Dienstag, 26. Mai 2026

tag fünf von prag nach theresienstadt (und wieder zurück)

theresienstadt ist nicht das einzige konzentrationslager in tschechien, aber der ort, an den nach der besetzung tschechiens zuächst die meisten juden aus böhmen und mähren gebracht wurden, es galt als "vorzeigelager" in der systematisch betriebenen vernichtungsmaschinerie der nazis und neben dem ghetto gibt es dort auch noch ein gestapogefängnis, in dem vor allem die politischen gegner eingesperrt wurden. 

auch von der anlage und der geschichte her ist es speziell, denn hier wurde kein lager errichtet, sondern vorhandene infrastruktur genutzt. ursprünglich im 18. jahrhundert als befestigungsanlage und kaserne gegen preussische angriffe gebaut, fanden die deutschen dort neben dem stets weiterbestehenden militärgefängnis eine anlage vor, die gut gegen aussen abzuschotten war. 

wenn sie sich für die geschichte des konzentrationslagers, das aus ghetto und einem gestapogefängnis bestand, interessierten, empfehle ich ausdrücklich die ganz hervorragende und ehrenamtlich betriebene seite "ghetto theresienstadt". danke für alle infos, die wir dort gefunden haben! 

von prag aus kann man sehr gut mit metro und einem überlandbus nach theresienstadt fahren, die busse fahren mehr oder weniger stündlich von und nach letnany, einer metroendhaltestelle. die stunde, die wir mit dem bus durch die grüne tschechische landschaft unterwegs waren, nutzten wir vor allem, um uns in die spezielle geschichte theresienstadts einzulesen. 

ich denke, dass die meisten besichtigungen in der kleinen schanze, dem gestapogefängnis, beginnen, wir hatten uns dafür entschieden, zunächst das ghetto anzuschauen. das ist dann erstmal ein bisschen surreal gewesen, denn das ghetto war die stadt und diese ist halt jetzt immer noch stadt oder vielmehr wieder und wird von menschen bewohnt, es gibt ein paar läden, auch gaststätten, ein hotel, einen eisstand. aber es ist seltsam leer in den strassen, es ist schwer vorstellbar, wie es ist, hier zu wohnen. 



einen einstieg ins thema bietet das ghettomuseum - mit vielen fotos und texten, aber auch einer halbstündigen filmvorführung, die auch szenen aus dem von den nazis hier gedrehten propagandafilm zeigen (übrigens gegengeschnitten mit künstlerischen arbeiten aus dem ghetto, die zeigen, wie es war, hier zu leben, und auf der tonspur unterlegt mit einer liste der transporte, die von hier in die vernichtungslager gingen). 


 

im museum wurden wir sehr freundlich empfangen und mit einem plan versehen, der uns den weg zu den anderen museal aufbereiteten stellen in der stadt zeigte, der uns sehr nützlich war. 


 wir besuchten den versteckt gelegenen kleinen gebetsraum und anschliessend die magdeburger kaserne, die vor allem eine ausstellung zurm künstlerischen schaffen im ghetto zeigt. 

gedicht von camille hoffmann, das als kassiber aus dem lager gelangte. 

 

unser weg führte uns aus den befestigungsanlagen heraus zu einem der vielen friedhöfe und zum krematorium. 


 

rauchschwalbe im krematorium. 

gegen spätnachmittag machten wir uns auf den weg zum gestapogefängnis auf der anderen seite der eger in der sogenannten kleinen schanze. 


 hier nutzten wir den angebotenen audioguide und liessen uns durch die verschiedenen höfe führen. 

rauchschwalbe auf der entlausungsanlage

 

man kann dann auch ein stück (500 meter können ganz schön lange werden...) durch die ehemaligen befestigungsanlagen laufen, habe ich gemacht und als recht beklemmend erlebt - zur zeit der nutzung als gestapogefängnis waren diese gänge aber verschlossen. 



 

anders als im ghetto sind hier viele räume noch so erhalten, wie sie während der zeit von 1938 bis 1948 genutzt wurden. die, die ein wenig nach komfort menschenwürdigem leben aussehen, waren in der regel den häftlingen nicht zugänglich, sondern dienten propagandazwecken. kaum vorstellbar bleiben belegungen der massenzellen mit bis zu 1000 personen. 


was mir vom besuch der gedenkstätte geblieben ist, ist neben den kaum vorstellbaren lebensverhältnissen sowohl im ghetto als auch im gefängnis die ungeheure schaffenskraft und kreativität, die sich offensichtlich wenigstens ein paar der hier eingesperrten menschen erhalten konnten. 

wir blieben bis zur schliesszeit des museums, stellten dann fest, dass der busfahrplan eher weniger auf die öffnungszeiten abgestimmt ist und waren so erst um halb acht zurück in letnany, assen unterwegs noch zu abend und fuhren mit dem letzten abendlicht zurück an den wenzelsplatz. 

(ein tipp noch, falls sie auch nach theresienstadt fahren wollen: der angebotene audioguide ist eine datenkrake, man muss eine externe app downloaden, die mehr als den notwendigen zugriff auf daten haben will, dann aber in der free-version doch nicht so toll funktioniert und nach einer weile die abgespielten inhalte ständig durch werbung für die bezahlversion unterbricht. ich würde auch hier eher die oben bereits erwähnte webseite benutzen und für die besichtigung reichen dann eigentlich die vorhandenen beschilderungen. nur den weg durch die gänge der festung hätte ich vielleicht ohne app nicht gefunden. dafür wäre ich dann aber auch nicht beim wegklicken der blöden werbung auf unebenem gelände gestürzt und hätte mir nicht die scheibe meines mobiltelefons zerschmissen. so, jetzt aber motzmodus aus. - angesichts der geschichte des orts möchte man eh über überhaupt nichts mehr klagen.) 

 

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