Samstag, 30. Mai 2026

tag neun in prag: vystaviste und noc kostelu

für unseren letzten tag in prag suchten wir für den vormittag ein nicht all zu anstrengendes programm - und kamen deshalb auf die idee, einfach mal zur messe zu fahren und uns dort ein bisschen umzuschauen. 

dort wird gebaut - dieses jahr steht noch das 135-jahr-jubiläum an und vermutlich befindet man sich im endspurt dahin, wir konnten zwar kein eröffnungsdatum finden, aber es sieht eigentlich schon ganz gut aus.  

obenrum ist schon alles schick. 

untenrum muss noch reichlich material verbaut werden. 


die kleinen steinreliefs zwischen den einzelnen bögen zeigen einzelne handwerke - hier exemplarisch die für die gärtner:innen. 



na, da hinten muss schon noch ein bisschen was passieren ... andererseits kann man die dimensionen der grossen halle erahnen - hier kann man vermutlich auch einen zug oder einen ozeandampfer ausstellen, wenn man ihn denn bis dorthin bekommt. 

der nördliche teil des messegeländes war gesperrt, dort wurde eine oldtimerveranstaltung aufgebaut. wir liefen noch ein stück im park am messegelände entlang und stellten dann fest, dass wir ganz in der nähe der moldau sein mussten. 


zuerst ging es über einen schiffbaren seitenkanal - bei der ausbuchtung auf der linken seite musste ich sofort an das rätsel denken, wo man schiffe so hin und her verschieben musst, damit alle aneinander vorbeikommen... 


auf der císařky-insel fanden wir diesen gekreuzigten astronauten  - wobei kai meinte, de ruhe sich vielleicht auch einfach aus, er lächtelt nämlich sehr verklärt... 


auf einer zweiten brücke überquerten wir dann den eigentlichen fluss, uns hätte interessiert, was das turmähnliche gebäude links im bild sein könnte, aber die karte gab nichts gescheites her. 

von der brücke aus hat man auch eine ganz hervorragenden blick auf schloss troja, sogar die treppe mit den berühmten sandsteinskulpuren kann man sehen. eigentlich hätte auch schloss troja auf unserer liste zum anschauen gestanden, aber das gute wetter liess uns die museumsbesuche schon arg reduzieren. 

jedenfalls fuhr hinter schloss troja ein bus zur metrostation holešovice - vor vielen jahren haben wir hier auf einer fahrt in den zoo gelernt, wie man in tschechien mit vielen kindern bus fährt: vier kinder auf zwei sitze, nur die allerkleinsten sitzen auf dem schoss der mutter und vor der sitzreihe passt eine erwachsene person auf, dass niemand runterfällt, und zwar auf alle kinder, egal ob die eigenen oder fremde. kindern, älteren personen und offensichtlich gehandicapten wird immer ein sitzplatz angeboten, das ist auch heute noch so und bei den teilweise sehr rumpeligen strassen und auch schienen sorgt das schon für mehr sicherheit in bus und tram. 

metrostation holešovice.

in holešovice fanden wir eine alte fabrik, in der jetzt verschiedene läden und gastronomie untergebracht sind und trotz dringendem hipsterverdacht gab es dort einen schönen garten und für uns was zu trinken, bevor wir uns auf den weg ins appartement zur mittagspause und zeug für die rückfahrt sortieren machten. 

fenster in der metrostation vltava. 

am späten nachmittag machten wir uns wieder auf den weg - zur nacht der kirchen (noc kostelů). auch von dieser veranstaltung haben wir aus dem newsletter des citymarketing prag, allerdings wäre ich vielleicht nicht auf die veranstaltung aufmerksam geworden, wenn ich nicht bereits bei karen davon gelesen hätte.

wir starteten um fünf mit einem konzert in der hussitischen gemeinde in vrsovice. 

dort spielte ein orchester klezmer und andere traditionell jüdische musik - trotz eher schwieriger akustik ein genuss. 


 kleiner abstecher in eine kleine katholische nikolauskappelle, wo rosenkränze gebastelt wurden. 


 dann machten wir pause und gingen zum abendessen in eine gastwirtschaft, die wir am abend zuvor entdeckt hatten. an einem grünen platz und mit gelegenheit draussen zu sitzen und als letzte mahlzeit ein typisch tschechisches gericht zu essen: smažene sýr s hranolkem a tatárskem (gebratener käse mit pommes und tatarsauce).

und hier muss ich vielleicht mal was zum essen hier sagen ... ich hab nämlich das gefühl, da immer nur die negativen erfahrungen erzählt zu haben. essen in tschechien kann manchmal ein bisschen eintönig sein, typisch tschechische lokale haben eine oft recht redundante speisekarte. aber wenn wir ein bis zwei mal im jahr hier sind, freue ich mich auch immer über die typischen gerichte wie spičak, gulasch, gebratenen käse oder mal über eine klobasa. und in prag kann man auch auf allerlei länderküchen ausweichen, so haben wir einmal georgisch gegessen oder uns panini bei einem italiener geholt. was uns diesmal das essengehen schwer gemacht hat, waren die temperaturen - wir wollten einfach am frühen abend nicht drinnen sitzen, so wichtig war uns die sache mit dem essen dann auch nicht, deshalb gab es auch mal abendessen am kiosk oder sandwiches unterwegs. und wir waren in diesem jahr oft spontan unterwegs - da kanns schon mal passieren, dass etwas nicht so gut klappt...


auf den besuch in dieser kirche hatte ich mich am meisten gefreut - intern läuft sie bei uns als weckeruhrkirche, wegen des extravaganten turms mit der riesigen durchsichtigen uhr. 


 innen ist sie überraschend ornamental - und katholisch! 

man konnte auch die nebenräume besuchen, aber leider nicht in den turm hochsteigen. auf dem bild sieht man es nicht so gut - aber der aufstieg geht über eine schiefe rampe schneckenförmig nach oben. 
 

im untergeschoss hat es auch noch eine krypta. 

 in der kirche hörten wir noch den anfang eines konzerts mit streichinstrumenten und gesang, wollten dann aber doch lieber weiter. 


spontan entschieden wir uns, eine baptistengemeinde zu besuchen, die nur einfach über die strasse lag. 


 der zugang zur kirche geht durch ein wohnhaus - das eigentliche kirchengebäude liegt im hinterhof und ist dafür dann doch überraschend gross. den grund dafür erfuhren wir bei einer eigens für uns organisierte führung auf deutsch: während der österreichisch-ungarischen zeit waren reformierte gemeinden zwar geduldet, aber die eingänge zu den gebetsräumen durften nicht an der strasse sichtbar sein. 

im saal - dort in der oberen nische, wo die menschen stehen, kann kniehoch wasser eingelassen werden und hier werden dann die neuen gemeindemitglieder getauft. 


auch die baptisten berufen sich hier in tschechien auf jan hus. 


in einer weiteren hussitischen gemeinde hörten wir eine weile einem gitarrenkonzert zu.

und ganz zum schluss nahmen wir noch einmal ein stück tram und bus um in diese kleine hussitenkirche zu gelangen. 


 auch diese lag wieder in einem hinterhof - mit entsprechend idyllischem blick. 

auch dieses gebäude stammt aus der zeit vor 1919 - die weithin sichtbaren hussitenhäuser sind erst in der ersten tschechischen republik gebaut worden. gespielt wurde hier asiatisch angehauchte, elektronische musik - wir hatten nur noch wenig sitzfleisch und hörten nur eine viertelstunde zu, bevor wir für einen letzten schluck sekt auf unseren balkon im appartement umzogen. 

morgen müssen wir nur noch heimreisen, nicht ganz zwölf stunden werden wir unterwegs sein... 

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