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Mittwoch, 3. April 2024

noémi speiser - the manual of braiding und an annotated classification of textile techniques

seit ich ende 2010 im rahmen meiner abschlussarbeit für den bildungsgang filz damit begonnen habe, mich mit dem thema flechten auseinanderzusetzen, bin ich immer wieder auf den namen noémi speiser gestossen. oder vielleicht auch gestossen worden - wenn ich mich nämlich nicht ganz falsch erinnere, hat monika künti mich auf die textilforscherin aufmerksam gemacht. und beinahe schon so lange steht ihr erstes buch, das "manual of braiding" auf meiner bücherwunschliste. 

plakat aus der austellung in basel

nun ist in diesem frühjahr ein weiteres werk von noémi speiser erschienen, eine - oder soll ich besser sagen: die - klassifikation der textilen techniken. (freundlicherweise wurde mir die neuerscheinung "an annotated classification of textile techniques" für eine besprechung vom haupt verlag zur verfügung gestellt) 

vergrösserte skizze zu maibaumtänzen mit bändern

begleitet wurde die herausgabe des buchs von einer kleinen ausstellung in der galerie praxis in basel. leider konnte ich nicht zur buchvernissage dort sein, aber am folgenden wochenende haben wir einen ausflug nach basel unternommen, um einen blick auf die von noémi speiser hergestellten flechterzeugnisse und die ausgestellten skizzen von ihrer hand zu werfen. dabei musste natürlich auch noch "the manual of braiding" mit nach hause. 

ausgestellte beispiele von noémi speiser

und nun habe ich genügend anlass, mich einmal ein bisschen genauer mit noémi speiser und ihren beiden werken auseinanderzusetzen. zur person findet sich wenig, der wikipedia-eintrag wurde erst 2024 angelegt. 1926 als tochter des basler unternehmers ernst speiser in england geboren, kam sie bereits in den frühen 30er jahren mit ihrer familie in die schweiz. ihr vater entstammte einer angesehenen basler familie, war in leitender position für die bbc in baden tätig und politisch als ständerat aktiv. vielleicht ist die kleine noémi gar nicht so weit von meinem schreibtisch hier aufgewachsen. 

noémi speiser selbst absolvierte eine ausbildung für textilgestaltung an der kunstgewerbeschule in basel und brach eine lehre als handweberin aus gesundheitlichen gründen ab. so kam sie bereits früh in kontakt mit dem ethnologen alfred bühler, der ihr zugang zur bedeutenden sammlung von textilien im völkerkundemuseum, heute museum der kulturen in basel verschaffte. eindrücklich erzählt sie dies selbst in einem sehenswerten video, das 2018 anlässlich der ausstellung "stroh zu gold" für das museum der kulturen entstanden ist. ein bisschen bekommt man hier auch eine ahnung, wie sie an ihre forschungsobjekte herangeht. 

um einen einblick in ihre arbeit zu bekommen, lohnt es sich, das vorwort des 1983 im eigenverlag erschienenen "manual of braiding" zu lesen. (2018 vom haupt-verlag neu aufgelegt in der version von 1988).

hier erzählt sie von den 1971 begonnenen feldforschungen in japan, wo sie sich der lange ausschliesslich mündlich überlieferten tradition des "kumi-himo" widmete, indem sie einen händler solcher textilien begleitete. in den einführenden zeilen wird auch ihre grosse passion für ihr thema sichtbar. "besessen" nennt sie ihr kollege peter collingwood und hebt hervor, dass sie nicht nur überhaupt als erste sich mit den diagonalgeflecht auf einer klassifizierenden, beschreibenden und analysierenden ebene auseinandergesetzt, sondern auch das ganze zur beschreibung notwendige vokabular selbst erschaffen hat. ihr ist es zu verdanken, dass "braiding" (das deutsche flechten ist keine adäquate übersetzung) als eigene textile technik und nicht als defizitäre form des webens wahrgenommen wird. nicht nach ethnologischen kriterien und nach ihrer herkunft beurteilt sie ihre forschungsobjekte, sie sucht den überblick und findet die gleichen strukturen an vielen orten auf der welt.

in den ausführungen über die entstehung des englischen texts und das komplett mit schreibmaschine und von hand entstandene layout scheint aber auch die isolation der urheberin durch die zeilen. meinen blick auf die zahllosen, detaillierten illustrationen hat diese einführung noch einmal komplett verändert. noémi speiser will keine anleitung geben - und empfiehlt doch, das buch von vorne nach hinten durchzuarbeiten. 

im bild gut sichtbar: die von noémie speiser entwickelten "track-plans", in denen das geflecht quasi in der aufsicht dokumentiert ist

und es macht lust dazu. bereits auf den ersten seiten habe einige themen entdeckt, die mich bei der eigenen auseinandersetzung mit dem flechten immer wieder beschäftigt haben. vielleicht gibt mir das buch neuen input, mich mit lange liegengebliebenen überlegungen wieder einmal von einer ganz anderen seite zu beschäftigen. 

beim blättern - und zu mehr bin ich bisher nicht gekommen - bin ich auf ein kapitel gestossen, in dem sie ihre heransgehensweise für die analyse bereits fertiger flechtarbeiten erläutert, denn man darf nie vergessen, dass der grossteil ihrer analysen nicht aus der beobachtung des prozesses, sondern aus den rückschlüssen besteht, die sie aus den fertigen produkten gezogen hat. 

diesen analytischen blick weitet noémi speiser in ihrer "annotated classification of textile technologies" auf das gesamte spektrum textiler arbeiten aus. im vorwort weist sie hier auf die schwierigkeiten der arbeit mit stücken aus einer sammlung hin: "in a final structure the process is lost". sie selbst hatte bei ihrer feldforschung in japan das glück, beides zu bekommen: die fertigen stücke zur späteren, teils auch zerstörenden analyse, aber auch die möglichkeit zur beobachtung des entstehungsprozesses. aus einem fertigen objekt, erklärt sie, kann man zwar die struktur erschliessen, niemals aber den konkreten entstehungsprozess, denn verschiedene wege können zum selben ergebnis führen. deshalb ist es notwendig, sich immer bewusst zu sein, was man beschreibt, das objekt oder den prozess.

"fibers to threads then to textiles, cannot exist by themselves and always have to linked to the surroundings, this necessarily includes the world far away in time and space." kein textiler gegenstand existiert ausserhalb der ihn umgebenden bedingungen und kann ohne das studium derselben verstanden werden. 

 

ihre einteilung in drei überkategorien erschliesst sich (zumindest mir) nicht auf den ersten blick: 

1. arbeiten mit einem faden

2. das verarbeiten eines fadensatzes

3. das einarbeiten von fäden in einen vorhandenen fadensatz

weit tritt sie für ihre einteilung von den beschriebenen objekten zurück und diese distanz macht es, anders als im manual, manchmal schwer nachzuvollziehen, um was für eine art von textiler struktur es sich da überhaupt handelt, zumindest dann, wenn man diese wenig gut kennt. 

 

hilfreich war es für mich, einmal bis zum kapitel 1 B drawing loops through loops (schlingen durch schlingen ziehen) zu blättern. da geht es um eher vertraute techniken, das häkeln, stricken, tunesisch häkeln. die techniken haben viele  gemeinsamkeiten, zumindest aus dem analytischen blickwinkel von noémi speiser. der arbeitsfaden ist unlimitiert, während der arbeit bleibt mindestens eine ungesicherte schlinge stehen und man kann durch ziehen am arbeitsfaden das werkstück wieder auflösen. 

zum herstellen kann man die finger nutzen, oder spezielle vorrichtungen wie eine strickliesel oder ein strickbrett. bei der differenzierten betrachtung von stricken und häkeln untersucht sie dann nicht nur die notwendige körper- und handhaltung, die arbeitsrichtung und den weg des garns, sondern auch die möglichkeiten, wie die maschen weiterverarbeitet werden und wie durch varianten muster entstehen. ein erfrischender blick auf eine selbstverständlich gehandhabte technik.


bei den weniger vertrauten techniken helfen die eingestreuten "specific cases" zu verstehen, wie die einteilung in die kategorien und subkategorien erfolgt. 

die zeichnungen stammen bis auf ganz wenige ausnahmen wieder aus der hand von noémi speiser selbst und sind auf eigentümliche art und weise gleichzeitig ärgerlich vage und ungeheuer illustrativ - so kann man an manchen stellen mit den augen der zeichnenden hand und damit auf eine art auch dem denkenden und analysierenden verstand dahinter folgen. 

noch weniger als das "manual" ist die "annotated classifikation" ein arbeitsbuch, oder enthält gar anleitungen. die anziehungskraft der die objekte, prozesse und zeichnungen beschreibenden texte besteht in der distanzierten einordnung und der sprachlichen genauigkeit, die gelegenheit gibt, selbstverständliches und alltägliches neu zu durchdenken. und dabei zu erkennen, welche grossartige leistung der menschheit die vielfalt der an so viele verschiedene zwecke angepassten textilen techniken darstellt. 

vielleicht ein buch für beide: liebhaberinnen von text und textil.


Dienstag, 27. Februar 2024

mein februar

eigentlich finde ich es schade, dass ich gerade so wenig hier schreibe. ein bisschen ist der blog ja schon auch mein ausgelagertes langzeitgedächtnis. aber es gab immer schon mal flauten und betriebsamere zeiten, es wird sich wieder einpendeln. als soforthilfe habe ich beschlossen, einen post über den gesamten monat zu schreiben, allerdings ohne anspruch auf vollständigkeit. 

was mir so zum vergehenden monat noch einfällt: 

am ersten februarwochenende waren wir in basel - anlass war die einladung zur präsentation einer studentin der hochschule für gestaltung und kunst, die in unserem verein eine umfrage zur arbeit der filzerinnen gemacht hatte. rundherum viel stau weil sportferienbeginn, dann wollten wir noch unbedingt einen einkaufsabstecher nach frankreich machen und erwischten den schlechtesten supermarkt, den wir je erlebt haben, so dass ich schon bei der anfahrt zum dreispitzlager total genervt war. man kommt zur hochschule super mit dem öv, mit dem auto war es ein bisschen mühsam bis wir in einem total leeren parkhaus gelandet waren. wir kennen ja so studipräsentationen von der zhdk in zürich her, da präsentieren dann immer mehrere studiengänge gemeinsam und es ist schon ein erlebnis, auf dem campus unterwegs zu sein und überall gibt es etwas zu sehen und zu erleben. ja, also, in basel im studiengang modedesign war das jetzt eher nicht so der fall. gut ausgeschildert und alles, aber in den weit verstreuten räumen gab es nur wenig zu sehen und noch weniger menschen, die etwas zu ihrer arbeit sagen wollten. kurzfristig luden uns die bildenden künstlerinnen in ihre gemeinschaftsateliers (spannend!), aber wir wollten weiter zur modeschau. als geladene gäste hatten wir bändeli, die schau wurde parallel an zwei orten gezeigt und wir hatten viel glück, dass wir früh da waren und so auch noch auf stühlen sitzen konnten. also erst mal eine halbe stunde bis es los ging. und dann noch zwei halbzeiten lang. während die präsentationen liefen. modeschau traf es dann nicht so ganz - die student:innen präsentierten einzeln und so gab es alles von cosplay über kunsthappening und szenischer lesung bis politischer demonstration. 

 

die eigentlich ausgestellte bekleidung trat dabei ab und zu in den hintergrund oder blieb auch mal arg im dunkeln - aber von ganz wenigen ideen abgesehen, war das auch gar nicht so schlimm. tragbares gab es sowieso nicht zu sehen, aber das erwartet man ja auch gar nicht. leider war auch das untragbare nur selten glamourös oder sonstwie extraorbitant - mir fiel vor allem die weitgehend fehlende passform auf, aber sind ja keine schneider:innen, die das ausgebildet werden. insgesamt spannender einblick in eine ganz andere welt, leider war die studentin, wegen der wir gekommen waren, krank, vielleicht hätten wir von ihr noch mehr erfahren. 

den sonntag dann zum draussensein genutzt, noch ganz wenig frühling draussen, aber warm und sonnig. 


 für mich folgte eine kurze woche, weil ich mich am donnerstag auf den weg zu meiner mutter machte. 

keine ahnung wann es mal wieder eine direkte zugverbindung von zürich nach stuttgart geben wird, diesmal bescherte mir die sperrung der gäubahnstrecke eine oberschwaben-rundreise. von zuhause ging es zuerst nach zürich, dann über schaffhausen und radolfzell (erste sichtung von narren, unter anderem eine dusche und mindestens eine traditionelle alemannische zunfttracht, es war immerhin schmotziger dunnschtig) weiter nach friedrichshafen und von dort dann direkt nach göppingen, etwas mehr als fünf stunden mehr oder weniger in nahverkehrszügen, aber alles super pünktlich (naja, die anzeigen liessen sich schon noch optimieren, dann müsste man nicht den zugführer fragen, wo der zug, auf dem "nicht einsteigen" steht, hinzufahren gedenkt...) oben übrigens blick über den untersee bei radolfzell. 

bei meiner mutter war diesmal neben erledigungen auch mal zeit, das nahe städtle zu geniessen. ich löste das letzte deutsche sparkonto auf, meine hoffnung auf ein erstarken der europäischen gemeinschaftswährung ist quasi nicht mehr vorhanden und so flüchte auch ich nun in die "sichere" währung unseres gastlandes. an allen möglichen ecken bot sich die gelegenheit für ein schwätzle, sehr nett. kai kam dann am samstag mit dem auto, wir holten das verschobene weihnachtsessen mit dem schwiegervater nach und fuhren am sonntag weiter nach stuttgart, wo wir mit studienfreunden verabredet waren, die wir tatsächlich seit herbst 2020 nicht mehr gesehen hatten. 



neben regem austausch an leben gab es ein leckeres mittagessen, einen spaziergang in den weinbergen über der stadt und anschliessend noch kaffee und kuchen. dementsprechend spät wurde es am sonntagabend, bis wir zuhause waren, aber wir haben die zeit sehr genossen. 

damit war dann auch das ausflugspotential für den monat ausgeschöpft - gut so, denn nun standen für die tochter eine hand-op und für mich das einsetzen eines implantats auf dem terminkalender. seither heilen wir so vor uns hin, meine fäden sind schon raus und die der tochter werden das monatsende auch nicht mehr erleben. 

so ganz allgemein beschäftigt mich der ausufernde garten - es gibt nach dem nassen herbst immer noch einiges zu schneiden und zu entsorgen - und ich verstehe je länger je weniger, warum gerade in der zeit, die für den rückschnitt von vielen gartengehölzen ideal für pflanzen und tierwelt ist, die grüntonne nur alle zwei wochen abgeholt wird. bei vollen tonnen widmete ich mich dann einfach dem einen von unseren zwei schnellkompostern und leerte ihn einmal komplett aus. resultat: vier säcke erde für die tomaten und was sonst noch so wachsen soll.

dabei wurde es rund um mich herum frühling: die krokusse blühen, die osterglocken sind blühbereit, die clematis und die hortensien treiben derart viel grün, dass ich bedenklich gen kalender deute und vor frost warne, vergebens. und ich stelle fest, dass ich im herbst tatsächlich überall im garten blumenzweibeln verteilt habe und die auch austreiben. pepperoni/paprika sind gesät und teilweise schon gekeimt.


noch so ein dauerthema: das aus deutschland gezügelte geld anlegen. ich lerne gerade ungeheuer viel. nicht nur über geldanlagen, sondern auch darüber, in welcher bank man den besten kaffee angeboten bekommt. und dass es ungewöhnlich ist, zum banktermin mit dem velo anzureisen. 

in der werkstatt ist ganz zu anfang des monats eine grosse filztasche entstanden - unter meiner anleitung, aber komplett selbst gefilzt. 

es ist bereits die zweite tasche, die die kundin gefilzt hat, die erste ist ihr aus ihrem fahrradkorb abhanden gekommen. so viel zur beliebtheit der produkte aus meiner werkstatt.

für mich habe ich ein bisschen mit flechten und filzen herumprobiert (eigentlich schon im januar begonnen) und dabei sind diese beiden täschchen herausgekommen. 

daraus könnte auch ein weiterer filzkurs werden - wobei das linke täschchen tauglicher ist als das rechte. 

in der werkstatt gibt es eine liste mit ideen, die ich gerne ausprobieren möchte und eine liste mit dingen, die endlich mal verbraucht werden müssen. von der zweiten liste ein grosser sack mit angeblichen arvenspänen (aka sägemehl, vermutlich eher kiefer) und von der ersten die idee, die unterschiede in schrumpfungsraten zwischen dicken vorfilzen und fein ausgelegten flächen auf grössere und gröbere objekte zu übertragen. ergibt zum beispiel ein meditationskissen: 

das funktioniert also auch in gross. mühsam nur die füllung aus sägespänen. darauf würde ich bei einer wiederholung verzichten.

zuhause ist die sau fertig geworden. ich hab gleich noch eine angefangen, weil ich unbedingt auch noch ausprobieren will, wie das kleine schweinchen aussieht, wenn ich es nicht in zusammengewürfelten resten, sondern in schweinchenrosa stricke.

so, nun stürze ich mich in die letzten vorbereitungen für die generalversammlung unseres filzvereins, die anfang märz stattfinden wird und zwar diesmal zum ersten mal in meiner nähe, so dass ich viel mehr an organisatorischem zu erledigen habe als sonst.

Mittwoch, 29. Januar 2020

28. januar 2020 - mein beitrag zu mittwochsmix weiss/linie

(für alle, die wegen des mittwochsmix hier sind: nach dem tagebucheintrag folgt der beitrag zum mustermix!) 

normaler morgen ohne grosse vorkommnisse, so dass ich wieder einmal vor neun in der werkstatt war. dort unmittelbar damit begonnen, die gestrigen überlegungen und planungen in die tat umzusetzen: das nicht sehr grosse kissen füllt den ganzen arbeitstisch aus. schön, wieder einmal eine grosse fläche auszulegen und dank der vorbereitungen auch gut am vormittag machbar. 

über mittag nach hause, zum mittagessen reste und die zwei cervelats, die wir am montag vergessen hatten in die erbsensuppe zu schneiden. 

kurze pause, dann wocheneinkauf. vielleicht ist der dienstag als einkaufstag doch nicht so praktisch, meistens fehlt dann aufs wochenende doch noch einiges. zuhause telefonat mit meiner mutter, dann kurze mathelektion mit der tochter. sie kocht dann nudelsalat für mittwochabend und zum mitnehmen in die schule über mittag. ich stricke ein wenig, der sohn kommt nach hause, ich koche eine rande aber der dampfkochtopf will nicht so recht, kai kommt nach hause, der sohn kocht, ich bügle. 

dann gibt es abendessen: pfannkuchen mit rande, ziegenfrischkäse, frühlingszwiebeln und nüsslisalat. sehr lecker. den restlichen abend auf dem sofa verbracht. 

gelesen: alle tage
gehört: der stechlin (hatte ich vor weihnachten schon mal angefangen, jetzt einfach irgendwo wieder eingesetzt, hat halbwegs gepasst)
gesehen: der messiah (wird das noch spannend? bekommt das noch irgendeinen bisher nicht absehbaren dreh in der geschichte?)

***

und hier dann noch mein beitrag zum mittwochsmix weiss/linie bei frau müllerin  und bei frau nahtlust:

ich habe das thema in meinem medium - filz - umzusetzen versucht und dabei altbewährtes und versuche gemischt.
als anregung diente mir ein katalog zu einer ausstellung von vera molnar, mit der ich mich aus diesem anlass ein bisschen intensiver beschäftigt habe. endlich ist auch die cd-rom mit aufnahmen ihrer skizzenbücher von 1976 bis 2003 angekommen, da habe ich nun wirklich reichlich material.


zu den entstandenen filzarbeiten:

 - rechts unten: ein stück weisses garn, in eckigen spiralen auf schwarzem kammzug. da das garn nicht im gleichen mass wie die wolle beim filzen schrumpft, umspielt es die linie.

- mitte: ganz anders verhält sich der auf grauen kammzug aufgelegte mullverband, er schrumpft in sich, die linie bleibt klar. aber sie ist so breit, ist das überhaupt noch eine linie? oder liegt es nur am grössenverhältnis? die linie ist eine fläche, es sei denn, sie dehnt sich nur in einer richtung aus, aber dann ist sie nicht sichtbar.

- links oben: die linie umschliesst eine fläche. (technisch gleich wie rechts unten) 

- rechts oben: die dunklen linien sind ganz anders entstanden als die hellen. im grunde genommen sind es schnittkanten, die durchtreten und so eine linie ergeben. ein schöner kleiner trick beim filzen.


zuerst wird eine fläche gefilzt: eine seite weiss, die andere schwarz. die fläche wird halbiert und dann in streifen geschnitten, regelmässige oder wie hier, unregelmässig kurvige. anschliessend werden die beiden zerschnittenen flächen ineinandergewoben. beim filzen dringen die geschnittenen schwarzen fasern durch die weisse fläche nach oben und bilden die sichtbaren dunklen linien auf weiss (oder eher... grau.)

schön war es, die anregungen des mittwochsmix aufzunehmen und mit meinen eigenen mitteln zu erkunden. die linie stand bei mir ganz klar im vordergrund, das weiss sorgte eher für klarheit und einheitlichkeit innerhalb der entwürfe. entstanden sind filzproben, keine fertigen stücke, aber mindestens eine probe wird weiterverfolgt und zu einem sofakissen. allerdings nicht in weiss.

das nächste thema wird tropfen und zahl sein ...



Donnerstag, 16. Mai 2019

donnerstag 16.5.2019 - "sie brauchen gute nerven und viele stecknadeln"


der tag war wenig spektakulär, aber am nachmittag habe ich endlich die zeit gefunden, das buch von monika künti zu besprechen, es heisst "aus streifen geflochten" und ist im haupt verlag erschienen: 

zugegebenermassen bin ich an das neue buch von monika künti nicht ganz unbefangen herangegangen, denn erstens kannte ich schon ihr erstes buch "einhängen & verschlingen" und zweitens hatte ich bereits vor einigen jahren das vergnügen, mich von monika in das flechten mit streifen einführen zu lassen. 

nachdem ich für meine abschlussarbeit eher zufällig auf das verflechten von vorfilzstreifen gekommen war, hat mich das thema nie mehr so richtig losgelassen und beschäftigt mich mehr oder weniger stark seit langem. nicht alles kann ich in meine filzarbeit integrieren, aber es ergeben sich immer wieder anknüpfungspunkte. zuletzt hat mich vor allem die arbeit mit drei flechtrichtungen fasziniert, ohne dass ich bisher wirkliche fortschritte hätte erzielen können, aber dazu später mehr. 

das neue buch von monika ist mir auf meine bitte hin freundlicherweise vom haupt verlag zur rezension überlassen worden. herzlichen dank dafür!   


wie bereits das erste buch von monika künti ist es nicht einfach ein anleitungsbuch, oder vielleicht sogar noch weniger als das erste, es ist vielmehr eine gute basis zum erlernen der technik.
aber eben nicht nur das, sondern viel mehr, denn das erste kapitel widmet sich vor allem anhand zahlreicher abbildungen der geschichte und objektvielfalt, sowie dem sozialen aspekt der aus streifen geflochtenen dinge.


«Flechttechniken erfordern Aufmerksamkeit und Koordination von Intellekt und Körper. Der Körper schwingt in den Bewegungen, es gibt rhythmische Wiederholungen, man macht haptische Erfahrungen. Die einzelnen Tätigkeiten werden vom Einfachen zum Komplexen erlernt und geübt, der Schwierigkeitsgrad lässt sich individuell anpassen. Wenn der Einstieg in die Grundfertigkeiten gelungen ist, kann sich beim Tun grosse Ruhe ausbreiten.»

(ach, diesen text würde ich am liebsten in meine kursbeschreibungen übernehmen…)

das zweite kapitel kommt meinem wunsch nach struktur sehr stark entgegen: 


  • grundbegriffe werden geklärt, 
  • mögliche materialien vorgestellt und vorbereitet (es fehlt auch nicht der hinweis, dass brauchbares material oft unbeachtet als abfall herumliegt),
  • werkzeuge und hilfsmittel zusammengestellt (man braucht quasi nichts, was man nicht ohnehin in fast jedem haushalt finden kann),
  • aber auch das gestalterische potential bis hin zur ausstellungspraktik kommt zur sprache.

die beiden einführungskapitel nehmen etwa ein drittel des buchs ein – lassen sich aber problemlos in einem rutsch durchlesen, denn einerseits sind sie ganz wunderbar mit immer neuen inspirierenden abbildungen illustriert und dann wendet sich monika künti so an ihre leser, als ob sie neben ihr am werktisch stünden und sie noch en passant ein interessantes detail mitteilen müsse. es macht also einfach spass, das zu lesen!

das kapitel «die praktische arbeit» gliedert sich in drei abschnitte, zuerst werden verschiedene möglichkeiten eine fläche aufzubauen erklärt, in der folge randtechniken vorgestellt und dann geht es in die dritte dimension. dabei wechseln sich rein technische anleitungen ab mit kleinen projekten, für die bereits dimensionen und materialien vorgeschlagen werden. hier entstehen zum beispiel kleine körbe oder schmuckobjekte.

einen grossteil der techniken kannte ich bereits von meinem besuch in monikas werkstatt, deshalb habe ich mir ganz bewusst ein objekt ausgesucht, das ich noch nicht unter anleitung angefertigt hatte, einen tütenförmigen korb, für den ein mikronesischer fischerhut pate gestanden hat. 


ein bisschen musste ich noch im kapitel über die materialvorbereitung nachlesen, denn die zugeschnittenen streifen aus einer landkarte erwiesen sich als zu wenig steif, so dass ich zuerst je zwei übereinander geleimt habe. 


 die kleine arbeit hat mir grossen spass gemacht und dazu geführt, dass ich mich gleich weiter mit dem flechten beschäftigen wollte – glücklicherweise hatte ich genügend streifen geschnitten…

für das flechten mit drei richtungen finden sich leider nicht so viele anleitungen im buch – monika gibt selbst auch gleich den hinweis, ist doch diese art des geflechts so kompliziert, dass es auch als mad weave bekannt ist… 


anstatt des komplizierten geschlossenen ist im buch das offene dreirichtungsgeflechts erklärt. eine fläche konnte ich nach der anleitung so problemlos legen, dass ich gleich zu den dreidimensionalen objekten gesprungen bin und aus meiner fläche einen kleine korb angefertigt habe.


dabei habe ich gleich einen rat beherzigt: die vorgestellten objekte auch aus anderen materialien anzufertigen.
und damit werde ich vermutlich auch fortfahren, denn gerne möchte ich die eine oder andere anregung in meine arbeit mit filz übernehmen. ganz viele ideen habe ich bereits im letzten kapitel des buchs entdeckt, hier geht es um muster und dekorationen.

zusammenfassend würde ich das buch gerne menschen empfehlen, die sich auf das thema flechten mit streifen neu oder vertiefend einlassen wollen. die anleitungen sind sehr gut nachzuvollziehen, anhand der fotos auch einfach nachzuarbeiten. allerdings sollte man als leserin schon ein bisschen experimentierfreude mitbringen, denn das gelernte ist ein anfang und will mit anderen materialien, in anderen dimensionen und vielleicht auch ein bisschen die regeln brechend weiterentwickelt werden. die vielen abgebildeten beispiele laden dazu aber auch förmlich ein - basisliteratur im besten sinne also!


***

hier habe ich über meine besuch bei monika und das gelernte geschrieben: flechten 
und hier habe ich "einhängen und verschlingen" ausprobiert: was neues ausprobieren

Montag, 21. Januar 2019

samstag 19. und sonntag 20.1.2019 - geflochten und gefilzt

 das wochenende habe ich in der werkstatt verbracht. am samstag gab es den einführungstag in "geflochten und gefilzt", an dem ein erstes würfelförmiges, aber oben offenes filzobjekt schritt für schritt nach anleitung entsteht - vorher aber lernen die teilnehmerinnen eine methode, wie sie selbst sich das flechten von objekten mit ecken und kanten erschliessen können:


beide frauen waren mit feuereifer bei der sache und schrieben mit, fotografierten und fragten nach, was das zeug hielt!


am sonntag gab es dann für eine der beiden (die, die die weitere anreise hatte) einen einzelkurstag, um einen ersten eigenen kleinen entwurf umzusetzen. ich rate immer zunächst zu einer begrenzten anzahl von veränderungen gegenüber dem "urwürfel", damit die schrittweise auftretenden komplikationen gut gemeistert werden können.
hier wurde das material (doubleface anstatt einer durchgehenden farbe), die streifenbreite einer streifengruppe und die höhe des objekts verändert und schon entsteht etwas ganz eigenes:


für mich ist es jedesmal wieder eine freude, wenn sich jemand für diese eher aufwändige technik interessiert und ich diesen kurs unterrichten darf. meist kann ich von den teilnehmerinnen auch noch etwas lernen, denn jede geht wieder ein wenig anders an die entwürfe und ans filzen heran.

am 23.februar findet für alle, die schon die einführung "geflochten und gefilzt" besucht haben, ein workshoptermin statt, an dem gelegenheit ist, in einer kleingruppe von maximal 3 personen einen eigenen (wieder einen kleinen) entwurf unter meiner begleitung umzusetzen. gut geeignet ist der termin auch für die, die die technik auffrischen wollen und zuhause nicht so dazu kommen.
die daten findet ihr auf www.filzquadrat.ch bei den "kursen".



Freitag, 18. Januar 2019

donnerstag 17.1.2019 - verwobenes

den vormittag mit einkaufen und erledigungen verbracht, vor dem mittagessen aber noch den blogeintrag vom vergangenen tag schreiben können. über mittag schnelles und frühes mittagessen mit der tochter, dann kam kai nach hause, mit dem ich noch eine tasse kaffee trinken konnte, bevor ich - wieder zu fuss - in die werkstatt aufgebrochen bin.

dort habe ich zuerst eine ganze stunde lang dinge aufgeräumt, unter anderem die überreste des kinderfilzens.

das in der vergangenen woche begonnene "sitzkissen der speziellen art" wurde heute in der offenen werkstatt fertiggestellt:


kurz vor der vollendung - der sitzfilz, der nur 33 cm im quadrat misst, bringt 300 gramm in drei farben auf die waage und ist dementsprechend kompakt. so erhöht er nicht nur den sitzkomfort, sondern auch ganz allgemein die sitzhöhe.


pünktlich zum abendessen war ich zuhause, der mittlere sohn hatte pfannkuchen mit spinat, avocados, frischkäse und lachs zubereitet. den restlichen abend habe ich mit dem ausdrucken und vorbereiten von kursunterlagen zugebracht und mich anschliessend noch ein wenig in den weiten des internets verloren.

***

dabei gefunden: eine buchbesprechung über eine veröffentlichung zu anni albers werk.

"Anni Albers war eine herausragende Künstlerin, welche die Handweberei in die Moderne führte und als Kunstform etablierte."
 
die ausstellungen zu denen der band erschienen ist, sind leider schon (fast) vorbei.



Donnerstag, 26. Juli 2018

ferien und arbeiten

meine ferien starten mit freizeitarbeit. ich nenne das gerne so, weil ich daran arbeite, dass andere ihre freizeit sinnvoll und kreativ und hoffentlich auch ein bisschen schön verbringen können. freizeit am abend, am wochenende oder eben auch mal in den ferien.

 
gelegentlich schlüpfe ich ja auch in diese rolle und verbringe meine freizeit in filz- oder anderen kreativkursen. oder ist das schon wieder arbeit, weil ich das ja dann auch weitergeben kann? 
egal, das felto in soltau ist ein schöner ort für freizeitarbeit, die räume sind gross, die ausstattung mit allerhand filzutensilien ist gut und das team des hauses sorgt nicht nur für alles notwendige sondern auch für gute stimmung. 

 

dass sich meine kurse dann doch immer wieder wie arbeit anfühlen, liegt ein bisschen an der materie. für die meisten teilnehmerinnen ist die flechttechnik, die ich zeige, komplett neu. einen ganzen tag verwende ich dann auch mit den kursteilnehmerinnen, um das vorgehen zu verstehen und einen ersten würfel zu filzen. ähnliche farben, weil die anleitung von diesen farben ausgeht und es so für die teilnehmerinnen einfacher ist zu folgen (sonst muss man meine farben immer sozusagen in die selbst gewählten farben übersetzen).


wer noch einen oder zwei tage anhängen wollte, hatte die gelegenheit ein kleineres oder grösseres objekt nach eigenem entwurf zu filzen. ein nicht geringer teil davon nimmt die planung und berechnung der notwendigen vorfilze ein, je grösser und je stärker vom quadratischen grundriss abweichend, desto komplizierter.
ich versuche meine teilnehmerinnen anhand vorbereiteter formulare durch diesen prozess zu begleiten, helfe auch gerne beim rechnen, aber so komplex wie die materie ist auch das fehlerpotential. allerdings kommen dabei auch produktive abweichungen vor - der zweifarbige streifen im bild rechts unten ist eine davon! und alle objekte, die später taschen werden wollen, haben wir zu einem guten ende bringen können. fertig gefilzt werden sie zuhause, mit geduld und neuer kraft, die mancher der teilnehmerinnen nach den drei intensiven tagen dann doch ein wenig auszugehen drohte.


fast fertig! (den rest schaffen die erfahrenen filzerinnen erfarhungsgemäss gut zuhause)

Montag, 9. April 2018

geflochten und gefilzt - taschenfilzkurs

der erste teil des taschenfilzkurses hat schon mitte märz stattgefunden, hier haben die beiden teilnehmerinnen in mehr oder weniger einem halben tag und geführt durch arbeitsunterlagen eine tasche entworfen, filzproben angefertigt und die berechnungen für die vorfilzmengen durchgeführt. 

dann sind sie mit einem wollvorrat ausgestattet nach hause gefahren und haben dort selbständig vorfilze angefertigt, die sie am vergangenen samstag dann wieder mitgebracht haben. 

 am samstagvormittag ging es dann zuerst ans schneiden der vorfilze.


 die vorfilzsstreifen wurden nach gruppen sortiert.


und dann ging es los mit der flechterei.
beide teilnehmerinnen haben bei mir bereits einen einführungskurs in das prinzip der geflochtenen und gefilzten hohlkörper besucht und auch schon kleine eigene entwürfe umgesetzt. für beide war es aber das erste grössere stück in dieser technik.


 hier sieht man im vordergrund noch die angefertigten vorfilze, ausserdem zwei kleine henkel, die ins geflecht integriert wurden.


beim flechten muss vor allem bei grossen stücken sehr sorgfältig auf die masse geachtet werden - sonst entstehen schnell lücken und löcher.


 je nach wolle fällt der prozess des anfilzens unterschiedlich anstrengend und langwierig aus.


wenn dann aber alles gut miteinander verbunden ist und sich im walkprozess allmählich das fertige objekt entwickelt, gibt das noch einmal einen motivationsschub.


 die kanten werden über holzklötzen ausgeformt.


 und voilà: eine umhängetasche, in die ein bundesordner passt. die henkel werden noch ergänzt durch einen tragegurt.


das widerspenstige objekt aus doubleface-vorfilz wurde nicht ganz fertig. irgendwann ist die kraft nach einem langen filztag einfach auch erschöpft und erfahrene filzerinnen, wie meine beiden kursteilnehmerinnen es sind, können das auch zuhause zuende bringen!

ein dank geht an die beiden frauen, die den ersten durchgang dieses neu konzipierten kurses nicht nur einfach mitgemacht, sondern durch ihre hinweise mitgestaltet haben. das konzept wird nun noch ein wenig angepasst und dann wird es im sommer in soltau in der lüneburger heide und im winter auch wieder hier in baden weitere taschenfilzkurse geben.

voraussetzung für die teilnahme ist neben filzerfahrung auch die vorherige teilnahme an einem einführungskurs geflochten und gefilzt 1 und mit vorteil auch am erweiterungstag, an dem ein erster kleiner eigener entwurf verwirklicht wird.
wer sich für einen solchen kurs interessiert, meldet sich am besten per kontaktformular nebenan bei mir, und erfährt dann von neuen terminen.