Samstag, 30. Mai 2026

tag acht in prag: friedhof und clubkonzert

 die hitze setzt uns ein bisschen zu, so ein hochsommer-mai ist eigentlich keine reisezeit für städte. gleichzeitig ist es schön, immer und überall draussen sitzen zu können, und mühsam, weil so viel draussensitzkultur gibt es vielleicht gar nicht in prag oder wir haben sie noch nicht gefunden. 

heute aber hatten wir ein mehr als sommerwetterkompatibles tagesziel: den grossen olšany-friedhof. oder vielmehr die olšany-friedhöfe, denn tatsächlich ist das riesige gelände in insgesamt zwölf friedhöfe auf. irgendwo habe ich auch gelesen, dass wir nach der grössten zusammenhängenden schlossanlage und dem grössten stadion nun auch noch den weltgrössten friedhof gesehen haben. beeindruckend immerhin: seit der gründung der friedhöfe im 17. jahrhundert sind dort etwa 2 millionen menschen begraben worden. 

 


 zur orientierung dienen schilder mit der nummer des friedhofs und der abteilung. 

 

was uns gleich beim betreten auffiel, war die enge und nähe der vielen gräber. 

 
 
jeder, wirklich jeder platz ist ausgenutzt und neben den grossen hauptwegen führen nur keine trampelpfade zwischen den gräbern hindurch. 
 

es gibt gräber, die mit blumen und anderer deko gepflegt sind, aber auch reichlich solche, wo augenscheinlich sich niemand mehr kümmert. 

die gräber bleiben offensichtlich einfach bestehen, niemand räumt sie, wie auf deutschen friedhöfen mittelerweile üblich, nach 15 jahren bereits ab. 


und allein in diesem grab wurden mindestens sieben personen begraben - in einer zeitspanne von 1913 bis 2019. spannend auch, dass nur zweimal zwei den selben nachnamen teilen, also sicher miteinander verwandt oder verheiratet waren. 

abräumen von jahreszeitlichem schmuck ist optional. 


und an vielen stellen finden sich kleine truhen für das werkzeug, das man so braucht, im ein grab zu pflegen. 

auch sehr speziell für uns: der umgang mit urnen. die meisten davon sind in wandnischen bestattet, aber nicht etwa hinter stein, sondern hinter glas und auch durchaus zugänglich, was der schmuck hinter den türchen zeigt. 

urnen gibt es aber auch in den normalen begräbnisfeldern, da stehen sie dann manchmal tatsächlich frei herum. offensichtlich hat hier niemand angst, dass jemand die asche der mutter klauen könnte. 


 

kurz vor der strasse, die das friedhofsareal trennt, entdeckten wir dann noch einen noch älteren teil, hier reichten die begräbnisse teils bis ins 18. jahrhundert zurück. 


 jenseits der strasse geht es weiter - hier finden sich ausschliesslich gräber ab dem zwanzigsten jahrhundert und auch verschiedene soldatenfriedhöfe, getrennt nach nationen sind hier gefallene und auch viele erst nach dem ende des krieges im lazareth gestorbene soldaten aus dem commonwealth, russland, bulgarien und auch solche aus in die jeweiligen truppen eingegliederten tschechischen truppenteilen beerdigt. 


 die riesige grünflache ist wohl auch ein paradies für die natur, wir sahen verschiedene vögel, unter anderem einen eichelhäher, der aus einer blumenvase trank und diese eichhörnchen. 

vom friedhof nahmen wir teilweise die strassenbahn, liefen aber auch einen abschnitt zu fuss fast schnurgerade wieder zurück zum wenzelsplatz - unterwegs gab es noch kaffee und kuchen, dann im appartement eine pause. 

denn heute hatten wir abendpläne - in form von karten für ein konzert der tschechischen band bratři orffove, in einem club in diesem rondokubistischen gebäude: 


 vorher hätten wir gerne noch nett zu abend gegessen, aber das gartenlokal im park, in dem wir schon zweimal gewesen waren, hatte geschlossene gesellschaft und der hipster-metzger mit bistro, bei dem wir im stadtteil vinohrady dann landeten, war halt schon ein bisschen sehr abzocke. unser teuerstes abendessen bisher bestand aus zwei burgern mit einer mikroskopisch dünnen käsescheibe und zwiebeln - gurke, tomate, salat, leckere sauce waren fehlanzeige, anrichten deutlich überbewertet, durchgebraten wäre es wahrscheinlich noch schlimmer gewesen, aber so richtig haben halt die halbrohen, eher lauwarmen burger auch nicht geschmeckt. 

das konzert war dann super, bisschen lange warten vorher vielleicht, aber das hat sich gelohnt. ich verstand einige, ja eher viele wörter, was immer noch nicht heisst, dass sich mir der sinn der sätze erschliesst. bei der ansage des letzten lieds habe ich mich zuerst etwas verschätzt, es ging dann doch noch ein bisschen weiter... gesprochenes, ja gesungenes verstehen ist immer noch sehr, sehr schwer für mich. abgesehen vom konzert habe ich hier in prag absurderweise auch wenig möglichkeiten zum üben, denn so rasch wie man hier auf englisch umschaltet, wenn ich bei einer antwort ein wenig ratlos schaue, so entmutigt bin ich dann jeweils auch über meine fähigkeiten. und ja, ich finde ja auch nicht, dass jede kellnerin, jede auskunftsperson mir kostenlosen unterricht in tschechisch geben soll, ich schätze es auch, dass die tschechen ihrerseits englisch, mittlerweile sehr selten auch deutsch sprechen, aber ein bisschen mehr geduld wäre halt schon auch schön...

nach dem konzert gingen wir wie so zwei profis durch den rieger-park nach hause zurück, vorbei an diesem anblick, den wir jetzt schon an einigen abenden hatten...


 nee, nee, das ist im grossen und ganzen schon poetisch genug. 

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