Montag, 1. Juni 2026

im mai gelesen

der mai war schon wieder kein guter lesemonat. 

so richtig freude am lesen hatte ich eigentlich nur bei "grandhotel giessbach" von philipp brutschi. der spielt im jahr 1910 und die welt trudelt immer rascher auf den ersten weltkrieg zu. im grandhotel am giessbachfall, das es übrigens auch heute noch gibt, findet ein kongress für fortschrittsfragen statt und auf diesem will ein junger schweizer ingenieur sein neu entwickeltes elektrofahrzeug vorstellen. dabei machen ihm nicht nur die anhänger des verbrennungsmotors das leben schwer, er wird auch noch in eine grosse politische intrige verwickelt, deren aufklärung immerhin vorerst das ausbrechen einen bewaffneten konflikts zwischen frankreich und deutschland verhindert. sprachlich fand ich es nicht so überzeugend, aber die handlung fesselt und das thema elektromobilität gegen röhrende und stinkende verbrennungsmotoren liefert eine nachvollziehbare folie. ob es wirklich so gewesen ist? spielt keine rolle, das lesen hat spass gemacht und ja, zu anfang des 20. jahrhunderts war tatsächlich nicht wirklich ausgemacht, dass elektrofahrzeuge für viele jahre exotisch bleiben sollten. 

anschliessend widmete ich mich mal wieder dem abbau des stapels auf meinem nachttisch. milos urbans  "die rache der baumeister" hatte ich mir bereits im letzten jahr in hinblick auf die beiden tschechien-reisen gekauft. auch dieser roman ist als krimi konzipiert, er spielt in prag irgendwann zu beginn des 21. jahrhunderts. manchmal war ich mir da aber nicht so ganz sicher, denn neben einer geheimnisvollen bruderschaft aus liebhabern des gotischen baustils spielt die tatsache, dass der ich-erzähler sich in vergangene zeiten versetzen kann, eine rolle für die handlung. bis dies aufgeklärt wird, ist es ein bisschen verwirrend. es gibt mehrere sehr grausame morde und beinahe morde, aber nichts kann in den augen der handelnden personen die brutalität der barockisierung von gotischen oder romanischen kirchen übertreffen. ein krimi ohne spannung, vermutlich auch noch schlecht übersetzt, denn lesespass war es weder im ersten anlauf, noch jetzt beim wieder- und zuendelesen. ein bisschen habe ich mir noch ein paar anregungen für die reise nach prag erhofft, es ist wirklich von sehr vielen kirchen in der neustadt die rede, aber da es im krimi ja vor allem darum geht, wie die kirchen nicht mehr sind, kann man das buch vermutlich als reiseführer nicht empfehlen. wir haben es aber auch nicht ausprobiert. 

 für die reise hatte ich nach lektüre für den e-reader gesucht und hatte mir charles lewinskys "täuschend echt" heruntergeladen. der protagonist ist ein zunächst erfolgreicher werbetexter, der auf einen schlag alles verliert: seinen job, seine freundin und beinahe auch noch seine wohnung. mit hilfe von ki - die er zunächst abgelehnt hat - schreibt er nun ein buch, die angeblich wahre geschichte eines mädchens aus einer afghanischen familie. niemand weiss, dass der text eigentlich mit hilfe künstlicher intelligenz erstellt ist und die junge frau gar nicht existiert - nur ausgerechnet die frau, die ihn vorher um viel geld betrogen und verlassen hat, weiht er ein, damit sie für ihn die autorin mimt. das buch ist bereits im herbst 2024 erschienen, muss also mit einigermassen heisser nadel gestrickt worden sein, nachdem mit chat-gpt ein erstes large-language-modell breit ausgerollt wurde. ein grosser teil der texte stammt auch aus dieser maschine, ordentlich gekennzeichnet, aber lesbarer macht das das buch auch nicht und eigentlich ist es schon ein bisschen ein billiger trick - was wohl lewinsky mittlerweile selbst über sein buch denkt, würde mich schon noch interessieren... 

 

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