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Sonntag, 19. Mai 2024

schafschur bei den zackelschafen

die schönen zackelschafe auf einer weide unweit von uns zuhause waren mir schon vor längerer zeit aufgefallen - und immer wieder habe ich mal daran gedacht, den halter zu kontaktieren. dann trafen die tochter und ich im vergangenen jahr einmal einige tiere auf einer weide beim schwimmbad an. gegenüber weideten ein paar andere schafe und zufällig war jemand bei den schafen, der uns sagen konnte, wem die zackelschafe gehören. dann zögerte ich wieder einmal ein bisschen und fasste mir aber schliesslich doch im frühen frühjahr ein herz und schrieb eine mail, die auf ein sehr positives echo stiess - dem schafzüchter war meine werkstatt aufgefallen und er rechnete bereits mit einer kontaktaufnahme...
 

und lud mich tatsächlich umgehend zur schafschur und zum aussuchen eines vlieses ein. am vergangenen donnerstag war es dann so weit.

ich traf noch ein bisschen vor dem schafscherer ein, so dass ich mir zuerst die schafe zeigen lassen konnte, die schon im stall für die schur bereitstanden. schöne tiere, mit charaktervollen, schmalen köpfen und ganz langen locken sind die zackelschafe, die ursprünglich aus ungarn kommen. sie sind eine sehr ursprüngliche rasse und eng mit mit dem südwestasiatischen wildschaf urial verwandt. dementsprechend robust und wenig krankheitsanfällig sind sie auch. auch ihre wolle würden sie an und für sich alleine abstossen - aus tierschutzgründen ist aber in der schweiz eine jährliche schur vorgeschrieben. auf dem foto oben kann man das abstossen der wolle bereits am hals gut sehen. (wer mehr über die tiere wissen will, findet informationen auf der homepage des züchters)


als der schafscherer eintraf, ging dann alles ganz fix. innerhalb von ein paar minuten waren die plattform zum scheren, der motor und das gestänge mit dem messer aufgebaut. der scherer zog noch rasch schuhe ohne sohle an, mit denen er die schafe besser spüren und sie nicht verletzen kann.

denn scheren ist voller körpereinsatz. zwar hängt der scherer in einem gurt und entlastet so seinen rücken, aber da er beide hände zum scheren braucht, setzt er vor allem die beine ein, um das schaf in die richtige position zu bekommen.

dabei scheint der körperkontakt die tiere durchaus auch zu beruhigen.

 
 
ruhig und zügig wird das vlies am stück entfernt. 

 
 
nicht ganz ungefährlich sind die hörner beim scheren - nicht weil die schafe sie gezielt einsetzen würden, sondern weil sie halt schon echt lang und abstehend sind. insgesamt ist das scheren eine ruhige prozedur, nur störungen vertragen die tiere nicht so gut und die spannung ist schon spürbar. 

eins nach dem anderen wurden 23 tiere geschoren, anschliessend noch die klauen gepflegt und dann durften sie wieder zurück in die herde. die erfahreneren tiere finden alleine zurück, wer zum ersten mal geschoren wird, wird zurück begleitet. überhaupt hätten alle tiere ihre eigenarten und eine feste aufgabe in der herde, erzählte der züchter. so gäbe es tiere, die streit schlichten und die die anderen tiere beruhigen und dann auch eins, das eingreift, wenn es mal dringend sein muss...

der grösste teil der wolle wird leider nicht weiterverarbeitet. ich durfte mir zwei vliese aussuchen und habe ein weiteres mitgenommen um zu versuchen, es am stück zu einem vegetarischen fell zu verfilzen. einige vliese waren schon arg verfilzt - was einerseits am späten schurtermin, aber auch daran liegt, dass die natur ja das abstossen des fells vorgesehen hat, was dann in grösseren verfilzten placken geschieht. vier weitere schöne vliesse werden später abgeholt. meine aufgabe beim scheren war das sortieren der wolle und die entscheidung, welche vliese sich fürs filzen eignen und welche nicht. was ich aus der wolle machen werde? sicher ein paar vegetarische felle, aber die schönsten locken reserviere ich mir für windlichte ... und dann werde ich weiter schauen, was man draus machen kann.

nach dem scheren durften die schafe wieder auf die weide, wo sie wegen des kurzen fells nun dringend schattenbäume brauchen, bis das fell ein wenig nachgewachsen ist. 

anschliessend gab es noch ein mittagessen und ein bisschen zeit, mit dem scherer aus dem freiamt zu reden und mit den anderen helferinnen. ein schöner tag, für den ich mich auch mit diesem blogbeitrag noch einmal beim gastgeber und seiner helferin bedanken möchte!

Montag, 21. September 2020

19. und 20. september 2020 - ganz schön viel unterwegs

 das wochenende war ein bewegtes und angefülltes, dabei auf die gute art, wie gefühlt schon lange nicht mehr. 

am samstag durfte ich auf vereinsreise mit der filzszene gehen, und weil die woche davor auch so gut gefüllt war und so wenige pausen zum nachdenken und planen liess, startete ich am samstagvormittag der einfachheit halber mit dem auto nach pragg-jenaz, zur wollspinnerei vetsch. christoph vetsch ist ebenfalls vereinsmitglied und hat uns nicht nur die für uns filzerinnen wichtigste maschine, die krempel, mit der die schönen wollvliese hergestellt werden, gezeigt, sondern auch eine ganze reihe neu angeschaffter geräte und maschinen, die es der wollspinnerei ermöglichen, ganz kleine kundenaufträge von der rohwolle bis zum gesponnnen garn auf knäueln abzuwickeln. man staunt ja immer wieder, wie viele arbeitsschritte notwendig sind, bis eine schöne, gleichmässige strickwolle im korb liegt... 




impressionen von der kardiermaschine, der gar nicht mal so grossen "krempel". für ein strick- oder webgarn folgen noch ganz viele weitere schritte: das aufteilen in vliesstränge, das verziehen zu einem vorgarn oder dünneren strang, das spinnen, das zwirnen, das dämpfen und manchmal auch noch das färben... 

nach der besichtigung der wollspinnerei gab es ein gemeinsames mittagessen in einem gasthaus vor ort, wo wir sehr schön in der spätsommerwärme auf einer grossen veranda sassen. 

danach ging es wieder zurück zum lädeli der wollspinnerei, kaum eine konnte sich der verlockungen der angebotenen wollen widersetzen. ich selbst kaufte für einen kinderfilznachmittag und für ein eigenes projekt ein und freue mich schon auf die verarbeitung. 

auf dem rückweg war die autobahn fast genauso voll wie am morgen, das schöne wetter lockte die unterländer noch einmal in die berge. überhaupt berichten viele der filzerinnen aus dem engadin oder dem bündner land, dass die orte und wanderwege in diesem jahr so voll waren wie noch nie. 

ich kam trotzdem noch so zeitig zuhause an, dass ich noch eine runde schwimmen konnte, während auf dem herd schon ein rollschinkli vor sich hin kochte, dazu gab es später saure bohnen und spätzle. 

***

auch uns lockte das schöne wetter am sonntag hinaus, allerdings nicht gleich wieder in die berge, sondern nur bis nach wildegg. dort nahmen wir einen weg, den wir vor vielen jahren mal entdeckt haben. er führt vom ort wildegg zunächst entlang der bünz, deren lauf hier seit einigen jahren renaturiert wird. 


am südlichen ende von möriken gingen wir in den ort hinauf. dabei passierten wir diesen wunderschön herbstlichen garten mit boulebahn: 

weiter oben hatten wir diesen zwar diesigen, aber doch schönen ausblick in richtung schloss lenzburg. das auge macht ja aus so einem bild eine art scherenschnitt, allein die kamera zeigt, wie verhangen doch alles war: 

auch auf schloss wildegg war viel betrieb, viele ausflügler nutzten den schönen sonn(en)tag im september. in den weiter unten gelegenen gärten war schon weniger los, so wenig, dass wir uns einer führung anschlossen, die mit nur zwei personen stattfand. wir erfuhren viel neues über alte und neue gemüse und andere nutzpflanzen und nahmen auch anregungen für unseren garten mit. 

zuhause reichte es gerade noch so zum schwimmen, bevor der mittlere sohn mit freundin zum sonntagskaffee eintrafen. wir sassen lange gemütlich, so lange, dass es dann mit dem abendessen schon fast ein wenig knapp wurde. es gab aber nur pellkartoffeln mit quark und rohkost, das ging dann doch ganz fix.  

gesehen: einen neuverfilmung von mord im orientexpress von 2017, mit johnny depp (als mordopfer) und den polizeiruf am sonntag.



Montag, 20. Januar 2020

19. januar 2020 - sonne und schnee

mit sonntagausschlafen war es mal wieder nichts, die tochter musste um neun uhr an der turnhalle sein für einen langen trainingstag im vereinsgeräteturnen.

also bin ich mit ihr um acht aufgestanden und habe sie und eine kollegin drei dörfer weiter in aller herrgottsfrühe abgegeben. ich war überrascht, wie schnell man sonntagsmorgens durch die stadt kommt, kaum ein auto war unterwegs. bei der rückfahrt über den berg schien oben schon überall die sonne auf die berauhreiften felder.

zuhause gemütlich mit kai gefrühstückt, anschliessend ein längerer spaziergang, den wir bereits zum zweiten mal gemacht haben, mit einer kleinen variante diesmal, dabei haben wir wahrscheinlich ungarische zackelschafe entdeckt,  zumindest denke ich, dass nur die so grade, in sich gedrehte hörner haben. da sie alle weiss waren, war ich mir aber dann doch nicht ganz sicher, hatte aber mein  buch über schafrassen in der werkstatt, so dass ich nicht nachschauen konnte. unabhängig davon, ob es jetzt wirklich zackelschafe sind oder doch eine andere rasse, wird es sich lohnen, mit den besitzern kontakt aufzunehmen, das fell sieht sehr schön gelockt aus!
obwohl die sonne schien, begann es mehrmals zu schneien. 

am nachmittag neben teetrinken und immer noch restlichem weihnachtsgebäck dazu endlich das kimonoartige gewand aus dem opernhaus in ein tragbares etwas verwandelt. dazu musste an den ärmeln und am saum reichlich stoff weg, verschliessen kann ich es jetzt mit einem bindeband und ich bin gespannt, wie es sich trägt.

wäscheaufhängen, lesen, zum abendessen pizza, dann noch familiensitzung, die tochter wollte früh ins bett, dann kam der sohn nach hause und liess sich ein bisschen vom wochenende erzählen, später noch polizeiruf, der allerdings ziemlich langweilig war.

gelesen:
- simone van der vlugt, nachtblau und
- den spannenden newsletter einer ganz besonderen filzerin, lisa klakulak, hier können sie den auch nachlesen. eine meiner leserinnen hier wird im sommer bei ihr einen kurs machen, ich beneide sie!

gesehen:
polizeiruf

Montag, 18. September 2017

object lessons

eigentlich wollte ich am samstag wandern gehen, aber da der wetterbericht für den samstag in der rheinschlucht beständig schlechtes wetter vorhersagte, suchte ich rechtzeitig nach alternativen und entschloss mich zum besuch des gewerbemuseums in winterthur und der ausstellung "object lessons".
die ausstellung ist ursprünglich für das werkbundarchiv - museum der dinge in berlin entstanden und wird in winterthur noch bis zum 1.oktober gezeigt.


der ausstellungstitel bezieht sich auf ein pädagogisches konzept, das die geschwister charles und elizabeth mayo auf der grundlage der reformpädagogik von pestalozzi entwickelt haben. elizabeth mayo schrieb das schulbuch "lessons on objects", dazu entwickelte sie eine kleine kiste mit vier schubladen, in denen 100 verschiedene dinge und materialien enthalten waren. diese dinge sollten angeschaut, angefasst und mit allen sinnen erfasst werden, die wahrnehmung in sprache gefasst und ausgehend davon konkretes oder abstraktes wissen zu verschiedensten bereichen entwickelt werden.

Object Lesson Box, nach 1830
Sammlung Museum of the History of Science, Technology & Medicine, University of Leeds
Foto: Esther Lie, aus Pressematerial zur Ausstellung, Museum der Dinge, Berlin.


rund um diese box bietet die ausstellung acht lektionen rund um die vermittlung von materialwissen. spannend ist aber auch der prolog, denn der materialvermittlung muss zunächst einmal das sammeln vorausgehen. so wird material bereits seit der frühen neuzeit gesammelt, um seine eigenschaften, herkunft und verwendung systematisch zu erforschen. der öffentlichkeit wurde solche sammlungen erst später öffentlich gemacht als sich die fürstlichen wunderkammern zu museen wandelten.
ein ganz herrliches beispiel der sammlung, aber auch der bereitstellung von materialkundlichem wissen sind die xylotheken. in buchform wird dabei jeweils ein baum dokumentiert: den buchrücken bildet die rinde, das holz den buchblock, der ausgehöhlt die blätter, äste, blüten und samen enthält.

hier geht es schon eher um die vermittlung von materialwissen an spezialisten, ähnlich den lehrsammlungen.


in den lehrsammlungen dienen materialien als referenzstücke zur identifizierung von stoffen, werden als nutzobjekte in experimenten verbraucht oder dienen der überprüfung von wissen. ganz entschieden ist hier nicht nur das schauen, sondern auch das anfassen, riechen und schmecken gefragt.


 auch im handel und in der industrie werden materialien zu demonstrationszwecken zusammengestellt - einerseits um kunden über neue materialien herstellungsverfahren und qualitäten zu informieren, zum beispiel auf messen und in den musterkoffern der handlungsreisenden.
aber auch in den handelsakademien, den kunstgewerbeschulen und -museen, wo die durch den welthandel und die industrialisierung im 19. jahrhundert aufkommenden neuen materialien in ihren eigenschaften und potenziellen anwendungen erforscht und vermittelt werden.


 spannend dabei auch materialien, die wir heute so garnicht mehr kennen oder zumindest nicht mehr voneinander unterscheiden könnten... die unscharfen knöpfe im hintergrund mussten wohl die kleidermacher in ihrer materialbeschaffenheit kennen. rechts vorne echtes und falsches fischbein zur verstärkung von korsagen und hemdkrägen.


ganz anders funktionieren die schaukästen, die sich als unterrichtsmaterialien im 20. jahrhundert verbreiten. hier wird nicht nur material gezeigt, sondern auch die gewinnung, verarbeitung und resteverwertung der produkte. wie der name schon sagt, kann hier anders als im ideal der ganzheitlichen materialbildung ausschliesslich geschaut werden.

zwei weitere "lessons" beschäftigen sich noch mit dem materialwissen im haushalt und in der literatur, eine weitere mit dem veränderten materialbewusstsein in der gegenwart. wo wertungen ins spiel kommen, wo "gutes" material gefördert und gefordert ist, wird rasch auch der zeitgeist sichtbar.
so kann in den 50er und 60er jahren  plastikgeschirr "gut" sein, einfach der guten gestaltung halber, wie der werkbund mit seinen materialkisten zeigt. heute ist "gut", was aus nachhaltigem oder wenigstens recyceltem material hergestellt ist. die moralische aufladung dieser materialien sowie deren vermarktung wird in einer kleinen broschüre in der ausstellung hinterfragt, leider konnte ich die texte dazu nirgends finden.
die ausstellungstexte lassen sich übrigens hier nachlesen.

freude an der ausstellung haben sicher menschen, die selber gerne sammeln, auch und gerade alltägliche dinge und die sich über die teilweise sehr liebevolle präsentation der objekte freuen können. je nach zeitgeist wird nüchterner oder auch mal ganz verspielt präsentiert, letzteres zum beispiel ganz biedermeierlich im wiener fabriksprodukten-kabinett. ersteres in der zarges-box des werkbunds.

gut gelungen ist auch die überleitung zum schweizer materialarchiv, das mit einer von acht physisch erlebbaren sammlungen im gewerbemuseum in winterthur ansässig ist. das archiv kombiniert tastbare materialien mit einer digitalen datenbank, die auch im internet zur verfügung steht.
(wer sich vertieft mit einzelnen materialien auseinandersetzen will, wird auch im internet fündig, bei den object lessons, die materialien ausgehend von einem denkanstoss aus untersuchen.)

Each Object Lessons project will start from a specific inspiration: an anthropological query, ecological matter, archeological discovery, historical event, literary passage, personal narrative, philosophical speculation, technological innovation—and from there develop original insights around and novel lessons about the object in question.

was ich beim stöbern in einer der schubladen des materialarchivs gefunden habe, möchte ich ihnen auch noch gerne zeigen:


 hier hat jemand mit viel enthusiasmus ein art privates musterbuch mit allerhand verschiedenen papieren angelegt.


teilweise eine wenig ungelenk von hand beschriftet, nicht immer ganz rechtschreibkonform, aber detailliert beschrieben, finden sich die unterschiedlichsten papiere. gerne hätte ich gewusst, wie dieses buch in der sammlung gelandet ist.


ganz clever auch die art der bindung: in ein nach art eines fotoalbums gestalteten buchumschlag und bund wurden nur kurze papierstücke eingefügt, an die sich später die einzelnen muster ankleben liessen. ob da wohl ein buchbinder oder eine buchbinderin am werk war?

am liebsten möchte ich gleich spontan auch so eine sammlung beginnen... eine habe ich sogar!
 

***

nach dem museumsbesuch bleibt noch zeit für ein bisschen schlendern durch winterthur, das wetter ist wunderschön, die cafés locken, aber zum schluss besuche ich doch lieber eine bekannte in ihrem laden an der neustadtgasse 13. was mirjam ziebarth, eine der regionalen handwerkerinnen, die zusammen den gemütlichen laden betreiben, über die herstellung der lana rara zu erzählen weiss, passt so gut zu den object lessons, wie wenn ich den ausflug danach geplant hätte! lana rara ist ein strickgarn, das mit ganz viel enthusiasmus und zu einem überwiegenden teil aus der wolle von seltenen schweizer schafrassen hergestellt wird - eine beimischung von merinowolle sorgt für die notwendige weichheit. hergestellt wird das garn bei christoph vetsch im prättigau, wo mirjam und dominique den spannenden herstellungsprozess persönlich begleitet haben - eben davon erzählte mirjam mir so eindrücklich. 

Dienstag, 28. März 2017

deutschsprachiges filzertreffen in hohebuch

seit sonntagnachmittag bin ich zurück vom 22. deutschsprachigen filzertreffen in hohebuch. für mich war es erst das dritte offizielle filzertreffen, plus filzbegegnung in berlin macht vier. und gefühlt war es das schönste filzertreffen für mich. einerseits kenne ich jetzt schon deutlich mehr andere filzerinnen aus dem filznetzwerk als 2013 in göttingen und überhaupt das ganze prozedere eines solchen anlasses, andererseits kennen ganz viele mich (auch über den blog). ich weiss, bei was ich mitmachen möchte und bei was nicht - und tanzen gehört eindeutig in die zweite kategorie. und ich weiss, dass ich dort nicht die ruhe habe, wirklich etwas grosses, geniales zu filzen. aber deswegen bin ich ja auch gar nicht dort! was mir wichtig ist, ist der austausch mit den anderen filzerinnen und auch ein paar filzern. der kontakt zu vielen gleichgesinnten und nicht das permanente vergleichen, wer gibt mehr kurse, hat das grössere atelier, kann mit seinem filz vielleicht sogar seinen lebensunterhalt verdienen. schön, wenn das jemand kann, bei mir klappt das (noch?) nicht und dazu stehe ich - wie viele andere übrigens auch! trotzdem liegt mir viel daran, neues zu lernen und aufzugreifen. 


hier gleich ein grosses dankeschön an bruno bujack, der gezeigt hat, wie er schwingschleifer zum anfilzen der wolle verwendet, wie er sie modifiziert und wo die grenzen ihrer verwendung sind - nicht nur als demo im kaminzimmer, sondern auch noch schriftlich in bewährter manier zusammengefasst!


und ein weiteres dankeschön geht an die drei frauen, die das programm für die filzbegegnung geplant haben, beate hufeisen, rotraud reinhard und inge bauer. mit dem von ihnen zusammengestellten programm unter dem thema "zuhause" wurde es einerseits nie langweilig, andererseits war stets genügend luft für individuelle gespräche und begegnungen.
für die workshops gab es eine anregung in form von gestickten quadraten, hergestellt werden diese von frauen in afghanistan, die damit zum lebensunterhalt ihrer familien beitragen und ein altes handwerk, das während des krieges in vergessenheit geraten war, wiederbeleben. pascale goldenberg, die projektleiterin, habe ich leider verpasst, da ich erst am freitagabend angereist bin.


aus diesen stickquadraten sollten in kombination mit dem filz sogenannte vier-hände-kunstwerke werden. ich habe als motiv einen fisch ausgewählt, und ihn in die filzwellen eines kleinen täschchens integriert. technisch war das eine herausforderung, weil ich das nichtfilzende (und damit auch nichtschrumpfende) stickstück zwischen die einzelnen lagen gelegt und durch einfilzen befestigt habe. das ist für nichtfilzerinnen vermutlich etwas schwer nachzuvollziehen, aber ich denke, man kann unten gut sehen, wie das stickquadrat sich trotz ständigen ziehens im fertigen filz leicht nach vorne wölbt. der ausdruck des fisches wurde allerdings dadurch eher noch schalkhafter grinsend, also passt das dann schon. er fühlt sich wohl "zuhause" in den filzwellen...


schön war es also wieder!


aber wo könnte es auch nicht schön sein, wenn so die sonne untergeht? (ach ja und wieder schönes wetter in hohebuch!)

Dienstag, 20. September 2016

erste hausaufgaben, sommerpostfinale und handarbeitsbingo

darf man das alles miteinander vermischen? überlege ich mir gerade, aber einerseits ist es eine geschichte, in der einfach diese drei sachen vorkommen, die ich erzählen will und andererseits eint die drei angelegenheiten die freude am tun, am schaffen mit den händen. 

also dann: zuerst die arbeit, dann das vergnügen. letzten freitag sind die ersten hausaufgaben für den filzlehrgang hier eingetroffen. sie mussten aber noch ein bisschen warten, bis ich den monatlichen biocònewsletter fertiggestellt hatte. 


dann habe ich mich ans aufpacken der päckchen gemacht. ein bisschen wie weihnachten ist ja jedes paket, aber ich war schon sehr gespannt, wie viel die drei frauen vom kurswochenende mit nach hause genommen hatten und was sie davon alleine zuhause dann auch umsetzen konnten.

 ich denke, ich kann zufrieden sein. alle drei haben die aufgabe gut gemeistert - natürlich gab es ganz viel zu den filzen und auch zur dokumentation anzumerken und rückzumelden und ich hoffe, ich habe das so motivierend hinbekommen, dass alle etwas damit anfangen können.


 und nun habe ich zeit, mich um den abschluss der sommerpost zu kümmern. gestickt habe ich immer mal wieder an meinem gefilzten buchumschlag, auch letzte woche als ich unterwegs war, sticken ist da eigentlich eine gute alternative zu anderen handarbeiten, das war neu für mich. mittlerweile habe ich mein repertoire an stickstichen auf drei verschiedene erweitert, leider aber wieder vergessen, wie das mit den knötchen ging (sonst wären es glatt vier). wäre aber auch eher unpraktisch gewesen für den buchumschlag. falls jemand lust hat, mir zu sagen wie die verschiedenen stiche heissen, bin ich dankbar, ich wurstele mich da ja als autodidaktin und totaldilettantin eher so durch. heute morgen beim frühstück habe ich die letzten fäden verstätet (vernäht) und den buchumschlag noch gedämpft, damit er schön glatt liegt. anschliessend musste er trocknen.


 am nachmittag war er schon so trocken, dass ich den buchdeckel mit weissleim einstreichen konnte (buchleimmuster!) und den filz einfach ankleben. der leim trocknet durchsichtig, aber es ist ohnhin nichts durch den filz durchgedrungen.


so sieht das sommerpostbuch nun aus. blumenwiese im woll- und fadenparadies! ich blättere nochmal durch und danke noch einmal allen von meiner sommerpostgruppe. eure tollen seiten haben es in meinem filzumschlag nun kuschlig warm und nehmen licht und wärme des sommers mit in die kühlere jahreszeit.


und ich nehme die fertigstellung des sommerpostbuchs zum anlass, mich gleich wieder in so eine bloggerinnengeschichte zu stürzen. auf dem blog 60° nord habe ich schon vor ein paar wochen ein herbsthandarbeitsbingo gefunden, eine lustige idee wie ich finde, für die ich mich auch gleich angemeldet habe. es gibt verschiedene anregungen zum handarbeiten und wer eine fünferreihe voll hat, der nimmt an einer verlosung teil.
auf einen gewinn mache ich mir zwar ziemlich wenig hoffnung, aber dabeisein ist alles. (und immerhin leidet da niemand drunter, wenn mir im herbst irgendwann dann doch noch die handarbeitspuste ausgehen sollte...)
und man darf doppelt abstreichen. darum streiche ich mit der fertigstellung des sommerpostbuchs gleich vier felder: "etwas mit papier machen" fürs binden des buchs, "etwas filzen" - naja, das hätte ich vermutlich auch so noch irgendwann geschafft, "etwas sticken" - das ist bei mir schon eher ungewöhnlich, aber auch wieder nicht so ungewöhnlich, dass ich es mir gleich als neue technik anrechnen kann... und "etwas für mich selbst machen" - denn das buch gebe ich natürlich nicht her!
und nun schaue ich mal, was sich da so über den herbst noch ergibt.
zwei weitere felder habe ich schon im auge... denn ganz unten im bild ist eine materialliste für einen filzkurs zu sehen... eine neue technik winkt da und die gelegenheit mit anderen zusammen kreativ zu sein!
und jetzt muss ich schnell mal bei der frau müllerin schauen gehen, ob es schon andere fertige bücher gibt (oder ich wieder die oberstreberin bin).

Donnerstag, 30. Juni 2016

wolle waschen

vor ein paar tagen habe ich zwei grosse und mehrere kleine säcke wolle von erhaltenswerten schweizer schafrassen abholen dürfen. darunter sind engadiner schafe, bünder oberländer in verschiedenen farbschlägen und spiegelschaf. unter anderem ist es gerade deshalb im blog so ruhig, weil ich damit beschäftigt bin, diese wolle zu waschen. gestern hat mich der sohn mit der kamera begleitet und so kann ich sie jetzt einladen, mir ein bisschen beim wollewaschen zuzuschauen. 


kommen sie einfach mal mit.  (altes t-shirt, plastikschürze und viele eimer und kannen, alles notwendiges equipment)


das wollvlies, hier vom engadiner schaf, habe ich vorgängig sortiert und einige stunden in regenwasser eingeweicht. hier bin ich schon dabei, die wolle wieder aus dem wasser zu nehmen und abtropfen zu lassen.  (das schaf ist zwar noire, also schwarz gewesen, hiess aber nicht vitelotte. das waren kartoffeln, die wir mal angebaut haben.)


anschliessend wird sie portionsweise in zwiebel- oder kartoffelsäckchen verpackt.


 das restliche wasser mitsamt dem gelösten dreck wird herausgeschleudert. (tja, bauknecht weiss, was filzfrauen wünschen. mein traum von einer eigenen kleinen wäscheschleuder hat sich letzte woche via verschenkeplattform erfüllt)


das einweichwasser, in dem sich trotz striktem aussortieren der verschmutzten wolle einiges an sand und dreck gelöst hat, kann man sehr gut als giesswasser nutzen. es stinkt nur ein bisschen und vermutlich produziere ich damit ein stickstoffüberangebot in meiner tomatenplantage.


 in reichlich warmem wasser (so geschätzte 45 bis 50 grad) löse ich dann ein bisschen wollwaschmittel auf und lasse die wolle etwa eine halbe stunde einweichen. ab und zu bewegen hilft, ist aber nicht unbedingt notwendig, da ich ohnehin immer nur so viel wolle wasche, dass sie noch frei schwimmen kann.


nach einer halben stunde dann das gleiche prozedere wie zuvor mit dem einweichwasser: abtropfen lassen, ausschleudern in portionen und dann noch in handwarmem wasser ausspülen. wichtig ist, dass die wolle nicht heftigen temperaturwechseln ausgesetzt wird, sonst kann sie sich bereits jetzt verfilzen - aber das soll sie ja erst später.


dann wird die wolle auf diesen gestellen ausgebreitet zum trocknen. immer schön im schatten, damit sich in der sonne kein wasserstoffperoxid bildet.


zuletzt wird die wolle in säcke verpackt und ich schicke sie in eine kleine karderei im fränkischen.

Donnerstag, 6. August 2015

mitgebracht

klar, wir haben auch eine ganze menge erlebtes und gesehenes, neue eindrücke und entspannung aus unseren ferien in den niederlanden mitgebracht, aber da wir uns eigentlich noch immer im ferienmodus befinden und nur so ganz langsam alles auspacken und sortieren und (wieder) verräumen, hab ich gestern einfach mal ein bild von diesen drei textilen schätzen gemacht, die ich mir/uns mitgebracht habe. sie stehen gleichzeitig ein wenig für die zwei (im bild eher drei) etappen unserer reise.


den lustigen stoffgeldbeutel oben rechts habe ich in amsterdam, der ersten etappe unserer reise, auf dem flohmarkt gekauft. wir haben eine lange zeit an diesem stand verbracht und ich konnte mich ewig nicht entscheiden, weil mir zuerst das innere der geldbeutel nicht so recht gefiel, dann gab es so viele verschiedene stoffvarianten und auch noch verschiedene grössen und nicht alle grössen und formen in allen stoffen. eigentlich hätte ich gerne etwas mehr graphisches vom stoff her gehabt, aber das gab es leider nicht in klein... also hab ich mich für das komplette gegenprogramm entschieden und wirklich blumig gewählt! jetzt muss sich das teil noch im alltag bewähren.
da fiel mir die entscheidung für den blumigen stoff auf walcheren, den wir bei einer fahrradtour nach middelburg dort in einem stoffladen zufällig gefunden haben, schon wesentlich leichter. ein reststück von knapp zwei metern, mal sehen, was man da draus machen kann! beinahe hätte es allerdings schon vor dem verkauf eine verwendung gefunden, als es noch auf dem ballen war. vor mir in der schlange beim zuschneiden und bezahlen stellte sich eine landsfrau von mir nämlich so bescheuert an, dass ich ihr am liebsten den stoffballen über den kopf gezogen hätte... ok, mit knapp zwei metern dünnem baumwollstöffchen kann man da nicht viel ausrichten... aber wer bitte lässt sich zuerst seelenruhig stoff abschneiden und überlegt erst dann, ob das stück gross genug ist???

das trockentuch in der mitte trägt seine herkunft schon um den bauch herum: es stammt aus dem textielmuseum in tilburg, das wir sozusagen zwischen amsterdam und walcheren besucht haben, auf einem kleinen umweg. leider öffnet es am samstag erst um 12 uhr, aber freundlicherweise war das wunderschön gestaltete café schon früher geöffnet und so machte das warten wenigstens spass.


das museum bietet ein grosse fülle verschiedener kleinerer ausstellungen - neben einer dauerausstellung zur herstellung von wolldecken, die wir sehr anschaulich erklärt bekamen und einem grossen textillabor, in dem textilkünstler an den unterschiedlichsten hightechmaschinen arbeiten. das nebeneinander historischer und modernster textiltechnologie macht das museum so recht spannend.


die fotos stammen allerdings alle aus der historischen ausstellung, im textiellab ist fotografieren nicht so gern gesehen, aus nachvollziehbaren gründen.


ohne es zu wollen hat der grosse, aber dann doch noch ein bisschen was davon eingefangen, er wollte wohl das sheddach fotografieren. überhaupt habe ich das fotografieren in diesen ferien weitgehend an den grossen sohn delegiert, der macht das ja gut und gerne. aber zum beispiel in der spannenden textilkunstausstellund hat er keine bilder gemacht. hätte ich vielleicht getan. macht aber auch nix, vielleicht wollen sie ja mal nach tilburg fahren und sich das selbst anschauen. einen ersten eindruck findet man auch im pressematerial des museums.