Donnerstag, 16. Mai 2019

donnerstag 16.5.2019 - "sie brauchen gute nerven und viele stecknadeln"


der tag war wenig spektakulär, aber am nachmittag habe ich endlich die zeit gefunden, das buch von monika künti zu besprechen, es heisst "aus streifen geflochten" und ist im haupt verlag erschienen: 

zugegebenermassen bin ich an das neue buch von monika künti nicht ganz unbefangen herangegangen, denn erstens kannte ich schon ihr erstes buch "einhängen & verschlingen" und zweitens hatte ich bereits vor einigen jahren das vergnügen, mich von monika in das flechten mit streifen einführen zu lassen. 

nachdem ich für meine abschlussarbeit eher zufällig auf das verflechten von vorfilzstreifen gekommen war, hat mich das thema nie mehr so richtig losgelassen und beschäftigt mich mehr oder weniger stark seit langem. nicht alles kann ich in meine filzarbeit integrieren, aber es ergeben sich immer wieder anknüpfungspunkte. zuletzt hat mich vor allem die arbeit mit drei flechtrichtungen fasziniert, ohne dass ich bisher wirkliche fortschritte hätte erzielen können, aber dazu später mehr. 

das neue buch von monika ist mir auf meine bitte hin freundlicherweise vom haupt verlag zur rezension überlassen worden. herzlichen dank dafür!   


wie bereits das erste buch von monika künti ist es nicht einfach ein anleitungsbuch, oder vielleicht sogar noch weniger als das erste, es ist vielmehr eine gute basis zum erlernen der technik.
aber eben nicht nur das, sondern viel mehr, denn das erste kapitel widmet sich vor allem anhand zahlreicher abbildungen der geschichte und objektvielfalt, sowie dem sozialen aspekt der aus streifen geflochtenen dinge.


«Flechttechniken erfordern Aufmerksamkeit und Koordination von Intellekt und Körper. Der Körper schwingt in den Bewegungen, es gibt rhythmische Wiederholungen, man macht haptische Erfahrungen. Die einzelnen Tätigkeiten werden vom Einfachen zum Komplexen erlernt und geübt, der Schwierigkeitsgrad lässt sich individuell anpassen. Wenn der Einstieg in die Grundfertigkeiten gelungen ist, kann sich beim Tun grosse Ruhe ausbreiten.»

(ach, diesen text würde ich am liebsten in meine kursbeschreibungen übernehmen…)

das zweite kapitel kommt meinem wunsch nach struktur sehr stark entgegen: 


  • grundbegriffe werden geklärt, 
  • mögliche materialien vorgestellt und vorbereitet (es fehlt auch nicht der hinweis, dass brauchbares material oft unbeachtet als abfall herumliegt),
  • werkzeuge und hilfsmittel zusammengestellt (man braucht quasi nichts, was man nicht ohnehin in fast jedem haushalt finden kann),
  • aber auch das gestalterische potential bis hin zur ausstellungspraktik kommt zur sprache.

die beiden einführungskapitel nehmen etwa ein drittel des buchs ein – lassen sich aber problemlos in einem rutsch durchlesen, denn einerseits sind sie ganz wunderbar mit immer neuen inspirierenden abbildungen illustriert und dann wendet sich monika künti so an ihre leser, als ob sie neben ihr am werktisch stünden und sie noch en passant ein interessantes detail mitteilen müsse. es macht also einfach spass, das zu lesen!

das kapitel «die praktische arbeit» gliedert sich in drei abschnitte, zuerst werden verschiedene möglichkeiten eine fläche aufzubauen erklärt, in der folge randtechniken vorgestellt und dann geht es in die dritte dimension. dabei wechseln sich rein technische anleitungen ab mit kleinen projekten, für die bereits dimensionen und materialien vorgeschlagen werden. hier entstehen zum beispiel kleine körbe oder schmuckobjekte.

einen grossteil der techniken kannte ich bereits von meinem besuch in monikas werkstatt, deshalb habe ich mir ganz bewusst ein objekt ausgesucht, das ich noch nicht unter anleitung angefertigt hatte, einen tütenförmigen korb, für den ein mikronesischer fischerhut pate gestanden hat. 


ein bisschen musste ich noch im kapitel über die materialvorbereitung nachlesen, denn die zugeschnittenen streifen aus einer landkarte erwiesen sich als zu wenig steif, so dass ich zuerst je zwei übereinander geleimt habe. 


 die kleine arbeit hat mir grossen spass gemacht und dazu geführt, dass ich mich gleich weiter mit dem flechten beschäftigen wollte – glücklicherweise hatte ich genügend streifen geschnitten…

für das flechten mit drei richtungen finden sich leider nicht so viele anleitungen im buch – monika gibt selbst auch gleich den hinweis, ist doch diese art des geflechts so kompliziert, dass es auch als mad weave bekannt ist… 


anstatt des komplizierten geschlossenen ist im buch das offene dreirichtungsgeflechts erklärt. eine fläche konnte ich nach der anleitung so problemlos legen, dass ich gleich zu den dreidimensionalen objekten gesprungen bin und aus meiner fläche einen kleine korb angefertigt habe.


dabei habe ich gleich einen rat beherzigt: die vorgestellten objekte auch aus anderen materialien anzufertigen.
und damit werde ich vermutlich auch fortfahren, denn gerne möchte ich die eine oder andere anregung in meine arbeit mit filz übernehmen. ganz viele ideen habe ich bereits im letzten kapitel des buchs entdeckt, hier geht es um muster und dekorationen.

zusammenfassend würde ich das buch gerne menschen empfehlen, die sich auf das thema flechten mit streifen neu oder vertiefend einlassen wollen. die anleitungen sind sehr gut nachzuvollziehen, anhand der fotos auch einfach nachzuarbeiten. allerdings sollte man als leserin schon ein bisschen experimentierfreude mitbringen, denn das gelernte ist ein anfang und will mit anderen materialien, in anderen dimensionen und vielleicht auch ein bisschen die regeln brechend weiterentwickelt werden. die vielen abgebildeten beispiele laden dazu aber auch förmlich ein - basisliteratur im besten sinne also!


***

hier habe ich über meine besuch bei monika und das gelernte geschrieben: flechten 
und hier habe ich "einhängen und verschlingen" ausprobiert: was neues ausprobieren

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