Sonntag, 18. Februar 2018

sollbruchstelle 2018 - gleiches konzept und doch ganz anders


sollbruchstelle, kunst am sterbenden bau.
eine ausstellung in einem zum abbruch stehenden gebäude, mit dem gebäude als thema und dem thema vergänglichkeit, denn alle kunst am sterbenden bau verschwindet mit dem abriss des gebäudes. soweit das konzept.
im frühling 2015 besuchten wir das projekt 03, in einer alten autogarage, nun also heute das projekt 04, in einer ganz anderen art von gebäude.
ein bürohaus im zürcher westend, gebaut 1989, so alt also noch gar nicht, da gingen wir schon nicht mehr zur schule als das gebaut wurde und nun muss es weichen. oder darf es, denn schön ist er nicht, der orion I genannte granitkoloss.
durch das erdgeschoss mit gastronomie, das zuletzt das restaurant westend beherbergte, steigt man hinauf ins zweite obergeschoss, eine ehemalige büroetage, lange gänge, viele türen, kleine und grössere büros, dazwischen büroküchen, ein sitzungsraum.


eine lichtinstallation auf nylonschnüren (vielleicht von georg lendorff?) - mit ärger bemerke ich gerade, dass ich die namen der künstlerinnen leider nicht mehr zuordnen kann.


spielerisch, leicht, zum interagieren (man darf einfach durch die schnüre gehen, was bei manchen projektionen ein schwummeriges gefühl auslöst).


in einem anderen grösseren raum ein spielfeld und auch wieder die aufforderung, sich direkt am werk zu beteiligen. farbbomben hätte man werfen können, auf ehemals weisse wände und weiss übertünchte fenster, wenn man sich denn getraut hätte.
eine merkwürdige atmosphäre im raum. partykeller, jugendraum, durch die übermalten fenster und den merkwürdigen boden. und irgendwie späte achtziger jahre.



andere interventionen sind eher schwerer verdaulich. kaugummi an den wänden. herausgerissene teppichstücke zu einem aeskulapstab geformt. ein weisser raum, aus dem alles entfernt wurde, was an das vorherige büro hätte erinnern können und doch bleibt er eindeutig ein büroraum. eine anhäufung entfernter materialien. ein auf die hälfte seiner ursprünglichen höhe geschrumpftes büro.
ekel, gar abscheu, vor allem durch geruch, erzeugt kaltWARMnassTROCKEN, eine intervention von eric hattan, die vier ehemalige büroräume einnimmt, in denen etwas seltsames passiert zu sein scheint: wohnt hier jemand und trocknet seine wäsche? hat hier eine person ohne zuhause das leerstehende gebäude für sich in entdeckt - auch wenn es nicht sehr wohnlich ist, eben kaltwarmnasstrocken, mit löchern in den wänden, so nass, dass in einem raum schon die socken wurzeln schlagen.
ein gewisses restunbehagen, das das gebäude wohl auch den künstlern eingeflösst hat, bleibt.
deutlich spürbar wurden nicht nur objekte aus dem gebäude, sondern auch die stimmung und die assoziationen weiterverarbeitet.

überhaupt frage ich mich "wo ist jetzt ein eingriff passiert? wo ist eindeutig etwas hingestellt worden, wo sich kunst nennt? und wo ist die realität noch da, von dem gebäude, das gelebt hat?" (video eric hattan)


 das war dann wohl eher lebendes gebäude als kunst...

nicht unbeeindruckt verlassen wir die ausstellung, die so ganz anders ist, als das, was wir im april 2015 gesehen haben. zur nächsten sollbruchstelle werden wir aber ganz sicher gehen.


die temporäre ausstellung kann in der kommenden woche noch von mittwoch bis sonntag am abend beziehungsweise nachmittag besucht werden. öffnungszeiten und rahmenprogramm finden sie auf der webseite der sollbruchstelle.

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