Samstag, 3. Oktober 2026

im september gelesen

meine komplette septemberlektüre war reiselektüre - ein grosser teil davon eigens angeschafft, um während unserer ferien in tschechien gelesen zu werden. 

ein bisschen hatte ich ja schon vorgegriffen im august auf meinen reise-bücherstapel, bei den beiden autor:innen ist es dann auch geblieben. 
 

 
zunächst habe ich mich weiter durch das werk von michal viewegh gelesen. 
begonnen habe ich dabei mit "der fall untreue klara" - eine art kriminalroman, wobei niemand sterben muss, am ende nimmt es eine etwas überraschende wendung, und es geht um - der titel lässt es ahnen - treue und vertrauen, allerdings nicht nur in beziehungen. die geschichte spielt in prag, hätte aber auch irgendwo auf der welt funktioniert. tschechientypisch fand ich den humor und die teils recht drastischen, absurden details. 

das kontrastprogramm war dann "die mafia in prag" - hauptthema die verstrickungen der politik und vor allem der politiker in wirtschaftskreise, von einflussnahme, installation von strohmännern in wichtigen ämtern, bestechung, erpressung bis zu richtig kriminellen machenschaften ist da alles dabei. ich hatte beim lesen immer das gefühl, dass ich mich viel zu wenig in der prager politik auskenne, um die ganzen nuancen erfassen zu können. unschön ist das allemal und ich werde in zukunft wohl jede grössere baustelle in prag (und nicht nur dort) mit anderen augen anschauen. 
 
zum schluss (allerdings mit abstand, denn zwischendurch las ich "stille jahre") dann noch "völkerball". ausgangspunkt ist ein klassentreffen, auf dem fünf freunde, inzwischen in den vierzigern, die gemeinsam ein prager gymnasium besucht haben, aufeinandertreffen. der schulbesuch liegt vor 1989, das klassentreffen irgendwann nach der jahrtausendwende. wir dürfen die wege der fünf verfolgen, auch die anderer klassenkamerad:innen, und die frage der suche nach dem glück, der sich alle fünf ganz unterschiedlich stellen, das spiel völkerball dient dabei als meiner meinung nach recht plattes bild. 

insgesamt konnte mich keines der drei bücher so fesseln wie das bereits im august gelesene "blendende jahre für hunde". leider. 


dafür mochte ich alena mornštajnovás "stille jahre" sehr. 
 
in abwechselnden vater- und tochter-kapiteln erzählen svatopluk, der noch vor dem zweiten weltkrieg geboren ist und bohdana, deren aufwachsen zu einem teil nach 1989 stattfindet, die geschichte ihrer familie. und die ist weit gespannt, von den idealen an die bereits der grossvater sein herz verloren hatte bis zu dem punkt, an dem die tochter herausfindet, warum der vater ihr mit einer solchen distanz begegnet, ist es ein weiter weg. dabei ist man immer ganz nah an den figuren und ihren beweggründen und erfährt nebenbei sehr viel über die geschichte eines bewegten halben jahrhunderts in tschechien. 
 
nach den ferien habe ich ein buch aus dem bücherschrank zu lesen begonnen - ich nahm es unterwegs im erzgebirge aus einer umfunktionierten telefonzelle mit. es ist eine alte ddr-ausgabe von hermann kants "die aula", das ich schon lange lesen wollte - dazu dann im oktober mehr. 

und das bringt mich auf das thema öffentlicher bücherschrank - die scheint es mittlerweile überall zu geben, auch in tschechien, das ohnehin ein grosses leseland ist, was ich bei meinen vorbereitungen auf den besuch der frankfurter buchmesse erfahren habe. 


so sah der bücherschrank im kleinen örtchen prysk aus und er war gut bestückt - auch mit sehr vielen büchern aus der zeit des sozialismus. interessieren würde mich, ob diese bücher auch noch mitgenommen werden? 
 
und vielleicht gibt es im oktober ja einen art sonderedition dieser reihe, denn vom 9. bis 11. oktober werde ich auf die buchmesse nach frankfurt fahren, hauptsächlich weil das diesjährige gastland tschechien ist. 
 
aus diesem grund, und weil es ja hier ohnehin nur um tschechische literatur ging, erlaube ich mir, hier ein paar podcasts zu verlinken, die ich zu diesem thema lohnenswert fand. 
 
in diesem zusammenhang dann ein weiterer podcast zum thema samizdat - dem auch in tschechien gebräuchlichen begriff für die heimliche veröffentlichung von literatur in den zeiten der diktatur (auf ard-sounds).