Samstag, 12. August 2017

glasherstellung und glasmuseum in novy bor

die glasherstellung in novy bor kannten wir schon von länger zurückliegenden besuchen. zum ersten mal aufmerksam geworden sind wir auf die glasmacher in novy bor durch einen zeitschriftenartikel, das muss etwa im jahr 2002 gewesen sein. unser erster besuch dort war im november, in welchem jahr weiss ich nicht mehr. neben dem glasmuseum besuchten wir damals schon die firma egermann und konnten in der produktion den glasbläsern direkt am glasofen bei der herstellung von glasobjekten zuschauen. 
als wir in diesem jahr nach längerer zeit wieder einmal ins lausitzer gebirge fuhren, fragten wir uns, ob es wohl immer noch möglich sein würde, eine glasbläserei zu besichtigen und rechneten schon ein wenig damit, dass wir mit einer schauglasbläserei vorlieb nehmen müssten. 
beim besuch im glasmuseum erkundigten wir uns wie schon vor vielen jahren nach möglichkeiten zum einblick in die produktion... und bekamen zu unserer verblüffung wieder die adresse von egermann genannt.  es gibt jetzt zwar auch noch andere firmen, die rundgänge anbieten, wir wollten es aber zuerst dort versuchen. 
das firmengelände fanden wir kaum verändert vor, aber wir hatten noch kaum den empfang betreten, als wir schon willkommen geheissen und eine führung für uns angeboten wurde. durch schleiferei qualitätskontrolle führte uns eine junge frau zum glasbläserofen. (die bilder habe ich umgedreht, weil sie so besser den prozess verfolgen können, den das glas durchläuft.)


 im ofen wird die glasmasse geschmolzen und auf der richtigen temperatur gehalten, bis der glasmacher mit hilfe der glasmacherpfeife, einem langen metallrohr einen klumpen davon entnimmt. 

 
die hohlform wird erzeugt, indem der glasbläser luft in die masse bläst, zwischendurch wird das noch glühende glas immer wieder mit holzformen in form gebracht.


 hier durfte die tochter aufs podest der glasbläser und es auch einmal versuchen. am anfang ging es wohl ziemlich schwer, als die wand dünner wurde immer einfacher.



 das glas erhält auf vielfache weise seine form, zum beispiel indem es in einen metallkorb gedrückt und anschliessend an den rändern eingeschnitten wird.



 oder indem man es direkt in eine form aus holz bläst. das holz wird ständig nass gemacht - dabei arbeiten die glasbläser immer in kleinen gruppen: einer holt die glasmasse aus dem ofen, einer bläst sie ins form, ein weiterer kümmert sich um die holzform und zum schluss gibt es noch einen, der die fertigen stücke wegbringt.


hier wird gemessen, ob der durchmesser stimmt.

 und hier ein stiel oder griff angesetzt. man kann die zähe glasmasse auch schneiden.


am ende des formprozesses sind die glasobjekte immer noch mehrere hundert grad heiss und müssen langsam in diesem ofen abgekühlt werden. danach gibt es eine qualitätskontrolle und die gläser wandern weiter in die schleiferei.


hier erhalten die gläser ihren geraden rand, dabei wandert manchmal überraschend viel wieder zurück in den glasofen und wird wieder eingeschmolzen.


die weitere verarbeitung des glases geschieht bei egermann in einem anderen werksteil, den wir nicht besichtigt haben: hier wird das glas geschliffen, bemalt und zum teil vergoldet.
dabei entstehen nicht unbedingt glasobjekte, die unserem geschmack entsprechen, aber spannend war es allemal! schauen sie doch mal hier, wie die fertigen sachen bei egermann so aussehen. auf der suche nach der internetseite ist mir aufgefallen, dass egermann auch shisha-gläser herstellt, im abkühlofen kann man sogar welche entdecken! 

auch im glasmuseum von novy bor gibt es ganz unterschiedliches zu sehen, fotografiert habe ich vor allem, was ich schön fand, ober beeindruckend. 


die ausstellung ist fest verbunden mit der glasmacherschule in novy bor, die es bereits seit dem ausgehenden 19. jahrhundert gibt. die meisten ausstellungsstücke sind von glasmachern selbst gestiftet worden.
gleichzeitig sind die technischen prozesse der glasherstellung und -bearbeitung sehr anschaulich dokumentiert. so haben wir den unterschied zwischen geschliffenem und graviertem glas kennengelernt und eine spezielle erfindung von bedrich egermann, das gebeizte glas. beispiele dafür sieht man oben rechts (das gelbe) und unten (die roten flächen): dafür werden beizen auf das glas aufgetragen und bis zu dreimal eingebrannt, wobei das glas seine farbe nach jedem brennvorgang ändert. in die dünne schicht kann später ein muster eingeschliffen werden, was sehr schöne effekte ergibt. unten ein modernes beispiel...


 auf dem nächsten foto sieht man mehrschichtiges hüttenglas. hüttenglas wird das glas genannt, das seine wesentliche gestaltung direkt aus dem glasmacherofen heraus erhält.


 ausgestellt ist auch eine komplette glasschleiferwerkstatt, mir hatte es das skizzen- oder entwurfsbuch angetan, sieht ein bisschen aus wie zentangles, oder?


 im jugendstil gab es sogar bemaltes glas, das mir gefallen könnte. speziell sind auch immer wieder kombinationen aus sämtlichen verschiedenen techniken... wobei es dann schnell man zu viel des guten wird.


insgesamt ein lohnender besuch, und es lässt sich auch beides an einem tag kombinieren, wenn man beachtet, dass führungen bei egermann nur unter der woche am vormittag möglich sind und das glasmuseum am montag geschlossen hat!

1 Kommentar:

  1. wunderschöne bilder * glaskunst ist erstaunlich vielseitig (hatte mal die glasfabrik von Meisenthal besichtigt) * sehr interessant die verschiedene arbeitsgänge zu sehen und die erläuterungen zu lesen * das museum grossartig !
    liebe grüsse

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