Sonntag, 30. Oktober 2016

betriebsausflug

unsere gemüsegenossenschaft gibt es im november nun schon seit drei jahren. seit fast zwei jahren bin ich teil der betriebsgruppe, die sich um die organisation rund ums gemüse kümmert. nun gab es den ersten betriebsausflug - denn wer arbeitet soll auch feiern! die idee dafür war schon im frühjahr entstanden, also lange zeit bevor der grosse exodus aus der betriebsgruppe begonnen hat - auf die nächste generalversammlung verlassen aus unterschiedlichen gründen vier personen, darunter auch ich, das gremium. aus termingründen hatten wir von vornherein ein wochenende im herbst ausgewählt, das gewählte ziel ist ein bisschen der wirtschaftsweise auf dem hof geschuldet, der biologisch-dynamisch nach steiner bewirtschaftet wird - was lag da also näher als das goetheanum in dornach zu besuchen? 


bei unserer ankunft hüllte sich der hauptbau in nebliges grau, wir spazierten ein bisschen über das gelände, schauten kurz in die eingangshalle um festzustellen, dass es ein wenig mit dem betreten einer höhle zu tun hat und gingen dann zum speisehaus, um einen kleinen imbiss einzunehmen.


auf dem weg dorthin fiel mir das lustige trafohäuschen auf, über das wir später bei der führung erfuhren, dass steiner es selbst entworfen hat. mit welcher absicht, kann man im hervorragenden und ausführlichen wikipediaartikel über das goetheanum nachlesen. überhaupt gibt es rund um das hauptgebäude eine reihe älterer und neuer gebäude in ähnlichem baustil, die man auch auf mehreren architekturpfaden erkunden kann. organische architektur heisst der baustil übrigens und ist keineswegs auf das umfeld der anthroposophen beschränkt.


eine heizzentrale, ebenfalls noch von rudolf steiner selbst entworfen,in form einer flamme (das gesicht ist wohl eher zufall und der alterung des betons geschuldet.)
nach dem rundgang über das gelände waren wir zu einer führung angemeldet. wir sahen das grosse glasfenster im westen, das treppenhaus (in dem man die konstruktion der gewölbten flächen von hinten sehen kann und dabei entdecken, wie die zimmerleute, die 1924 keine erfahrung mit betonbauten hatten, die probleme der statik nach ihren methoden lösten), den grossen theatersaal mit den restlichen bunten glasfenstern, das modell des ersten goetheanum und die unvollendete skulptur "der menschheitsrepräsentant" - und erfuhren ganz viel über die entstehungsgeschichte des zweiten goetheanums, über den vorgängerbau und über das bildprogramm der glasfenster und der grossen skulptur. am ende hingen wir ob der vielen informationen total in den seilen und mussten dringend kaffee trinken, die buchhandlung besuchen und frische luft schnappen.


im allerschönsten sonnenschein beendeten wir unseren rundgang übers gelände mit einem abstecher zum aussichtspunkt und durch die gemüsefelder der gärtnerei. 


die wirkung des gehörten, gesehenen und erfahrenen zu beschreiben ist nicht einfach. von den wenigen kleinen bröckchen die ich von steiners denkgebäude im umfeld unseres bauernhofes immer wieder aufschnappen kann finde ich vieles spannend, einiges plausibel, manches faszinierend aber halt auch immer wieder etwas eigenartig oder verstörend und nicht selten auch für mich zu esotherisch.
der betriebsausflug ging dann noch mit einem spaziergang zur ermitage in arlesheim zuende, im letzten sonnenschein erkundeten wir die teils natürlichen und teils künstlich angelegten grotten und höhlen und kehrten anschliessend zu bahnhof und von dort mit der bahn nach hause zurück.
nach diesem schönen gemeinsamen tag könnte ich beinahe ein bisschen wehmütig werden bei dem gedanken daran bald nicht mehr in der betriebsgruppe mitzumachen - noch aber liegen ein paar monate arbeit vor mir und auch danach werde ich ja noch auf dem hof arbeiten und gemüse beziehen. 


Kommentare:

  1. das gfallt mer ja widr! s reut mi ja ä äs bitz nur schu wegen den tollen pricht, abr s find sich ja dä widr öppis. liäbi grüäss.

    AntwortenLöschen