Donnerstag, 24. August 2017

sonne vs. schatten - sommerpost 2017


in der hoffnung, dass meine sonnigen kuverts alle empfängerinnen erreicht haben, möchte ich heute ein bisschen von der entstehung meines sonnenstoffs erzählen. 

gleich nachdem ich mich zur teilnahme bei der sommerpost angemeldet hatte, hatte ich ja schon einen probedurchlauf, noch im juni!, gemacht. und da es mit der einfachen sonnedruckerei so gut funktioniert hatte, war es für mich klar, dass ich bei diesem verfahren bleiben wollte. zu cyanotypie und inkodye zog es mich eher weniger, da die ergebnisse zwar sehr spannend, aber das verfahren für mich zu wenig beeinflussbar, weil auf einer chemischen reaktion beruhend, erschien. man möge mich da korrigieren, falls ich da falsch liege! 

der sonnendruck ist eigentlich nicht wirklich eine drucktechnik, sondern eher eine reservetechnik, die mit hilfe von sonnenwärme und schablonen arbeitet. ein stoff wird flächig mit farbe getränkt, dann teilweise abgedeckt und der sonnenstrahlung ausgesetzt. an den nicht abgedeckten stellen trocknet er schneller als an den abgedeckten und durch die kapillarwirkung des stoffes wandert die restfeuchte von den nassen zu den trockenen stellen und nimmt dabei die vorhandenen farbpigmente mit. mir mutet diese technik sehr ursprünglich an, ich müsste da wohl mal recherchieren. 
durch meine versuche hatte ich begriffen, dass das verfahren des sonnendrucks am besten funktioniert, wenn die farbe sehr flüssig ist. trotzdem eine hohe farbsättigung in den farbigen bereichen kann man dann am besten erzielen, wenn sie kleiner sind als die schattierten, sich also dort die farbe konzentriert. gleichzeitig darf der "weg" der farbe aber auch nicht zu weit sein, also die durch die schablone abgedeckten flächen nicht zu gross. und am besten das ganze noch gut verteilt!


 das ergebnis dieser überlegungen führte bei mir zum entwurf eines rasters aus sonnen, dass das quadrat wieder  mal mitspielt war nicht beabsichtigt...
es erleichterte aber die sache schon sehr. ich musste nur noch berechnen, wie gross die einzelnen rapportquadrat sein müssen, wenn ich die geplante mustergrösse erreichen wollte, ein vorlagenquadrat zeichnen und dieses mit hilfe eines rasters auf die schablone übertragen. als schablonenmaterial habe ich laminierfolie genommen, die einzige folie, die ich in din a3 im haus hatte. ich habe einfach beide schichten aufeinander liegengelassen, auch beim ausschneiden mit dem japanmesser ging das gut. beide schichten zusammen sind schwer genug um auf dem stoff liegenzubleiben und die folie erträgt die pralle sonne gut.


 die fertig angezeichnete schablone. das ausschneiden mit dem japanmesser hat mehrere tage gedauert, da ich immer wieder pause machen musste. wenn mir das einer gesagt hätte, wie viele teile ich da ausschneiden muss...


irgendwann war aber die schablone bereit und die druckwerkstatt in einer grossen flachen holzkiste konnte eröffnet werden. in der kiste konnte ich den stoff sehr gut im schatten vorbereiten (stoff in wasser einweichen, mit verdünnter farbe bepinseln, die schablone satt auflegen und andrücken) und dann in die sonne tragen, beziehungsweise auch mal der sonne hinterhertragen. denn es braucht schon den raschen trocknungsprozess in der prallen mittagssonne, damit die farbpigmente sich hurtig auf den weg machen!
meine stoffe sind alle schon im juli entstanden, die lange reihe von sonnentagen machte es einfach ein bis drei stücke stoff pro tag fertigzustellen.


auf den etwas grösser zugeschnittenen stoffstücken kann man teilweise die umrisse der schablone gut erkennen. eine vollständige abdeckung wäre da wünschenswert gewesen, bin ich aber zu spät draufgekommen.


 die schablone lässt sich natürlich auch anderweitig verwenden, zum bedrucken von papier nämlich.


so sind die umschläge dann auch noch entstanden, mit einer schaumstoffwalze acrylfarbe aufgewalzt und weil ich auf grossen bögen gedruckt habe, den rapport des musters genutzt. dabei konnte ich das einzige manko meiner schablone auch einmal in sein gegenteil verwandeln. im stoff sind die sonnen blau, was mich eigentlich ein bisschen stört, aber gelb auf weiss, das ist richtig sonnig!

sonnig stimmt mich auch die ganze aktion, es ist so schön zu sehen, was da alles entstanden ist und noch entsteht. ein grosser dank gebührt wieder einmal michaela und tabea, die regelmässig so tolle postaktionen auf die beine stellen. wenn sie auch ein fan der mailart sind, besuchen sie doch ihren gemeinsamen blog post-kunst-werk!


Kommentare:

  1. Von der Druckerei habe ich nicht so viel Ahnung, deshalb finde ich es bei dir sehr spannend. Das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen.
    LG
    Magdalena

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  2. Ach, was ist das schön, liebe Stefanie, den Prozess dahinter zu sehen und so viel "Kalkül" zu erkennen. Das mit den Abständen und kleinen WEgen ist spannend zu lesen und dein SToff - ich hatte es dir ja bereits in der Mail geschrieben - gefällt mir sehr gut! Danke dir sehr und nun auf zu den letzten beiden Stoffen!
    LG. Susanne

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  3. Ein toller, informativer Bericht und ein ganz wunderbares Ergebnis!
    Liebe Grüße aus einer anderen Gruppe schickt
    Christine

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  4. Das sieht total hübsch aus. Bei meiner Freundin Annette aus Deiner Gruppe konnte ich Deinen sonnigen Brief auch in echt bestaunen. Danke für Deine ausführliche und gut nachvollziehbare Beschreibung.

    Blaue Sonnengrüße von der Uta

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  5. Wie schön Du das hinbekommen hast. Alles so akkurat ausgeschnitten. Gefällt mir sehr, Dein Stöffchen! 😘
    Meins schicke ich dich erst morgen los. Ich hoffe es braucht nicht so lange zu Dir! Liebste Grüße und herzlichen Dank nochmal, von Annette

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  6. Wunderschöne Ergebnisse !!!
    (eine Arbeit !!!)

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  7. Der Aufwand des Schablone-Schneidens hat sich voll gelohnt, ein ganz wunderbares Stöffchen konntest du verschicken! Zusammen mit den gelben Drucksonnen ein perfektes Gesamtpaket! Lieben Gruß Ulrike

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  8. Liebe Stefanie,
    vielen lieben Dank für den wunderschönen Stoff. Ich weiß genau was Du beim Schneiden der Schablone hinter Dir hattest, das war auch bei mir der langwierigste Teil. Diese Technik werde ich auf jeden Fall auch nochmal ausprobieren, wo Du sie jetzt so toll beschrieben hast.
    Liebe Grüße
    Silke

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  9. Der Stoff ist so wunderschön, ich habe ihn schon hier und da bewundert und war fest davon überzeugt, dass die Vorlage geplottet ist, so perfekt sieht es aus. Ja, kann ich mir vorstellen, dass das Ausschneiden lange gedauert hat, tapfer! Und die wissenschaftliche Herangehensweise finde ich bewunderswert. Ganz ganz toll, ich bin total begeistert. Du darfst das Muster gerne noch in der Sonnenmuster-Liste verlinken: http://muellerinart.blogspot.de/2017/07/sonnenmonate-muster-mittwoch-233.html
    Liebe Grüße und herzlichen Dank für so viel Sonne!
    Michaela

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