Donnerstag, 16. Juli 2020

15. juli 2020 - museé tinguely und basel

ein bisschen hatte wir es schon bereut, für den heutigen tag gleich wieder einen langen ausflug angesetzt zu haben, aber erstens hatte ich schon ein bahnticket gekauft und zweitens hatten wir nach führungen ausschau gehalten, und die finden halt nur am wochenende oder am mittwoch statt. also fuhren wir heute per bahn nach basel und spazierten vom hauptbahnhof über den rhein zum tinguely-museum.

ähnlich wie das haus konstruktiv ist das tinguely museum auch so eine art lieblingsmuseum. wir schauen bei beiden häusern immer mal wieder, ob uns eine ausstellung interessiert oder wir gehen sogar hin, um zu sehen, was da wieder auf die beine gestellt wurde und ob uns das interessieren könnte. die aktuelle ausstellung "amuse bouche - vom geschmack der kunst" gehört in eine reihe, in der das museum die verschiedenen sinne, mit denen wir kunst zu erfassen in der lage sind, der reihe nach beleuchtet. der reihe nach bedeutet in diesem fall von den niederen sinnen (riechen, tasten, schmecken) zu den höheren (hören und sehen). 2015 sahen wir "belle haleine - vom geruch der kunst" (ich habe fotos, bin aber sicher, dass ich nicht im blog darüber schrieb), 2016 verpassten wir «prière de toucher – der tastsinn der kunst», heute also der geschmackssinn.

wir konnten uns noch gut erinnern, dass die nähe und dichte der besucher uns schon beim thema riechen an den rand unserer hygienischen toleranz gebracht hatte, wie ein geschmackserlebnis in einer ausstellung möglich sein sollte zu zeiten von corona war uns aber nun aber vollkommen schleierhaft. nichts anfassen! ist ja momentan eine devise, die etwas moderner angelegte museumserlebnisse quasi verunmöglicht (was in der aktuellensituation sinnvoll ist!). aber eben nur quasi und deshalb hatten wir uns zur führung angemeldet.

um sicher zu gehen, dass wir bei der auf 15 personen begrenzten veranstaltung dabei sein konnten, waren wir schon recht früh im museum, dafür sahen wir dann auch noch ein bisschen tinguely:



diese krachmachmaschine hatten wir entweder sehr lange nicht gesehen oder überhaupt noch nie.

(im hintergrund auf dem ersten bild kann man übrigens bereits eine der installationen der geschmacksausstellung sehen, deren fortführung corona verhindert hat: e.willing hat hier auf der kompletten wand pfeffernüsse aufgeklebt, die von den ausstellungsbesuchern angeknabbert werden durften. "goosebumps" ist der titel, die kann man aber bei der vorstellung auch recht leicht bekommen.)

ausserdem blickten wir noch in das obere stockwerk und lernten so die arbeiten des mexikaners pedro reyes kennen - er hat für das museum tinguely eigens eine installation aus im mexikanischen drogenkrieg konfiszierten waffen geschaffen, die nun musik machen:


nach einem kaffee im museumsrestaurant ging es dann endlich mit der führung los.


startpunkt der führung war draussen vor dem museum, dort standen auch schon für alle teilnehmenden kleine säckchen bereit, die das geschmackserlebnis trotz corona ermöglichen sollten.

zuerst gab es blumen zu schmecken - aus dem hortus delicarum der künstlerin marisa benjamin. dazu stehen eigens blumenbeete vor dem museum, unser blümchen kamen aus eigens gepackten plastikbeutelchen.


drinnen gab es auch noch fliesen mit blumen - mir alles zu naheliegend und lieblich, aber sicher nett für alle, die noch nie blüten und blätter direkt aus der natur gegessen haben. ganz ähnlich ging es mir mit den wasserdestillaten von claudia vogel unter dem titel "tastescape", die wir auch probieren durften. es gibt halt verschiedene verfahren geschmäcker herauszudestillieren, nicht umsonst wird da nicht nur wasser, sondern auch alkohol oder öl verwendet. mich erinnert das ein bisschen an die gänseblümchensuppe, die wir als kinder beim spielen "kochten".

muttermilchbutter, schon spannender, und dann diese beiden büsten.


die künstlerin janine antoni selbst als büste, einmal aus schokolade, einmal aus seife. die schokoladige version ist durch ablecken ihrer konturen beraubt worden, diesmal aber nicht vom publikum, sondern von der künsterlin selbst.

weiter ging es mit klassischen abbildungen im stil der fruchtstilleben des barock, ergänzt und gebrochen durch sam taylor-johnsons still life, einem videofilm, bei dem man einem korb mit aprikosen und anderem obst beim allmählichen vergammeln zuschauen kann. gut gefiel mir, dass mit dieter roths schimmelbild, esskunst von meret oppenheim und daniel spoerri auch künstler_innen aus dem fast schon klassischen repertoire der modernen kunst zu sehen waren.


die ausstellung ist nach geschmacksrichtungen gegliedert, so wandert man von süss über bittersüss, salzig, umami, bitter, sauer zu geschmacklos. na, auch ein bisschen doppeldeutig.
vieles vom ausgestellten entwickelte sich bis zur schliessung des museums im märz auch durch die besucher weiter, so auch die wand mit den schöggeli. für uns gab es eins aus dem säckchen - auch ein erlebnis, in einer ausstellung schokolade zu essen.

nach der führung machten wir noch einen kleine extrarunde durch die ausstellung und konnten so das wichtigste organ für den besuch fotografieren:


urs fischers "noisette" genannte zunge schnellt, von einem bewegungsmelder gesteuert, aus der aufgebrochen ausstellungswand. ein bisschen lustig, ein bisschen eklig, ein bisschen obszön? halt schon ein eher niedriger sinn, dieser geschmackssinn?!

nutzen sie die gelegenheit, die ausstellung ist noch bis zum 29.7. verlängert, es lohnt sich wirklich. ausserdem ist basel schön wie eh und je, und sehr ruhig in diesem sommer 2020.

wir spazierten nach dem museumsbesuch nur noch bis zum wettsteinplatz, erwarben unterwegs noch ein souvenir (fische - wenn die nicht zu basel passen, was dann?) und besichten den markt am wettsteinplatz, dann ging es via tram und zug wieder zurück nach baden.
zuhause nur noch ein schnelles abendessen aus tomaten und mozzarella, dann waren wir alle ein bisschen erschlagen. ich arbeitet noch ein wenig am aktuellen newsletter, der kommt dann auch demnächst.

gelesen: joan aiken, anderland

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