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Mittwoch, 20. Mai 2026

münchen

in diesem jahr unterbrechen wir unsere reise nach prag nicht nur für ein bier in münchen, sondern gleich für zwei nächte. nicht weil die anschlüsse in deutschland so unsicher geworden sind, sondern weil wir uns das sudetendeutsche museum, das an verschiedenen stellen so gelobt wurde, selbst einmal anzuschauen. 

aber zuerst werden wir wieder einmal auf einem neuen weg durch den münchner hauptbahnhof geleitet. 


eigentlich auch ganz hübsch, die beschriftung dürfte aus den 50er stammen, sonst sah man sie nicht. wir holen uns gleich noch im reisezentrum platzreservierungen für die weiterfahrt mit der kleinen privatbahn, die uns zwei tage später nach prag und am monatsende zurück nach münchen bringen soll. keine ahnung, warum es mir nicht gelungen ist, diese sitzplätze online zu buchen, aber am reisetag wird sich die reservierung noch als wichtig erweisen. 

zu unserer unterkunft sind es nur zehn minuten - wir können trotz unserer frühen ankunft (kurz nach 14 uhr) gleich unser appartement beziehen. halten uns aber gar nicht lange auf, wir haben pläne. 

das wetter war für die beiden tage in münchen eher regnerisch angesagt, und so sind jetzt unsere pläne halt schlechtwetterprogramm, aber nun scheint die sonne und wir können gut zu unserem ersten ziel, dem karl-müller-volksbad, zu fuss gehen und zwar quer durch die münchner innenstadt. das jugendstilbad liegt gleich neben dem deutschen museum an der isar. 


wir nutzen die zeit nicht nur zum schauen, sondern auch zum schwimmen - allerdings ist das becken für richtiges schwimmen eher weniger geeignet, zwar sind zwei bahnen für sportschwimmen abgetrennt aber auf der einen seite ist die wassertiefe so gering, dass man ganz vorsichtig wenden muss, demit man sich nicht die zehen anschlägt. 


kurz vor fünf verlassen wir das bad und brauchen dringend einen kaffee, wir landen gleich gegenüber vom schwimmbad im "rosi" - ok, vor allem weil wir nach dem schwimmen echt durstig sind. 


anschliessend gehen wir über die museumsinsel zurück in die innenstadt, in der nähe des sendlinger tors finden wir eine indische gaststätte und essen dort zu abend. danach sind wir dann auch müde genug, um uns auf unser appartement zu freuen. 

am anderen tag muss ich früh fit sein - ich habe meine tschechischstunde nicht verschoben (auch nicht verschieben können, meine lehrerin scheint lange sommerferien zu machen, sie hat zwar informiert, aber die info passt nur teilweise zu den blockierten zeiträumen...), also übe ich von halb acht bis acht tschechische verben. 

danach machen wir uns fertig für den tag - frühstück gibt es unterwegs, wieder beim sendlinger tor, im café vollath. unser weg wäre wieder der gleiche wie am vortag gewesen, deswegen machen wir heute einen bogen nach süden, über den alten südfriedhof. 

 

vor dem friedhof - von weitem wirkte die matratze in dieser umgebung täuschend echt, sie ist aber eine bronzeplastik. schade, dass wir keine hinweise zu künstler und titel finden. 

auf dem alten südfriedhof sind eine ganze menge bekannter menschen begraben - wir lassen uns treiben und suchen nicht nach bestimmten grabmalen. 


 mehr per zufall und wegen der schönen storchenschnäbel habe ich dieses grab fotografiert. 

und später erst beim bearbeiten der bilder die inschrift gelesen - ja, das mit der religiösen toleranz ist noch nicht so alt. 

amseln hats auch. 


 dieses grabmal war sicher ende des 19. jahrhunderts sehr modern - vielleicht aber wurde das landschaftsrelief auch erst später angebracht. 


zwischen dem nördlichen und dem südlichen gräberfeld verlassen wir den friedhof und überqueren den westermühlbach, wir halten uns grob richtung isar, mein ehrgeiz wäre gewesen, ohne einen blick auf die karte auszukommen, aber irgendwann haben wir uns in den vielen strassen verheddert und brauche ein bisschen hilfe, um die wittelsbacherbrücke zu finden, auf der wir die isar überqueeren um anschliessend in richtung nordosten durch die auen zu laufen. 

das ist jedenfalls nicht die frauenkirche. 


aber der turm gehört wieder zum deutschen museum. auf der höhe des deutschen museums biegen wir in richtung auer mühlbach ab, steigen die böschung hinauf und stehen dann vor dem eigentlichen ziel des tages, dem sudetendeutschen museum. 

 
ausser uns hat es nur wenige gäste - wir werden ein bisschen überrumpelt mit dem museumseintritt, hinweisen zu garderoben, audio-guide und der tatsache, dass der aufzug zur ausstellung über fünf etagen kaputt ist. nachdem wir unser gepäck im untergeschoss versorgt haben, steigen wir deshalb erst einmal im treppenhaus ganz nach oben. man hat von dort auch einen sehr guten ausblick. 
 
aber wir sind ja wegen der ausstellung da! zuerst gibt es eine kleine einführung in die geschichte böhmens und mährens - entscheidend zum verständnis, warum in diesem territorium lange zeit zwei verschiedene sprachen gesprochen wurden. die deutschsprachige bevölkerung teilte nur die sprache, nicht aber die kultur, die war viel stärker lokal beeinflusst. 
 


eine etage tiefer geht es um die wirtschaft in den sudetendeutschen gebieten - vom bergbau über textil- und glasindustrie und über viele andere industriezweige wurde hier alles abgedeckt, was die menschen brauchten oder exportieren konnten. 


 

die zweisprachigkeit ist auch ein thema - mitgenommen habe ich, dass es familien gab, die kinder untereinander austauschten, damit sie beide sprachen lernten, was mich an die praxis erinnerte, dass viele deutschschweizer früher eine zeit in der französischsprachigen schweiz verbrachten, um die andere landessprache zu lernen. aber auch, dass viel weniger deutsch sprechende menschen tschechisch lernten als tschechisch sprechende deutsch konnten. kulturell dominierte die deutsche sprache - auch weil sie durch die östereichisch-ungarische regierung die sprache der behörden war. 

die einigermassen friedliche koexistenz beider sprachen endete bereits im aufkeimenden nationalismus des neunzehnten jahrhunderts. von der vorherrschaft der habsburger befreiten sich böhmen und mähren mitsamt der slowakei durch die gründung eines staates 1919 - woran die dominierende deutschsprachige minderheit zunächst nicht beteiligt war. in den zwanziger jahren gab es versuche des ausgleichs, aber spätestens das aufkommen der sudetendeutschen vereine und parteien und vor allem der nsdap-nahen henlein partei nach der weltwirtschaftskrise führten immer mehr zu einer konfrontation. 


 

satirisch bearbeitete man das thema auf beiden seiten - es dürfte aber bald niemandem mehr zum lachen zumute gewesen sein. (auf tschechisch steht da: zum gedenken des 20. jahrestags der gründung der tschechoslowkischen republik: wir hatten 1000 jahre keine angst. Wir fürchten uns auch heute nicht.) 

das münchner abkommen und die deutsche besetzung von böhmen und mähren, die verfolgung von tschechen, politischen gegnern, die deportation von juden und roma waren die konsequenz. 

auf den beiden untersten etagen geht es dann um die systematische vertreibung der deutschsprachigen bevölkerung nach der beendigung des zweiten weltkriegs und der gründung der zweiten tschechoslowakischen republik und um die aufnahme der vertriebenen in allen teilen deutschlands - sowie um die bewahrung des andenkens an die alte heimat in den sudetendeutschen heimatvertriebenenverbänden. 

nach vier stunden nicht ganz unanstrengendem museumsbesuch nahmen wir abschliessend dieses zitat von vaclav havel mit. toll, dass es dieses museum gibt. ich fühlte mich gut informiert - allerdings immer auch unter prämisse, dass man die trägerschaft der ganzen veranstaltung mitdenkt. das hört sich vielleicht stärker nach tendenz an, als sie im museum vorhanden ist. eine einzige wahrheit gibt es aber auch in diesem fall vermutlich nicht. 

im anschluss an den museumsbesuch war kaffee und kuchen wieder dringend notwendig, auch wenn der nachmittag schon deutlich fortgeschritten war. 

 

den rückweg nahmen wir wieder über die innenstadt - kai wollte noch über den viktualienmarkt bummeln. 

 

diesmal reichte es vor dem abendessen noch für einen zwischenstop im appartement, danach spazierten wir zum lindwurmstüberln und assen dort ein halbes hendl mit pommes frites - und schafften anschliessend sogar noch den weg zurück. 

eine weitere nacht verbrachten wir noch in münchen, am anderen tag fuhr unser zug erst um viertel vor elf nach prag.  


Dienstag, 21. April 2026

monatsspaziergang april 26

am vergangenen sonntag haben wir wieder einmal einen der stadtspaziergänge vom zueri z'fuess unternommen. seit wird das angebot der stadt zürich entdeckt haben, waren wir schon 2021 in schwamendingen und 2023 in wipkingen unterwegs. seit 2024 spazieren wir mit freunden - und waren bis jetzt zusammen in hottingen und in altstetten. für dieses jahr sah es zunächst wettermässig nicht gut aus und wir befürchteten schon, auf ein museum ausweichen zu müssen, aber dann wurde der sonntag unerwartet schön und wir machten uns gemeinsam auf den weg, um wollishofen zu erkunden.  

die am westlichen zürichseeufer gelegene gemeinde wollishofen war einmal ein dorf, das aus vielen verschiedenen weilern und höfen bestand und so ist der spaziergang auch ein bisschen eine zeitreise. gestartet sind wir aber am bahnhof und von dort gleich zum seeufer gegangen. am aufgeschütteten seeufer fanden die legendäre landesausstellung der schweiz 1939 und die ausschliesslich von frauen gestaltete saffa, die schweizerische ausstellung für frauen und arbeit, 1958 statt. die kleine insel auf dem bild heisst dann auch noch der ausstellung saffa-insel. 


 per steg ging es weiter über die werft der zürichseeschiffahrt. 


hier machte sich gerade der schaufelraddampfer stadt zürich für eine fahrt nach rapperswil fertig. 


 vor dem savera- areal, einem kleinen park am seeufer, waren ganz mutige schon am baden im see... 


 wir passierten das gemeinschaftszentraum wollishofen und eine aufgelassene kiesfabrik und kamen dann zur roten fabrik. 


 ursprünglich ende des neunzehnten jahrhunderts als seidenweberei gegründet, dienten die roten backsteingebäude von 1935 bis in die siebziger jahre als telefonfabrik, wurde dann als abbruchobjekt von der stadt zürich erworben und nach den jugendprotesten durch eine volksabstimmung zum alternativen kulturzentrum. 

auf dem gelände gibt es viele verschiedene räume für konzerte und bands, aber auch platz für ateliers und werkstätten - und am seeufer für gastronomie.

auf dem cassiopeiasteg, der einen freien blick auf berge und see ermöglicht (ohne foto, dafür war es dann doch zu diesig) passierten wir die 1939 im stil der neuen sachlichkeit erbaute seebadi. 
 

 und rätselten, ob die ironischen bojenbeschriftungen ihre wirkung zeigen. 
 
 
an der zürcher waschanstalt verliessen wir das seeufer und wandten uns bergwärts in richtung dorfmuseum, das allerdings noch nicht offen hatte. 
 

 auch gut, so blickten wir nochmal zurück auf den see und den turm der roten fabrik. 
 

 und auf die hübschen tulpen im garten des museums - und verschnaufen konnten wir hier auch so. 
 
 
unterwegs wunderten wir uns über diesen ungewöhnlichen strassennamen - erdbrust,  habe ich herausgefunden, war der name eines der grösseren weiler wollishofens, der allerdings nur noch in diesem strassenschild und einer hofinschrift weiterlebt. 
 

 gegenüber entdeckten wir dieses wunderschön renovierte häusschen dessen fachwerkbalken ganz wunderbar mit der knallroten azalee um die wette strahlten. 


entlang einer grossen schulanlage mit gebäuden aus den verschiedensten epochen kamen wir zum märchenbrunnen. 


hier mäanderte unser weg dann einmal sehr - damit wir den ehemaligen ortsteil auf dem rain durchqueren konnten, wo sich ein paar alte häuser aus dem achtzehnten jahrhundert erhalten haben. 
 
 
der turm der katholischen kirche st. franzikus. 
 

und die reformiete kirche auf der egg. 
 

hier legten wir dann unsere vesperpause ein - mit blick auf den see und in der sonne auf einem bänkle. 
 

spannende alte und neue häuser auf der egg. 

 
und überraschend viel grün dazwischen. 
 

in den dreissiger jahren wurde hier eine werkbundsiedlung im auftrag der baugenossenschaft neubühl gebaut. die siedlung gilt als das wichtigste zeugnis des neuen bauens in der schweiz. 
 


 der stadtspaziergang wurde immer mehr zum weg durch die wohnformen der letzten hundert jahre, denn nach dem überqueren der albisstrasse kamen wir in ein grosse siedlung moos der abz - der allgemeinen baugenossenschaft zürich. 
 

  in der gesamtanlage gibt es dreizehn häuser mit sieben verschiedenen haustypen, darunter auch einem hochhaus. rundherum findet man weitere genossenschaftsbauten, auch solche, die gerade erst in den letzten jahren erstellt wurden und andere aus den fünfziger jahren ersetzen. 
 

 ein weiterer schlenker brachte uns in den wald und an die autobahn, und später wieder zurück zu einer weiteren genossenschaftssiedlung, dem bergdörfli. typisch für die genossenschaftssiedlungen sind uhren in den strassen. 
 

 ein langes stück folgten wir der frohalpstrasse. 
 

 und durchquerten dann den friedhof manegg, auf dem sogar schafe grasen dürfen. 
 




ein kleiner abstecher brachte uns zum restaurant muggenbühl, wo wir bei kaffee und glacé eine weitere pause einlegten. 
 

 auch hier ist die autobahn dann noch einmal ganz nah - und auf dem weg zurück zum bahnhof wurde uns nochmal deutlich, wie hügelig wollishofen eigentlich ist, mussten wir doch einige täler durchqueren bis wir wieder an den see gelangten. 

ein schöner spaziergang, auf dem es wieder viel zu entdecken gab und den ich gerne zu den bei heike gesammelten monatsspaziergängen beisteuern möchte.