Montag, 2. November 2026

kw 44 - nochmal sonniger oktober

 wenn ich einen blogpost zu schreiben beginne, steht da zuerst immer die jeweilige kalenderwoche. nicht dass ich mich dieser zahl so bewusst wäre wie des datums, aber sie dient mir zur orientierung und man kann sie ja in jedem kalender nachschauen. diese woche hatte ich eine begegnung der eher unangenehmen art mit dieser zahl - in einer terminabstimmungssache erwähnte ich diese wochennummerierung, einfach um klarzustellen, von wo wir starten sollten und wurde daraufhin recht rüde darauf hingewiesen, dass man das ja nie irgendwo sehe, welche nummer die woche habe. hä? wäre ja vielleicht auch eine möglichkeit gewesen zu fragen, wo man das nachschauen kann? keine ahnung, wann nichtwissen so schick geworden ist, dass man damit andere dumm anmachen kann. 

insgesamt war die woche eher von der wenig verplanten sorte, eine gute gelegenheit, mit der produktion für den weihnachtsmarkt in der filzwerkstatt voranzukommen. 

bild vom montag, inzwischen sind 25 engelchen fertig geworden. ich war überrascht, wie leicht und rasch mir vor allem das zusammennähen und -fügen von der hand ging. und es war schön, mal wieder bei einer routinearbeit für die hände podcasts zu hören. 

im kulturzentrum habe ich begonnen, mein stundendefizit anzugehen - dass ich noch eine aufgabe delegiert bekomme, erwarte ich nicht, aber es bleibt auch genügend an trivialem liegen, das ich jetzt einfach mal erledige. und dann habe ich doch noch eine spannendere aufgabe von einer anderen seite übertragen bekommen. ein bisschen kryptisch, aber das muss so. und auch hier: schön, mal wieder an einem büchertreff dabei gewesen zu sein - noch schöner: ich bin engagiert worden, für eine kurze buchvorstellung tschechischer gegenwartsliteratur. sollte mir nicht schwerfallen, siehe buchpost im oktober. 

nur einen nachmittag wurde ich diese woche im museum gebraucht. 

die sommerbepflanzung ist weg. der herbst hat endgültig einzug gehalten. nicht einmal besonders viele besucher hatten wir. 

am samstag traf sich die shirdak-gruppe der filzszene schweiz in meiner werkstatt. und so sehr ich ja immer da drunter leide, wenn ich samstag nicht mit kai auf den markt fahren kann (die tochter sprang spontan für mich ein), so schön war dieses treffen mit fünf weiteren filzenden frauen. 


 das mittagsbuffet zu dem jede etwas mitgebracht hat, lässt befürchten, wir hätten nichts anderes getan als gegessen - war aber nicht so. 

ich habe zuerst den rand eines weiteren sitzfilzes fertiggestellt. (mit einer kabulischen webkante - später hat eine der teilnehmerinnen in einem ungarischen buch bilder gefunden, wo diese art des randabschlusses auch mit brettchenweben kombiniert wird, da ist also auch schon mal jemand draufgekommen...)

dann wagte ich ein experiment - ich habe zwei ziemlich gleich grosse schalen gefilzt, die eine in die andere hineingezängt, und dann mit dem messer beide gleichzeitig geschnitten - ganz so, wie man das beim herstellen von shirdakteppichen mit den flächen macht.  

auf diesem weg erhielt ich vier einzelteile, die es nun wieder zusammenzupuzzeln galt. kleine aufregung: ich hatte die teile nicht markiert, wie sie zusammengehören - aber so ungleichmässig (weil freihand) geschnitten, dass das zusammenfügen dann doch gelang.  
 


der nächste schritt ist das zusammennähen. 


 ganz bin ich nicht fertiggeworden. 

aber weil wir uns früh wieder auflösten, reichte es noch zu einem kaffee im garten, als ich wieder zuhause war. 


auf den sonntag und die gelegenheit, eine längere zeit draussen zu sein, hatten wir beide sehr gewartet. morgens schien schon ein bisschen die sonne, dann zog es wieder zu, wurde dann aber insgesamt viel sonniger als angesagt. auf vorschlag von kai fuhren wir zum brugger berg, parkten an der kaserne und stiegen zuerst zum alpenzeiger hinauf, um von dort so weit wie möglich am bergrand nach norden zu gehen. 

wir sahen, wie schon im januar 25, wieder gämsen, diesmal so nah, dass ich beim fotografieren schnell sein musste und weil ich auf dem display nichts sah, nicht die ganze gämse drauf habe. 


nach der grossartigen aussicht aufs wasserschloss (hier vor allem gut zu sehen der zufluss der limmat in die aare) folgten wir dem steilen serpentinenweg durch die felsen in den abhang (hier rutscht alles, der weg sah wenig vertrauenserweckend aus) und gingen auf halber höhe wieder zurück nach süden entlang des brugger bergs.  


 unterwegs fanden wir noch diesen lustigen steinknubbel, der in etwa so gross wie ein pouf war. dann ging es den restlichen weg zurück zum auto, unterwegs trafen wir eine familie die maronenröhrlinge gefunden hatte, also vielleicht doch noch mal pilzesammeln? 

den nachmittag verbrachten wir nach teetrinken lesend, häkelnd, schlafend und hausaufgaben für die tschechischlektion machend - und damit die geschenkten quitten zu saft zu verarbeiten und ein leckeres abendessen zu kochen. die nächste arbeitswoche kann kommen. 

 

Samstag, 31. Oktober 2026

im oktober gelesen

 hermann kant, die aula

 habe ich im erzgebirge in einer alten ddr-ausgabe aus dem bücherschrank gefischt. vom titel her bekannt, zumindest so weit, dass ich sagen konnte, dass es eines der wichtigeren bücher der ddr-literatur ist, stand der roman auf einer art leseliste in meinem kopf. 

mit relativ wenig vorwissen startete ich die lektüre, erinnerte mich nur vage daran, dass kant nach ende der ddr irgendwie (also vermutlich im zusammenhang mit stasi-tätigkeit) in der kritik stand. 
ganz so lange brauchte es nicht, bis mir klar war, dass da ein autobiographischer hintergrund besteht, dass also der protagonist robert iswall ein bisschen auch kant ist. 
die handlung ist übersichtlich - der literaturkritiker iswall erhält anfang der sechziger jahre den auftrag zur schliessung der arbeiter und bauern-fakultät an der er selbst mit 23 jahren und nach der rückkehr aus der kriegsgefangenschaft sein abitur nachgeholt hat, eine rede zu halten. seine recherchen führen ihn nicht nur ins archiv, sondern auch zu einigen mitschülern, mit denen ihn das gemeinsame internatszimmer mit dem namen "roter oktober" verbindet. viele davon haben karriere gemacht - auf ganz unterschiedliche weise. nicht alle sucht er nur zu recherchezwecken auf, gegenüber einem ehemaligen mitschüler plagen ihn auch schuldgefühle. 

 

die handlung ist so auf zwei miteinander verschränkten zeitebenen angesiedelt - der gemeinsamen zeit im internat und der zeit der recherche. speziell fand ich von anfang an den eher lässigen, lakonischen ton, der das jugendliche engagement der studenten für den sozialistischen klassenkampf oftmals ironisiert und keine strahlenden sozialistischen helden, sondern eher sehr echte, teils gebrochene figuren erschafft. ich fragte mich, wie das in der ddr-veröffentlichungspraxis ankam. immerhin macht es das buch ein bisschen lesbarer - ganz einfach fand ich sprache und haltung nicht. 

aber kant schafft es durchaus auf der zwischenmenschlichen ebene spannung aufzubauen und überrascht seine leserinnen mit unerwarteten plottwists und entwicklungen der figuren. 

mit der lektüre habe ich nicht nur eine lücke in der literaturrezeption gefüllt, sondern streckenweise auch richtig spass gehabt. 

die aula hatte ich auf meiner reise nach frankfurt dabei - weil mich eines der auf der messe erworbenen bücher sehr interessierte, las ich zwischendurch

jonaš zbořil,  flora 

 

den anfang der geschichte hatte ich auf der buchmesse gehört - und er hatte mich neugierig gemacht auf die geschichte von adam und sara, die nach einem nicht ganz harmonisch verlaufenen abend am rande einer innerstädtischen brache, die beharrlich als steppe bezeichnet wird und die zwischen autobahnen und güterbahnhof gelegen, alles aufnimmt, was die gesellschaft nicht mehr braucht, ein wesen zwischen künstlich und lebendig finden. kein kind, keine bekannte spezies, aber für die beiden, die ein unerfüllter kinderwunsch plagt, eine willkommene gelegenheit, sich zu kümmern.  

mit nach hause nehmen können sie es nicht, und so bringen sie es in die leerstehende datsche von adams oma und ziehen beide in die "steppe", sara gibt dem wesen den namen flora, aber auch adam kümmert sich um das geschöpf wie um ein kind. 

in einer welt zwischen klimakrise und biotechnologischen experimenten angesiedelt, einerseits sachlich, andererseits zärtlich geschrieben, scheint immer wieder das unheil durch: flora entwickelt sich, obwohl sie nichts zu sich nimmt, sie scheint mehr auf ihre umwelt einzuwirken als sie wahrzunehmen. und diese umwelt ist halt schon auch immer recht apokalyptisch. "weird-fiction" - so bezeichnet die buchkritik das genre auf swr. 

mit einem leichten schauder gelesen, denn so weit weg ist diese welt nicht von unserer, nur vielleicht ein paar jahre und um ein paar kilometer ausserhalb dessen, wo wir uns befinden.  

nachdem ich anschliessend den kant vollends zu ende gelesen hatte, freute ich mich auf 

miroslav hlaučo, pfingsten. 

 

von der vagen zukunft brachte mich dieser roman in die vergangenheit der bestehenden donaumonarchie, in ein kleines abgelegenes und etwas seltsames dorf, in dem wunder so alltäglich sind, wie anderswo die gesetze der physik. da wird über wasser gegangen, bäume werden mit sprüchen gefällt (aber nur die, die dazu bereit sind) und auch das wild und die fische dazu überredet, aus dem wald und dem wasser zu kommen. ganz abgesehen davon, dass während der sonntagsmesse wölfe das dorf bewachen und dabei sich auch mal um die säuglinge kümmern. 
in diesem dorf kündigt sich nun ein kontrollbesuch der obrigkeit in form eines übereifrigen notars an - zugleich taucht ein bereits für tot erklärter ehemaliger bewohner wieder auf, mit dessen hilfe und kenntnis der welt da draussen unheil vom wunderbaren städtchen abgewendet werden kann. trotzdem sickert an manchen stellen die neue zeit und das neue jahrhundert ein, nebenbei wird auch noch geliebt und gelebt, sich geprügelt und dann wieder vertragen. 

und das alles auf eine derart zauberhafte art und weise, dass man sich gleich ein paar dieser wunder für die heutige zeit und das eigene leben wünscht. magischer realimus - eine genrebezeichnung, die mich eher nicht anzieht, aber glücklicherweise bin ich über meinen schatten gesprungen und habe diese wunderbare erzählung nicht verpasst!   

alena schröder, mein ganzes leben, öl auf leinwand, ohne titel 

gab es in der dorfbibliothek. und da mir die bücher von alena schröder bisher spass gemacht haben, habe ich es mit nach hause genommen und in einem rutsch durchgelesen. dass es teil einer trilogie ist, die durch hannah zusammengehalten wird, ist mir nicht aufgefallen. 
parallel erzählt schröder zwei geschichten, die von hannah, deren bisher abwesender vater unvermutet auftaucht, und die von marlen, die von ihrere familie im stich gelassen, in den wirren des zu ende gehenden zweiten weltkriegs von der malerin wilma aufgenommen wird. beiden geschichten folgt man gerne, und vermutet stets eine verbindung - die aber am ende recht dürftig ist und nur aus einer zufälligen begegnung besteht. 

nichts grossartiges, aber nette unterhaltung.  und eine gute überbrückung bis zum nächsten stück tschechische gegenwartsliteratur - aber das ist dann erst im november dran... 




 

Sonntag, 25. Oktober 2026

kw 43 - bananenlastig

 

die woche startete mit einer fahrt nach göppingen, zu meiner mutter. diesmal leider nur für eine nacht, aber immerhin konnten wir gemeinsam an ihrem geburtstag zum frühstücken in ein café gehen und anschliessend ihr geburtstagsgeschenk aussuchen. am dienstagnachmittag machte ich mich schon wieder auf den nachhauseweg. 

mittwoch war langer arbeitstag - zuerst im kulturzentrum, dann im museum. 

donnerstag war der einzige unverplante tag der woche, den nutzte ich dann um zu hause aufzuräumen, zu putzen und alles für den fürs wochenende angesagten besuch vorzubereiten. am nachmittag hatte ich noch physiotherapie, da macht gerade der vor ein paar wochen verstauchte fuss probleme, aber ansonsten bin ich froh, dass die übungen mir sehr helfen, die schmerzen im anderen bein sind beinahe weg. 

am donnerstagabend traf der besuch ein und aus gründen gab es ein etwas diverses abendmahl - die kühlschränke beinhalteten eine grössere anzahl an resten und übriggebliebenem, das ich fast restlos auf den tisch brachte. die tochter leistete uns gesellschaft und der abend verging natürlich viel zu schnell. 

den freitag über beschäftigte sich der besuch selbst, wir hatten beide angekündigt, dass wir noch arbeiten müssten, und die beiden mit tipps rund um baden versorgt, das passte gut, und am spätnachmittag versammelten wir uns dann wieder um den frisch gebackenen marmorkuchen. 
zum abendessen gab es saltimbocca und auch dieser abend wurde lang. 

für den samstag hatten wir einen besuch in aarau geplant - leider war das wetter wirklich nicht schön. aber wir wurden auch nicht wirklich nass bei unserem gang über den wochenmarkt und durchs städtle.  


später kehrten wir in der tuchlaube auf eine kaffee ein und nutzten die gelegenheit, der tochter auf ihrem segelschiff bei einer regatta auf dem markermeer zu folgen - nach unseren beobachtungen sind sie fünfte geworden. 

und dann hatten unsere gäste eine entdeckung gemacht - eine ganz besondere sehenswürdigkeit in der nähe von aarau, genauer in unterentfelden: das bananium.  

hier spüren wir gerade das kraftfeld der banane. 

ja, eine banane, genauer genommen eine schokobanane, nachgebildet in bronze. da steht sie auf ihrem sockel oberhalb des orts. 

gar nicht so einfach zu fotografieren... 

wir nutzten die gelegenheit noch zu einem spaziergang, trafen unterwegs jemanden, der uns von seiner suche nach den nestern von asiatischen hornissen erzählte und wie man diese bekämpft. 

bis wir zuhause waren, war es dann auch gegen fünf, der mittlere sohn kam, um seine patentante zu sehen und mit uns raclette zum abendessen zu essen. 

am sonntagmorgen frühstückten die gäste nur noch mit uns und machten sich dann bei reichlich scheusslichem wetter früh auf den weg nach hause. und weil es wirklich dauerhaft regnet und dazuhin noch stürmt machen wir heute auch nichts mehr draussen und überhaupt. 

Montag, 19. Oktober 2026

kw 41 und 42 - sammelpost

mit all den sonderaktionen und meiner reise an die buchmesse bin ich jetzt ein bisschen mit den wochenrückblicken durcheinander gekommen. 

die drei tage vor der buchmesse verbrachte ich vor allem mit arbeiten und dazuhin mit dem gedanken, mich ein bisschen vorsorglich auszuruhen, damit ich nachher auf der messe wirklich fit sein würde.  

das hat dann nur so mässig gut geklappt, aber auf jeden fall habe ich vorsorglich noch grosse mengen vom basilikum geerntet, das jetzt draussen jederzeit dahingerafft werden kann von den ersten kälteren nächten, und es dann zu einer grösseren menge an pesto verarbeitet, die ich dem spaghetti space zur verfügung stellen werde. (einfach aus dem grund, dass wir selbst schon so viel eingefroren haben, dass wir das sowieso nie aufessen können bis zur nächsten basilikumsaison. das pesto friere ich in eiswürfelbehältern ein, durch den ölanteil gehen die klötze leicht aus der form, können nachher in gefrierbehälter oder -tüten umgefüllt und portionsweise wieder entnommen werden.) 

 

wieder zurück aus frankfurt ging es mehr oder weniger nahtlos mit arbeiten weiter - in der werkstatt wurden vorfilze fertig für meinen ersten shirdakteppich, anschliessend blieb ich dann gleich beim flächenfilzen und bereitete feine, helle, dünne filze für die engelproduktion vor (der weihnachtsmarkt winkt auch schon vom horizont her).


 die auf dem bild sind natürlich die für den teppich. 

im kulturzentrum gab es arbeit und im museum schönes licht. 


 es ist noch immer eher spätsommerlich, auch wenn man morgens jetzt schon handschuhe zum fahrradfahren braucht, wird es nachmittags noch so sonnig, dass man im t-shirt im garten sitzen kann. die sonne steht tief und zaubert durch die alten scheiben diese geisterhaften strukturen auf die wände in der alten villa. 

am freitag wären wir eigentlich bei der tochter zur einweihungsparty in der wg eingeladen gewesen, die fiel aber wegen krankheit der mitbewohnerin aus und so trafen wir uns im ausstellungsraum spaghetti space, wo gerade der musiker und konzeptkünstler louis jucker ausstellt. 

im ersten raum steht eine jukebox - die nach auswahl lieder und videos dazu abspielt. das war schon, als ich jung war, nicht mehr stand der technik, aber in manchen lokalen, vor allem auf dem land, traf man manchmal noch eine an. schon damals war der mechanismus faszinierend, heute erst recht, wo kann man sonst noch sehen, wie die musik ausgewählt und abgespielt wird?

zu den songs gibt es ein buch - eine art index, in dem die einzelnen lieder verschlagwortet sind. 

 im ausstellungsraum findet man alle texte an dieser wand. 

ungewöhnlich auch die entstehung der texte und lieder - in rahmen von zwei residenzen hat der künstler gespräche mit ganz unterschiedlichen menschen geführt, die ihm ideen für musik lieferten, die ihnen in bestimmten situationen heilung bringen sollten. daher auch der titel der ausstellung: a pharmacy of songs.

(und auf dem bild ein stück technikgeschichte aus meinem leben: auf der gleichen schreibmaschine habe ich von 1987 bis 1990 meine berichtshefte in der lehre geschrieben.) 

die lieder bestechen nicht durch ausgefeilte tonqualität - low fi, aber durch texte und musikalische  handgemachtheit, bis hin zu dem punkt, dass auch die kleinen analogen tonträger in der jukebox selbst hergestellt sind, mit dieser museumsreifen maschine. 

wer mag, darf ideen für neue songs liefern. 

 ja, war fein. und auch beruhigend. 

und lieferte diskussionsstoff beim anschliessenden gemeinsamen pizzaessen mit der tochter. ist das politisch? und warum? oder ist kunst eh immer schon politisch? auch wenn sie vordergründig doch eher dekorativ ist, gerade weil sie dann nicht einmal zum nachdenken anregen, also gar nichts kann? 

 die fortsetzung des abends fand dann im royal statt - hier spielte der musiker ein konzert und wir konnten zusehen, wie er auf seinen selbstgebastelten, vom flohmarkt, sperrmüll oder sonstwoher geretteten instrumenten musiziert und von der kofferschnalle bis zur elektrischen schreibmaschine alles als quelle für töne und damit für seine kompositionen nutzt. 

 auch das: schön wars, bereichernd im besten sinne. 

am samstag dann endlich mal regenwetter, aber so, dass wir noch trocken über den wochenmarkt gehen konnten und unser gemüse einkaufen. und zuhause einfach mal nichts mussten - ausser ein bisschen wäsche waschen, ein bisschen gemüse retten, ein bisschen bloggen, hausaufgaben machen, lesen, sein. auch ein schöner samstagnachmittag. 

sonntag dann noch ein arbeitstag im museum. irgendwie gingen die sieben stunden eigentlich sogar ganz schnell rum. trotzdem ein bild von der kaffeepause: 


 draussen sitzen geht noch, es gibt auch decken, aber gemütlich ist das nicht mehr. andererseits war das kleine verandacafé so voll, dass man sich als mitarbeiterin da nicht auch noch reinquetschen muss. am schönsten an der arbeit im museum ist immer, dass (fast) alle menschen dort sehr entspannt sind, einfach wegen der schönheit des orts, oder so. 



 

Sonntag, 11. Oktober 2026

buchmesse frankfurt - gastland tschechien

ich gebe es gleich und unumwunden zu: ich bin nur hier in frankfurt, weil ich irgendwann im frühjahr oder sommer mitbekommen habe, dass tschechien in diesem jahr zu gast an der frankfurter buchmesse sein würde, das ganze unter dem motto tschechien - ein land an der küste. (frei nach shakespeare). 

in einem anfall von unternehmungslust und selbstüberschätzung habe ich mir (in dieser reihenfolge) ein hotelzimmer, eine drei-tage-eintrittskarte für die buchmesse und eine zugverbindung gebucht. und knapp drei wochen nach unseren ferien schon wieder ein langes, freies wochenende in meinem arbeitskalender eingetragen. 

also konnte ich schon am freitag, dem ersten öffentlichen buchmessetag anreisen und war dank nahezu pünktlicher ankunft in frankfurt schon vor zwölf uhr beim check-in (also keine stunde nachdem die messe überhaupt fürs publikum geöffnet hat - ich hatte mir ja noch überlegt, ob ich eventuell alte oder neue beziehungen spielen lassen könnte, um an ein fachbesucherinnenticket zu kommen, hab das dann aber sein lassen). 


 eine ganze ebene einer messehalle ist nur für das anstehen und kontrollieren der tickets vorgesehen - die füllte sich dann auch zusehends während ich anstand, um mein gepäck abzugeben. ansonsten fiel mir vor allem auf, dass der eingangsbereich zur messe sich seit meinem letzten besuch hier in den achtzigern nicht so sehr verändert hat. 

mein erster weg führte mich ins forum - wo sich tschechien als gast an der buchmesse präsentiert. ich muss vielleicht noch ein paar fotos machen. hier befinden sich zwei bühnen, ein café und tschechische bücher im original und in der übersetzung werden präsentiert, all dies eingebettet in einen landschaft aus aufblasbaren "felsen". 


 nachdem ich mich ein bisschen umgesehen hatte, beschloss ich, mir das erste panel, das ich mir markiert hatte, zu suchen. und landete in einem eher ruhigen bereich etwas abseits von den messehallen, wo ein sehr einzelner ondřej buddeus sein buch fahr rad in einem riesigen, aber schlecht besuchten vortragssaal vorstellen durfte. 


 für mich als einstieg genau das richtige - und er hat sich tapfer geschlagen. ich denke es ist ein schönes buch, mit vielen liebevollen und auch witzigen illustrationen. auf seine botschaft angesprochen hat er dann auch noch ein flammendes bekenntnis zur kultur des radfahrens geliefert, sehr sympathisch. und er ist von prag nach frankfurt mit dem fahrrad gekommen! 

anschliessend war ich dann bereit, mich zum ersten mal ins getümmel einer der messehalle zu werfen - und wenn man mal an den grossen platzhirschen wie thalia vorbei ist, geht es eigentlich, vor allem zwischen den winzigen ständen der literarischen verlage, die auch tschechische übersetzungen im programm haben. ich habe mir einen stempelpass geholt - die tschechienreisende kennt es - allerdings reichte es mir dann nicht mehr um so recht mit dem sammeln zu beginnen, denn ich kam schon ein bisschen zu spät zum nächsten panel, wo alice horáčková und štěpán kučera unter dem titel deutsch-tschechisches zusammenleben aus ihren aktuellen büchern lasen. das war vor allem wegen der texte aus den büchern schön - und ich lernte, dass die stühle im forum sehr unbequem sind und man sich am besten ein headset mit übersetzung geben lässt, bevor man sich zu einer der veranstaltungen hier hinsetzt. 

von dort machte ich mich dann gleich auf den weg zur nächsten bühne - diesmal für eine diskussion, die von united nations publications gehostet wurde. auf dem podium sassen vier schriftsteller:innen aus krisenregionen, aus dem irak, argentinien, der türkei und tschechien und lasen zunächst aus ihrem werk und diskutierten anschliessend über die besonderen bedingungen ihrer arbeit und die situation der menschenrechte. ich kannte bis dahin nur radka denemarková, und die auch nur, weil sie bei der eröffnung der buchmesse und dem auftritt des tschechischen kulturministers von der autofahrerpartei dafür gesorgt hatte, dass die nasen der herren in den vorderen reihen ein bisschen blass wurden. dazu auch in der taz, mit besonderer berúcksichtigung der vertreter der deutschen regierung. 


ein gutes panel - auf englisch, aber ich habe bis auf eine lesung (alles nichtmuttersprachler, die auf englisch oder deutsch lasen) das meiste mitbekommen. anstrengend die lage der bühne in einer halle, die auch ein café beherbergt und durchgang für die grosse halle der asiatischen verlage ist. 
 
anschliessend machte ich einen umweg über die halle mit den länderauftritten - da muss ich noch mal hin.
 

 und begann mit stempelsammeln bei den kleinen verlagen in der messehalle 3 - vorteil: überall finde ich dabei tschechische bücher, teils habe ich schon in den podcasts davon gehört, teils auch neues. und man kommt so auch mit den leuten am stand ins gespräch. nur leider kam ich dann schon wieder zu spät zurücl ins forum, wo die für mich heute letzte veranstaltung, ein poetry slam mit deutschen und tschechischen beiträgen, schon am laufen war. dazu gab es dann ein glas tschechisches bier und irgendwann auch einen sitzplatz auf einem der unbequemen stühle. 


danach lief ich lange bis zum ausgang, bekam eine u-bahn, hatte mich ein bisschen verschätzt, was deren fahrtrichtung anging (grundsätzlich schon richtig, nur hätte ich früher auf die strassenbahn umsteigen müssen) und kam nach einer extrarunde über bornheim-mitte irgendwann an meinem stilmässig total scheusslichen moxy-hotel an, in dessen lobby ich sogar noch etwas zu essen bekam. ok, was kann man schon von einer pinsa alsatian style "ist in drei minuten fertig" erwarten, aber erstaunlich essbar. 

danach nicht mehr viel, mit kai hatte ich schon vorher telefoniert, also musste ich nur noch ein bisschen recherchieren, was ich morgen machen will, dann durfte ich auch schon ins bett. nur zum lesen kam ich nicht mehr.  

*** 

dafür war ich dann am nächsten tag (samstag) schon recht früh ausreichend ausgeschlafen und stand nach bloggen und duschen schon um halb acht beim hervorragend ausgestatteten frühstücksbuffet. (es hätte sogar griessbrei gegeben). nachdem es die ganze nacht immer wieder geregnet hatte (gut hörbar durchs gekippte fenster an der doch recht fleissig befahrenen strasse) lichteten sich die wolken und das wetter sah besser aus als am freitag. 

der weg zur messe führte wieder über bornheim-mitte, das hatte die app so vorgeschlagen, und war auch insofern gut, als ich mich dort auf dem wochenmarkt mit einem fischbrötchen fürs mittagessen ausstatten konnte. an der messe gingen die schlangen heute dann schon in der u-bahn-station los, aber es ging zügig ins gebäude hinein und mit meinen erfahrungen des vortags konnte ich überall ein bisschen abkürzungen nehmen und war innerhalb einer viertelstunde in halle 3.0.

dort war es schon relativ voll, ich hatte noch ein bisschen zeit, um vor dem ersten geplanten panel ein bisschen herumzulaufen und unter anderem meine stempelkarte voll zu machen... und nebenbei weitere verlage mit tschechischen autor:innen im programm kennenzulernen. 


zwischen den ständen der "grossen verlage" bleibt immer noch platz, auch wenn viel los ist. 


 bei den kleinen verlagen, die sich teils dicht an dicht in zwei, drei meter langen ständen drängen, kann es dann schon recht eng werden. aber alles nichts gegen zum beispiel einen thalia-stand, wo im stundenrhythmus bestsellerautor:innen lesen und für den es dann auch einen extra-warteraum draussen gibt. 


 auf dem weg zum global stage noch schnell ein foto gemacht - draussen wäre es auch schön gewesen, immerhin bin ich heute immer mal wieder über den platz statt drumherum gelaufen. 


 um halb elf lasen und diskutierten dann jaroslav rudiš und martin becker über - ja was denn eigentlich? wie sie sowohl in tschechien als auch in deutschland leben, arbeiten, schreiben, reisen und wie das jeweils ähnlich, aber auch ganz anders ist, welche erfahrungen sie machen, wo sie ihre inspirationen her nehmen, aber auch über die pünktlichkeit von zügen, taktfahrpläne und ihre einführung und einen bahnhof, der als solcher nicht mehr gebraucht wird, aber als bahnhofskneipe neu auferstanden ist (praha dejvice). jaroslav rudiš ist ein grosser selbstdarsteller, aber es war halt schon unterhaltsam und bemerkenswert, dass es an keinem punkt um die nicht gerade unkomplizierte vergangenheit der beiden länder ging. 


 auf dem weg zur nächsten veranstaltung trödelte ich durch eine halle mit internationalen ausstellern - bei penguin und random house wurde schon zusammengepackt, da geht es wohl vor allem um den rechteverkauf und der war am samstag gelaufen. 


 auch noch spannend: wie china sich an einem sehr grossen stand präsentiert. komplett andere lichtstimmung schon mal als zum beispiel bei den skandinavischen ländern oder dem baltikum - aber tolle buchkunst, leider nicht fotografiert. 


 um kurz nach zwölf (mitgebrachtem fischbrötchen sei dank trotz langer schlangen an den ständen und restaurants gestärkt) der höhepunkt des tages, bei dem ich mir noch kurz überlegt hatte, ob ich ihn ausfallen lassen sollte: poesie als stimme, geste, erlebnis. auf dem bild performen die beiden herren pavel novotný und jaromir typlt die sonate in urlauten von kurt schwitters und ganz in dieser tradition oder auch in der von ernst jandl ging es weiter. das war ein erlebnis, wie es halt nur live stattfinden kann. und was für eine riesige leistung bei den vergleichsweise kurzen gedichten die übersetzung ist! bei pavel novotný konnte ich - weil es sehr viel um alltagssituationen geht - vieles auch im tschechischen verstehen und weil die gedichte jeweils in beiden sprachen performt wurden, im deutschen ganz andere worte und wendungen entdecken, hier geht es vor allem darum, die stimmung des gedichts in der anderen sprache abzubilden. 


 in der halle mit dem gastauftritt tschechiens war es wieder eher ruhig - auch schön, um mal auszuruhen und mich anschliessend mal für eine weile einfach treiben zu lassen. die zwei stunden bis zum nächsten ausgesuchten panel waren dann eigentlich auch viel zu schnell vorbei, ein bisschen sass ich beim sbvv, stand ich am rand der dlf-bühne, blätterte ich durch bücher verschiedenster verlage, verweilte ich am stand der taz, holte mir ein autogramm von einem autor, dessen buch ich gekauft hatte.  


 dann war es auch schon zeit für die vorstellung der bücher von jonáš zbořil und klará vlasáková - und eine diskussion um dystopische erzählungen. auf "flora" war ich schon durch eine buchbesprechung aufmerksam geworden, das wird sicher auch hier noch im blog vorkommen, die lesung aus "die kugel" machte mich zumindest neugierig. all zu viele bücher möchte ich aber auch nicht hier kaufen, es muss ja alles heimgetragen werden und der lokale buchhandel kann den umsatz auch gebrauchen. 

relativ zügig wechselte ich danach in halle 3.1 zum länderauftritt tschechiens, wo eine vorstellung der stadt brno angekündigt war. das war dann eher ein bisschen seltsam, zuerst war eine der bejubeltsten tschechischen autorinnen, dora kaprálová auf der bühne, einfach weil sie aus brünn stammt (von ihrem buch "die maribor-hypnose" habe ich mehrere besprechungen gehört, überzeugen konnte mich das alles nicht so recht), dann stellte eine kunsthistorikerin einen band mit 50 objekten aus dem museum der stadt brünn vor und am ende waren zwei damen von brno-tourismus auf der bühne, um klassische städtewerbung zu machen. joa, wir waren ja schon dort und neues gab es jetzt da auch nicht zu erfahren. ich war aber zu müde um zu gehen und froh ums sitzen und berieseln-lassen. 


die hallen hatten sich gegen halb sieben dann deutlich geleert, das war mit gestern gar nicht so aufgefallen, dafür war ich bei der fahrt ins hotel etwas aufmerksamer und schaffte es, oberirdisch mit strassenbahnen unterwegs zu sein. frankfurt ist halt wirklich keine schöne stadt. und dazu noch, wie überall, viel baustelle um den bahnhof, tut ihr übriges. 

im hotel ruhte ich nur kurz aus, zog mir andere schuhe an und ging dann nur ein haus weiter zum abendessen - ganz hervorragend marokkanisch, nur eigentlich viel zu viel, bis ich das bemerkte, hatte ich mich aber schon ein bisschen überfressen. bemerkenswert konsequent: es wird kein alkohol im restaurant nazar serviert, das publikum sehr gemischt und eine gute stimmung im lokal. lange blieb ich trotzdem nicht, im hotel wurde eine comedy-dating-show vorbereitet, ich kaufte mir noch ein getränk und nahm es mit aufs zimmer. 

dort plante ich wieder den kommenden tag und beschloss, dass es mit messe nun genug sein sollte - es gibt noch eine ausstellung im museum für kommunikation, die ich mir morgen anschauen werde, bevor es auf die heimreise mit einem angesagt randvollen zug gehen wird, für den ich keinen sitzplatz reservieren konnte, ich bin gespannt.  

 *** 

 der sonntag war dann sehr entspannt - weil das museum erst um zehn öffnet und ich aus dem hotel sogar bis 12 uhr auschecken konnte, musste ich mich überhaupt nicht beeilen. 

mit einer strassenbahn machte ich eine kleine stadtrundfahrt aus dem osthafen über den main und den südbahnhof, bis ich kurz vor dem mainufer ausstieg. zwei kreuzungen weit musste ich noch laufen, auffällig dabei vor allem, dass vor einem bäcker und einem café schlangen waren, vor anderen nicht. na, man wird schon wissen, warum man da ansteht. 


im museum nahm ich es auch sehr gemütlich - und schaute mir wirklich nur die ausstellung "samizdat" an. der begriff samizdat  stammt ursprünglich aus dem russischen und meint die veröffentlichung von schriften von in totalitären staaten verfolgten dichtern. das geschah mit meist ganz wenigen technischen mitteln, die texte wurden abgetippt, mit so viel wie möglichen durchschlägen, manchmal auch mit vervielfältigungsgeräten oder einfachsten siebdruckverfahren. die website des museums für kommunikation informiert eigentlich schon recht gut über das thema - sehr viel tiefer ging die ausstellung auch nicht, aber es gab ein paar originale, auch eine vervielfältigungsmaschine zu sehen. 


danach setzte ich mich ins schöne sonnige museumscafé und las eines der auf der buchmesse erstandenen bücher weiter. später holte ich mir irgendwann noch eine kürbissuppe, bevor ich gegen halb zwei zum bahnhof aufbrach. 


der bahnhof war super voll, die verwirrung um den gebuchten zug war komplett, aber immerhin wurde er konstant für ein gleis angezeigt, kam und ging mit einer viertelstunde verspätung, die er zügig nach etwa zwanzig minuten fahrt durch einen ungeplanten unterwegshalt auf eine dreiviertelstunde ausbaute. ich bin also nach wie vor gespannt, wann ich dann zuhause ankommen werde und hoffe sehr, dass ich von kai abgeholt werde vom bahnhof, der rucksack ist schon arg schwer...