Sonntag, 6. September 2026

#wmdedgt vom 5. september 2026

jeweils am fünften jeden monats fragt frau brüllen ins internet hinein "was machst du eigentlich den ganzen tag?", abgekürzt wmdedgt, und sammelt bei sich die antworten. heute bin ich eine von denen, die an diesem tag tagebuchbloggen und im grunde wäre diese frage schnell beantwortet, denn ich könnte einfach sagen: ferien. nun war das aber schon ein ganz besonderer tag und darum soll er auch ein bisschen genauer beschrieben sein. 

unser ferienhaus für zwei wochen liegt am nördlichen rand tschechiens, am südlichen rand des lausitzer gebirges und ganz grob gesprochen, am ende der welt. nicht ganz so sehr wie das ferienhaus vor zwei jahren, zu dem dazuhin auch noch keine strasse führte und dem dann auch noch das internet wegbrach, aber schon auch genug. wie wir auf die idee kamen, hier her zu kommen, werde ich vermutlich noch schreiben - für heute hatten wir uns ein bisschen stadt vorgenommen und zwar lange im voraus. im frühjahr diesen jahres waren wir ja schon in prag, wie auch letzten frühling - hatten dabei aber jeweils verpasst, das theater spejbl und hurvinek zu besuchen, weil dieses gerade auf tour war und nicht in prag spielte. anders nun am ersten samstag nach schulbeginn in tschechien. und deshalb hatten wir uns schon lange im voraus karten für eine nachmittagsvorstellung besorgt. 


wir standen gar nicht mal so früh auf und starteten pünktlich um neun uhr ins zwei stunden südlich gelegene prag. ich hatte ein parkhaus hinter dem hradschin ausgekundschaftet, wenn sie mal in prag parken wollen, sagen sie mir bescheid, ich schicke ihnen die genauen geodaten. von dort spazierten wir zur prager burg und über die königlichen gärten, wo ein weinfest standfand, und den hirschengraben hinunter in richtung moldau. 


 kleine kaffeepause kurz vor mittag im kunsthaus, dessen café wir bereits vom frühjahr her kannten. 


 vom balkon im dritten stock hat man einen hervorragenden blick auf die strassenbahnen, die hinauf zur burg fahren und vor allem auf die vielen, vielen menschen, die vom burgberg herunterkommen. 

auch immer wieder lohnenswert: ein blick in den museumsshop/buchhandlung des kunstvereins. 

unser weg führte uns weiter über die moldau, vorbei am rudolfinum zum uměleckoprůmyslové muzeum, dem kunstgewerblichen museum.  im newsletter von prag city tourism hatte ich von einer ausstellung gelesen, die mir ausreichend wenig spektakulär tönte, um vor dem theaterbesuch besucht zu werden. 

der titel der ausstellung: "chata" - gezeigt werden fotos, entwürfe und originalausstattungsgegenstände aus tschechischen ferienhäusern und dabei ihre geschichte und architektur thematisiert. 

die ganze ausstellung nahm nur einen raum ein - hinter der durch spanplatten angedeuteten landschaft war die eigentliche ausstellung zu sehen, vor allem viele tafeln mit text (tschechisch und englisch) und vielen kleinen fotos von ferienhäusern von den 20er jahren bis etwa ende der 80er jahre.  

 
ich fand es ein wenig schade, dass die bilder teilweise sehr klein waren und oft nur eine ansicht des hauses zeigten, überall dort, wo man über einzelne häuser mehr erfuhr, teils auch mit plänen, konnte man gleich besser verstehen, was die ausstellungsmacher sagen wollten. einerseits wurde uns klar, dass auch die vielen einfachen häusschen, die wir während unserer ferien gesehen haben, häufig einen architekten hatten (es gab auch welche nach fertigen plänen oder aus fertigteilen) - andererseits, wie handgemacht das alles oft war! 
 
 
diese originell gestaltete ofenhaube hätte ich vermutlich ausserhalb der ausstellung als etwas merkwürdige bastelei von zweifelhaftem geschmack angeschaut... 
 

beeindruckend natürlich auch wieder das gebäude selbst, das als kunstgewerblicher verein auch von bedeutenden industriellen gegründet wurde.  
 

der leuchter über der uhr ist der entwurf für leuchter in der metropolitan opera in new york - hergestellt in der ecke tschechiens, in der wir gerade urlauben. 

wir tranken noch etwas unterwegs, dann wurde es aber langsam zeit, dass wir uns auf den weg zur dejvicka machten... 


 ... natürlich mit der u-bahnlinie a, der mit den schönen bahnhöfen. 

um halb fünf versammelten sich zugegebenermassen schon sehr viele menschen mit kindern vor dem marionettentheater, aber auch ein paar ohne, wie wir. wir sahen eine revue zum hundersten geburtstag des theaters und hatten viel spass dabei. ich verstehe zwar immer noch nicht sehr viel von dem, was da gesprochen wird, aber vielleicht schon ein bisschen mehr als auch schon. es war aber auch so eine kurzweilige inszenierung und dauerte nur bis kurz vor sechs. 


ebenfalls gründlich vorher geplant war das abendessen, in der gleichen strasse nur ein paar häuser weiter. für diesen abend hatten wir uns ein bisschen etwas anderes ausgesucht als den doch meist etwas eintönigen gerichtekanon klassischer tschechischer speisegaststätten. nominell isst man in der dejvicka 34 italienisch - ich fands jetzt nicht so typisch... für mich gab es nach einem wirklich schönen blattsalat mit aprikosen und nüssen ein stück geschmorte rinderzunge in birnensosse mit selleriepuree, kai hatte ein stück pulpo auf schwarzwurzeln und oliven. auf jeden fall sehr, sehr lecker, beides. 

und anschliessend hatten wir nur wieder einen kleinen fussweg von etwa zehn minuten zurück zur parkgarage. die zwei stunden fahrt über landstrassen zum ferienhaus wurden dann vor allem lang, weil mein beifahrer mich eine ausfahrt verpassen liess und dann voll auf die navigation setzte, die uns eine gefühlte ewigkeit über einspurige waldstrassen ohne seitenmarkierung durch den dunklen wald schickte. und weil uns schon eine stunde vorher auf einer noch recht befahrenen strasse eine gruppe rehe begegnet war, war ich schon ein bisschen mehr als vorsichtig, aber am ende kamen wir wohlbehalten an. 

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