Mittwoch, 11. Oktober 2023

ferien im harz - besuch der gedenkstätte konzentrationslager mittelbau dora

schon eine ganze weile stand der besuch einer gedenkstätte für die opfer der grausamen vernichtungsmaschinerie der nazis auf unserer imaginären liste. 


in der nähe von nordhausen wurde das lager mittelbau dora mitte des jahres 1943 angelegt, um die raketenproduktion aus dem ausgebombten peenemünde hierher zu verlagern. dafür mussten zunächst zwangsarbeiter aus den von den nazis eroberten gebieten die stollen eines treibstoffsdepots erweitern, später wurden sie auch in der produktion eingesetzt. dies alles unter absolut menschenfeindlichen bedingungen, ohne auch nur annähernd ausreichende ernährung, kleidung, arbeitsschutz. 60 tausend menschen schufteten hier, in zahllosen aussenlagern und in betrieben in den umliegenden ortschaften buchstäblich bis sie an infektionskrankheiten infolge schlechter hygienischer bedingungen, fehlender medizinischer versorgung, grausamkeiten des aufsichtspersonals oder einfach entkräftung starben. 

wir hatten uns für eine führung angemeldet und konnten so die stollen begehen, in denen die kz- häftlinge in der ersten phase des lagerausbaus nicht nur arbeiten, sondern auch schlafen und leben mussten. 

heute noch sichtbar ist der zustand der stollen nachdem teile der raketenproduktion von den alliierten abtransportiert wurden und zumindest die eingänge der tunnels zerstört und dadurch verschlossen wurden.

nach der führung sind wir dann noch alleine über das riesige lagergelände gegangen. 

so wurden uns wenigstens ein bisschen die dimensionen des lagers bewusst.

in den gebäuden lebten zwischen 150 und 500 menschen, möglich war das nur, weil in 12-stunden- schichten gearbeitet wurde und so die schlafstellen doppelt belegt waren. 

im krematorium wurden die zahllosen toten verbrannt, ihre asche dahinter in den wald gekippt. heute ist dieses gebäude und die umgebung als gedächtnisstätte gestaltet.

die führung und der rundgang über das gelände, auch der besuch der kleinen ausstellung können nicht annähernd ein bild des grauens vermitteln, das hier stattgefunden hat, vor allem nicht an einem so schönen herbsttag. 

trotzdem war es gut, hierher zu kommen, die klaren worte des jungen mannes zu hören, der uns übers gelände und in die stollen geführt hat und der deutlich gemacht hat, wie viele berührungspunkte die kz-häftlinge mit der aussenwelt hatten, so dass es kaum möglich war, davon nicht gewusst zu haben, aber auch welchen handlungsspielraum sowohl ss-täter, als auch als wachpersonal eingesetzte wehrmachtsangehörige und die vorarbeiter in der produktion hatten, und wie wenige der täter später überhaupt zur verantwortung gezogen wurden (etwa 25 von 6000). 

hilfreich war aber auch eine gute vorbereitung durch das material, das die gedenkstätte im internet zur verfügung stellt.

Dienstag, 10. Oktober 2023

ferien im harz - ein regentag in quedlinburg

fairerweise muss man sagen, dass wir bisher grosses glück mit dem wetter gehabt haben. und dass die wettervorhersage zuverlässig für diesen tag regen vorausgesagt hatte. und auch dass montag war, haben wir gewusst.

wir sahen es trotzdem nicht als alternative, den ganzen tag drinnen zu verbringen und suchten uns das städtchen quedlinburg als ziel aus.

wir bummelten ein bisschen durch die läden und stellten jeweils beim verlassen fest, dass es immer noch regnete, dann setzten wir uns während eines wirklich heftigen schauers ins café mit einem kännchen tee beziehungsweise kaffee und je einem riesigen stück käsekuchen. 

noch mehr lädchen (und immerhin eine mission erledigt).

hinauf zum schlossberg geht es zur zeit nur über die pastorentreppe.

noch erstaunlich gute aussicht. 

pfützenspringen im schlossgarten. (den schlosspark liessen wir aus.)

ganz andere pflastersteinzusammensetzung als wir es gewohnt sind.

das schlossmuseum wird gerade umgebaut, die stiftskirche nebst domschatz war wegen montag geschlossen. 

auf der rückfahrt kamen wir an der teufelsmauer vorbei, allerdings regnete es nun endgültig sehr heftig. später hielten wir noch an einem fischteich und kauften eine geräucherte forelle, erledigten diverse einkäufe und kamen endlich sehr, sehr hungrig zurück in der ferienwohnung.

Montag, 9. Oktober 2023

ferien im harz - wanderung durch die steinerne renne zum ottofelsen

und wieder sonntag. am morgen regnet es, aber wir vertrauen der wettervorhersage und packen den rucksack für eine wanderung. geplant sind etwa acht kilometer, es werden aber ganz von alleine meistens ein paar mehr, so auch heute. 


unterwegs begegnen wir gleich mal der brockenbahn - die ist heute wirklich gut besetzt.

wir starten am parkplatz beim bahnhof steinerne renne und folgen zuerst der holtemme bergauf auf einem fahrweg. dabei treffen wir gleich auf mehrere zeugen der geschichte des harz - einerseits das elektrizitätswerk, in dem schon im neunzehnten jahrhundert strom für den abbau und abtransport von granit und schotter gewonnen wurde, aber auch auf eine hinweistafel auf eines der zahlreichen kz-aussenlager, wo an anderen orten ausgebombte rüstungsbetriebe mit zwangsarbeit weiterarbeiten konnten. 


beim weg das tal entlang wird schnell klar, warum die gegend hier "steinerne renne" genannt wird - überall liegen riesige granitblöcke herum. etwas weiter oben überqueren wir das flüsschen und nehmen nun einen fussweg entlang der kleinen renne, die weiter oben einen wasserfall bildet. 


hier geht es steil zwischen den grossen felsen bergauf, bis wir auf einen fahrweg treffen. wir könnten nun den fahrweg nehmen, entscheiden uns aber, dem kleinen weg weiter zu folgen, um zu den renneklippen zu gelangen. der weg ist nun viel weniger begangen und führt uns zu einem etwas versteckten aussichtspunkt. 

wir vespern unsere mitgebrachten brote und gesammelten äpfel und schauen ein bisschen in die gegend. noch ein kleines stück müssen wir uns unseren weg selbst suchen, dann gelangen wir wieder auf einen breiten fahrweg, der uns zum ottofelsen bringt. 



der ausblick ist wegen fehlendem wald nicht mehr ganz so anders als von unten, aber man kann immerhin runterschauen. 

weiter geht es unspektakulär auf der waldstrasse ins thumkuhlental, bei der brockenbahn biegen wir links auf den waldweg ab, der die gleise wieder bis zum bahnhof steinerne renne begleitet. 

das bähnchen überholt uns im wald, wir mussten ein bisschen laufen, damit wir einen guten platz zum fotografieren erreichen, aber glücklicherweise hört man die bahn schon von weitem.

wieder zurück am ausgangspunkt - nach etwas mehr als zehn kilometern strecke auf der karte und schritten für 15 kilometer... und die schilder sind doch der hammer, oder?

Sonntag, 8. Oktober 2023

ferien im harz - zwei klöster

nach sechs tagen zu fuss, auf dem rad und mit dem öv befanden wir, dass es zeit wäre, unseren radius etwas zu erweitern. wir montierten die fahrräder aufs auto und fuhren nach wernigerode, von wo aus wir zu einer klosterrunde starteten. zuerst durchquerten wir auf ruhigen wohnstrassen hasserode, dann ging es immer durch den wald an den nördlichen ausläufern des harz entlang nach nordwesten über das ehemalige kloster himmelspforte, darlingsrode und oehrenfeld streifend weiter nach ilsenburg. der weg war abwechslungsreich und ein bisschen herausfordernd, aber insgesamt schön. 

schloss und kloster ilsenburg befinden sich in einem nicht so guten zustand - die schlossgebäude mit zerbrochenen fenstern und baustelle, das kloster dahinter konnten wir zwar besichtigen, uns erschloss sich aber nicht so ganz das konzept: tagungsräume? hochzeitslokation? (da waren zwei hochzeiten gerade im gange, als wir kamen) oder doch ausstellung? am ende von allem was und nichts so richtig, dazwischen viele baustrahler, verlängerungskabel und zeugs, das herumstand. dabei ist zumindest die kirche richtig interessant. 

ein bisschen was erfuhren wir auch über die geschichte des ortes, der eine zeit lang auch der hauptsitz der familie von stolberg-wernigerode war. (aus dieser zeit stammt wohl auch der barockaltar in der ansonsten romanischen klosterlkirche).


da im schlosspark sektempfang wegen hochzeit war, liessen wir den mehrheitlich aus und fuhren weiter zum kloster drübeck. (ich als reiseleitung hatte diese abfolge schon geplant: zuerst klosterbesichtigung, dann weiter ins nächste kloster, wo es ein schönes café gibt). 

wir stärkten uns zuerst mit kaffee und kuchen im klostercafé auf dem wunderbar gepflegten klosterareal. anschliessend erkundeten wir die gärten und die ehemalige klosterkirche. 

ein bisschen was hat sogar noch geblüht.

die klosterkirche auch wieder ursprünglich romanisch.




die gärten schön gepflegt, mit verschiedenen gartenräumen und überall sitzgelegenheiten. hier lässt es sich sicher auch sehr schön tagen, die einzelnen gebäude verteilen sich über das ganze areal und sehen alle sehr gemütlich aus.


noch ein bild aus der krypta mit eseln und einem lebensbaum.

insgesamt hätte ich gerne noch ein bisschen mehr über die geschichte des orts erfahren - frühes kloster, dann reformation, später ein konvent für evangelische frauen (dieses konzept kannten wir schon von einem besuch in einem evangelischen kloster in der nähe von soltau und erkannten es hier an den abgeteilten gärten wieder), jetzt evangelische tagungsstätte. 

weiter führte uns unser weg über darlingerode nach wernigerode, vorbei an einer obstbaumallee, wo wir uns mit äpfeln und birnen versorgten. in wernigerode folgten wir ein stück der holtemme, unterquerten den bahnhof und kehrten durch die stadt zu unserem auto zurück. 

Samstag, 7. Oktober 2023

ferien im harz - eine führung durch den nationalpark

schon bei der vorbereitung auf unsere ferien waren wir natürlich immer wieder auf bilder von abgestorbenen wäldern gestossen, ein- zweimal auch von bekannten gewarnt worden, dass vor allem der oberharz und die landschaft am brocken nicht mehr wirklich schön seien oder sich zumindest in den letzten jahren stark verändert hätten. nun haben wir ja ganz allgemein den vorteil, noch nie im harz gewesen zu sein, wir können uns also höchstens vorstellen, wie es hier ausgesehen haben mag, als die fichtenwälder noch sehr dicht und intakt waren. zusätzlich hatte ich uns schon von zuhause aus zu einer ranger-führung durch den nationalpark angemeldet. der am besten erreichbare startort war für uns torfhaus und dort ging es gestern um 10 uhr mit einer kleinen gruppe los. 

die rangerin führt uns mit ein paar zwischenstopps zum torfmoor - sie erklärte uns, dass es sich beim nationalpark harz um einen entwicklungsnationalpark handelt, dass es also darum geht, in einer jahrhundertelang intensiv durch menschliche eingriffe geprägten kulturlandschaft einen naturnahen lebensraum zu schaffen. wir erfuhren, dass der borkenkäfer, der die gepflanzten monokulturen, die durch sturm und trockenheit anfällig sind, momentan am stück in einen toten wald verwandelt, ganz natürlich zum leben des waldes und zur verjüngung der bestände gehört.  und wir bekamen noch einmal gezeigt, was wir an anderen orten schon selbst gesehen hatten: der wald verjüngt sich, neben fichten wachsen auch andere baumarten - hier oben weniger als weiter unten in den tälern, denn ab einer gewissen höhe ist die fichte der am besten angepasste baum. diese grenze verschiebt sich durch das insgesamt wärmere klima. 

im nationalpark werden ausser an den wegen die toten bäume einfach stehen gelassen, irgendwann brechen die wipfel, dann stürzen sie ganz um und dürfen liegen bleiben. dies hat zwei vorteile: das gewirr aus umgestürzten bäumen ist ein natürlicher schutz vor wildverbiss und wind für die jungen bäume und das verwitternde holz gibt dem boden nährstoffe zurück - anders als bei forstwirtschaftlicher nutzung, in der ja das holz aus dem wald herausgeholt wird. 

spannend wäre es sicher, in ein paar jahren wieder in den harz zu kommen und zu sehen, wie sich der wald und die landschaft dann wieder verändert haben. wir haben ähnliches schon einmal erlebt: in den frühen neunziger jahren waren wir im riesengebirge durch weitgehend toten wald gewandert, damals noch vor allem die folge von saurem regen durch das verbrennen von braunkohle. dieser hatte sich etwa fünfzehn jahre später wieder komplett erholt - allerdings war ja auch die massive luftbelastung durch den industriellen niedergang im osten weggefallen. 

all das heisst natürlich nicht, dass es keine klimakatastrophe gibt - es zeigt nur, dass die natur selbst in der lage ist, sich zu helfen, auszuweichen, ohne menschliche eingriffe sich zu erholen. sie verändert sich und passt sich an. vermutlich hat sie dabei deutlich weniger probleme - und zugleich den längeren schnauf - wie der mensch. 

der veränderte wald, der hier ja einer wirtschaftlichen nutzung entzogen ist (ausser natürlich der touristischen) bietet mehr lebewesen schutz und einen lebensraum als der wald als holzanbaugebiet - insekten, vögel, amphibien kehren in den wald zurück weil durch die offen liegenden flächen die vegetation vielfältiger wird und das nahrungsangebot breiter. der luchs wurde erfolgreich wieder angesiedelt und von einem gefürchteten konkurrenten zum wappentier des nationalparktourismus. 

auf dem hochmoor gibt es spannende pflanzen zu sehen.

zwischen dem erika gibt es ein paar moosbeeren.

und wir sehen einen sonnentau! so richtig in echt und ausserhalb eines botanischen gartens!

preisselbeeren gibt es auch. 

nach dreieinhalb stunden spannender führung sind wir wieder am ausgangsort zurück und es gibt ein bisschen brockenblick. 

da wollen wir auch noch hoch. 

heute nicht. wir verzehren unsere mitgebrachten brote mit blick auf den höchsten berg des harz und überlegen dann, dass wir das schöne wetter noch ein bisschen nutzen wollen. vom bus lassen wir uns bis königskrug bringen, wiederstehen nach kurzem zögern einem königlichen riesenwindbeutel und laufen durch den wald nach braunlage zurück.


nicht ganz auf direktem weg, denn da lockt noch der silbersee.

Freitag, 6. Oktober 2023

ferien im harz - #wmdedgt

alles zu #wmdedgt wie immer bei frau brüllen

ein ferienalltagstag. so etwas kann es nur geben, wenn man lange genug an einem platz bleibt und zwei wochen sind dafür offensichtlich genug. genaue zeiten kann ich ferienhalber trotzdem nicht bieten, dafür sind ferien ja da, damit man nicht dauernd auf die uhr schaut. 

also stehen wir irgendwann, nicht all zu spät, aber halt auch ohne zeit auf, weil wir heute ausnahmsweise keinen bus erwischen müssen. kai geht zum bäcker gegenüber und holt frisches brot, ich lüfte derweil die ferienwohnung und bereite das frühstück vor. es gibt heute von allem nur noch reste, denn wir müssen mal wieder einkaufen. 

das machen wir als nächstes. nach einem vergeblichen ersten versuch, den metzger zu finden, in dessen restaurant wir vorgestern gegessen haben, schauen wir dann doch mal nach. ach, der metzger ist da, wo auch die supermärkte sind. also ziehen wir wie geplant mit den rädern in diese richtung los. wir versuchen, möglichst lokales einzukaufen, am ende haben wir wieder genügend wurst und schinken und auch schon eine geplante mahlzeit für einen der nächsten tage. 

gegenüber gibt es einen getränkemarkt, das angebot ist ziemlich klein. aber es gibt eier und apfelsaft. für den rest gehen wir dann doch noch in den supermarkt und haben am ende für drei mahlzeiten und getränke für die nächsten tage eingekauft. wir verstauen alles in der ferienwohnung und ziehen uns für eine weitere runde mit dem fahrrad um. heute braucht es handschuhe, mütze und einen dicken pullover zum radeln. 

wir starten in richtung südosten und folgen einem weg entlang des tals der warmen bode. am schon lange geschlossenen cafè silberfuchsfarm müssen wir uns entscheiden: entweder wenden wir uns nach norden und radeln richtung wurmberg, oder wir folgen weiter der warmen bode und schauen, wohin uns der weg führt. da hier die ehemalige deutsch-deutsche grenze verläuft, müssen wir uns für eine flussseite entscheiden und bleiben am flüsschen. unterwegs sehen wir zwei mal ein kreuz als erinnerung an menschen, die hier beim versuch über die grenze zu kommen von minen getötet wurden. 


schliesslich treffen wir wieder auf die ehemaligen gleise der südharz-eisenbahn und folgen ihnen weiter bis nach sorge und tanne. 


in tanne wäre ein stück kuchen und kaffee schön gewesen, aber das eiscafé hat diese woche einen anderen ruhetag wegen des feiertags anfang der woche und im bauernhofcafé hat gerade ein reisebus station gemacht und wir werden ohne reservierung - wie schon öfter - gleich wieder rauskomplimentiert. da hilft es auch nicht, dass andere gäste angeboten haben, dass wir uns zu ihnen setzen könnten oder ohnehin gerade gehen wollten. bei den rädern holt uns die unfreundliche servicekraft noch mal ein, weil sie nun doch noch einen freien tisch gefunden hat. wir haben uns aber mittlerweile mit unserem notproviant ganz gut arrangiert, was wir ihr auch gerne mitteilen. 

nun führt uns der weg unserer stück für stück geplanten route weiter nach elend (ja, die orte heissen wirklich so). 

laut karte durch den wald, tatsächlich wieder über weite strecken durch offenes gelände. 

in elend finden wir eine verschlossene kleinste holzkirche deutschlands vor (kompetitiv ist man hier sehr gerne) und auch kein café. zurück nehmen wir eine kleine strasse in südlicher richtung, die immer wieder mal von der harzquerbahn gekreuzt wird, aber wir hören die dampfeisenbahn nur aus der ferne und bekommen sie nicht zu gesicht. ab sorge radeln wir wieder den bekannten weg zurück, nur jetzt mit reichlich gegenwind und allmählich gut durchgekühlt. 

beim bäcker hole ich zwei stück kuchen, während kai schon mal die kaffeemaschine anwirft, dann machen wir es uns in der ferienwohnung gemütlich. selbst für einen besuch in schwimmbad oder in der sauna sind wir zu faul und lesen und schreiben und vertreiben uns die zeit mit planung der weiteren ferientage bis wir zum abendessen aufbrechen. 

in einem umgebauten stall mit dezentem skihüttenambiente (hier gibt es wintersport, aber es ist halt schon ein wenig irritierend, dass skihütte überall gleich aussieht, auch wenn man recht weit von den alpen entfernt ist) essen wir ganz gut zu abend, sieht man mal von meinem versalzenen risotto ab. (das hätte ich jetzt beinahe nicht geschrieben, denn so langsam habe ich das gefühl, dass mit all den missgeschicken des tages vermutet werden könnte, dass es kein schöner tag war, was aber nicht richtig wäre, denn es war ziemlich entspannt und für den versalzenen risotto bekamen wir immerhin anschliessend einen sehr leckeren marillenschnaps als trost.) 

wir sind nicht all zu spät in der ferienwohnung, und auch nicht spät im bett, morgen klingelt dann wieder der wecker, denn wir müssen einen bus erreichen. 

ach ja, und wenn sie jetzt zufällig über #wmdedgt bei mir in den ferien gelandet sind, können sie gerne ein bisschen nach hinten oder in den nächsten tagen dann auch nach vorne lesen, die ferien im harz sind spannend!




Donnerstag, 5. Oktober 2023

ferien im harz - ein tag in wernigerode

nach ein bisschen sturm und viel regen gestern nachmittag begann der tag eher verhangen. egal, unsere pläne waren gemacht und die sahen einen ausflug nach wernigerode mit dem bus vor. eine knappe stunde liessen wir uns also durch den oberharz schippern, bevor es hinunter in das städtchen ging. 

uns erwartete eine sehr, sehr schön hergerichtete altstadt, nach nutzung von passendem bancomat und abstecher in einen süssigkeitenladen machten wir uns auf den weg zum schloss. 

wir wählten einen eher steilen anstieg, so dass das schloss erst spät so richtig in sicht kam. mittlerweile war der himmel ganz blau, in der sonne die temperatur warm, aber es wehte ein kühler wind. 

wir hatten uns ein wenig über die schlossbesichtigung informiert, führung gab es keine, aber auf der website des schlosses wurde eine app angepriesen, die auf dem weg durch das schloss auskunft geben sollte. es gab allerdings keinen downloadlink, so dass wir uns an der kasse nach dieser app erkundigten und eine mehr als seltsame antwort bekamen: die app funktioniere zur zeit nicht, wegen bauarbeiten. 

ein paar schritte weiter, beim betreten des schlosshofs fanden wir dann eine tafel, auf der die nutzung dieses elektronischen guides erklärt wurde - inklusive w-lan zugang und qr-code. und auch wenn das w-lan nicht super schnell war, die aufgerufene website (keine app) bot einen guide durchs schloss. mehr informationen allerdings die gelben din a4 blätter in einzelnen räumen.



der innenhof bietet schon ein ganzes sammelsurium an verschiedenen baustilen, was allerdings nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass das schloss, so wie es jetzt da steht, erst im neunzehnten jahrhundert im stil des historismus von otto von stolberg-wernigerode gebaut wurde. immerhin an traditionsreichem ort, hier stand schon seit dem mittelalter eine höhenburg, die von deutschen königen und kaisern als etappe genutzt wurde. 

in den räumlichkeiten, die man auf zwei führungen erkunden kann, ist fotografieren verboten, keine ahnung warum. der erste durchgang führt durch die räume der schlossherrin und des schlossherrn und zeigt deren enge verbindung zum deutschen kaiserreich. auf dem zweiten rundgang kommt man dann durch die räume, die für den könig reserviert waren, wenn er auf der burg weilte. allesamt nicht so wahnsinnig prunkvoll, nicht einmal die festtafel, die den mittelpunkt des zweiten rundgangs ausmacht, dafür aber vorstellbar gemütlich. 

am ende hab ich dann doch noch verbotenerweise fotografiert: 


 eine bleistiftskizze vom wernigeroder rathaus - und für mich eine übung im kurrentschriftlesen. (ich löse mal auf für sie: der eine macht's, der andere betracht's, der dritte acht's, der vierte verlacht's, was macht's?) 

 


über dem harz hielten sich hartnäckig die wolken, während wir in den gartenterrassen des schlosses in der sonne sassen. die höchste erhebung ist der brocken, der war am morgen noch komplett von nebel verhüllt gewesen. 

dann ging es wieder hinunter ins städtchen für uns - wir wollten nach nougatverkostung noch souvenirs besorgen, konnten den gleich am ersten urlaubstag verlorenen kameradeckel ersetzen und noch ein paar erledigungen machen. wir assen eine thüringer bratwurst und waren schlussendlich auf der suche nach einem ort für ein getränk auch noch erfolgreich. kurz vor sechs fuhr unser bus zurück nach braunlage - vom busfahrer angeraunzt, dass immer alle den letzten bus nähmen, standen wir die halbe strecke über die berge. und trotzdem - es geht hier auch ohne auto, das schon den vierten tag in folge in der tiefgarage stehen geblieben war.