen bevölkerung nach der beendigung des zweiten weltkriegs und der gründung der zweiten tschechoslowakischen republik und um die aufnahme der vertriebenen in allen teilen deutschlands - sowie um die bewahrung des andenkens an die alte heimat in den sudetendeutschen heimatvertriebenenverbänden. 

nach vier stunden nicht ganz unanstrengendem museumsbesuch nahmen wir abschliessend dieses zitat von vaclav havel mit. toll, dass es dieses museum gibt. ich fühlte mich gut informiert - allerdings immer auch unter prämisse, dass man die trägerschaft der ganzen veranstaltung mitdenkt. das hört sich vielleicht stärker nach tendenz an, als sie im museum vorhanden ist. eine einzige wahrheit gibt es aber auch in diesem fall vermutlich nicht. 

im anschluss an den museumsbesuch war kaffee und kuchen wieder dringend notwendig, auch wenn der nachmittag schon deutlich fortgeschritten war. 

 

den rückweg nahmen wir wieder über die innenstadt - kai wollte noch über den viktualienmarkt bummeln. 

 

diesmal reichte es vor dem abendessen noch für einen zwischenstop im appartement, danach spazierten wir zum lindwurmstüberln und assen dort ein halbes hendl mit pommes frites - und schafften anschliessend sogar noch den weg zurück. 

eine weitere nacht verbrachten wir noch in münchen, am anderen tag fuhr unser zug erst um viertel vor elf nach prag.