drei bücher habe ich in diesem monat (aus-)gelesen - nun bin ich mutig, teile meine leseerfahrung mit ihnen und möchte daraus eine reihe machen.
machen sie mit? was haben sie gelesen im januar? möchten sie vielleicht in ihrem blog davon erzählen und haben lust, einen link zu hinterlassen? (linkparty am ende des blogbeitrags, ist noch neu für mich, ich hoffe, es funktioniert, ansonsten berichten sie mir bitte)
helfen sie mir, diese reihe durchzuhalten, die ich hoffentlich mindestens ein jahr lang am 25. jeden monats hier veröffentlichen werde!
der erste teil des buchs spielt in der zukunft - einer zukunft, die das hat wahr werden lassen, was uns selbst die schlimmsten prognosen der klimaforschung nur vage in aussicht stellen: zur klimakatastrophe ist ein atomarer krieg hinzugekommen, die uns bekannte welt ist überschwemmt, europa eine insellandschaft, kultur und technik grossenteils untergegangen und die menschen, die übrig geblieben sind, versuchen es so gut wie möglich, sich in einem weit vom reichtum und bequemlichkeit der gegenwart entfernten leben einzurichten. trotzdem gibt es noch literaturwissenschaftler:innen - erzählt wird die geschichte eines solchen, der sich ausgerechnt mit einem ereignis unserer unmittelbaren gegenwart beschäftigt, einer art künstlertreffen, bei dem ein besonderes gedicht vorgetragen wurde, das anschliessend verloren ging. die nachforschungen und reisen, überhaupt das ganze leben des protagonisten ist, wenn man es aus mit unserer mit dingen übervollen und hektischen welt vergleicht, fast schon idyllisch beschrieben, er reist gemächlich mit schiff und elektrofahrrad und wenn kein solches vorhanden ist, halt auch mal zu fuss. nichts passiert gleich, sondern lange wege und wartezeiten prägen das forschen und leben in kalten und kargen bibliotheksräumen, universitätsgebäuden und auch mal auf forschungsreise im zelt.
schliesslich taucht zwar nicht der gesuchte sonettenkranz, dafür aber ein tagebuch der gastgeberin des treffens auf und bringt licht in die vergangenheit - dieses tagebuch bildet den zweiten teil des buchs. und obwohl es hier immer leckeres essen und genug zu trinken gibt und das uns vertraute tempo des lebens herrscht, auch wenn man längst zurückgezogen auf dem land lebt, die handlung bleibt platt und vorhersehbar und die eines eher zweitklassigen krimis. da hilft es auch nicht, dass der schöpfer des sonettenkranzes sich pikanterweise nicht als der aufgeklärte naturliebhaber, sondern als starrsinniger klimawandelleugner entpuppt...
lili körber, abschied von gestern
ein zufallsfund in der buchhandlung. lili körber sagte mir entfernt etwas - aber das thema ist eines, das mich schon seit langem beschäftigt und zur zeit wieder einmal aufgrund der allgemeinen weltlage ein bisschen mehr: literatur von und über menschen im exil.
lili körber, geboren ende des neunzehnten jahrhunderts in russland, emigrierte gleich mehrfach - zunächst als junge frau mit ihrem eltern aus moskau, später musste sie als sozialistische journalistin vor den nazis über die schweiz und frankreich nach amerika fliehen. gerne würde ich auch ihre anderen bücher lesen - enthalten sie doch schon im titel die dezidiert weibliche perspektive auf die weltgeschichte des zwanzigsten jahrhunderts.
und so ist die erzählung aus dem new york der vierziger jahre auch ein wenig autobiographisch - im dachstock und den darunter liegenden stockwerken eines rooming house, vollgestopft mit aus deutschland und ganz europa geflohenen menschen erleben wir, was es heisst, ohne oder mit nur unzureichenden sprachkenntnissen, wenig bis gar keinem geld sich in einfachen jobs durchzubringen, bis es endlich und hoffentlich gelingt, an das berufliche leben der vergangenheit anzuknüpfen. im grunde ein leicht zu lesendes buch - allerdings scheint durch die folie des zu bewältigenden neuen alltags auch an vielen stellen das elend des verlassenen kontinents im krieg.
alena mornštajnová, hana
dieses buch liegt schon eine weile auf meinem nachttisch - ich hatte es mir als reiselektüre für unseren aufenthalt in mähren gekauft und war dann unterwegs doch nicht dazugekommen, es zu lesen. da es, weil auf wahren begebenheiten beruhend, in der stadt meziříčí spielt, habe ich nachgeschaut: wir sind auf unserer fahrt ins walachische freilichtmuseum durch das städtchen durchgefahren.
erzählt wird die geschichte einer familie (der familie der autorin) aus dem kleinen mährischen ort etwa von der gründung der ersten tschechischen republik bis in die frühen sechziger jahre. dies geschieht weder chronologisch, noch aus nur aus der sicht einer person, was es mir schwer gemacht hat, die einzelnen personen auseinanderzuhalten und ihre verwandschaftlichen und anderen verbindungen nicht durcheinander zu bringen. ausschliesslich aus weiblicher perspektive sehen wir buchstäblich die geschichte einen ort überrollen - und den alltag der protagonistinnen unterwandern. sprache und religion sollten für das miteinander der nachbarn keine rolle spielen, tun es aber immer wieder dennoch. auch wenn die familie von elsa, hana und rosa längst nicht mehr religiös lebt, werden sie opfer der verfolgung jüdischer menschen im von den deutschen besetzten land, nachdem sie zunächst die flucht der tschechen, dann der jüdischen bevölkerung der besetzten gebiete erlebt haben. doch auch die im sommer 45 geborene mira ist in der neuen tschechischen republik immer noch mit der geschichte ihrer familie konfrontiert und findet erst allmählich heraus, was es mit ihrer geheimnisvollen tante hana auf sich hat und auch wir verstehen immer besser, in was für einem geflecht aus schuld und liebe die menschen in dem unspektakulären und deshalb eigentlich universellen ort leben.
und jetzt sie? was haben sie gelesen? was hat sie beschäftigt?

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